Der Bahnhof

Eines Nachts hatte ich einen Traum. 

Ich saß in einem Zug und schaute aus dem Fenster. Dörfer, Bäume, Flüsse und herrliche Landschaften glitten an mir vorüber. Alles faszinierte mich sehr, während der Zug in gleichmäßigem Rhythmus dahin ratterte. Als ich meinen Gedanken nachhing, wurde mir alles bekannter. 

Hier war ich doch schon einmal gewesen. Plötzlich wusste ich es: Ich fuhr noch einmal durch mein Leben. Viele Erlebnisse standen wieder frisch vor mir. Vieles war schön gewesen. Da zogen dunkle Wolken auf und es fing an zu regnen. Der Zug fuhr weiter und weiter. Ab und zu hörte ich, wenn der Zug in neue Weichen umsprang. Hier hatte ich Lebensentscheidungen getroffen. Ich hatte sie für richtig gehalten. Nach einer langen Fahrt lief der Zug in einen Bahnhof ein und wartete. Irgendwie hatte ich das
Gefühl, ich müsste jetzt aussteigen. 

Da stand ich auf dem Bahnhof – allein. Es regnete. Es war dunkel und kalt.
Der Bahnhof war öde, menschenleer und zugig. Ich fühlte mich gar nicht wohl und bekam es mit der Angst zu tun. Hier sollte ich nun sein? An diesen schrecklichen Ort wollte ich nie kommen. Das konnte doch nicht wahr sein. Ich habe mir mein Leben anders vorgestellt. So doch nicht. Niemand sah meine Tränen. So stand ich eine Weile und es durchzuckte mich der
Gedanke: Meine Weichen wurden falsch gestellt. Ich, oder jemand anders hatte mit mir alles falsch gemacht. 

Während ich verzweifelt und ratlos da stand, ertönte eine Stimme aus dem Lautsprecher: „Bitte wieder einsteigen. Das ist der richtige Zug. Hier ist keine Endstation!“ Also, stieg ich wieder ein. Ich war erleichtert.
Natürlich, das hatte ich ja vergessen. Mein Endziel ist doch ein ganz anderes. Da muss doch auf dem Schild am Bahnsteig stehen: „Himmlisches Vaterhaus.“

Aus welchem Zug Sie auch ausgestiegen sind - steigen sie wieder ein und fahren sie weiter. Es ist genau der richtige Zug – ihr Zug. Und es gibt nur Zwischenstationen. Wichtig ist das Ziel. Gott hat für jeden Lebenszug ein gutes Ziel. Er macht keine Fehler. Wenn wir das erkannt haben, können wir beten: „Herr, ich danke dir für mein Leben – so wie es ist. Es ist nicht zu leicht und nicht zu schwer. Ich schaffe es gerade damit fertig zu werden. Manche Tage sind schön, andere traurig. Danke für mein Leben.“