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Standorte von Bausoldaten
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| Bausoldatenseite |
| Auf dieser Seite habe ich alle Standorte von Bausoldaten verzeichnet, die mir bekannt sind. Die meisten habe ich den Gästebucheinträgen entnommen, so dass bei Namen die mehrfach existieren nicht immer der richtige Standort dargestellt sein muß. Sollte jemand darüber stolpern, bitte ich um eine Benachrichtigung, damit ich das ändern kann. Sollte jemand noch Bilder oder Informationen zu den Standorten haben, dann könnte ich das mit einarbeiten. |
Nach einer 14tägigen Grundausbildung in der
Nähe von Berlin kam ich mit zwei weiteren Spatis nach
Bärenstein zum heizen und Kohlenschaufeln. Dort habe ich
dann die restliche Zeit der 18 Monate verbracht.
Dezentralisierung war das Thema der damaligen Zeit. Während
die Kinder dort im Kinderferienlager waren war es mir, als
gemeindepädagogischen MA verboten mit den Kindern in Kontakt
zu kommen. Trotzdem gab es viele gute Gespräche, gerade auch
mit den Kindern der Offiziere, deren Wohnungen wir heizten. Ich
lese immer viel über die Schwierigkeiten der Bausoldaten
nach 1982 in den großen Einheiten. Wenn wir mit anderen
"normalen" Soldaten zusammenwaren, wurden wir respektiert, so wie
wir waren. Mich würde interessieren ob andere aus dieser
Zeit vor 1982 auch solche Erfahrungen gemacht haben.
(Hans-Joachim Marschall von/bis:
1979 - 1981)
1988 waren meine Söhne 2 und 3 Jahre alt, ein
Haus war angefangen zu bauen. Wir wollten hier bleiben-aber-
nicht kompromisslos. Zuerst nur sieben Bausoldaten zogen wir im
Nov. 88 in Bautzen ein. Erinnerlich sind mir die Namen Darkon
Profft Berlin, ...Fieseler, Thomas Schimmel beide aus Schweinitz
,Siegmar...aus Markleeberg, Erwin Mierzwa aus Guben, Markus Gille
und N.N. aus Leipzig. Nach sechs Wochen durften wir das erste Mal
Besuch im KDL bekommen. Nach fast 12 Wochen die erste Heimfahrt
zur Familie. Wir waren im ersten Halbjahr unauffällig als
Haus- und Hofhandwerker eingesetzt, dann kamen im April 89 ca. 40
BS dazu. Wir mussten in eine Baracke umziehen. Ausgang zum
Sonntagsgottesdienst fielen augenblicklich unter KC Loohse
später KC Richter weg. Wir intervenierten damals bei Bischof
Reinelt ohne Erfolg. Spieß war FW Hunger, ein schmalziger
Typ, mit ekligen Fingernägeln.
Flughafenausbau war jetzt unsere Aufgabe. Das Autobahnbaukombint
Potsdam richtete eine Großbaustelle ein und wir waren nur
die Handlanger. Betonelemente waren abzuladen, Schachtarbeiten,
Einschalungen und Abbau alter Baracken waren unsere Tagesaufgabe.
Nach der Arbeit waren unsere Rationen von den "normalen Soldaten"
in der Kaserne so gut wie aufgefressen, so das wir nur noch die
Vierkantwurst "Zylinderkopfdichtungen" zu essen bekamen. Der
Sommer 89 war dann schon spannender. Die wenigen zugelassenen
Radios gaben im Funkloch Bautzen nicht viel her. Deutschlandfunk
und Radio Vatikan waren erst gegen 21.00 dennoch schlecht
empfangbar. Die Massenausreise Richtung Ungarn bekamen wir
mit,auch weil einige der "normalen Soldaten",die zu uns ja keinen
Kontakt haben sollten, der Kaserne plötzlich fernblieben.
