fritz Letsch

europäisches treffen '95 in münchen mit Augusto Boal

Tagung zur Anwendung des Theater der Unterdrückten in Europa
Eröffnung und Übergabe an den Moderator Wolfgang Kreissl-Dörfler MdEP Fritz Letsch, PFG 
Begrüßung der Gäste, Oscar Jara, mittelamerikanischer Koordinator Erwachsenenbildung 
Grußworte der Landeshauptstadt München: 2. Bürgermeisterin Dr. Gertraud Burkert

Die Anwendung des Theater der Unterdrückten in Europa:

Szene zur Theaterarbeit in der Schule: Arbeitsstelle Weltbilder, Münster 
Szene zur politischen Jugendarbeit: entwicklungsdienst theater-methoden, münchner gruppe 
Szene aus der Flüchtlingsarbeit: Christoph Leucht, Berlin, und Zoran Vukic, Kutina / Prvic, KR

Augusto Boal:

Die Entwicklung des Theater der Unterdrückten aus der Bewußtseinsbildung in Lateinamerika
über das europäische Exil
bis zum heutigen Legislativen Theater im Rathaus von Rio

 
Fragen und Gespräche (englisch, mit Übersetzung)
VeranstalterInnen / Zusammenarbeit: entwicklungsdienst theater -methoden in der Paulo-Freire-Gesellschaft e.V. 
Nord-Süd-Forum München 
Fachhochschule München, Fachbereich Sozialwesen in Pasing
Institut für Jugendarbeit Gauting des Bayrischen Jugendrings 
GEW Stadtverband München
Regenbogen Bayern e.V. 
Kulturreferat der Landeshauptstadt München 
Deutsch-Brasilianischer Kulturverein
Forum-Theater-Abend mit Augusto Boal im Institut für Jugendarbeit, Gauting Dienstag, 17. Oktober1995, 20.30 Uhr

Augusto Boal

geboren 1931 in Rio de Janeiro, war von 1956 bis '71 Leiter des Teatro de Arena de Sao Paulo. Dort wurde ein neues Volkstheater-Konzept entwickelt, das in den Dörfern und Städten die Zuschauer aus ihrer passiven Haltung befreien sollte und sie in den Stücken über Analphabetimus und Elend selber zu Handelnden machte.

1971 wurde er verhaftet und in der Untersuchungshaft gefoltert, im ersten Exil in Argentinien begann er die Methoden des Bilder-, Zeitungs- und Statuentheaters zu systematisieren, ab 1976 bis 1986 arbeitete er an der Anwendung und Übertragung der Techniken auf europäische Verhältnisse: Im zweiten Exil erst in Lissabon, dann in Paris, wo er eine Gastprofessur an der Sorbonne erhielt, entstand der Polizist im Kopf und der "Regenbogen der Wünsche".

Nach seiner Rückkehr arbeitet er mit einer Gruppe in Rio, mit der er dann 1991 für die Arbeiterpartei PT als Kandidat in den Wahlkampf ging. Seit 1992 konnte er als Ratsherr von Rio die MitarbeiterInnen seiner Gruppe anstellen und mit ihnen das neue Konzept des "Legislativen Theaters" entwickeln.

Das Theater der Unterdrückten

verbindet politische Bewußtseinsbildung mit Öffentlichkeit (Theater als öffentliches Forum) und befreiender Pädagogik. Der Widerstreit zwischen alltäglich erlebter Unterdrückung und dem Bedürfnis nach einer menschlichen Gesellschaft ist die Grundmotivation des Theater der Unterdrückten.
Das Statuen- und Bildertheater ist Lernort und Experimentierfeld in Einem. Hier entstehen Szenen, die zeigen, wie wir jeweils unsere Welt erleben. Dies ist der erste Schritt der Suche nach einem gemeinsamen Bild politischer Realität.

Im Forumtheater zeigen wir Szenen von Unterdrückung, um gemeinsamen nach befreienden Handlungsalternativen für die unter Druck gesetzte Person zu suchen. Die Zuschauer sind nicht länger auf ihre Plätze verbannt, sondern können als Zu-Schauspieler in die dargestellte Szene eingreifen.

EinE SpielleiterIn schafft den Rahmen und ermöglicht den Zutritt. Das Forumtheater ist zu Ende, wenn wir mehrere- oder die- befreiende Szenen erprobt haben.

Anwendung in Europa

und Afrika

Am Samstag, 14. Oktober '95 finden in der Fachhochschule München, Abteilung Sozialwesen in Pasing, folgende Workshops statt, in denen KollegInnen ihre Art der Anwendung des Theater der Unterdrückten vorstellen:

Prof. Dr. Dietlinde Gipser, Hamburg: Grenzüberschreitungen: Theater der Unterdrückten an Hochschulen in Nah-Ost und West
Oumar Ndiaye, Dakar / Senegal, und Prof. Dr. Christel Adick, Bochum: Theaterpädagogische Erfahrungen im Rahmen der nonformalen Bildungs- und Kulturarbeit im Senegal

Alwin Baumert, Nürnberg: Aus der ökologischen Depression aussteigen....

Christoph Leucht, Berlin, Zoran Vutic, Kutina: Flüchtlinge in Deutschland, Theater?

Theatermethoden in der Flüchtlingsarbeit in BRD & Kroatien

Michael Thonhauser, Wien: Theater der Unterdrückten und die Arbeit an sich selbst. Eine Einladung zu Grenzüberschreitungen

Christine Weber und Melina Meyer, Nürnberg: Frauen spielen Frauenthemen

Elisabeth Marie Mars, Rainer Bungenstock und Eugene Lambert, Arbeitsstelle Weltbilder, Münster: Theater an der Schule

Holger Ehlerding, Dießen: Theaterarbeit in der Kinder- und Jugendpsychiatrie

Roberto Mazzini, Assoziatine Giolli, Medesano: Theater of the Oppressed in social situations and in the professions of Sozial Work...

Fritz Letsch, München: Die Arbeit am Tabu und ihre besonderen Polizisten

Michael Wrentschur, Institut für Erziehungswissenschaft an der Universität Graz: Gewalt und Normen: "wir wollen den öffentlichen raum!"

Lisa Kolb, Wien: Theater der Unterdrückten und Radix: Wurzelarbeit

Einige Workshops wurden zu arbeitsfähigen Gruppen zusammengelegt.
Oscar Jara, Bildungs-Projektkoordinator in Mittelamerika (Alforja) Costa Rica, Heinz Schulze, München:
"Systematisierung von Erfahrungen im Bereich der Basisarbeit / Bildungsarbeit" neue Erfahrungen im Bereich der befreienden Pädagogik (spanisch-deutsch mit Übersetzung)
Die Workshops und die Fachtagung der KollegInnen mit dem Theater der Unterdrückten fand mit Unterstützung des kirchlichen Entwicklungsdienstes statt

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