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Artikel

Hier einige deutsche Zeitungsartikel über Tupac aus dem Kölner Stadtanzeiger, Der SPIEGEL und Die ZEIT. Leider ist an den meisten wieder einmal erkennbar, wie fehlbar die Medien doch sein können (Korrekturen in eckigen Klammern).

Rap-Hit als Mord-Motiv?

Grundsatz-Prozeß in den USA

[vom 19.09.1992]

(exp/Houston) Ein amerikanisches Geschworenen-Gericht wird sich erstmals in der US-Rechtsgeschichte mit der Frage auseinandersetzen müssen: Kann Musik ein Mord-Motiv sein? Sind gewaltverherrlichende Songs durch des Grundrecht auf freie Meinungsäußerung geschützt, oder gelten sie als gemeingefährlich?
Der Fall: Der Texaner Ray Howard (19) war in einem geklauten Auto erwischt worden, erschoss bei der Verkehrskontrolle einen Polizisten. Unter dem Einfluß der Rapmusik der Kassette "2Pacalypse Now", auf der ein Lied der in den Staaten populären Gruppe Tupac Amaru Shakur [selbstverständlich falsch: Gruppe] zu hören ist, behauptete die Witwe des Opfers. Die Kassette mit den 13 gewaltverherrlichenden Liedern wurde nach der Tat sichergestellt.
Erst vor wenigen Wochen hatte das Unternehmen "Time Warner" nach einer Protest-Welle das Album der Band Ice-T [ebenfall falsch: keine Band] vom Markt genommen.

Rap-Star "2PAC" angeschossen

[vom 01.12.1994]

Am letzten Wochenende sollte Tupac Shakur (23) in Köln rappen - wurde aber vorher vorübergehend verhaftet. Gegen ihn wird derzeit wegen sexuellen Missbrauchs ermittelt. Jetzt wurde der als "'pac" bekannte Star in New York angeschossen. Vor einem Musikstudio in Manhatten feuerten Unbekannte auf den 23-jährigen, verletzten ebenfalls zwei seiner Begleiter. Alle außer Lebensgefahr.

Tod eines Rappers

Die amerikanische HipHop-Szene spaltet sich in verfeindete Lager: Ostler und Westler
Tupac Shakur: "Ich habe zwei Nigger in mir"

[aus "Die ZEIT"]