Ende September wurden dann sämtliche registrierten Radios
vom Spieß eingezogen.Wir waren bis auf die "Aktuelle
Kamera" abgeschnitten. Damals verunfallte Matthias Schmahl
"Schmahlhans"kurz vor seiner Entlassung tödlich. Die
nächsten Wochen waren wir in angespannter Hochstimmung. In
Bautzen riefen die Politischen im Gelben Elend in
Sprechchören" Hunger-Freiheit", man konnte es sehr weit
hören. Èin Runder Tisch aus Intelektuellen,
Kirchenleuten und überkommenden SED-Funktionären
etablierte sich. Am 3.12. wurde unser Einheit in einer Nacht-und
Nebel-Aktion aufgelöst und nach Merseburg gebracht....
(Falkner Schwarz von/bis: 11/88
12/89)
Chemiekombinat Bitterfeld
Foto: Werner Jurke
Nach 7 oder 8 Tagen Grundausbildung sind einige
Genossen Bausoldaten schon zum Schönhauser Damm gekommen um
den Bau in Klietz , der schon längst fertig sein sollte , zu
vollenden ... Das hatten wir dann , so glaube ich , nach einem
halben Jahr wohl auch geschafft....
( R. Klingner von/bis:
10/88-12/89)
Hallo Ihr Ehemaligen aus Hergets Truppe!
Rudolf Herget hieß unser Chef, Zugführer, was auch
immer. Er hatte den Rang eines Oberleutnants. Wer erinnert sich
noch an die Zeit? Wir waren 30 Bausoldaten. Ein Berliner (Andre,
wollte evang. Theologie studieren), ein Zwickauer? (Andreas, war
Lokführer bei der Deutschen Reichsbahn), ein zugezogener
Leipziger, der "Rest" kam weitestgehend aus dem Erzgebirge bzw.
Vogtland und ich der "geborene" Leipziger. Mit 19 Jahren
dürfte ich fast der Jüngste gewesen sein. Fast alle
anderen hatte man so spät wie möglich einberufen, damit
es dann mit Frau und Kindern auch weh tut. Mich hatte man mit
drei Mitschülern aus dem Altsprachen-Vorseminar zum kath.
Theologiestudium in Schöneiche heraus zur Armee einberufen.
Ich traf es wohl am besten. Wenn ich vergleiche, wie es den
anderen erging. Die wurden weitaus weniger gut behandelt als mir.
Das erste halbe Jahr war arbeitstechnisch für mich als das
Arbeiten nicht gewohnter Ex-Pennäler hart; danach wurden wir
nur noch herumgeschickt und haben herumgegammelt. Wer am
Wochenende nicht legal im Urlaub war, verließ einfach
illegal unsere Standorte. Dies war kein Problem, da wir
ausnahmslos auf Flugplätzen untergebracht waren. Dort
bewachte man Tor, Hangars, Depots für Waffen. Ansonsten
hätte man mit LKW's durch kaputte Zaunabschnitte hinein
fahren können. Ich bin sogar, und da war ich nicht der
Einzige, mit Uniform getrampt, weil man da sehr gut mitgenommen
wurde. Leute, die sonst niemals Tramper mitnahmen, hielten an.
Kommentar war meistens: Wir hatten auch einen Soldaten in der
Familie und wissen, wie das bei der Armee ist. Keiner von uns
wurde erwischt, keiner bei der Armee irgendwie groß
drangsaliert. In Cottbus arbeiteten wir mit Pionieren zusammen.
Denen hatte man gesagt, dass wir Staatsfeinde und Kriminelle
wären. Das hat einige von denen nicht gestört.
Jedenfalls bin ich im Trainingsanzug in deren Behausung gegangen
und habe mich mit zweien angefreundet und sogar legalen Urlaub
verbracht. Am 27.09.1995 habe ich in der "Gauck-Behörde",
Außenstelle Leipzig, meine Stasi-Akten eingesehen. Gott sei
Dank hat keiner unserer Bausoldaten für die Staatsicherheit
gespitzelt. Wir sind vom IM "Christian Fischer" bespitzelt
worden; den Klarnamen habe ich mir auch geben lassen. Der war
aber kein Bausoldat. Politunterricht hat man uns nur kurz
gegeben. Ein späterer Versuch ist kläglich gescheitert.
