Großbritannien - Irland
Großbritannien
Landesdaten: 229.270 qkm • Ausd. 900 x 350 km • 56 Mio. Einwohner • 244 Ew./qkm
Land
Zwar ist Großbritannien streng genommen eine Insel, aber es ist schon eine ganz ordentliche Landmasse, die sich da nördlich des Kanals auftut. Den schuf übrigens erst die letzte Eiszeit. Weshalb Südost-England der gegenüberliegenden Normandie ähnelt, und auch die westenglischen Mittelgebirge geologisch mit der französischen Bretagne verwandt sind.
Grossbritanniens bergigste und wasserreichste Region ist Schottland. Dort kann man auch den höchsten Gipfel der britischen Insel als Superlativ für sich reklamieren: Ben Nevis, 1343 m. Historisch war Schottland aber eher ein Land des Mangels, und hatte außer der Sprache wenig mit England gemein.
Nur ein Zehntel des britischen Inselreichs ist bewaldet. Im Osten und Norden sind es überwiegend Neuaufforstungen mit Föhren und Fichten (Low- und Midlands, Northumberland), im Westen auch alte Waldgebiete (Dartmoor, Südwales). Parkähnliche Landschaften aus Baumreihen und Hecken, Äckern und Grasland dominieren in Süd- und Mittelengland und heißen oft Forest. Ursprüngliche Landschaften haben sich vor allem in den unwirtlichen Teilen Schottlands erhalten, besonders in den Moorgebieten der Highlands. Wahre Vogelparadiese sind die schottischen Küsten.
und Leute
Französische Kelten, skandinavische Normannen, Angeln und Sachsen aus Germanien – alles Urahnen der Briten. Englisch, ursprünglich die Sprache der Bauern, wurde erst nach dem verlorenen Hundertjährigen Krieg gegen Frankreich salonfähig (14./15. Jh.).
Die große Zeit der Briten kam mit der Entdeckung Amerikas. Grossbritannien wurde zum Mittelpunkt des Austausches zwischen Alter und Neuer Welt. Das Land ist ähnlich dicht besiedelt wie Deutschland. Allerdings leben neun Zehntel der Bevölkerung in den Städten, so dass die ländlichen Regionen vergleichsweise dünn besiedelt sind.
per Rad erleben
Der moderne Tourismus und das Fahrrad – beides wurde in Großbritannien erfunden. Logisch dass es auch ein Engländer war, der als erster mit dem Hochrad um die Welt radelte (Stevens). Trotzdem hatte das Fahrrad insgesamt wenig Freunde in Grossbritannien. Die naturgegebenen Umstände waren ja auch nicht so supergünstig fürs Rad fahren. Man nutzte das Rad deshalb entweder sportlich oder gar nicht. Das änderte sich mit der Initiative Sustrans (Sustainable Transport), die das Fahrrad seit den 1980er Jahren als umweltschonendes Fortbewegungsmittel propagiert. Flaggschiff ist das National Cycle Network, das mittlerweile 15.000 km nationale Radrouten verwirklicht hat, die natürlich auch Besucher aus dem Ausland anlocken sollen.
Irland
Landesdaten: 83.768 qkm • Ausd. 430 x 280 km • 5,1 Mio. Einwohner • 61 Ew./qkm
Land
Zur Geographie Irlands: Bis an die offene Küste reicht das zentrale Tiefland jeweils im Westen und Osten, verwitternde Mittelgebirge begrenzen die Lowlands hingegen nach Süden und Norden. Höchste Erhebungen in der Nordhälfte sind Slieve Donard (852 m) und Nephin (807 m), in der Südhälfte Carrauntoohill (1041 m) und die Wicklow Mountains (925 m). Einem Puzzle gleicht die Westküste, wo nach der letzten Eiszeit der gestiegene Meeresspiegel die Flußmündungen überflutete, die nun tiefe Buchten in der klippenreichen Küste bilden. Auch das Inselinnere wurde durch die Eiszeit umgestaltet. Neben Findlingen und Drumlins (gälisch: kleine Hügel) hinterließen die Gletscher Bergseen, Deckenmoore und hügelige Moränenzüge in der Tiefebene. Die einst riesigen irischen Laubwälder zersägten die Besatzer ihrer Majestät für den Bau der Cromwellschen Eroberungsflotte (17. Jh.). Allen Neuaufforstungen zum Trotz sind daher nur 5 % der Inselfläche bewaldet.
und Leute
Obwohl Irland so intensiv grün ist, eignen sich die meisten Böden nur für Weidewirtschaft und Torfgewinnung. Bei der großen Hungersnot im 19. Jh. starben eine Million Menschen, eine weitere Million wanderte aus. Entsprechend dünn besiedelt ist heute die Republik Irland, vergleichsweise dicht das von englisch-schottischen Einwanderern dominierte Nordirland. Die ab dem 17. Jh. angesiedelten Protestanten wollen die Union mit Großbritannien beibehalten, die katholischen Ur-Iren wollen die Vereinigung mit dem Rest der irischen Insel. Jahrzehntelang befand sich Nordirland deshalb im Bürgerkrieg.
Allgemeine Amts- und Umgangssprache ist Englisch. Zweite Amtssprache der Republik Irland ist Gälisch – eine Sprache, die mit 16 Buchstaben auskommt und nur noch von 3 % der Bevölkerung gesprochen wird (ein Fünftel besitzt immerhin Grundkenntnisse). Die gälischsprachigen Regionen – Gaeltacht genannt – liegen überwiegend in West-Irland und erfreuen sich intensiver staatlicher Förderung.
per Rad erfahren
Irland gehört zu den Ländern, in die man sich als Radler entweder verliebt – oder eben nicht. Dieter Schmidt: „Aus einer Verkettung unglücklicher Umstände habe ich meine letzte große Radtour nach nur 200 km auf der Dingle-Halbinsel abgebrochen. Starker Verkehr, Sturm, Regen, steilste Passstraßen, Knieprobleme, schlechter Straßenbelag, falsche Bereifung, unlesbare gälische Wegweiser und chronischer Ersatzteilmangel brachten mich zu diesem Entschluss. Irland hat sich mir nicht als das Radfahrerparadies gezeigt, als das es in vielen Reiseführern gepriesen wird.“
Nie wieder Irland also? Die meisten Irlandradler sehen das anders. Tatsächlich sind die Voraussetzungen für individuelle Radtouren gut, gelegentliche Flüche nicht ausgeschlossen. Wichtig ist nur, dass die Motivation stimmt. Denn durch Irland radeln heißt: Näher dran sein an Natur, Wind und Wetter. An Straße, Land und Leuten. An tausend Mal Grün. Was die Tourenplanung angeht, halten sich viele an die Parole: „The West ist the Best!“ Tatsächlich entspricht vor allem der Westen den gängigen Irland-Erwartungen. Dennoch ist dies kein Grund, den großen grünen Rest außer Acht zu lassen. Zumal es dort auch wettermäßig immer ein bis zwei Ticks gemütlicher ist.
Torfstecher in den Midlands. Torf wird/wurde in Irland traditionell zum Heizen und Kochen verwandt, nicht jedoch wie in Schottland zum Whiskey brennen. Die irischen Brennereien nehmen Holzkohle, die macht den Whiskey (mit "e") weicher.