Am 13. September erlag der amerikanische Rapper Tupac Shakur, bekannt als 2Pac, seinen Schussverletzungen. Eine Woche zuvor war er in Las Vegas in ein drive-by shooting geraten, eine Schießerei im Vorbeifahren. Er kam vom Boxkampf Mike Tyson gegen Bruce Seldon, Unbekannte nahmen seine Limousine auf dem Las Vegas Strip unter Feuer.
Shakur war einer der erfolgreichsten Rapper. Sein fünftes und letztes Album "All Eyez On Me" verkaufte sich mehrere Millionen Male und schaffte den Sprung von Null auf Platz eins der amerikanischen Hitparade. Der 25-jährige profilierte sich in Filmen wie "Juice", "Poetice Justice" und "Above The Rim" auch als Schauspieler.
Tupac war kahlgeschoren und tätowiert. Rap bedeutete ihm Härte. Er galt als unberechenbar und angriffslustig. Seine Wutausbrüche richteten sich gegen die rassistische US-Gesellschaft, gegen seine neidischen Rap-Konkurrenten und auch gegen sich selbst: "Ich habe zwei Nigger in mir", sagte er einmal.
Shakur wurde der Vergewaltigung an einer ehemaligen Geliebten für schuldig befunden. Dafür wanderte er ins Gefängnis und kam erst wieder frei, als Plattenboss Suge Knight für ihn die Kaution bezahlte. Zum Dank veröffentlichte Shakur "All Eyez On Me" auf auf Knights Plattenlabel "Death Row Records". Das Label verdient seit über drei Jahren etliche Millionen Dollar mit umstrittenen Rap-Stars wie Snoop Doggy Dogg oder Dr.Dre und gilt als Hochburg des Gangsta-Raps. In unzähligen "Death Row Records"-Songs wird das Leben von Gangstern, Drogendealern und Gangmitgliedern beschrieben und glorifiziert.
Auch Suge Knight, dem Verbindungen zur Unterwelt nachgesagt werden, wurde bei dem Überfall auf dem Las Vegas Strip verletzt. In den US-Medien wird jetzt spekuliert, da es sich um einen Anschlag einer verfeindeten Rap-Plattenfirma handeln könnte. "Death Row Records" aus Los Angeles liegt nämlich im Clinch mit "Bad Boy Records" aus New York.
Als Tupac Shakur im November 1994 in New York schon einmal von mehreren Kugeln getroffen wurde, beschuldigte er den "Bad Boy"-Betreiber Sean "Puffy" Combs und dessen Rap-Star Biggie als Auftraggeber des Attentats.
Im September 1995 wurde ein Freund von "Death Row"-Boss Knight in Atlanta erschossen. Auch Knight bezichtigte "Bad Boy Records" der Tat.
Beide Lagerdrehten Videos, in denen Doppelgänger der gegnerischen Seite lächerlichgemacht oder misshandelt wurde. Und Tupac Shakur behauptete in einem Interview, mit der Ehefrau von Biggie ein Verhältnis zu haben.Die Fehde zwischen "Death Row" und "Bad Boy" hat ihren Ursprung in einer alten Rivalität zwischen den Rap-Szenen der West- und Ostküste.
An der Ostküste klingten die Rap-Songs spröde und experimentell, wie dunkle Dokumentationen des Großstadtlebens. Kalifornische Rapper hingegen baden gerne in wohligen Harmonien und modernisieren alte Funk-Melodien mit extra fetten Bässen und Obszönitäten. In New York, der Geburtsstätte des Raps und der HipHop-Kultur, gibt es seit jeher starke Vorbehalte gegen die musikalische Glorifizierung des Gangstertums.In Los Angeles dagegen sind die Rapper pragmatisch: Sex und Gewalt verkaufen sich nun einmal gut.
Die meisten Fans von Tupac Shakur und anderen Gangsta-Rappern sind weibliche Jugendlichen aus ruhigen amerikanischen Vorstädten. Sie kennen die Ghettos und drive-by shootings nur aus dem Fernsehen und goutieren Rap-Songs als musikalische Cowboy- und Indianerspiele. Da die auch Todesopfer fordern, macht das Genre für diese Kategorie von Fans vermutlich noch attraktiver.
Den afroamerikanischen Rap-Fans in den Ghettos, die täglich Gewalt und Gegengewalt erleben, ist der Spass an solchen Machtspielen längst vergangen. Ob der Tod von Tupac Shakur die desperaten, schiesswütigen Machos in den Ghettos zur Besinnung bringt? Der Rap-Millionär Dr.Dre bezweifelt es: "Schon bald wird es nicht mehr möglich sein, dass Nigger von der Ostküste an die Westküste kommen und sicher sind. Und vive versa."

Schüsse auf Rap-Star "2Pac"

Gangster-Musiker legte sich mit Fans der Konkurrenz an - lebensgefährlich verletzt

[vom 10.09.1996]

(exp/Las Vegas) Er liebt fingerdicke goldene Ketten, starke Sprüche und sein Image als Bösewicht der Rap-Musik. Tupac Shakur (25), der Junge aus dem Ghetto, der zum Star wurde. Als "2Pac" verkaufte er fünf Millionen Exemplare seiner CD "All Eyez On Me".
Doch den harten Gangster spielt er nicht nur auf der Bühne - 1995 wurde er wegen Gruppenvergewaltigung einer 21-jährigen verurteilt.
Am vergangenen Mittwoch schlug er wieder zu. In New York legten sich "2Pac" und seine Bodygurds mit den Fans einer konkurrierenden Rap-Gruppe an. Der 2Pac-Clan gewann das Gefecht - doch der Krieg ging weiter.
Schauplatz Las Vegas, Samstag Nacht: Zehn schwarze BMW Limousinen fahren über den "Strip" der Spielermetropole - 2Pac und ausgesuchte Freunde auf dem Weg in einen eigens gemieteten Nachtclub. Doch plötzlich rauscht ein Cadillac heran. Ohne Warnung wird das Feuer eröffnet: Die Rache der New Yorker Rap-Gang [bis heute nicht geklärt]. In seinem Wagen bricht der Rapper zusammen, wird lebensgefährlich verletzt. In der Klinik kämpfen die Ärzte um sein Leben.
Für "2Pac" fast Routine: 1994 wurde er von fünf Kugeln aus den Gewehren einer Räuberbande [ebenfalls fraglich] niedergestreckt. Der Star lag wochenlang im Krankenhaus [falsch].