Thema war der Olympiaboykott der UdSSR in Seoul? Mir scheint es,
dass wir fast die einzige Bausoldatentruppe waren, die man in
halbwegs in Ruhe ließ und menschlich behandelt hatte.
(Jan Gold von/bis: I/1983 bis
II/1984)
Der "Schacht" in Kirchhain, aufgenommen im Februar 2009 Die Bundeswehr ist weitestgehend abgezogen, nun wird ein Nachmieter gesucht. Die ehemalige Gaststätte "Waldhufe", sicher noch einigen in Erinnerung. |
... Dort bauten wir mitten im Wald unter Major
Bekter ein Haus. Auch dort lebte ein guter Geist unter uns, ja,
wir bekamen in einer Baracke sogar einen kleinen Andachtsraum und
eine Bastelwerkstatt.Wärend dieser Zeit stellte dann sogar
ein Berufsunteroffizier (Helmut Puff) den Antrag, ebenfalls BS zu
werden. Das Ende vom Lied war, dass dieser dann vor versammelter
Mannschaft degradiert wurde und seinen Grundwehrdienst noch
einmal ableisten mußte. Leider ging die Zeit in Goldberg
schnell vorbei und wir wurden nach Weißkeißel
versetzt, in eine Unteroffiziersschule. Dort herrschte ein sehr
aggressiver Ton der Vorgesetzten, den wir so bisher gar nicht
kennengelernt hatten. Aber zum Glück ging auch diese Zeit
vorbei.
(Daniel Klappenbach von/bis:
1984-1985)
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Luftaufnahmen von der MMS in Greifswald Die Fotos stellte freundlicherweise Herr Andreas Günther aus Greifswald zur Verfügung. |
...Zu den Standorten möchte ich ergänzen: Es gab beim Kommando der Grenztruppen eine Gruppe Bausoldaten. Ich war von I/78 bis II/79 dort. Postadresse war 16 Königs Wusterhausen, Postfach 16635, die körperliche Adresse war in Pätz bei Königs Wusterhausen. Das Objekt wird heute teilweise als eine Art Berufsschule genutzt und kein Mensch weiß mehr, dass dort einmal die Grenztruppen waren und BS stationiert gewesen sind. Ja, so vergeht die Zeit.
Mit freundlichen Grüßen und in der Verbundenheit unseres Glaubens
Michael Jubelt
Kasernengebäude in Merseburg, aufgenommen 2006 |
1984 (vielleicht auch schon früher) kamen in der Offiziershochschule der
Luftwaffe in Bautzen auch Bausoldaten in den Genuß einer zweiwöchigen
Grundausbildung, ehe es dann in die chemische Industrie ging.
Ich selbst habe 1985 im Frühjahr diese Ausbildung in Bautzen erleben dürfen.
Danach wie gesagt, ging es in die chemische Industrie. Zunächst nach Rositz,
1986 dann nach Nünchritz bei Riesa. Da die Arbeit so fürchterlich
gesundheitsschädlich war "durften" wir alle zwei Wochen am Wochenende nach
Hause fahren. 1986 ging es dann zurück nach Bautzen um die Klamotten
abzugeben.
Quelle: Robert Violet Bausoldat von Mai 1985 bis Oktober 1986
Anfang September bis Ende Oktober 1988 wurde mein Zug (30 Personen) nach Oderberg abkommandiert. Dort bestand die Aufgabe, einen Parkplatz aus nicht verwertbaren Eisenbahnschwellen zu bauen. Es muss eine größere Menge von Betonschwellen produziert worden sein, die nicht für die Schienen eingesetzt werden konnten. Es gab Produktionsfehler, die den Einsatz nicht zuließen. Somit waren diese Schwellen massenhaft vorhanden.
Etwas nördlich des beschaulichen Ortes Oderberg befand sich ein Sperrgebiet. Dort sollen während des II. Weltkrieges chemische Kampfstoffe produziert worden sein.
