Startseite

Förderverein

Fundstelle

Forschungsstelle

Literatur

Aktuelles

Aktuelle Meldungen

"Trübeströme und rollende Köpfe"

Richtfest auf der Steinrinne

XVI. Bilzingsleben-Kolloquium

Bilzingsleben - Intergalaktisch

Archiv

Shop

Kontakt zu uns

Links

11. September 2005


Richtfest auf der Steinrinne


Dietrich Mania, Forstweg 29, D-07745 Jena



Nochmals zu unserem Förderverein. Wir hatten etwa 100 Mitglieder. Die Abwicklung der Außenstelle und die damit verbundene Entmotivierung führten zu seiner Auflösung. Trotz akuten Geldmangels bedeutet das den Verzicht auf eine Unterstützung von 10 Tausend Euro und mehr pro Jahr! Das trifft auch für die Ablehnung unseres Projektes "Roter Ochse" in Kindelbrück zu. Doch hier betraf der Verzicht nicht nur bereits durchgeführte Sanierungsmaßnahmen, sondern eine ungleich höhere Summe an Fördermitteln. Dabei war das der einzig vernünftige, realistische, sehr kostengünstige und zukunftsträchtige Vorschlag, die Forschungsstelle mit der gesamten Substanz an Sammlung und Dokumentation, verbunden mit einer modernen Ausstellung vor Ort, unterzubringen. Von hier aus wären eine Betreuung und museale Nutzung der Grabungsstelle mit der in unserer Schutzhütte freipräparierten Forschungsfläche möglich gewesen. Die Gründung einer Stiftung zur Finanzierung des Objekts rückte in realistische Nähe. Wir hätten dem Nachfolger eine Forschungsstelle übergeben, wie wir sie uns 30 Jahre nur erträumen konnten!
Die kontinuierliche Weiterführung des DFG-Projektes Bilzingsleben wurde am 1.4.2003 durch den Nachfolger C. Pasda unterlassen. Damit verzichtete er auf die Mittel der ganzjährigen Beschäftigung von zwei technischen Kräften aus Bilzingsleben als der Voraussetzung für die Existenz der Forschungsstelle vor Ort. Seitdem gibt es Bestrebungen, die umfangreiche Sammlung nach Jena zu holen, aber bisher keine sicht- und spürbaren Maßnahmen der FSU, keinen Hinweis darauf, wie die Sammlung ständig präparatorisch betreut und wie sie verantwortlich verwaltet werden soll. Sie befindet sich nach wie vor im Gutsgebäude Bilzingsleben. Sie wird dort nur ungenügend gesichert und betreut. So kam es dazu, daß im Sommer 2004, als der Nachfolger eine Grabungssaison veranstaltete, ca. 60 Studenten und Helfer weitgehend ungenügend beaufsichtigt und kaum kontrolliert in der zum großen Teil frei zugänglichen Sammlung kampieren konnten. Dasselbe wird sich in diesem Spätsommer/Herbst wiederholen. Auch der Schutzbau in der eingezäunten Grabungsstelle mit Schutzhütte, Voltaik- und Solaranlage und freipräparierter Forschungsfläche wird kaum, also nachlässig betreut. Seit 1.4.2003 wurde ihre Konservierung nicht mehr weitergeführt. Sie wird weitgehend ihrem Verfall und beginnender Zerstörung überlassen, was bereits durch Darüberlaufen ruinierte Teile mit zerstörten Holzabdrücken und Skelettresten zeigen. Da C. Pasda, wie er im Internet und in Zeitungsinterviews mitteilt, der Überzeugung ist, daß es sich außerdem nur um eine natürliche Steinsohle bzw. einen Schlammstrom, statt um eine noch teilweise primär erhaltene Fundfläche, z.B. hier um einen gepflasterten Platz handelt, daß die Skelettüberreste einen "Tierfriedhof" darstellen und die menschlichen Schädelreste von Schädeln stammen sollen, die durch fließendes Wasser eingetragen wurden und von Kadavern stammen, die damals zur alltäglichen Erscheinung der Landoberfläche gehörten, sind die zuständigen Verantwortlichen sowieso der Verantwortung für eine weitere Konservierung und Erhaltung der von uns freipräparierten und überbauten Pflasteranlage enthoben. Mittlerweile wird die gesamte über 30jährige Arbeit unserer etwa 25köpfigen Arbeitsgruppe von C. Pasda als wissenschaftlich falsch, vom Boden der Realität abgehoben angesehen. Nach einigen Wochen Grabung weiß er besser darüber Bescheid als wir nach 30 Jahren intensiver, interdisziplinärer Forschungsarbeit. Er verbat sich damals bei seiner Einstellung eine Einführung in die bisher geleistete Arbeit, um sich "nicht suggestiv beeinflussen zu lassen", denn er untersuche alles nochmal von vorn. So gehört nach ihm die in der Schutzhütte liegende Fläche auch nicht zu einem gepflasterten Platz, eine entscheidende Fehleinschätzung, die einen weltweit einmaligen Befund disqualifiziert. Auf dieser autochthon erhaltenen, einst vom Menschen begangenen Oberfläche, lagen auch einige fossile Schädelreste und ein Unterkiefer dieser frühen Menschen. Selbst das veranlaßt ja schon die Pflicht zur Erhaltung dieser Fundfläche!
