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http://www.ews.uni-heidelberg.de/~gerstner/Kriterien.pdf


Ein Flug durch die Methoden:

Fritz Letsch:

Theater als Weg zum Dialog

Zusammenstellung zum Festival

"Business goes Theater" in Hof 1997

 

Theater- Methoden in der beruflichen Bildung

Theater hatte immer schon die Aufgabe, Vorschläge und Fragestellungen zur grundlegenden Interpretation und Veränderung der Welt in Bildern zu gestalten, nun hat sich der Gedanke des lebendigen Theater-Dialogs, wie er schon Piscator und Brecht vorschwebte, mit neuen Formen auf den Weg ins alltägliche Leben gemacht.

 

In der Bildungsarbeit, in Kommunikations- und Konflikttrainings, in Ausbildung und Therapie, aber auch im betrieblichen Leben werden dialogische Theaterformen vor allem da eingesetzt, wo es, wie z.B. im interkulturellen Bereich, um mehr als Wissen oder eindimensionale Fertigkeiten geht: Kinästhetisches und vor allem selbstgesteuertes Lernen hat sich als weit einprägsamer erwiesen, als alle wortreiche Belehrung, die je an uns herabgerieselt ist.

 

Die Verbreitung des anschaulichen Dialogs ist vor allem in sozialen und kulturellen Brennpunkten fortgeschritten: Die neuen Berufe der Mediation und des Konflikttrainings haben dabei Erfahrungen gesammelt, die auch für die alltägliche Umsetzung in Problemfeldern, Interessens- und Innovationskonflikten und vor allem in der Zukunftsplanung dienlich wären.

 

Für den Bereich gemeinsamer Planung und Zukunft hat sich ein breites Spektrum um die Zukunftswerkstatt nach Robert Jungk entwickelt, das zwischen Zukunftskonferenz (z.Bonsen) und Bürgerforum (Sellnow) vor allem im (Stadt-) Planerischen Bereich intensive Anwendung findet.

 

Theater als Sprache

In der Theorie dürfte Goffmann für die Soziologie mit den Interaktionsritualen(1) und seiner Arbeit Wir alle spielen Theater"(2) die Grundlagen in der breiten Anwendung für den Gedanken geschaffen haben, das alltäglich Verhalten nach Spiel-Elementen zu untersuchen und die Rituale unseres Benehmens damit auch veränderbar zu denken.

Für die Pädagagogik hat der Brasilianer Paulo Freire(3) Impulse gegeben, die denen von Carl Rogers für die Therapie entsprechen: Freire setzt sich erbittert gegen das Trichterprinzip" im Bildungswesen zur Wehr, das darin besteht, daß der Lehrer alles weiß und lehrt, während die Schüler nichts wissen und belehrt werden."(4)

 

Die aktuelle Systematisierung dialogischer Theater-Methoden als Element des Alltags ist Augusto Boal(5) zuzuschreiben, der mit der Methode des Forum-Theaters ein Instrument geschaffen und weiterentwickelt hat, als Joker" auch mit großem Publikum im offenen Dialog Szenen zu bearbeiten, die von einer Schauspieler- oder Beteiligten-Gruppe vorbereitet worden waren.

 

Theater-Methoden im betrieblichen Bereich

Die Übertragung der Methoden der Bildungsarbeit, in denen es vorwiegend um Lehr- und Lernsituationen, aber genauso um Blockaden, Mißverständnisse und Probleme der Zusammenarbeit, nicht zuletzt aber auch der Kompetenz und unsicherer Hierarchie geht, hat in erster Linie auf die Situaton der Beteiligten von ihrem Hintergrund und ihrer Rolle auszugehen.

 

Methoden im Überblick

Das STATUEN-THEATER kann den Blick schärfen: Wo haben wir Druck, woher kommt er, wo gebe ich nach? Der Blick für den Körper löst ein Tabu unserer Kultur. Es gibt uns jeweils die Kerne für die Weiterarbeit in den folgenden Methoden.

BILDER -THEATER schult den gemeinsamen Blick auf Haltungen, Bezüge, Verhaltensweisen und Reaktions- Mechanismen, die uns einengen und berechenbar machen. Es sucht nach Ansatzpunkten der Veränderung, kann STIMMEN HÖREN" und GEDANKEN LESEN".

 

Der "POLIZIST IM KOPF" und der "REGENBOGEN DER WÜNSCHE" sind hilfreiche Techniken, unsere Gedanken zu ordnen und den Blick auf die Wirklichkeit auch mit den Augen der Anderen zu üben.

 

FORUM-THEATER holt die Antwort für eine Problematik aus dem Publikum: Es kann eine Szene, die von einer Gruppe mit schlechtem Ausgang vorgestellt wird, anders zu Ende zu spielen, indem jemand in die Rolle der Unterdrückten einsteigt.

 

Der JOKER hat dabei die Spielleitung, er / sie stellt die Szene dem Publikum vor, lädt zur Veränderung ein und führt den Dialog auch für und mit den Darstellenden der Szene.

 

Grundlage: Der Dialog

Scheinbar wird er schon allerorten gepflegt, doch nur wenige können ihn vom wohlgemeinten Monolog unterscheiden, weil unser Schulsystem weitgehend auf diesen aufbaut: Gelungener Dialog hat tatsächlich verändernde Lerneffekte in beiden Richtungen. Jede Fälschung wird, wie auch die Verwaschungen von Team-" und Verantwortungsebenen, zumindest unbewußt erkannt und erzeugt langfristig Mißtrauen und Verweigerung, Anspannung oder Kopfschmerzen.

 

Wenn wir in einen gelungenen Dialog treten, erleben wir uns als ganze Menschen, ernst- und wahrgenommen und fähig, unsere Gefühle wie unser Denken auszudrücken. Wenn wir uns diesen Luxus nicht nur im Therapie-, sondern auch im Arbeitsbereich leisten, steigert das nicht nur unsere Lebensfreude, sondern auch unsere Arbeitsfähigkeit.

 

Dabei soll weder ein Übergriff in die Privatsphäre, noch eine platte Verbrüderung erfolgen, sondern ein offener Austausch aus Positionen erarbeitet werden, die unsere Zsammenarbeit in den verschiedenen Aufgaben verständlich und akzeptierbar machen.

 

Umgang mit Belastungen

In vielen Betrieben sind gerade die Verschiebungen von Überlastung und verweigerter Anerkennung, in der Folge schlechterer Zusammenarbeit und mangelhafte Identifikation mit dem Arbeitsziel die Kostenfresser, die mit allen Plan-Systemen nicht in Griff zu bekommen sind.