Ein Teil der Fläche wurde noch in DDR-Zeiten militärisch genutzt. Welche konkrete Nutzung, kann ich nicht sagen.
Es wurde uns strikt untersagt, sich auf dem Gelände frei zu bewegen. Trotzdem war die Neugier da, sich dort umzusehen. An einen sonnigen Herbstsonntag bin ich in das Gelände vorgedrungen. Man konnte sich vorstellen, wie dort während des Krieges produziert wurde. Die Gebäude waren weitgehenst restlos beseitigt. Ich lief auf überwachsenen Bahndämmen und zugewachsenen Straßen. Die Gleise waren zurückgebaut, aber der Damm als solches war da. Es gab große künstliche Hügel, die sicher Bunker waren. Hier und da endete ein Damm vor solch einem Hügel. Teilweise waren Betonplatten erkennbar, es gab Spuren, die ich als Sprengung deuten würde. Irgendwie war es unheimlich, eine Landschaft von Menschen geschaffen, dann von ihnen selbst zerstört und nun von der Natur zurückerobert.
Untergebracht waren wir in Zelten. Die Nächte wurden zunehmend kühler, mit Holz wurde für Wärme gesorgt. Gewaschen wurde draußen, morgendlich war es dann schon recht ungemütlich.
In einem speziellen Zelt wurde gegessen, die Mahlzeiten angeliefert.
Die eigentliche Arbeit war eine Plackerei. Wie Steinzeitmenschen mussten wir die Betonschwellen mit Zangen greifen und diese umgekehrt, mit der Rückseite nach oben, dicht an dicht verlegen. Anschließend wurden sie mit Sand eingeschlemmt. So nach und nach entstand eine große in sich geschlossene Betonfläche.
Bei dieser Arbeit kam es zu Problemen. Es war wichtig, mit der richtigen Technik und mit gemeinsamen Einsatz die Schwellen anzupacken. Einige bekamen bald Rückenschmerzen. Es gab Beschwerden, die Moral sank. Für uns war dies Arbeit völlig sinnlos. Es gab keinen erkennbaren Grund, warum dieser Parkplatz gebraucht wurde. Auch die Mühe mit den Schwellen war ein völlig überflüssiges Agieren. Vermutlich war aber die Not in der damaligen DDR der eigentliche Sinn. Die Fehlproduktion dieser Betonschwellen musste verwertet werden, andere Materialien standen nicht zur Verfügung.
Positiv denke ich an ein paar Ausflüge in den Ort Oderberg, zum Kloster Chorin und an einige spätsommerliche gesellige Abende zurück.
Urlaub gab es während dieser Zeit nicht.
Quelle: Robert Hartmann Bausoldat von Mai 1988 bis Oktober 1989
... Anscheinend hatte ich da dann mit Pasewalk doch
"Glück". Unvergessen sind mir die ersten Tage dort, vor
allem die gute Kameradschaft derer, die schon länger vor Ort
waren. Diese Kanmeraden (ich denke da gern an Christian Rehm und
Dietrich Landmann)nahmen uns viel von den anstehenden Arbeiten
ab, gaben uns gute Hinweise, wie wir am besten die Tage und das
Zusammenleben mit den Vorgesetzten überstehen. Sie waren
aber auch durch ihre tiefe Gläubigkeit der gute Geist
unserer Truppe, dieser Geist wirkte sogar beruhigend auf unsere
Vorgesetzten. Das Gelöbnis sollten wir in der
MHO-Gaststätte ablegen, es wurde die Nationalhymne
(ausversehen mit Text) abgespielt und als wir dann den
Gelöbnistext nachsprechen sollten, flog die Tür auf und
eine Getränkelieferung fand statt, so dass diese
Veranstaltung dann recht "unwürdig" ihr Ende fand. Als wir
dann wie zum Hohn noch das Buch "Vom Sinn des Soldatseins"
geschenkt bekamen, warfen wir es geschlossen in den Papierkorb,
worauf dann der Politoffizier Ltn. Liemen diese unter lautem
Jammern wieder herausfischte. Die Grundausbildung verlief auch
ohne besondere Schikanen und mein Zug wurde dann nach
Goldberg(Mecklenburg)versetzt....
