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Geschichte der Forschungsstelle Bilzingsleben

Der Fundplatz auf der Steinrinne ist seit dem Beginn des 18. Jahrhunderts bekannt, doch erst im Jahre 1969 wurde die eigentliche Hauptfundschicht mit dem Lagerplatz während quartärgeologischer Untersuchungen durch Dietrich Mania entdeckt. Alle vorhergehenden Funde stammen aus dem Travertin und stellen zeitlich spätere Begehungen durch den frühen Menschen dar.
Nach ersten, oft nur tageweise durchgeführten Grabungseinsätzen, wurde 1971 die Forschungsstelle Bilzingsleben ins Leben gerufen. Es entstand eine dauerhafte Grabung (Forschungsgrabung Bilzingsleben). Schon in dieser frühen Zeit bezog die Forschungsstelle ihr ständiges Domizil im alten Gutsgebäude in Bilzingsleben, wo sie auch heute noch ihren Sitz hat.


Unter Leitung von Dietrich Mania wurde ein internationales Forschungsteam aufgebaut, das wenigstens seit 1975 besteht und dem Wissenschaftler aus vielen Ländern Europas, aber auch anderer Kontinente angehören und angehörten. Zu diesem Team gehören neben Archäologen und Geologen auch Paläobotaniker, Paläozoologen, Chemiker, Geophysiker und Anthropologen (Mitglieder der Forschungsgruppe Bilzingsleben). Auch arbeiteten und wirkten verschiedenste Wissenschaftler aller Kontinente auf der Grabung oder besuchten sie im Rahmen ihrer Forschungsreisen, nicht immer unter einfachen Bedingungen während der vorwendezeitlichen DDR.
Neben einem eigenständigen Forschungsteam wurden aber auch Kontakte zu verschiedenen anderen Forschungsgruppen aufgebaut. So bestehen noch heute sehr gute Kontakte zur Arbeitsgruppe Schöningen um den niedersächsischen Archäologen Dr. Hartmut Thieme oder zur Forschungsgruppe Archäometrie des Heidelberger Max-Planck-Instituts um Prof. Günther A. Wagner.
Bis 1990 gehörte die Forschungsstelle Bilzingsleben dem Landesamt für Archäologie in Halle, Sachsen-Anhalt, an. Dann in diesem Jahr wählte der Kreis Artern, in dessem Gebiet ja die Fundstelle liegt, per Volksentscheid ihrer Zugehörigkeit zum Kreis Thüringen. Damit wurde aber eine Übernahme zum Land Thüringen notwendig.
Diese Übernahme gelang 1993. Seit März dieses Jahres gehört die Forschungsstelle Bilzingsleben zur Friedrich-Schiller-Universität Jena und ist Teil des neugegründeten Instituts für Ur- und Frühgeschichte.
Ein besonderes Jubiläum näherte sich im Jahre 1999. Die Forschungsgrabung konnte auf eine 30jährige Grabungsgeschichte zurückblicken, in der eine der bedeutendsten pleistozänen Fundstellen Europas und der Welt ausgegraben wurde. Aus diesem Anlaß setzte der 1996 gegründete Förderverein "Bilzingsleben - World Culture Monument"e.V. ein Denkmal auf der Grabungsstelle. Dieses Denkmal würdigte nicht nur die 30jährige Grabung, sondern auch die Forscher, die sich in der vorangegangenen Forschungsperiode dem Fundplatz gewidmet hatten. Stellvertretend werden hierfür 1818 Frhr. Friedrich von Schlotheim und 1908 Ewald Wüst auf der Plakette des Denkmals genannt.


Im Laufe der Arbeiten beschäftigte sich die Forschungsstelle nicht nur allein mit dem Fundplatz Bilzingsleben. Auch die Untersuchung andere wichtiger Plätze in Mitteldeutschland wurde sich zur Aufgabe gemacht. Bereits Ende der 70er und Anfang der 80er Jahre widmete sich ein Teil der Arbeitsgruppe der Freilegung und Bergung des frühmittelpaläolithischen Fundplatzes Markkleeberg, südlich von Leipzig. Seit 1993 gehört ein Teil der Arbeitsgruppe Bilzingsleben auch zu jener von Schöningen unter Leitung von Hartmut Thieme. Letztendlich widmet sich die Arbeitsgrauppe auch einer ihrer wichtigsten Aufgaben, der Untersuchung des mittelpleistozänen Sees mit Nachweisen des frühen Menschen von Neumark-Nord bei Merseburg. Diese Arbeiten werden erst in einigen jahren abgeschlossen sein.