 

Die Verweigerung richtet sich dabei im Endeffekt nicht nur gegen die Arbeitssituation, sondern in der Folge genau so gegen Gesundheit, Beziehungen und Familie. Dieser Kreislauf wird in Szenen und Bildern sehr schnell offensichtlich, wenn die eigene Haltung sichtbar oder gespiegelt wird, während die Fixierung auf die Gegenposition aufgelöst wird.

 

Dagegen können vorübergehende Mehrbelastungen meist ohne große Probleme angenommen werden, wenn diese tatsächlich selbst zu regulieren sind: Eine absichernde Hilfestellung ist dabei genau so einzurichten, wie eine Vorsorge zur gründlichen Entlastung nach dieser Phase.

 

Belastung ausdrücken können

sollte dabei ermutigt werden - ohne künstliche Dramatisierung hervorzurufen. Dafür ist die jeweilige eigene Kritikfähigkeit die sicherste Kontrolle, die wiederum weder abwiegelnd, noch taktisch, sondern menschlich offen herausgefordert werden soll. In der Folge sind dann gemeinsame Wege der Entlastung und verbesserter Zusammenarbeit zu entwickeln.

 

Besondere Probleme interkultureller Zusammenarbeit

werden oft durch Überkompensation kaschiert und führen gerade damit auf Dauer zu ganz besonderen Anspannungen und Mißverständnissen. Aus manchen gut gemeinten Gesten und Verhaltensweisen werden Klischees, denen sich vor allem anpassungsfähige MitarbeiterInnen nicht ausgestzt fühlen wollen. Kulturelles Verständnis, das der Person weder Assimilierungsdruck noch Schubladen- Verhalten entgegenbringt, kann mit jedem Menschen neu beginnen.

 

Mein Körper - ein unbekannter Dienstleister?

Die allgemeinen Krankmacher an den Arbeitsplätzen werden durch die Berufsgenossenschaften schon behandelt, aber die Belastungen durch falschen Umgang mit dem eigenen Körper werden noch weitgehend vernachlässigt. Je mehr uns die Mitarbeitenden wert sind, um so mehr sollten wir sie befähigen, mit ihrer eigenen Gesundheit und krankmachenden Faktoren umzugehen.

 

Das Bewußtsein dafür muß oft erst gemeinsam entwickelt werden, da außer den üblichen Suchtproblematiken (zwischen Kaffee, Nikotin, Tabletten und Alkohol) viele Menschen sich an ihr spezielles eingefahrenes Verhalten klammern, sich oft sogar darüber definieren. Diese Verhaltensweisen können nicht durch Kritik von aussen, sondern nur durch eigene neue sichernde Hilfen abgelegt werden.

 

Ganzheitlich Denken sichert Qualität

In der Theaterarbeit gehen wir von Fuß bis Kopf durch den ganzen Körper, nehmen ihn wahr und achten auf seine Ausdrucksfähigkeit. Im spielerischen Umgang mit neuen Ausdrucksformen entwickeln wir eine andere Vertrautheit und gleichzeitig den sicheren Umgang mit den eigenen wie den Grenzen der Anderen.

 

Nicht zuletzt gibt ein realistischer Anklang der spirituellen Hintergründe unseres Lebens, die in Sekten und Psychokulten so oft mißbraucht und verdreht oder falsch betont werden, Verankerung in den Bildern der alten Religionen, Heilweisen der Schamanen und Bewußtsein für die eigenen Kräfte der Konzentration um Körper und Ausstrahlung, Gesundheit und Kraft.

 

Das Element Zeit" als unsere endliche Dimension gewinnt im Verständnis der Arbeit oft erst Gewicht, wenn sie nicht mehr reicht, abgelaufen ist oder knapp wird. Dagegen helfen nur wirklich realistische Planungen, in die auch unsere dynamischen Grenzen aufgenommen werden sollten. Der Regie-Blick kann dabei genau so Hilfe sein wie klassische Theaterthemen.

 

Was heißt Betrieb: Wirbel oder kreative Ordnung?

Wenn die Betriebsamkeit zur alltäglichen Ruhe oder zur Erlahmung abgeklungen ist, helfen Appelle am Wenigsten weiter: Gemeinsame Planung, Weiterentwicklung und auch die Ermöglichung konstruktiver Kritik werden Schlüssel der Zukunft.

 

Wir haben die Formen konstruktiver Kritik und weiterentwickelnder Reflexion nicht gelernt: In den Schulen herrscht Bewertung und Beurteilung, in den Betrieben Abrechnung und Konkurrenz: In Team-Entwicklungen sind aber ehrliche und nicht-herabsetzende fachliche Auseinandersetzungen die Grundlage für gemeinsame Veränderungen.

 

Wertungsfreie Stile sind zuerst oft ungewohnt und wirken manchmal wie die verschraubten Formeln der Zeugnisse oder die oft falsch verstandenen Sprachregelungen des Positiven Denkens". In spielerischer Erprobung können wir für die Teilnehmende stimmige Formen finden, die von ihnen dann auch selbständig reflektiert und weiterentwickelt werden.

 

Das Spannungsfeld zwischen zuverlässiger Diensterfüllung und kreativer Veränderung ist oft durch hierarchische Mißverständnisse, aber auch durch Aufsichtspflicht und Verantwortung geladen: Viele Betriebe haben inzwischen begriffen, daß nicht nur teure Entwicklungsabteilungen, sondern die Breite der Beschäftigten mit- und weiterdenken kann.

 

Trotzdem ein Bild von ganz Oben":

Die kreativen Räume des Walt Disney

 

Probleme, Fehler, Mißlungenes, Unfertiges Träume, Phantasien, Wünsche, Visionen Werkstatt, In Arbeit, Hilfsmittel, Pläne

Durch die Trennung der einzelnen Bereiche hat er ein Spannungspotential aufgebaut, das der Dialektik in der alten Jesuitenregel These - Antithese - Synthese" entspricht und schon den Schritt zur Überwindung der Widersprüche mitdenkt.

 

Dagegen wirken die hier so oft üblichen Polarisierungen in Pro und Contra" mittelalterlich, halten an den alten Problemen fest und wollen nicht den Weg zu einer Lösung einschlagen. Die Bilder der Parteipolitik prägen uns dabei mit der gleichen Depression wie die alten duale Feindschaften, die beide Gegner in ihrer Ver-rücktheit gefangenhalten.

