~ Leben in Japan ~

Feste und Feiern

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Beim Gion-Fest in Kyoto Die meisten traditionellen Feste und Feiern besitzen einen religiösen Hintergrund. Feste, die eine Einzelperson ehren, haben in Japan geringen Stellenwert. Das Individuum läßt sich nicht gerne feiern, im Mittelpunkt zu stehen ist vielen Japanern unangenehm. Beim Geburtstag zeichnet sich der Trend ab, daß junge Leute von Freunden, aber auch der Familie beschenkt werden. Früher jedoch wurde er kaum gefeiert. Bestimmte Lebensabschnitte werden festlich begangen jedoch nicht individuell, sondern in der Gemeinschaft. So zum Beispiel das shichi-go-san ("Sieben-Fünf-Drei") Fest, an dem die siebenjährigen und dreijährigen Mädchen sowie die fünfjährigen Jungen in traditionellen Kostümen zum Schrein der Gemeinde ziehen. Auf den 15. Januar fällt das Fest der Volljährigkeit, ein gesetzlicher Feiertag. Die zwanzigjährigen Frauen begeben sich festlich gekleidet zum Schrein und bitten um eine gute Zukunft. Weitere Feste sind das Fest der alten Menschen, das Puppenfest und das Knabenfest.

Das Fest der Feste: Neujahr; Glückwunschkarten

Den Höhepunkt des Jahres stellt das Neujahrsfest dar. Begangen wird dieses Fest in der Familie. Schulkinder haben Ferien, alle Geschäfte schließen, ebenso Unternehmen. Die Zeit vor Neujahr steht im Zeichen fieberhafter Vorbereitungen. Da am Neujahrstag in Japan nicht gekocht wird, was vermutlich auf einen chinesischen Volksglauben zurück geht, werden für den Neujahrstag kalte Speisen vorbereitet. Höchstens eine heiße Suppe genehmigt man sich, der geröstete mochi, kleine Kuchen aus geschlagenem Reismehl, beigegeben werden. Das Zubereiten der mochi ist Tradition, denn die kleinen Kuchen gehören einfach zu Neujahr, wie bei uns die Feuerwerkskörper, die in Japan keineswegs üblich sind. Traditionell versucht jeder nach Kräften, vor Neujahr seine Schulden zu begleichen. Wem dies bis zum Jahresende nicht gelingt, verliert sein Gesicht. Besuche im Familienkreis sind die Hauptbeschäftigung am Neujahrstag. Man bekundet Eltern und Schwiegereltern Respekt. Heute fahren viele Stadtbewohner, deren Eltern noch auf dem Land leben, zum Neujahrsfest in ihr Heimatdorf, um die Feiertage im versammelten Familienkreis zu verbringen. Fällt der 1. Januar auf einen günstigen Wochentag, können die Neujahrsfeierlichkeiten beinahe eine Woche währen.
Glückwunschkarten haben zum Neujahrsfest Hochsaison. Oft sind die Karten sehr wertvoll und teuer, nicht selten kleine Meisterwerke, die es sich zu sammeln lohnt. Beliebte Schmuckmotive sind Blumen und Vögel, Kiefer, Bambus und Pflaumenblüte als Symbole der Unwandelbarkeit, Kranich oder Schildkröte als Sinnbild langen Lebens. Auch Ansichten des Berges Fuji zieren zahlreiche Glückwunschkarten. Außerdem werden zu Neujahr, wie auch bei uns, gerne Kalender verschenkt.

"Valentine" und "Xmas"

Die Japaner haben den Valentinstag, "Valentine" und Weihnachten, "Xmas" aus den USA übernommen. Allerdings haben beide Bräuche, wie auch viele andere "Kulturimporte", ihre typisch japanische Ausprägung gefunden. Am Valentinstag, dem Tag für Verliebte, bieten viele Kaffeehäuser und Restaurants besondere Arrangements für Paare an. Es werden Pralinen und Gebäck in Herzform hergestellt, Blumenläden verkaufen Valentin-Sträußchen für Verliebte. Die Schaufenster sind mit Valentinsdekorationen überfüllt. Für junge Japanerinnen bedeutet der Valentinstag die Gelegenheit, sich ihrem heimlichen Schwarm zu offenbaren.Dies erklärt die Popularität in diesem Land, in dem Frauen traditionell äußerste Zurückhaltung auferlegt war. Verliebte Mädchen besaßen kaum eine Möglichkeit, den insgeheim Auserwählten irgendwie auf sich aufmerksam zu machen.
Das Weihnachtsfest liegt für Japaner ungünstig, weil es direkt in die Vorbereitungen für das wichtigste Fest, dem Neujahrsfest, fällt. Außerdem konzentriert sich "die" Geschenksaison unverrückbar auf das Neujahrsfest, so daß die Konsumenten sich kaum zum Kauf von Weihnachtsgeschenken verführen lassen. Falls man zu denen gehört, die zur Adventszeit unter der Berieselung mit Weihnachtsliedern in Supermärkten und Kaufhäusern leiden, so sei man vorgewarnt: Im Vergleich zu Japan ist unser Gedudel diskrete Hintergrundmusik. Weihnachtslieder wie Jingle Bells und Silent Night ist man nicht nur in Kaufhäusern ausgesetzt, sondern auch an den kuriosesten Orten. Manche Ampeln, die als Blindensignal normalerweise einen Kuckucks- oder Nachtigallenruf aussenden, werden im Oktober auf Weihnachtslieder umgestellt. Weder Heiligabend, noch 25. und 26. Dezember sind offizielle Feiertage. An allen Weihnachtstagen wird gearbeitet, auch Schulen schließen nicht. Niederlassungen deutscher Firmen geben ihren Angestellten am 25. und 26. Dezember im allgemeinen frei - eher zähneknirschend, da sie außerdem um Neujahr, wenn Japan das gesamte Geschäftsleben für einige Tage ruht, schließen müssen.

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