(Daniel Klappenbach von/bis:
1984-1985)
Strandseite von Prora |
Aufruf "An alle Christen" des „Bruderkreises Prenzlauer Bausoldaten“ vom 2. März 1966.
A n a l l e C h r i s t e n
In ernster Sorge wendet sich ein Bruderkreis Prenzlauer Bausoldaten an alle Christen. Mit Beunruhigung beobachten wir Wehrdienstverweigerer die wachsende Aufrüstung in unserem Land. In einem Teil unserer Heimat fordert man das Mitspracherecht über Massenvernichtungsmittel und plant im Rahmen einer neuen Gesetzgebung den Aufbau halbmilitärischer Verbände, im anderen Teil, dessen Bürger wir sind, nimmt die Militarisierung in erschreckendem Maße zu. Neben der Nationalen Volksarmee und den Kampfgruppen fördert man die vormilitärische Ausbildung in der Gesellschaft für Sport und Technik, an den Universitäten und Schulen. Das Manöver "Oktobersturm" und der 10. Jahrestag der Nationalen Volksarmee waren erneute Höhepunkte der militärischen Propaganda. In aller Offenheit wird unsere Jugend zum Hass erzogen. "Der andere ist nicht unser Freund und Bruder, sondern unser Feind", heißt es z. B. in einer propagandistischen Schrift der Armee.
Wir haben als junge Wehrpflichtige aus unserem Verständnis und Bekenntnis zur guten Botschaft Jesu Christi den Dienst mit der Waffe verweigert. So versuchen wir, die Friedensbotschaft unseres Herrn ernst zu nehmen. Wir müssen uns immer vor Augen halten, dass ein dritter Weltkrieg zum Selbstmord der gesamten Bevölkerung führt und den totalen Untergang zur Folge hat. Es gibt für uns keinen Grund, weder die westliche Freiheit noch die sozialistischen Errungenschaften, weder Volk noch Vaterland, der die Vernichtung allen Lebens rechtfertigen kann. Der 10. Gründungstag der Nationalen Volksarmee ist für uns deswegen kein Tag der Freude, sondern Anlass zur Buße, dass wir Christen es nicht verstanden haben, die Wiederaufrüstung in beiden deutschen Staaten zu verhindern.
Daher rufen wir Wehrdienstverweigerer unsere Brüder und Schwestern auf, sich mit uns im Gebet für die Erhaltung des Friedens zu vereinigen.
WIR BITTEN EUCH ALLE:
Forscht in der Heiligen Schrift, was uns vom Friedensfürsten für unser Verhalten zum Frieden geboten ist.
WIR BITTEN EUCH ELTERN:
Erzieht eure Kinder im Geiste der Versöhnung, bewahrt sie vor jedem Hass, kauft und verschenkt kein Kriegsspielzeug. Habt acht, dass man die Kinder nicht militärisch vergiftet. Es gibt kein Gesetz, durch das die vormilitärische Ausbildung in den Schulen zum Pflichtfach erhoben wird.
WIR BITTEN EUCH MÄNNER:
Überlegt euch, ob ihr in die Kampfgruppen eintreten könnt. Auch die Kampfgruppen sind eine militärische Formation.
WIR BITTEN EUCH FRAUEN UND MÄDCHEN:
Wenn ihr eine Ausbildung beim Deutschen Roten Kreuz mitmacht, verweigert Schieß- und sonstige militärische Übungen. Sie verstoßen gegen die Genfer Konvention.
WIR BITTEN EUCH WEHRPFLICHTIGE:
Überlegt euch, ob ihr als junge Christen den Dienst in der Armee leisten könnt. Wie ihr euch auch entscheidet, ihr müsst es im Glauben mit gutem Gewissen tun können, damit dem Frieden zu dienen.
Überlegt euch, woran ihr euch mit dem Fahneneid der Armee bindet. Der Eid stellt uns vor viele Fragen, z. B. kann es für einen Christen Feinde geben ?