 

Das System Zukunftswerkstatt nach Robert Jungk

 

Zukunftswerkstatt als Schneeball-System

Robert Jungk hatte die Vorstellung, daß sich das Modell der Zukunftswerkstatt von selbst in allen verschiedenen Bereichen verbreiten würde, bis auch Schulklassen selbständig und selbstverständlich damit arbeiten würden. Dabei hat er die Trägheit und die Selbstverteidigungs- Mechanismen unserer alten Systeme unterschätzt: Einerseits ist bei den meisten unserer heutigen Gruppen eine aussenstehende Moderation nötig, andererseits ist das Fachwissen in verschiedenen Berufs- und Marktstrukturen hängengeblieben, statt in die breite Bevölkerung zu gehen.

 

Die Erlebnisse in vielen Werkstätten sind oft so intensiv und beunruhigend vielschichtig, daß sich viele TeilnehmerInnen nicht an einen eigenen Versuch wagen, manchmal aber auch so enttäuschend, daß neben den zu hoch gesteckten Erwartungen auch die Methode verabschiedet wird.

 

Dagegen gab es aber eine Ermutigung von Robert Jungk, die im Umkreis der ModeratorInnen als der Jungk'sche Schulterschlag" bezeichnet wird: Versuchen Sie's doch einfach mal! (6)

 

Das Modell Zukunftswerkstatt erleben

Die Idee und ihre Entstehung sind in etlicher Literatur ausführlich beschrieben(7), hier nur in kurzen Anmerkungen:

Die Zukunftswerkstatt nutzt die Spannung der Dialektik in der gesonderten Behandlung von Kritik und Phantasiephase

 

Die Zukunftswerkstatt lebt aus der Beteiligung aller und braucht nur motivierende, aber zurückhaltende ModeratorInnen und natürlich vorausdenkende VeranstalterInnen

 

Die Zukunftswerkstatt ist eine ungewohnt demokratische Arbeits- und Lernform, die in ihren verschiedenen Dimensionen durch die Teilnehmenden erst erforscht werden muß

 

Das Thema gemeinsam klären

Für eine Einladung wird ein Thema festgelegt, in einer ersten Runde wird das Verständnis und Interesse der Einzelnen daran ausgetauscht.

 

Drei Schritte: 1. Kritik und Analyse

Was uns stört oder hemmt, was uns krank macht, was uns manchmal verzweifeln läßt: Von den kleinen Störungen bis zu größeren Hindernissen, dazu gehören natürlich auch Funktionen unserer Gesellschaft, Probleme der Arbeit in einer begrenzten Welt.

 

2. Phantasie und Utopie

Zu dieser Phase brauchen wir oft mehrere Einstiege, und manchmal ist es sogar angebracht, uns mit unseren eigenen Grenzen auseinanderzusetzen. Ein regelmässiger Wechsel der Methoden(8) von Gruppen- Paar- oder Einzelarbeit ist dabei immer hilfreich.

 

3. Verwirklichung und Strategie

Hier brauchen wir unsere ganze professionelle Fähigkeit von Planung und Arbeitsteilung, sowie die Einbeziehung von Fachleuten, Partnern und Freunden für die Ziele, die uns wirklich wichtig sind.

 

Vereinbarungen und Reflexion der gemeinsamen Arbeit

Unsere letzte gemeinsame Kontrolle der Ergebnisse auf Anwendung und Verwirklichung, aber auch verlässliche Vereinbarungen zur Weiterarbeit oder zur permanenten Zukunftswerkstatt(9)", wie sie sich Robert Jungk vorgestellt hatte: Wir halten wir unsere gemeinsame Arbeit im Blick?

 

Die Zukunftskonferenz und das Bürgerforum

Weiterentwicklungen der Methoden in den verschiedenen Bereichen sind durch Unternehmensberatung und Planungsbüros sowie durch den Volkshochschulverband formuliert und erprobt worden, um die gesamte Energie der Beteiligten in innovative Prozesse einzubeziehen, die sich sonst in Unruhe und Widersprüchen ausdrücken.

 

Die Neu-Heit des Forschens

Unsere Schulen haben in der Art der allgemeinen Belehrung wenig Grundlagen für eigenständiges und gemeinschaftliches Forschen anzubieten, weil die meisten Lehrkräfte selbst nicht dazu ausgebildet sind(10). Partzipative Forschung und Reflexion kann die gesamte Offenheit der Ideen schaffen, Mißerfolge vorwurfsfrei untersuchen und als Erfahrung nutzbar machen.

 

Theater-Methoden bieten dabei Gelegenheit, zuerst durchaus mit Verkürzungen und Klischees, dann aber immer genauer zu untersuchen, wie und wo Verhaltensweisen und Strukturen erneuernde Ideen zurückhalten.

 

Selbststeuernde Strukturen

Eine weitgehende Entlastung ist durch die Verteilung von Verantwortung an die jeweils niedrigste kompetente Stelle zu erreichen: Diese zur Übernahme einer über den eigenen Tellerrand blickenden Haltung und zur Lust an fließender Mitwirkung zu motivieren, ist ein Kunstwerk, das zwischen Ermutigung und Fortbildung entstehen kann.

 

AGENDA 21: Zukunftsfähigkeit

Die Beschlüsse der Konferenz für Entwicklung und Klimaschutz von Rio wurden zuerst für unwirksam gehalten, weil sie weder größere Finanzierungen noch Sanktionen enthielten. Trotzdem (oder gerade deswegen) hat sich daraus eine Bewegung entwickelt, die jenseits kurzfristiger Profitvorstellungen eine neue Qualität des Denkens entwickelt: Zukunft.

 

Gegenläufig zu den unruhiger und enger werdenden Arbeitsmarkt- Situationen bauen sich dabei Netze auf, die Kompetenzen und politische Verantwortung zusammenbringen und über die bestehenden Parteienkonfrontationen hinweg neue Wirkungsfelder entwickeln.

 

Wo diese Initiativen bisher zu neuem Gemeinde-Denken beigetragen haben, entstehen viele Projekte, die mehr als nur regionale Bedeutung haben: Bilder von Lebensqualität und Nachbarschaft zeigen dabei deutliche Wünsche. Von Tauschringen bis zu Nahverkehrs-Konzepten, Eine-Welt-Bewußtsein und Lebensstil werden Impulse für Regionalentwicklung gegeben, die im Wirtschaftsbereich aufmerksam verfolgt werden sollten.

 

Autor und weitere Veröffentlichungen

Fritz Letsch, seit 1981 freiberuflich in der Theaterpädagogik und in der Entwicklung kommunikativer Bildungsarbeit, in Berufsfortbildungen und an Fachhochschulen tätig.

