Nicht vergeblich

„Der Alte ist ein Narr, dass er sich so viel Mühe gibt“, sagten die Leute über den Schmied, der in
seiner düsteren Werkstatt mitten in der Stadt an einer großen Kette arbeitete. Doch der Schmied
machte sich nichts aus ihren spöttischen Bemerkungen und arbeitete gewissenhaft weiter. 
Glied für Glied schmiedete er, bis die Kette endlich fertig war und weggebracht wurde.

Eines Tages lag sie zusammengerollt an Deck eines großen Schiffes, das die Weltmeere befuhr. 
Lange Zeit lag sie da, als würde sie nie gebraucht. Die Jahre vergingen. Aber eines Nachts kam ein 
schrecklicher Sturm auf, und das Schiff geriet in große Gefahr, auf die Klippen geschleudert zu werden. 
Ein Anker nach dem anderen wurde zu Wasser gelassen, aber keiner hielt. Die Ketten rissen 
wie Zwirnsfäden.

Schließlich wurde der mächtige Notanker ins Meer geworfen. Die alte Kette war rasch entrollt, bis sie 
straff gespannt war. Alle Matrosen schauten angstvoll zu, ob sie wohl der ungeheuren Belastung 
standhalten werde. Sie ächzte im schweren Sturm, während das Schiff mit seinem Riesengewicht 
an ihr zerrte.

Ein Augenblick äußerster, sorgenvoller Spannung. Das Schiff mit seiner kostbaren Fracht von 
tausend Menschenleben hing jetzt an dieser einzigen Kette. Was wäre, wenn der alte Schmied auch 
nur ein einziges Glied der Kette nachlässig geschmiedet hätte? Aber in jedem Glied steckte seine ehrliche
Arbeit und Treue. Darum konnte die Kette ihre Zerreißprobe bestehen und das Schiff sicher halten, bis
der Sturm abflaute und der Morgen kam.

Als Menschen, die Gott gehören, ist es unsere Pflicht, in allen Dingen treu und gewissenhaft zu sein, auch
 in den Dingen, die keiner sieht. Der Schmied wusste nicht, welche Auswirkung auf viele Menschenleben 
seine Kette haben würde. Auch wir wissen nicht, was unser Leben letztendlich bewirkt.

Wir wollen auf das Wort vertrauen: „ ... weil eure Arbeit nicht vergeblich ist in dem Herrn!“ 
(E. Cowman: Alle meine Quellen sind in Dir)

Ich glaube

Ich glaube, dass Gott aus allem, auch aus dem Bösesten Gutes entstehen lassen kann und will.
Dafür braucht er Menschen, die sich alles zum Besten dienen lassen.

Ich glaube, dass Gott uns in jeder Notlage soviel Widerstandskraft geben will, wie wir brauchen.
Aber er gibt sie uns nicht im Voraus, damit wir nicht auf uns selbst, sondern auf ihn verlassen.
In solchem Glauben müsste alle Angst vor der Zukunft überwunden sein.

Ich glaube, dass auch unsere Fehler und Irrtümer nicht vergeblich sind, dass es Gott nicht schwerer ist mit ihnen fertig zu werden, als mit unseren vermeintlichen Guttaten.

Ich glaube, dass Gott kein zeitloses Faktum ist, sondern dass er auf aufrichtige Gebete und verantwortliche Taten wartet und antwortet.

(Dietrich Bonhoeffer)