Ein anständiger Vogel
An
einem Königshof gab es viele Tauben. Der König liebte Vögel, aber er hielt
keinen Vogel gegen seinen Willen fest. So kam es daß von den vielen Vögeln,
die vorbeikamen, nur eine Art zurückblieb – Tauben.
mit, er hatte Zutrauen gefasst, seine Wunden heilten. Es waren
Beziehungen entstanden, er hatte den Führungsstil des Königs liebgewonnen und
entschloss sich, zu bleiben.
Der
König hatte ihm die richtigen Pfleger zugeführt, ...
Einige
Hofmeister beobachteten ihn argwöhnisch – er bewegte sich anders, er gab
andere Laute von sich. Zudem äußerte er Gedanken und Gefühle aus seinem
Innern, pickte in Sachen herum, die andere nicht einmal ansehen würden (dabei
war es der König selbst, der den Futterplan aufgestellt hatte).
Sie hatten Angst vor ihm und dem Einfluss, der von ihm ausging. Sie berieten
sich untereinander. Ihre Einstellung übertrug sich ,auch auf andere und
im direkten Umfeld wurde er bald gemieden.
Schließlich setzten sich die Hofmeister zusammen, lockten den Falken an,
schnitten ihm die Krallen, die Flügel und den Schnabel und stellten daraufhin
erleichtert fest:
„Jetzt siehst du aus wie ein anständiger Vogel“.
Der König aber, der die Vorgänge verfolgt hatte war sehr traurig.
Er
investierte viel Zeit und Liebe und die Flügel, der Schnabel und die Krallen
wuchsen wieder, wurden kräftiger wie je zuvor.
Aber in dieser Zeit lernte der Falke auch seine Waffen anders zu gebrauchen.
Er entdeckte bei seinen Streifflügen, dass er schärfere Augen hatte und seinen
Schnabel auch zum Nutzen der anderen, nämlich um sie vor Gefahren zu warnen,
einsetzen konnte, er wurde zum Aßfresser, der das entsorgte, was sonst weiter
erbärmlichen Gestank verbreitet hätte.
Wie eng und festgelegt leben manche Menschen in ihrer bekannten und vertrauten Welt und schneiden alles, was ihnen fremd ist, auf ihr Maß zurück. Wenn wir aber andere Menschen beschneiden, damit sie nach unseren Maßstäben anständige Menschen werden, machen wir sie kaputt und bringen uns um die Chance, von ihnen zu lernen.“
( nach Axel Kühner)