WIR BITTEN EUCH SCHÜLER UND STUDENTEN:
Bedenkt, ob ihr – vielleicht aus falscher Angst um eure berufliche Entwicklung – freiwillig an der vormilitärischen Ausbildung teilnehmen könnt. Keine Lehrkraft kann euch dazu zwingen. Beruft euch auf die in der Verfassung garantierte Glaubens- und Gewissensfreiheit, die auch in der Anordnung über die Aufstellung von Baueinheiten vom 7. September 1964 bestätigt und im Blick auf den Waffendienst besonders formuliert worden ist.
EUCH ALLEN, die ihr als Christen unsere Brüder und Schwestern seid, rufen wir mit den Worten der Bergpredigt das Gebot unseres Herrn zu:
"Liebet eure Feinde, segnet, die euch fluchen,
tut wohl denen, die euch hassen, bittet für die,
so euch beleidigen und verfolgen, auf dass ihr
Kinder seid eures Vaters im Himmel."
Prenzlau, am 2. März 1966
(Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft)
Ich könnte über die 18 Monate ein Buch
schreiben. Vielleicht ein völlig neuer Blick, vielleicht
würden mich viele hassen dafür.
Stichpunkte:
Einsatz in einem Erholungsheim, Ausgangskarte oder wie das
hieß immer in der Tasche, tägliche Ausdauerläufe
im Harz, mit Verlobten regelmäßig im Wald gepennt in
extra gebauter Hütte. Der Oberstleutnant war die 18 Monate
2x in unserem Zimmer. Einmal war sein Kühlschrank defekt,
einmal wollte er meine Drechselarbeiten sehen, die ich in der
Hausmeisterwerkstatt gemacht hatte. Zu Weihnachten musste ich
Weihnachtsmann spielen und habe die Offiziersfrauen übers
Knie gelegt. Nach dem Befehl, den Überdruck aus den
Bierzapfanlage zu beseitien, waren 2 meiner Kollegen besoffen.
Für jeden Sonntag heizen gabs einen Tag Sonderurlaub,
zählt Euch zusammen, wieviel ich da im Urlaub war. Mein
Essen konnte ich mir selber in der Küche zusammenstellen.
War meine Rettung als Vegetarier. Im Sommer hab ich das
Rosenschneiden gelernt. Wenn wir unsere hausmeistertypischen
Arbeiten erledigt hatten, hatten wir alle Freiheiten. In der
Kantine gabs die Spezialitäten für die Offiziere, die
konnten wir auch kaufen. Im Erholungsheim (das gibt es jetzt
immer noch in Hasserode, hieß damals "Florian Geyer") waren
ja nur Offiziere als Urlauber. Die haben uns total in Ruhe
gelassen, auch was die nie eingehaltene Kleiderordnung getraf.
Meine Herren, was haben wir für Bolzen abgeschossen, kleine
Abenteuer erlebt und uns Freiheiten gegönnt, die man sich im
täglichen Leben aus zeitlichen Gründen ja gar nicht
erlauben kann. Vieles getraue ich mir nicht zu
schreiben-würden viele nicht glauben oder vor Neid platzen.
Schön wäre es sicherlich zu Hause gewesen, aber auch
langweiliger. Sicherlich alles eine große Ausnahme-aber so
was gabs eben auch. Erst 1988 habe ich die Ausreise gestellt,
lebte dann bis 1994 in Baden- Württemberg und habe dann 1994
nach Hessen geheiratet. Die Zeiten in der DDR sind auch deutsche
Geschichte-das begreifen nach und nach immer mehr Leute. Meine
Geschichten als Bausoldat interessiert niemand-die hautnah
erlebte deutsche Geschichte bei den Montagsdemos in Leipzig geht
da schon mehr unter die Haut. Also, liebe Spatis, es ging nicht
allen schlecht in den 18 Monaten, irgendwie möchte ich diese
Zeit nicht missen, so fremd das klingen mag. Ich weiß
nicht, wie man die Zeit aufarbeiten kann, wenn man nur schlechte
Erinnerungen hat. Einige schlechte Erinnerungen würde ich
sicherlich auch finden-hab ich aber irgendwie vergessen. Das
waren dann auch eher private Probleme.