 

Alfabetisierung der Sinne

in: image 53, Zeitschrift der Kath. Hochschulgemeinde Würzburg 1982

Aktionstheater als Schritt in die Öffentlichkeit, Neue Theaterformen in der Jugendarbeit

in: jugendnachrichten, Zeitschrift des Bayrischen Jugendrings 1987

Bewußtseinsbildung in der Theaterarbeit

in: Befreiung und Menschlichkeit, Texte zu Paulo Freire, Hrsg: Heinz Schulze u.a. AG SPAK 1991

Die Arbeit am Tabu: Lehren und Lernen mit Boal, Werkstattgedanken

in: Freire-Brief 48/49-91 und: Gebraucht das Theater, Die Vorschläge Augusto Boals: Erfahrungen, Varianten, Kritik. Hg. Bernd Ruping, Bundesvereinigung kulturelle Jugendbildung Lingen + Akademie Remscheid 1991

Zukunftswerkstatt - Utopie: Vom Problem zum neuen Projekt

in: das KulturBureau, Handbuch zur Organisation, Entwicklung, Aufbau und Absicherung von Projekten im kulturellen und sozialen Bereich, Hrsg. Para-SOL e.V. Autorenteam Regensburg 1992

Werkstätten in der Bildungsarbeit, Werkstatt als Arbeitsweise in der Moderation

in: Aktivierende Methoden für größere Veranstaltungen der politischen Bildung, WDÖFF Bonn & AG SPAK 1993

Utopie als Lust an der Krise

in: das KulturBureau II, Aufbau und Absicherung des eigenen Arbeitsbereiches, Hg. Para-SOL e.V. Regensburg 1994

Reale Theaterarbeit in sozialen und pädagogischen Berufen

in: Professionelle Kompetenz in der befreienden Pädagogik, Zeitschrift für befreiende Pädagogik 2/3 1994

Bericht aus Kroatien, Theatermethoden in der Flüchtlingsarbeit / Better Sweden?

Bericht für Regenbogen Bayern 1994, Kurzfassung in: Medizin und Gewissen, Der Mensch nimmt sich mit, wenn er wandert, München 1996

Lernen zurückerobern, Theater-Werkstatt-Arbeit als kooperative Arbeitsform

in: Kulturen des Lernens, Bildung im Wertewandel, Hg. von Hannelore Zimmermann, talheim 1995

Lernen von der Dritten Welt, "Von Rio nach Kopenhagen",

in: Materialien für die bundesweite Fachtagung "Der Nord-Süd-Konflikt in der Bildungsarbeit" Celle Mai 1995

Stimmkonzert. Eine soziale Erfahrung? Interferenzen.

in: Korrespondenzen, Zeitschrift für Theaterpädagogik, Reader zur Tagung "Soziales Lernen und Ästhetische Erfahrung" Berlin Februar 1995

Auf dem Weg zu einem Theater der Veränderung? Das Theater der Unterdrückten in europ. Anwendungen in: Es braucht Mut, glücklich zu sein, Zeitschrift für befreiende Pädagogik 10- München 1996

Nur dort wird weiter aktualisiert: meine Veröffentlichungen

 

Anmerkungen und Literatur:

1. Erving Goffmann: Interaktionsrituale, Über Verhalten in direkter Kommunikation, Frankfurt 1986

 

2. ders: Wir alle spielen Theater, Die Selbstdarstellung im Alltag, München 1969

 

3. Paulo Freire: Pädagogik der Unterdrückten, Bildung als Praxis der Freiheit, Stuttgart 1971

 

4. Carl R. Rogers: Die Kraft des Guten, Ein Appell zur Selbstverwirklichung, München 1978, S. 124

 

5. Augusto Boal: Theater der Unterdrückten, Übungen ... für Schauspieler und Nichtschauspieler, Suhrkamp-Taschenbuch, Frankfurt 1989

 

6. wobei er der Angesprochenen freundlich die Hand auf die Schulter legte.

 

7. Robert Jungk und Norbert Müllert: Zukunftswerkstatt, Goldmann oder Heyne-TB

 

8. Beate Kuhnt, Norbert R. Müllert: Moderationsfibel Zukunftswerkstätten, verstehen, anleiten, einsetzen, Ökotopia Münster

 

9. Eine Methode für wirklich zukunftswillige Arbeitsgruppen: Regelmässige Werkstätten mit Auswertung der Hindernisse.

 

10. Fritz Letsch: Lernen zurückerobern, in: Kulturen des Lernens, Bildung im Wertewandel, Hg. Hannelore Zimmermann, Mössingen 1995

 

 

mein persönlicher Bericht zum Festival in Hof 1997

Programm und Mitwirkende 1998 http://www.hof.baynet.de/~bgot

die neue Entwickung: Visionstheater®

 

 

 


Visionstheater ist Unternehmenstheater, aber ..

Visionstheater ist Unternehmenstheater.

 

Aber nicht so, wie viele andere.

Wir arbeiten mit den Menschen, die ihre Kommunikation verbessern wollen,

nicht für motivierende Bühnenshows oder so.

mehr demnächst hier. bislang: http://www.visions-theater.com/

und:

Sa. 5. April 2003 war .. und wird sicher im Herbst wiederholt:

Ein Einstieg in die Arbeit mit Theatermethoden in Organisationen, mit Gruppen und für die Personalentwicklung, sowie jeder Form von konstruktiver Veränderungsarbeit. Statuen-Theater und Bilder von Situationen gemeinsam bewusster lesen, der Weg von introspektiven Techniken zum dekodierten Forumtheater, Szenen erstellen, die Veränderung brauchen und auch hervorrufen, der Kraft der Gruppe/des Publikums trauen. Die Magie der Richtung. Zu den Bildern der Situationen kommen. Im Forumtheater auf die Antwort der Beteiligten hoffen und achten, die Kraft der Veränderung in den Szenen freilegen und ausspielen. Pace not Passivity! (Augusto Boal)

 

Mo. 14. Juli 2003

Fritz Letsch, Gestalt-therapeutisch arbeitender Theaterpädagoge:

Vom Jetzt zum Wunsch, das Real- dem Idealbild gegenüberstellen;

im Forumtheater auf die Antwort der Beteiligten hoffen und achten;

die Kraft der Veränderung in den Szenen freilegen und ausspielen;

die Theorie zur eigenen Arbeitsweise entwickeln und austauschen.

Grundlagen der Gestalttherapie Fritz Perls und der Situationsaufstellung können in der Personalarbeit ein mächtiges Instrument der Verständigung und der beteiligenden Veränderungsbereitschaft sein.