Rap-Musiker Lungenflügel entfernt

Zustand nach Schüssen in Las Vegas

[vom 11.09.1996]

(Las Vegas) Dem amerikanischen Rap-Star Tupac Shakur ist nach der schweren Schussverletzung, die er bei einem Überfall in Las Vegas erlitten hatte, der rechte Lungenflügel enfernt worden. Ärzte der Universitätsklinik bezeichneten den Zustand des 25-jährigen als kritisch. Die Hintergründe der Tat liegen im Dunkeln. Shakur war von vier Schüssen in die Brust getroffen und lebensgefährlich verletzt worden.
Nach angaben der Polizei brachten Zeugenaussagen noch keine Klarheiten über das Verbrechen. Ein Polizeisprecher sagte, die Zeugen hätten sich wenig kooperativ gezeigt. Shakur war mit einer Managerin seiner Plattenfirma "Death Row Records" [falsch, mit dem "Death Row Records"-Boss Marion "Suge" Knight] in einem schwarzen BMW in Las Vegas zu einem Nachtclub unterwegs gewesen, als auf ihn geschossen wurde. Zuvor hatten die beiden den Weltmeisterschaftsboxkampf des Schwergewichtlers Mike Tyson gegen Bruce Speldon besucht. Auch die Managerin wurde verletzt [siehe oben].

Mehrfach Konflikte

Shakur gilt als einer der exzentrischsten und erfolgreichsten Vertreter des "Gangsta-Rap". Er hatte erst im Frühjahr diesen Jahres sein jüngstes Erfolgsalbum "All Eyez On Me" auf den Markt gebracht. Davon wurden bereits mehrere Millionen Exemplare verkauft.
Der Sänger und Schauspieler ist bereits mehrfach mit dem Gesetz in Konflikt gekommen. Wegen eines Sexualdeliktes verbrachte er acht Monate im Gefängnis und wurde 1995 auf Bewährung entlassen. Weil Shakur gegen Bewährungsauflagen verstieß, ordnete ein Richter im April an, er müsse weitere 120 Tage absitzen. Der Rapmusiker wurde auch wegen Überfalls auf einen Musikvideo-Produzenten im Jahre '93 und Tragens einer geladenen Waffe verurteilt.
Im November '94 war der Rapper bei einem Raubüberall [zumindest wurde das so ausgelegt] in einem New Yorker Plattenstudio fünfmal angeschossen worden. Die Täter raubten Schmuck im Wert von 60.000 Mark.

Rap-Star Tupac: Zeuge erschossen

[vom 15.11.1996]

(exp/Las Vegas) Vor fünf Wochen [falsch, ca. 9 Wochen] wurde Rap-Star Tupac Shakur (2Pac) in Las Vegas erschossen. Nun ist auch Tupacs Freund, Yafeu Fula, Opfer eines Mordanschlages geworden [laut Tupacs Gruppe "Tha Outlawz" war es kein Anschlag, sondern ein Unfall]. Der 19-jährige hatte mit Tupacs Leibwächtern im Auto gesessen, die Schüsse auf den Rapper beobachtet. Er galt als wichtiger Zeuge. Vermutlich sein Todesurteil, so die US-Polizei.

Tödlicher Irrtum: Gangster wollte seinen Manager ermorden

Killer trafen Falschen: Rap-Star Tupac tot!

[vom 15.09.1996]