Diese seit 1.4.2003 veranlaßte Situation, die von vorgesetzten Dienstbehörden gutgeheißen oder zumindest geduldet wird, veranlaßte mich, vor einigen Monaten die Auszeichnung mit dem Verdientskreuz am Bande der Bundesrepublik abzulehnen, da das Verhalten der zuständigen Stellen in bezug auf die Fundstelle und unser Forschungsergebnis nicht der Würdigung durch diese Auszeichnung entspricht.
Es verdient große Anerkennung, wenn trotz dieser Situation die Vorsitzende der Verwaltungsgemeinschaft Kindelbrück, Frau A. Dietrich und der Bürgermeister von Bilzingsleben, Herr Bogk sich im Rahmen einer touristischen Erschließung der Fundstelle angenommen haben. Sie können sich auf Gelder stützen, die sich z.T. auf ein Wahlversprechen aus dem Vorjahr und auf Denkmalfördermittel beziehen, für die sich "der Landtagsabgeordnete Christian Carius (CDU) stark gemacht hatte" (nach TLA; - im Übrigen warten wir als Vertreter der ehemaligen Forschungsstelle Bilzingsleben noch heute auf die Einlösung von Versprechen, die uns C. Carius vor 2003 gab, um einen Kontakt mit D. Althaus zustande zu bringen). So wurde vor einigen Tagen das Richtfest zu einem Pavillon auf der Steinrinne im Beisein eines Staatssekretärs gefeiert. Der bisherige Leiter der Forschungsstelle - der Urheber der Voraussetzungen für dieses Ereignis -, auch in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Fördervereins "Bilzingsleben - World Culture Monument e.V." und seine Mitarbeiter wurden dazu nicht eingeladen. Dietrich Mania und seine langjährige Mitarbeiterin Ursula Mania hielten sich sogar zu dieser Zeit in Bilzingsleben auf; D. Mania hat sich außerdem bereit erklärt, die wissenschaftliche Konzeption für eine Ausstellung zu erarbeiten, die dieser Pavillon einmal aufnehmen soll.
Insgesamt sind -laut Zeitungsbericht - 235 000 Euro für die touristische Erschließung vorgesehen, etwa die Hälfte allein für eine Bitumendecke für den bereits vor 10 Jahren auf unsere Veranlassung mit Schotterbett versehenen Zufahrtsweg. Diese Aktivitäten stehen jedoch sehr im Widerspruch zu der oben geschilderten Situation. Denn wie ist der finanziell nicht selbstverständliche Aufwand zu rechtfertigen, wenn die wissenschaftliche Substanz weggeführt (Forschungsstelle, Sammlung, Ausstellung) und in bezug auf die freipräparierte Pflasterfläche vernachlässigt und bereits partieller Zerstörung preisgegeben wird? Auch nicht absehbar ist, wie diese Fläche einmal aus dem improvisierten Zustand heraus sinnvoll konserviert wird, um sie -im Gegensatz zu derzeitigen unseriösen Führungen - in verantwortungsgerechter Weise der Öffentlichkeit anzubieten? Bei einem Treffen von Präparatoren, zusammengerufen von Nachfolger und Landesamt Weimar, noch 2003 auf der Steinrinne, sprachen sich diese für die Erhaltung der gepflasterten Fläche aus. Sie berechneten 40 000 DM für eine Abformung der Fläche, wie wir sie bereits für die bereist freigelegte Hälfte vorgenommen hatten und die dringend notwendig wäre, um einer eventuellen Zerstörung vorzubeugen. Sie sehen aber keine Möglichkeit, sie auf Grund dieser "hohen Kosten" durchzuführen, wie aus einem internen Papier hervorgeht.
Trotzdem: Die touristische Erschließung ist wenigstens ein Ansatz, aber nur eine Seite der Erhaltung und kein Vorschub für jene - "Wir tun ja etwas" -, die für die Erhaltung des komplexen Objekts auf Grund seiner wissenschaftlichen Bedeutung verantwortlich sind. Unser Projekt "Roter Ochse", - das übrigens auch auf die Initiative der Verwaltungsgemeinschaft Kindelbrück zurückging -, war der zur Zeit vorteilhafteste und auch vernünftige Weg, um das "World Culture Monument von Bilzingsleben" mit seiner gesamten Substanz für wissenschaftliche und populäre Zwecke im Komplex vor Ort zu erhalten. In dieser Verbindung hätte die derzeitige touristische Erschließung auch einen viel höheren Stellenwert.




Letzte Aktualisierung:
24.09.2005


Erstellt und betreut von Th. Laurat und M. Häckel im Auftrag des Fördervereins Bilzingsleben.