Die Situationsaufstellung ist längst gängige Praxis.

Mit einigen strikten Regeln der Beteiligung, Verantwortung und der Achtung persönlicher Grenzen kann ein maßgeschneidertes und leicht ritualisiertes Werkzeug der Konfliktregelung in Gruppen entwickelt werden.

 

In dem folgenden Workshop (Sa. 9.8. + neuer Termin) kann die Praxis der partizipativen Theaterarbeit erlebt werden. Fritz Letsch und Brendt Wucherer arbeiten seit über fünf Jahren gemeinsam an der Kombination von Methoden der Theaterarbeit mit der Bildungs- und Sozialarbeit sowie der Personal- und Unternehmensentwicklung. Die Erfahrungen der Arbeit mit Führung und Gruppen im Visions Theater® werden in dieser Reihe reflektiert.

Anmeldung unter MindZone(at)HozoFactory.de

 

Sa. 9. August 2003 und neuer Termin

Vom Jetzt zum Wunsch, das Real- und Idealbild gegenüberstellen. Die Theorie zur eigenen Arbeitsweise entwickeln und austauschen. Die Veränderung brauchen. Die Kraft der Situations-Aufstellung in den Statuen-Szenen freilegen. Polaritäten und Engpass in der Forumtheater-Arbeit identifizieren. Die paradoxe Theorie der Veränderung, Gestalt-Theorie und -Theater, Grenzen der Gruppen- und Personal-Arbeit, Einverständnis organisieren. Etwas in uns will Beständigkeit ... und Ritual.

 

ein früher kommentar zu unserer arbeit: 1999

http://www.igmedien.de/...1999/02/28.html

 

Man kann weder die Formen des Theaters, noch die der Unternehmen über einen Kamm scheren. Aber wie soll man darüber denken, wenn beide Formen sich vereinen? Im Ambiente unserer, nach Aussagen derer, die daran gut verdienen wollen, sich rapide verändernden Wirklichkeiten, ist auch das nicht mehr neu. Was hat das Theater mit Wirtschaftsunternehmen zu tun? Soll dort, in Empfangshallen oder Fabrikräumen - also nicht nur in solchen, die schon für die Kultur umgewidmet worden sind - Theater gespielt werden? Handelt es sich dabei um eine Art Vision oder eine andere Art von Konfliktmanagement? Und wenn dort gespielt wird: Wer spielt? Was wird gespielt? Wo bleibt die Kunst? - Wir beschäftigen uns seit langem in "Kunst & Kultur" mit der Zukunft der Künste. Doris Kunzmann berichtet im folgenden Beitrag von einer Tagung, auf der man sich Gedanken darüber gemacht hat, wie ein Theater in Unternehmen (oder ein Unternehmenstheater) aussehen könnte.

 

 

Mit Theaterlust gegen Unternehmensfrust

Business goes Theater. 2. Forum für Theaterarbeit im Dienst der Wirtschaft. Neue Wege der Unternehmenskommunikation in der Prozeßgestaltung und bei Veranstaltungen. Ein Symposion im Theater Hof.  Von Doris Kunzmann

 

Über der Veränderung liegt stets

ein Hauch von Unbegreiflichkeit.

(C.F. von Weizsäcker)

 

Es ist interessant, daß sich die Wirtschaft auf das Theater als Heilmittel für ihre Probleme besinnt, in einer Zeit, in der das Theater in der Gesellschaft in Frage gestellt wird, weil es zu teuer ist, weil es abgehoben ist von der Realität oder aus welchen Gründen immer. Das ist erstaunlich. Und es spricht für die Kraft, die dem Theater offenbar zugestanden wird. Ob es diese Kraft wirklich hat, ist eine andere Frage."

 

Der Theaterwissenschaftler Wilfried Passow war bereits zum zweiten Mal auf dem Forum für Theaterarbeit im Dienst der Wirtschaft, wo neue Wege der Unternehmensberatung zur Diskussion standen. Unter dem Motto Business goes Theater wurden in Hof Möglichkeiten ausgelotet, ob und wie das sinnliche Medium Theater für die innerbetriebliche Problemlösung genutzt werden kann. Vor allem im Change-Management.

 

Denn offensichtlich schlägt in Handel und Industrie kontraproduktiv zu Buche, was lange Zeit entbehrlich schien. Der Mangel essentieller Fähigkeiten, wie die Lust am Risiko und auf Veränderung, die Wahrnehmung oder das emotionale Handeln. Das Theater soll hier Nachhilfe geben, als ein Baustein unter anderen, wie immer wieder betont wurde. Weil Theater unmittelbarer wirke als Reden, Film oder Video und sich nachhaltiger einpräge in der "Systemressource Mensch".

 

Veranstaltet wurde die Tagung von der Transico GmbH in Bayreuth, einem der beiden Anbieter, die in der Bundesrepublik ausschließlich von betriebsorientiertem Theater leben können. Denn im Gegensatz zu England, Belgien und Frankreich ist die Branche hierzulande erst im Aufwind. Verglichen mit öffentlichen Theatersubventionen halten sich die Zahlen in Grenzen. 30 Millionen Jahresumsatz sind für das Jahr 2005 prognostiziert, eine dreifache Steigerung gegenüber dem Jahr 1997. Der fünfachen Nachfrage stehen 200 Theaterstücke gegenüber, die für Betriebe nach Analyse der Arbeitsabläufe und Probleme maßgeschneidert werden. Gerade zehn Prozent der Jahresproduktion, die in Frankreich über Firmen-Bühnen geht. In Nantes gibt es bereits ein internationales Festival für Unternehmenstheater.

 

In Hof konnte Jürgen Bergmann, Inhaber der Firma Transico, 240 Teilnehmer im Stadttheater begrüßen. Mehr Berater, Trainer, Künstler, Medienvertreter als Unternehmer oder Manager, die als primäre Zielgruppe angepeilt sind. "Ja, aber..." lautet sein Fazit nach der Veranstaltung.

 

Der Markt schwingt die Peitsche

 

Jürgen Bergmann, ein Self-Made-Man, der Schriftsteller werden wollte und in Frankreich eher zufällig zum Unternehmenstheater stieß, stellte ein Stück vor, das er für die Münchner Softlab GmbH produziert hatte. Count-Down 89-98, das die Firmengeschichte symbolisch rekapitulierte, sollte "das Fundament für die Vision der neuen Unternehmensstrategie" bildlich verankern.