Nicht nur der Ausgrabung und Untersuchung, auch der wissenschaftlichen und populären Bekanntmachung widmete sich die Forschungsstelle. Dazu zählen Vorträge auf verschiedenen Tagungen, Kolloquien und Symposien, aber auch allgemeine Vorträge auf den verschiedensten Veranstaltungen, Organisation von Ausstellungen und Publikationen.

In den vergangenen 30 Jahren hielt die Forschungsstelle Bilzingsleben aber auch selbst verschiedene Kolloquien abgehalten, die der Diskussion mit anderen Wissenschaftlern dienten.

  • I Bilzingsleben-Kolloquium "Homo erectus - seine Kultur und Umwelt" vom 12. bis 15.10.1975 in Halle/Saale (Landesmuseum für Vorgeschichte). Veröffentlicht in EAZ 17,1976 und 18,1977.

  • II Bilzingsleben-Kolloquium "Homo erectus - seine Kultur und Umwelt" vom 24. bis 25.8.1978 in Halle/Saale (Landesmuseum für Vorgeschichte). Veröffentlicht in EAZ 20,1979 und 21,1980

  • III Bilzingsleben-Kolloquium "Homo erectus - seine Kultur und Umwelt" vom 1. bis 4.9.1981 in Halle/Saale (Landesmuseum für Vorgeschichte). Veröffentlicht in EAZ 24,1983

  • IV Bilzingsleben-Kolloquium "Homo erectus - seine Kultur und Umwelt" 23. bis 28.8.1987 in Halle/Saale (Landesmuseum für Vorgeschichte). Veröffentlicht in EAZ 30,1989 und 31,1990

  • V Bilzingsleben-Kolloquium "Homo erectus - seine Kultur und Umwelt" vom 1. bis 5.12.1993 in Jena (Hotel Schwarzer Bär). Veröffentlicht in EAZ 34,1993 und 35,1994.

  • VI Bilzingsleben-Kolloquium "Homo erectus - seine Kultur und Umwelt" im April 1998 (interne Fachtagung).

  • VII Bilzingsleben-Kolloquium "Bilzingsleben und Schöningen: Homo erectus - seine Kultur und Umwelt" vom 5. bis 7.3.1999 in Kahla/Thür. (Waldhotel Linzmühle). Veröffentlicht in Praehistoria Thuringica 3,1999 und 4,2000.

  • VIII Bilzingsleben-Kolloquium "Homo erectus und seine Zeit" vom 27. bis 29.9.1999 in Bad Frankenhausen (Hotel Reichenthal). Veröffentlicht in Praehistoria Thuringica 6/7,2001.

  • IX Bilzingsleben-Kolloquium "Zur Evolution des Menschen und seiner Kultur" am 10.2.2000 in Jena (Friedrich-Schiller-Universität) anläßlich der Entdeckung des Unterkiefers 1999. Veröffentlicht in Praehistoria Thuringica 5,2000.

  • X Bilzingsleben-Kolloquium "Homo erectus und seine Zeit" vom 24.9-26.9.2000 in Bad Frankenhausen (Hotel Reichenthal).

  • XI Bilzingsleben-Kolloquium "Homo erectus und seine Zeit" vom 19. bis 21.7.2001 in Bad Frankenhausen (Hotel Reichenthal).

Des weiteren wurde zusammen mit der Arbeitsgruppe Archäometrie des Heidelberger Max-Planck-Instituts und der Arbeitsgruppe Schöningen ein Kolloquium "Frühe Menschen in Mitteleuropa - Chronologie, Kultur, Umwelt" vom 9. bis 11. März 2000 in Heidelberg durchgeführt.




Letzte Aktualisierung:
12.03.2004


Erstellt und betreut von Th. Laurat und M. Häckel im Auftrag des Fördervereins Bilzingsleben.