(Freimut Dreher von/bis:
1981-1982)
Aus einem Brief, geschrieben in der Sonntagsschicht
im Fotochem. Kombinat Wolfen am 20. November 1988:
Hallo [...]!
Jetzt arbeite ich also in der Produktion des größten
Viskoseherstellers der DDR. Des zweitgrößten Europas,
wenn die Anlage voll ausgefahren werden würde. Der Teil, wo
ich arbeite, ich fülle Alkalizellulose, die über ein
Fließband in 18-24 min in 1,7 Tonnen Bunker befördert
wird, in Luken im Boden (wo sie dann mit allen mögl.
schwefeligen Verbindungen versetzt wird) ab, ist von Ostarbeitern
1936 gebaut worden. In so einer Bude arbeitet natürlich
außer Kubanern, Polen und Bausoldaten keiner.
Planerfüllung liegt bei 80%. Lag vor 2 Jahren schon mal bei
30%. Deshalb gab ´s damals keine Bettwäsche u.s.w.
Grundstoff für die Viskosefaser ist Buchenholz, welches so
lange bearbeitet wird, bis eine baumwollähnl. Faser
entsteht. Die Geschichte ist nicht gerade
gesundheitsfördernd. Z.B: gibts hier monatl. 10,- M
Gesundheitsgeld. Makaber was? Ich hab noch den besten Job in der
direkten Vikoseherstellg. abgefaßt. Bei mir steht nur das
Problem der Alkalizellulose. Der ganze Schwefelmist kommt erst
unter mir zum Einsatz. Der Lärm ist auch auszuhalten.
Übel ist der Gestank - überall wie "faulsche Eier".
Kannst Du Dir gar nicht vorstellen, daß es so was gibt.
Finanziell kommen wir hier auf 330,- M. 150 M.
"Dienstbezüge". 180 M zahlt der Betrieb als Schicht-,
Erschwernis-, Gesundheits-, und Verpflegungszuschläge. Eine
warme Mahlzeit umsonst + eine Flasche Milch. Umsonst rücken
die das nicht raus. [...] Meine Anlage ist heute ruhig.
Füllzeit 23-24 min. Nach 12-15 min bin ich mit meinen
Handgriffen fertig, setze mich an meinen Tisch, (wenn ich hier
mal für mich sein will, muß ich arbeiten gehen) lese
oder schreibe Briefe. Mein Compagnon hat im Moment noch mehr
Sahne. Bei ihm steht die Anlage, wegen Havarie, schon 1h.
Die Probleme der absoluten Sinnlosigkeit hab´ ich im
Moment nicht. Die Arbeit muß gemacht werden, sonst bricht
in der wunderschönen DDR einiges zusammen. Der
Großteil der Leute hier ist echt froh, daß wir da
sind. Es gibt durchaus bei einigen "Alten" ein gewisses
Arbeitsethos. Auch Polen und Kubaner darf man da auf keinen Fall
über einen Kamm scheren. Es gibt überall so'ne und
solche. [...]
Unter uns gast es jetzt ganz schön. Die Kessel sind
undicht. Es ist eigentlich Wahnsinn, daß die
Sonntagsschicht fast nur von Ausländern und Bausoldaten
gefahren wird - kaum Fachpersonal. Wenn´s so weitergeht
haben wir bald ´ne große Havarie oder es knallt ganz
gewaltig. In der Hoffnung, daß wir auch heute gut hier
über die Runden kommen sag ich Tschüß,
Dein Sebastian [...]
Quelle: Sebastian Kranich: Erst
auf Christus hören, dann auf die Genossen.
Bausoldatenbriefe: Merseburg, Wolfen, Welzow 1988/89.
Projekte-Verlag 188, Halle 2006.
Zeitungsartikel in "DIE UNION" vom 13.12.1989
Quelle: Sebastian Kranich