 

Da sitz ich nun, ich armer Tor und bin so klug als wie zuvor. Ich hab’s mit Gewalt, mit Drogen, mit Unterdrückung probiert und nichts davon hat funktioniert. Warum machen sie nicht, was ich will. Portfolio, Skill. Ich könnte sie in Stücke reißen. Sie tun gerade so, als ob sie mich nicht mehr bräuchten."

 

Le Roi, König Umsatz (Return of Investment) kapituliert vor der Peitsche von Lady Market, die ständige Anpassung fordert. Ein Faust’scher (?) Pakt mit der Fachkompetenz Lady Skill ist die Folge und ein direkter Appell an die Unternehmensleitung, Vorbild zu sein.

 

Epigonenhaft speiste sich das Spiel aus dem Fundus des traditionellen Theaters. Mittelalterliches Mysterienspiel und Allegorientheater standen Pate, Teile des Faust wurden aus dem Kontext und den damit verbundenen Ansprüchen gerissen, die zerstückelten Splitter mit sexistischen Anspielungen gepfeffert und zu einfachen Bildfolien zusammengeschüttelt. Aus denen wurden sentenzenhafte Aufforderungen abgeleitet. So wurden einst die Fürsten von der Theaterbühne her angerufen.

 

Unternehmenstheater jedoch, so war man von der Programmbroschüre vorgewarnt, sieht sich ausdrücklich nicht in Konkurrenz zum traditionellen Theater. Ästhetik, der künstlerische Wert, spiele eine untergeordnete Rolle, so der Wirtschaftswissenschaftler Prof. Georg Schreyögg von der FU Berlin. Was interessiere, sei die Sinnfrage. Warum die Mitarbeiter eines Unternehmens sich Theater ansehen sollen und ob es sich auszahlt.

 

Die zweite, schwerer zu beantwortende Frage, wie Unternehmenstheater wirkt. Während die Wissenschaft, Luhmann und die Systemtheorie zitierend, im Trüben fischt, läßt sich die Wirkung auf den Konten der Anbieter klar beziffern. Jürgen Bergmann: "Die Erfahrung ist äußerst subjektiv. Ich kann nur sagen, der Erfolg gibt uns Recht. Ich habe einen echten Wert produziert und ich weiß, was hat’s gebracht."

 

Der Pakt mit der Magie

 

Ein Unternehmen fusioniert. Die Informationsströme sind unterbrochen. Chaos bricht aus. Jede Motivation ist dahin. Der mit der Neuorganisation beauftragte Mitarbeiter landet beim Psychiater. Das Théatre à la carte, Paris, zeigte in "Organisation außer Rand und Band", wie man es nicht macht. Das Stück wurde beim Festival International d’Entreprise in Nantes preisgekrönt.

 

Nach dem einfachen Positiv-Negativ-Schema funktionierte auch die 15-Minuten-Performance der Mobilé GmbH. Für die WM-Holding, Bocholt, ein Unternehmen für Transportlogistik, brachte die Kölner Gruppe die Themen Kundenorientierung und Kommunikation zwischen Innen- und Außendienst auf die Bühne. Mit den Mitteln des Bewegungstheaters, mit Slapstick, Pantomime und Akrobatik entstanden zwei Bilder: Zuerst säumige Mitarbeiter, ein ungehaltener Kunde.

 

Danach: das ideale Bild einer Welt, die nach dem Willen der Angestellten sich dynamisch-harmonisch entfaltet. Der Kunde wird auf den Händen getragen.

 

Beide Stücke arbeiteten mit karikaturenhafter Überzeichnung. Trotz aller Unterschiede wurden in beiden Fällen Leitsätze des Unternehmens theatral verpackt. Das fand nicht nur Zustimmung im Publikum.

 

"Die Vision eines Unternehmens zu inszenieren und sie dann vorzuführen, heißt nicht, daß die Mitarbeiter dadurch automatisch ein anderes Verhalten zeigen. Das ist die ganz große Krux hier."

 

Bernhard Strobel, Inhaber der Visual Consulting in Mannheim, der als Spiritus rector des Theaters für Betriebe auftritt und sich den Begriff Business-Theater rechtlich hat schützen lassen, sieht die angepeilte Problemlösung mit dieser Form des Theaters verfehlt. "Das ist purer Konsum", sagt der Unternehmensberater und Theaterautor, auf dessen eindrucksvoller Kundenliste Firmen wie Audi, Opel, Mercedes-Benz stehen, aber auch viele Versicherungen, Banken, Verkehrs- und Energiebetriebe. Er hat sich dem Business-Theater als der "ökonomischsten Form der Kommunikation" verschrieben, um Menschen zu berühren, zu bewegen und somit zu verändern. Und das lasse sich nicht mit Hochglanzbildern erreichen, sondern indem man die Menschen im Konflikt zeige "zwischen ihrer eigenen Kultur des Bewahrens und dem Wunsch nach Veränderung, die meistens von oben nach unten kommuniziert wird."

 

Vision oder Konfliktmanagement? Hier stand in Hof Meinung gegen Meinung. Klaus Schiermann vom DKS-Trainingsinstitut, München, vertrat die Guppe derer, die den Konflikt als produktives Moment bejahten. Rainer M. Neubauer, Senior-Manager der Andersen Consulting und Sponsor der Veranstaltung, schob Konfliktbewältigung Psychotherapeuten oder Personalentwicklern zu. Im Bereich des Unternehmenstheaters sei sie eine Verengung. "Wir wollen etwas gestalten", sagte er auf einer Podiumsdiskussion, "aber nicht an Konflikten, sondern an positiven Visionen." Wo virtuelle Prozesse angesprochen sind und schwer vorzustellende strukturelle Verwerfungen, fordert er vom Theater, diese dreidimensional darzustellen.

 

Im Unternehmenstheater sind wahrscheinlich beide Ansätze sinnvoll, vor allem, wenn die eigenen Ansprüche auf der Bühne tatsächlich eingelöst werden. Nicht alle Kunden des Forums jedoch fühlten sich auf Händen getragen. Sie hätten sich mehr Professionalität ("Schülertheaterniveau"), Klarheit in der Problemstellung und in der Organisation gewünscht. Zudem ist der Glaube, Ästhetik spiele keine Rolle, eine Illusion. In Hof waren kaum dreidimensionale Bilder komplexer Zusammenhänge zu sehen. Vielmehr holzschnittartige Illustrationen, die weit hinter den theatralischen Möglichkeiten zurückblieben.

