Die Architektur des Wohnungsbaus hat sich in Japan gewaltig verändert. Vor dem Zweiten Weltkrieg waren Häuser westlichen Stils die Ausnahme. In den traditionellen Holzbauten waren die Räume mit tatami ausgelegt, tatami sind etwa 5 cm dicke, mit Binsengeflecht überzogene Matten aus gepreßtem Stroh. Abends rollte man das Bettzeug aus und schlief auf den tatami, auf denen man tagsüber saß. In einem Häuschen im Garten befand sich das Bad, es wurde nach Feierabend angeheizt. Nacheinander stiegen nun alle Familienmitglieder in den mit dampfendheißen Wasser gefüllten Holzzuber. Bevor man in Japan in den Holzzuber bzw. die Badewanne steigt, wäscht man sich zuvor gründlich mit Seife von oben bis unten ab. Ungewaschen in das Badewasser zu steigen empfinden die Japaner als unhygienisch. Das - manchmal 45°C heiße - Badewasser ist stets frei von Duft- oder Reinigungsstoffen, es soll nur der Entspannung dienen. In den Städten besaß nicht jedes Haus und jede Wohnung ein
Bad. Dort begab man sich in die Gemeinschaftsbäder, wo man sich mit Nachbarn bzw. Nachbarinnen im heißen Wasser entspannte und dabei Neuigkeiten austauschte. Moderne Wohnungen sind nicht mehr mit den traditionellen tatami, sondern mit Teppichboden ausgelegt. Wie der Boden sind auch die Möbel westlicher Machart. Während frühere Generationen von klein auf lernen mußten, stundenlang auf untergeschlagenen Beinen zu sitzen, haben heute Stühle die tatami als Sitzgelegenheit abgelöst. Da alle modernen Wohnungen über ein Bad verfügen, erübrigt sich der tägliche Besuch des Gemeinschaftsbads. Daher trifft man seine Nachbarn seltener, die dadurch verminderte Kommunikation läßt die Gesellschaft anonymer werden.
Bevor man ein japanisches Haus betritt, zieht man die Schuhe aus und geht nur in Strümpfen oder in Pantoffeln ins Hausinnere. Auch bei den Toiletten haben sich die Japaner am westlichen Stil orientiert. Die traditionellen Toiletten waren im Boden eingelassene Hockklos (Anmerkung Hinagiku: Da sind Oberschenkelkrämpfe doch vorprogrammiert! *hi hi*). Moderne Toiletten weisen eine Reihe uns weitgehend unbekannter Raffinessen auf: Bei den meisten Toiletten läßt sich durch einen Hebel die benötigte Wassermenge zum Spülen einstellen. Da viele Toilettenräume ungeheizt sind, gibt es elektrisch beheizte, laut Hersteller "körperfreundliche" Klobrillen. Öffentliche Toiletten besitzen einen Knopf, der auf Druck die Akustik der Wasserspülung simuliert - eine Vorrichtung für Benutzer, die ihre unangenehmen Töne "überspülen" möchten. Ein Display warnt Mann bzw. Frau, wenn der Sound versiegt. Duftspender werden reichlich eingesetzt.