(exp/Las Vegas) Es war nicht das erste Mal, dass auf ihn geschossen wurde. Doch diesmal konnte kein Arzt das Leben des 25-jährigen Rap-Stars Tupac ("2Pac") Shakur retten. Eine Woche lang hatte er im Koma gelegen. Jetzt ist er tot.
Las Vegas, am vergangenen Wochenende: "2 Pac" sieht sich den Boxkampf zwischen Mike Tyson und Bruce Seldon an. Anschließend fährt der Rapper mit Marion "Suge" Knight, dem Chef seiner Plattenfirma, den Strip entlang zu einem Nachtclub.
Plötzlich Schüsse. Aus einem entgegenkommendem Wagen [falsch, aus einem überholenden Wagen] wird auf Tupacs Limosine gefeuert (Express berichte). Mehrere Kugeln zerfetzen seine Brust, bleiben in der Lunge stecken. Knight erwischt ein Streifschuss an der Schulter [falsch, am Hinterkopf/Nacken].
Zwei Notoperationen sollen das Leben des berühmten Rappers retten. Doch die Verletzungen sind zu stark. Mit dem Einverständnis seiner Angehörigen schalten die Ärzte schließlich die Beatmungsmaschine ab.
Tupac Shakur, der als "2Pac" berühmt wurde: Von seinen CDs und Singels wurden 20 Millionen verkauft. Seine Musik, seine Texte spiegelten die gewalttätige Seite des amerikanischen Alltags wieder.Und dafür wurde er angefeindet. Man warf Shakur Gewaltverherrlichung und Sexismus vor.
Shakur wusste, wovon er rappte. Eine Schießerei, Angriffe auf Polizisten, mehrere Schlägereien gingen gingen auf Shakurs Konto, so die Polizei. 1994 wurde er wegen Vergewaltigung verurteilt, kurz darauf angeschossen.
Manager Knight holte Shakur gegen eine Millionen [falsch, 1,4 Mio. Dollar] Kaution aus dem Knast - und verpflichtete ihn für sein berüchtigtes Plattenlabel "Death Row". Mit Stars wie Snoop Doggy Dogg, Dr. Dre und MC Hammer war der kalifornische Drogen-Fan Knight zum Multimillionär geworden. Und zur Hassfigur der US-Rap Szene.
"Auf mich ist Kopfgeld ausgesetzt", protzte Knight immer wieder. Erst vor kurzem war ein Freund Knights erschossen worden. Nun vermutet die Polizei: Der Anschlag sollte Knight töten. Und Shakur - saß einfach in der Schusslinie.

Gangsta-Rapper starb nach Schussverletzung

Tupac Shakur war erfolgreich und umstritten

[vom 16.09.1996]

(Las Vegas) Eine Woche nach dem spektakulären Mordanschlag ist der amerikanische Rap-Musiker Tupac Shakur in Las Vegas an den Folgen seiner Schussverletzung gestorben. Der 25-jährige schwarze Musiker, einer der erfolgreichsten und umstrittensten Stars des "Gangsta Rap", hatte am Samstag vor einer Woche den Boxkampf zwischen Mike Tyson und Bruce Seldon in Las Vegas gesehen, als ihn bei einem anschließenden Autokorsa in seinem Fahrzeug eine Kugel in die Lunge traf. Aus einem vorbeifahrenden Wagen war das Feuer auf Shakur und seinen Produzenten Marion "Suge" Knight eröffnet worden, der mit einem Streifschuß davonkam. Shakur starb am Freitag abend [eher nachmittag].
Shakur war in der Vergangenheit wiederholt mit dem Gesetz in Konflikt geraten. Allein in den letzten drei Jahren wurde der Rap-Star mindestens sechsmal festgenommen. Er griff Polizisten an, stand 1994 wegen sexueller Mißhandlung einer Bewunderin in New York vor gericht und wurde während des Verfahrens bei einem Raubüberfall schwer verletzt. Wegen des Sexualverbrechens verurteilt, verbüßte Shakur acht Monate Haft.
Parallel machte er mit seinen von Gewalt und Obszönitäten geprägten Songs Karriere. Dabei stieß er zugleich immer wieder auf scharfe Kritik bei Familienorganisationen und Politikern. Trotzdem wurde allein sein letztes Album "All Eyez On Me" rund fünf Millionen mal verkauft. "Me Against The World" (1995) war fast genauso erfolgreich. Der 25-jährige hat in zahlreichen Liedern das Leben als Krimineller als verzweifelte Antwort aus Rassismus, Polizeibrutalität und die Armut in den schwarzen Ghettos porträtiert.
Wegen der Tat wurde bisher noch niemand festgenommen. Die Polizei schließt nicht aus, dass die Schüsse dem Produzenten Knight gegolten haben. Ihm werden Verbindungen zu Straßenbanden in Los Angeles nachgesagt. Außerdem soll er den Besitzer einer anderen Plattenfirma bedroht haben, um Künstler abzuwerben. Knight selbst hat wiederholt damit geprahlt, dass Rivalen ein " Kopfgeld" auf ihn ausgesetzt hätten.