 

Die vorgestellten Visionen gingen über Allgemeinplätze nicht hinaus. Da wurde penetrant mit Suggestivformeln gearbeitet, wie "Zusammenarbeit" oder "Ausbildung", mit direkten Appellen wie "Gemeinsam sind wir ein Team!" oder "Seien Sie ein Vorbild!", die auf das Teilen von Botschaften und die passive Aufnahme ad hoc vorbereiteter Informationen hinausliefen.

 

Wer vom Theater kommt, mag freilich kaum erkennen, wie verkrustet die Strukturen tatsächlich sind, auf welche die Slogans in der Praxis fallen. Offensichtlich bietet Unternehmenstheater einem betrieblichen Publikum, das in der Wahrnehmung theatraler Formen wenig geübt ist, ein hohes Maß an Identifikation und zumindest die Fiktion, die Abläufe der Praxis zu verstehen. Kein Wunder. Die Probleme sind so allgemein formuliert, daß sie niemandem weh tun. Und: Das Wichtigste blieb ausgespart. Nämlich wie man beispielsweise im Stück der Mobilé GmbH von A nach B kommt. Daß Flexiblität ein wünschenwerter Zustand ist, erfährt jeder Verkehrsteilnehmer täglich am eigenen Leib. Aber wie entsteht der Stau? Vielleicht hat manche Verweigerung ihre guten Gründe.

 

Der Pakt Kunst und Kommerz fiel in den gezeigten Beispielen nicht immer zu Gunsten der Fachkompetenz aus. Hauptsache die Kosten-Nutzen-Relation stimmt? Das wäre zynisch. Es führt zwar nicht, wie in "Organisation außer Rand und Band" zur Hypnosetherapie von Breuer und Freud, dafür zur Therapie im Interesse der Bilanzen und in den Bereich der Betriebsmagie. Die funktioniert auch nur, solange nicht durchschaut wird, wie.

 

"Da ginge die Arbeit erst richtig an," sagte Wilfried Passow, "indem man die Angestellten nachspielen läßt und sie fragt, wie sie sich fühlen, wenn sie spielen, was sie auf der Bühne gesehen haben. Daß man sie anderes spielen läßt und sie dann mit ihren Erfahrungen tatsächlich einbezieht."

 

Denn daß das Vorspielen von Visionen keine Wirkung hat, hat sich schon beim normalen Theater gezeigt. "Erstens gehen die nicht hin, die’s angeht. Im Betrieb sind es die ganz oben und es werden eigentlich nur die Probleme der da unten gezeigt. Ganz selten wird ja das Top-Management in seiner Problematik und in seinem Versagen vielleicht auf die Bühne gestellt."

 

Gerade auf Vorstandsebene aber findet am häufigsten Zensur statt. Für Klaus Schiermann eine Generationsfrage. "Da werden Konzepte, die schon erarbeitet wurden, gekippt aus Angstgründen. Weil die Furcht besteht, man kann sich lächerlich machen, sich eine Blöße geben, wenn Knackpunkte in Firmen aufgezeigt werden sollen. Bei jüngeren führenden Mitarbeitern ist das kein Problem." Das einzige Stück, das betriebliches Scheitern thematisieren sollte, fiel übrigens in Hof aus.

 

Unternehmenstheater wird von den meisten Anbietern als Teil eines umfassenden Beratungskonzept mit Vor- und Nachbereitung verstanden. Ob den Menschen in den Firmen die Chance der Nachbearbeitung der im Theater gezeigten Inhalte tatsächlich eingeräumt wird, ist die Gretchenfrage an die Praxis. Wie es scheint, fehlen dafür Geld oder das Verständnis. Wurde bei der WM Holding zur Umsetzung der theatralen Vision ein Trainer engagiert, blieb es bei der Aufführung, die Transico für die Münchener Softlab GmbH realisiert hatte, beim einmaligen Event.

 

Wie wollen wir leben oder: wie funktionieren wir richtig?

 

"In vielen Betrieben haben sich die Leute schon so an den Status quo gewöhnt, daß jede Veränderung als Bedrohung gesehen wird. Es ist ganz wenig Phantasie vorhanden, daß eine Veränderung eine Verbesserung wäre."

 

Der Theaterpädagoge Fritz Letsch aus München war der einzige Anbieter im Workshopbereich, der partizipatives Theater probte. Probleme auf die Bühne zu bringen, ohne einen Dialog herzustellen, wie sie zu verändern seien, hält er für vergebliche Liebesmüh. Sein VisionsTheater, stützt sich auf Elemente der Zukunftswerkstatt und auf das "Theater der Unterdrückten" von Augusto Boal, der Brechts dialektischen Theateransatz in Brasilien ausbaute zu einem legislativen Theater. Das hat in Rio de Janeiro zu zahlreichen Gesetzesänderungen geführt, von der Ökologie bis zur Geriatrie.

 

Letsch steht damit in Gegensatz zu einem Theater der Visionen von oben, die nur danach fragen, wie Mitarbeiter besser funktionieren. In seinen Arbeitsgruppen hingegen geht es um die Frage, wo es persönliche, wo es strukturelle Brücken gibt, über die Arbeit so gestaltet werden kann, daß Gewinn für Betrieb und Mitarbeiter herauskommt. "Wir bringen nur die Methode mit. Fachleute für die Themen sind die Angestellten selbst." Natürlich, so schränkte er ein, sei das nur etwas für Betriebe, die ihren Mitarbeitern vertrauen und überzeugt sind, daß qualifizierte Leute selbst am kompetentesten sind. Das Theater biete auch den nicht so sprachgewandten Mitarbeitern eine große Chance, sich einzubringen.

 

In Hof wurden über Statuentheater oder Tableaux vivants von den Teilnehmern vorgeschlagene Arbeitssituationen konkret durchgespielt. Etwa die Frage: Wie bekomme ich von einem entscheidungsunwilligen Chef einen klaren Auftrag? Oder: Wie verhält sich ein Mitarbeiter, wenn zwei andere bei der Zusammenarbeit blocken?

 

Das Angebot in den Workshops war irritierend vielfältig, was schon mit der unterschiedlichen Ausbildung der Anbieter zusammenhing. Theaterleute, Trainer, Pädagogen waren unter den Leitern der zehn Arbeitsgruppen zu finden, entsprechend unterschiedlich das, was als Theaterarbeit verkauft wurde.