Toter Rap-Star: Mörder irrte sich

[vom 16.09.1996]

(exp/Las Vegas) Star-Rapper Tupac Shakur, der nach dem Kampf zwischen Mike Tyson und Bruce Seldon in Las Vegas aus einem Auto heraus niedergeschossen worden war, starb an seinen schweren Lungenverletzungen. Die Polizei glaubt: Die Kugeln galten nicht dem 25-jährigen Sänger, sondern Produzent Marion "Suge" Knight. Er spielt eine Rolle in der Unterwelt. Auch Shakur saß mehrfach u.a. wegen Körperverletzung im Knast.

Wieder Rapper ermordet! Rache?

[vom 10.03.1997]

Wieder ein Mord in der Rapper-Szene. Ein halbes Jahr nach dem Tod Tupac Shakurs wurde in Los Angeles "Notorious B.I.G." auf einem Parkplatz von Kugeln zerfetzt, die aus einem fahrendem Auto heraus abgefeuert worden waren. Der 24-jährige, der eigentlich Christopher Wallace hieß, kam mit seiner Freundin von einer Preisverleihungs-Party.
Tupac Shakur war im September auf gleiche Weise getötet worden. Shakur und Notorious B.I.G. waren erbitterte Gegner. So hatte Shakur seinen Kontrahenten beschuldigt, '94 an einem Überfall beteiligt gewesen zu sein, bei dem er angeschossen worden war. Bei dem Überfall soll Shakur Schmuck im Wert von 40.000 Dollar gestohlen worden sein.War der jetzige Mord Rache für Shakur?
Notorious B.I.G. gehört seit seinem über eine Million mal verkauften Debütalbum " Ready To Die" zu den Stars der Rap-Szene. 1995 hatte er den Preis der Musikzeitschrift "Billboard" als "Rapper des Jahres" erhalten. Seine Hit-Single "One More Chance/Stay With Me" wurde in diesem Jahr zum besten Rap-Song erklärt.

Tupacs Erben

"R U Still Down": Die Mutter des ermordeten Rappers verwaltet nun den musikalischen Nachlass

[vom 13.12.1997]

Man hört zwei akustische Gitarren, ein Hauch von Country- Idylle am Lagerfeuer - bis Tupac Shakurs Stimme in die Idylle platzt. In "Redemption", dem ersten Lied des ersten posthum veröffentlichten Albums des 1996 ermordeten Rappers, wird wüst gefeiert. Und dann wird ab "Open Fire" eine Breitseite auf das Establisment abgefeuert, auf Rassismus und scheinheilige Political Correctness.
Tupac Shakur wurde am 13. September vergangenen Jahres ermordet, auf der Höhe seines Erfolgs, der ihn aus dem Elend des Ghettos herausgeholt hatte. Nach dem Boxkampf zwischen Mike Tyson und Bruce Seldon in Los Angeles [falsch, in Las Vegas] stand plötzlich an einer Ampel ein weißer Cadillac neben seinem Auto. Schüsse fielen, die ihn tödlich verletzten. Der Mordfall ist ungelöst. Tupac hat offensichtlich viel unveröffentlichtes Material hinterlassen. Herausgebracht wird es auf dem Jive-Label, unter anderem von seiner Mutter Afeni Shakur, die im Booklet noch viele weitere Projekte ankündigt. Damit scheint der ehemaligen Black-Panther-Aktivistin auf Anhieb gelungen zu sein, was die Familie von Jimi Hendrix erst nach jahrelangem Rechtsstreit erreichte: Die komplette Kontrolle über den künstlerischen Nachlass [naja, "komplette Kontrolle"???].
Musikalisch war Tupac auf dem Weg, andere Stilrichtungen in seinen Rap einzubauen. "R U Still Down" bietet etliche Beispiele für das Aufgreifen rauherer Folk- und Bluestraditionen. Doch der Rapper, der wie kaum ein anderer Kollege politisch agitieren konnte, blieb natürlich seinem milieu treu: Klangcollagen von Schlägereien, Schüssen, MP-Salven, die Verarbeitung von Mobiliär zu Kleinholz. Das gehört zu den Liedern wie ein pumpender Bass und ein Schlagzeuger, der wie ein Boxer den Takt schlägt.
Tupac, und wie er die Welt sah: Die weit auseinanderklaffende Schere zwischen Arm und Reich ist die Wurzel aller Gewalt, sie bringt die schwarzen "Thugs" (Schurken) hervor, die weißen Establishment als Abschaum, Versager und Verlierer abgetan werden. "R U Still Down" leistet in der Mischung aus kühler, mitleidloser Beobachtung und wütender Energie all das, was die meisten Rapper heute nicht mehr schaffen: eine ästhetische Selbstständigkeit der Ghetto People. Wo andere sich industriell absorbieren ließen,bleibt Tupac der "Thug" mit dem aggressiven Polit-Rap, einer, der auf seine Art herausschreibt, was letztlich eine Binsenwahrheit ist: Ohne soziale Gerechtigkeit gibt es keinen sozialen Frieden.