 

Setzte die 3 P Beratungs-Gruppe, Nürnberg, die Koordination betrieblicher Produktionsprozesse mit dem Ablauf und den Erfordernissen von Theaterinszenierungen gleich, bot die Gruppe Olala-Entertainment aus Braunschweig experimentierwilligen Forumsbesuchern "Irritationen - (als) Anstoß zu kreativem Handeln". Lockerung, Sensibilisierungsübungen, Angstabbau, Ermunterung zur Zusammenarbeit, die in eine kleine Aufführung mündeten, waren nicht nur in diesem Workshop Programm. Für Teamentwicklungsprozesse boten mehrere Veranstalter Anregungen an, die sich freilich nicht allzusehr von Kursen unterschieden, wie sie seit den 60er Jahren an jeder Volkshochschule zur allgemeinen Persönlichkeitsentwicklung angeboten werden.

 

"Sprache, Stütze, Bewegen, Improvisationstheater in einer kleinen Gruppe," so Bernhard Strobel, "diese Theaterarbeit hat im Betrieb absolut ihre Berechtigung. Aber ich kann damit nicht die Kommunikation in einem Unternehmen mit 5000 Mitarbeitern betreiben, wenn es darum geht, sich schnell auf einen neuen Markt einzustellen und die entsprechenden Veränderungen, die dazu gehören, auf irgendeine Weise zu verinnerlichen. Denn wenn ich mit dem letzten fertig bin, sind wir schon lange im übernächsten Veränderungsprozeß mitten drin."

 

Im Labyrinth der Begriffe

 

Die Frage für Unternehmer wird also in Zukunft sein, wie sie den geeigneten Anbieter für ihren Betrieb finden. Denn sowenig sinnvoll es heute ist, über das Theater zu reden, so wenig allgemein läßt sich auch über das Unternehmenstheater sprechen. In der Business-Szene spiegelt sich wider, was auch in der Theaterwelt zu vielen Mißverständnissen führt: die völlige Aufweichung des Theaterbegriffs. Die bunte Vielfalt rief ambivalente Gefühle hervor. Schätzten die einen die Möglichkeit, sich einen Überblick zu verschaffen, die Anregung für die eigene Arbeit, fühlten sich andere zu wenig angesprochen, vermißten eine klare Zielgruppenorientierung.

 

"Wir stehen vor dem grundsätzlichen Problem, daß wir von Unternehmenstheater reden, aber keine klaren Begriffsdefinitionen haben." Nicht nur Berhard Strobl kritisierte, was alles unter Unternehmenstheater firmierte. "Damit wird genau das erreicht, was die Wissenschaft anprangert, daß bei den Kunden Verunsicherung, aber keine Transparenz entsteht."

 

Ähnlich sah es auch Professor Passow. "Es gibt", so sein Fazit, "keine konkreten Überlegungen bei den Machern, wie ein geeignetes Theater für Betriebe aussehen sollte." Zum Vergleich zog der Theaterwissenschaftler die Kategorien des Kindertheaters heran, wo man vom Theater für Kinder, mit Kindern, vom Mitspiel- und Mitmachtheater spricht. Ein Vergleich, der nicht von ungefähr kommt. Die Inszenierungen, die in Hof gezeigt wurden, bewegten sich in der Tradition des pädagogischen Theaters.

 

Wobei der historische Witz vielleicht darin besteht, daß sich die Wirtschaft, in Trivialterminologie der Kapitalismus also, gerade der Methoden des Kommunisten Brecht und des agitatorischen Theaters bedient, um die Verhältnisse, an denen sie zu ersticken droht, zu verändern. Passow: "Also aufklärerisches Theater im alten bürgerlichen Sinn und diesen Sinn hat ja dann auch der Sozialismus weitergeführt und übernommen. Das ist ja eine uralte Geschichte."

 

Das 2. Forum für Theaterarbeit im Dienst der Wirtschaft entließ seine Besucher mit mehr Fragen als Antworten. Wenn das auch die Auswirkung des Theaters in Betrieben ist, wenn sich die Menschen öffnen, beginnen, ihre Probleme zu reflektieren und sich darüber auszutauschen, dann ist mit Unternehmenstheater sicher viel erreicht. Daß Sinnfindung im Arbeitsprozeß das Zusammengehörigkeitsgefühl stärkt, das Wissen, aktiv beitragen zu können, steht außer Zweifel. Und Persönlichkeitsentwicklung ist allemal von Nutzen, schon als Vorsorge für die Zeit, da die Mitarbeiter vielleicht aus den schönen gestalteten Visionen herausfallen. Dies ist übrigens Thema des Stücks Top Dogs von Urs Widmer, das im Stadttheater Hof in dieser Spielzeit auf die Bühne kommt: Lean-Management auf der Führungsebene.

 

Obwohl die meisten Anbieter zugaben, aus Zeitgründen nicht ins Theater zu gehen, wäre hier ein Dialog dringend nötig. Aber der würde voraussetzen, daß das traditionelle Theater die Herausforderung aufgreift und sich die Wirtschaft stärker als bisher als neuen Themenbereich erschließt und für die Gesellschaft fruchtbar macht. Auf der anderen Seite eine Überwindung der ärgerlichen Vorverurteilung des Stadttheaters als elitär und abgehoben.

 

Denn auf vielen Bühnen des Landes ist zur Zeit zu sehen, wie sich Komplexität oder die Dreidimensionalität virtueller Prozesse tatsächlich ausnimmt und daß dies sehr wohl eine Frage der Ästhetik ist, wenn darunter nicht einfach die Verpackung verstanden wird. Die zum Teil schlechte Qualität im Inszenierungsbereich, die Nachlässigkeit, mit der gearbeitet wurde, war einfach ärgerlich. Daß Profis nicht von Laien unterscheidbar waren, läßt sich nicht einfach mit Zeitknappheit entschuldigen.

 

Fehlende Produktstandards, fehlende Kriterien für die Beurteilung der Qualität, Unsicherheit bei den Kunden, wenig Informationen über Konkurrenten bei den Anbietern, ein aggressiver Ausgrenzungswettbewerb bei niedrigen Eintrittsbarrieren: Was heute den Zustand des Unternehmenstheaters bestimmt, sah Heike Wehner von der FU Berlin als Merkmale jeder jungen Branche.

 

"Die Kultur ist nicht mehr geschätzt," sagte in der Podiumsdiskussion Karin Wolf vom Institut für Kulturkonzepte in Wien und zeichnete das trübe Bild des Künstlers als Sozialarbeiter und Dienstleister. Es gehe nur mehr um die Frage: "Was können wir uns von der Kultur nehmen?" Es sei dahingestellt, ob sie tatsächlich Kultur oder Kunst meinte. In Hof blieb die Frage im Raum hängen, ob die Wirtschaft die Kunst jetzt einfach verbraucht oder ob auch etwas zurückfließt für künftige Generationen.

http://www.igmedien.de/..../1999/02/28.html