Tupac: "R U Still Down? (Remember Me)"

Melodiöser Hip Hop: Die Klage, ein Künstler müsse erst sterben, um berühmt zu werden, ist altbekannt. Daß einer aber postum zu Hochform auflebt - das ist ziemlich unerhört.

[vom 19.12.1997]

(Nataly Bleuel) Tupac Shakur wird, seit er am 7. September 1996 erschossen wurde, immer besser: mit "Gridlock'd" und "Gang Related" und seiner neuen Doppel-CD "R U Still Down? (Remember Me)". - Und der Verlust eines guten Schauspielers und Musikers wird immer betrüblicher, denn er war auf dem Weg, sich von seinem pubertären Gangsta-Gehabe zu einem selbstironischen und sympathischen Charakter zu entwickeln.
Vielleicht hätte er sich auf seine Mutter verlassen sollen - wenn sie zu seinen Lebzeiten eine verläßliche Stütze gewesen wäre: Afeni Shakur, Ex-Black-Panther-Aktivistin, war lange cracksüchtig. Daß sie ihm für sein wenig rühmliches Gangsta-Leben verzeihen solle, hatte Tupac seiner "Dear Mama" einst herzzerreißend aus dem Knast gerappt. Der Stiefvater wurde irgendwann zu 60 Jahren Knast verurteilt. Und der natürliche Vater war nicht bekannt, bis sich plötzlich einer für das 50-Millionen-Dollar-Vermögen anmeldete. Tupac hatte kein Testament hinterlassen und laut kalifornischem Gesetz erben dann beide Elternteile.
Das Vermögen verwaltet jetzt Afeni Shakur mit Hilfe des renommierten Anwalts Richard Fischbein. Beziehungsweise das, was von dem Geld übrig blieb: Cadillacs und Brillis kosten was, und die Brüder vom Plattenlabel Death Row - besonders der Produzent Suge Knight - sind mit Tupacs Millionen auch nicht zimperlich umgegangen.
Afeni Shakur verwaltet aber auch den noch immateriellen Nachlaß ihres mit 25 Jahren gestorbenen Sohns: Sie hat wahrgemacht, was Tupac sich erträumt hatte, indem sie ein eigenes Platten-Label gründete: "Amaru"-Records - die "Leuchtende Schlange" Tupac Amaru ist ein namentliches Relikt aus Zeiten, als schwarze Aktivisten sich gerne auf peruanische Inkakönige und maoistische Revolutionstheorien beriefen.
Tupac Shakur war, was die Amerikaner "prolific" nennen: ungemein produktiv. Sein Film- und Tonmaterial trägt jetzt noch Früchte. Afeni Shakur hat sie mit Hilfe der erfahrenen Produzentin Lisa Smith-Putnam und Tupacs Rap-Kollegen produziert. Angeblich hatte Tupac stets Songs für drei Alben in petto, das sei nur der Anfang, sagt seine Mutter. Es werden weitere neue Doppel-Packs folgen. Außerdem gibt es rund 200 Gedichte. Und die vier Alben, die der Turbo-Rapper bei Interscope einspielte, sollen wiederveröffentlicht werden ("2Pacalypse Now", "Thug Life", "Strictly 4 My N.I.G.G.A.Z.", "Me Against The World").
Auch die 25 Raps auf "R U Still Down?" hatte Tupac für das Label Interscope, also in den Jahren 1991 bis 1994 aufgenommen. Und da haben es nicht nur die Rohfassungen mit ihren geschmierten Reimen in sich. Das Album ist meisterhaft produziert. Es ist melodiöser, gereifter Hip Hop nach der alten funkigen Schule: groovig ohne abgenudelt zu sein, soulig ohne schmalzig zu werden, und die Brüche holpern taktvoll und nicht als Betäubungen durch die Ohr- und Hirnwindungen.
Das ausgekoppelte "I Wonder If Heaven Got a Ghetto" wird wohl nicht nur aufgrund seiner - Tupac-typischen - Prophetie in die Charts starten. "Do For Love" hat das Zeug zu einem akzeptablen, weil anspruchsvollen, Ohrwurm. Und "Nothin to Loose" ist Tupacs kongeniales Pendant zu dem Ice-T-Klassiker "That's How I'm Livin'": Gerappter Lebenslauf für jene, die diese Ghetto-Klaustrographie kennen und solche, die es nicht hören und besser wissen wollen.
Tupacs Leichnam wird geldbringend gefleddert. Da will beispielsweise Even C. Delores Tucker ein Stückchen vom Kuchen und fordert Schadenersatz: Eine Rap-Attacke von Tupac habe ihr Sexleben nachhaltig eingefroren. Mit "R U Still Down? (Remember Me)" wird aber auch mit und nach dem Tod eines Künstlers gehandelt, der immer noch Neues zu bieten hat. Es ist nicht die 150. Auflage eines altbekannten Meisters.

Der Club der toten Popstars

Schonungslos verdammen die Plattenfirmen dahingeschiedene Popstars zur Unsterblichkeit. [...]

[vom 13.12.1999]

(Andreas Borcholte) [...] Auch in diesem Winter füllen sich die Regale der Plattenläden wieder mit postmortalem Material. Tupac Shakur, Michael Hutchence und Falco gehören zu den jüngsten Einträgen in die Annalen der Rockmythologie. Alle drei hinterließen ein kleines Giftschränkchen voll unvollendeter Ware, deren Enthüllung nicht nur Glanz auf die noch frischen Gräber wirft, sondern auch jede Menge Schatten. "Here After" von Tupac Shakur featuring The Notorious B.I.G. ist bereits das dritte postum veröffentlichte Album des 1996 ermordeten Westküsten-Rappers 2Pac. Es erscheint auf dem deutschen Independent-Label ZYX, das sich nicht die Mühe gemacht hat, eine Absprache mit Tupacs ursprünglicher Plattenfirma Interscope Records (in Deutschland über Universal Music) zu treffen. Schon Mitte Dezember nämlich erhöht sich die Zahl der Shakur-Vermächtnis-Kompilationen per Veröffentlichung des Albums "Still I Rise" auf vier.
Der inflationäre Output immer obskurer anmutender Machwerke unter dem kassenträchtigen Namen 2Pac ist ein Beispiel dafür, wie sorglos Plattenfirmen mit künstlerischem Erbe umgehen, wenn es um die schnelle Mark geht. Beide Alben enthalten überwiegend hastig zusammengeklaubte B-Seiten, bis dato unveröffentlichte oder in Vergessenheit geratene Duette (bei ZYX finden sich infamerweise sogar einige frühe Kollaborationen Shakurs mit seinem späterem Erzfeind The Notorious B.I.G.) und jede Menge Ausschussware. Mit ähnlich minderwertigem Songmaterial disqualifizierte sich vor zwei Jahren bereits die allererste Archiventleerung unter dem Titel "R U Still Down?". Seitdem wird mit jeder neuen Ausschüttung deutlicher, dass sich das Talent des inzwischen vor allem bei amerikanischen Ghetto-Jugendlichen ikonisierten Rappers mit den zu Lebzeiten veröffentlichten, millionenschweren Alben "Me Against The World" und "All Eyez On Me" bereits erschöpft hatte. Weiterhin die offensichtlich reichhaltigen Archive zu plündern, hat folglich eher Rufschädigung als Würdigung zur Folge. [...]

Vielen Dank an Dieter Oehm für die Archivierung und Bereitstellung der Artikel aus dem Kölner Stadtanzeiger.