Sklavin Marena

Was bedeutet BDSM ?

 
Vor 100 Jahren prägte Krafft-Ebbing den Begriff Sadomasochismus (SM) und verband damit die Worte Schmerz und Lust. Einem Begriff dem auch heute noch viele mit Angst, Abscheu und Ablehnung begegnen.
BDSM ist die aus dem englischen übernommene Abkürzung für Sadomasochismus. Es umschreibt die sechs Hauptrichtungen (Neigungen), dabei sind das D und das S in der Abkürzung doppelt zu lesen.
B/D  Bondage / Discipline
Die Neigungen B/D lassen sich am besten mit Fesseln und Bestrafung umschreiben. Bondage bedeutet genau genommen unbeweglich machen. Primär ist hier das Fesseln mit Seilen gemeint, aber auch anderen "Hilfsmitteln" wie Handschellen oder Lederfesseln fallen unter den Begriff Bondage. Nur selten bewusst aber oft benutzt, ist die mentale Bondage. Gemeint ist hier das abwarten in einer bestimmten Körperhaltung auf Grund einer Anweisung. Discipline kann man mit einer erotischen Betrafung umschreiben. Geht es nicht um das dominieren des Partners, sondern nur um die reine Bestrafung innerhalb der Lust.
D/S  Dominance / Submission
Das D/S bei BDSM steht für Dominance / Submission also die Dominant / Devote Schiene bei SM. Hier steht nicht der Lustschmerz im Vordergrund, sondern die Erniedrigung, Demütigung, Befehlen und Gehorchen. Genauer geschrieben die Lust am befehlen bzw. gehorchen.
S/M  Sadism / Masochism
Das S/M steht für Sadism/Masochism also Sadistisch / Masochistische Schiene des SM. Hier bildet der Lustschmerz eine zentrale Rolle. Dazu gehören die Peitschen ebenso wie das Spiel mit Wachs oder andere "süße" Qualen.
In der Realität wird man die sechs Hauptrichtungen selten in der reinen Form antreffen. In den meisten Fällen besteht die Neigung aus einer Mischung mit unterschiedlichen Gewichtungen.
Man unterscheidet bei BDSM zwei Seiten. Die Aktive (Top, Dom) und die Passive (Bottom, Sub). Aktive sind beispielsweise Sadisten oder Dominante, Passive sind Devote oder masochistisch veranlagte. Daneben gibt es noch Switcher, die beide Seiten lieben und ausleben.
Die Abkürzung SSC ist ebenfalls aus dem englischen und steht für Save, Sane, Consensual. Diese drei Begriffe stellen die "Grundregeln" bei BDSM dar. Save (Sicher) und Sane (Gesund) bedeutet das dem passiven Teil kein ernsthafter bzw. dauerhafter Schaden zugefügt werden darf. Das Spiel bzw. das Ausleben muss sich immer in den Grenzen bewegen, die der passive Teil ver- bzw. ertragen kann. Consensual (Übereinstimmend) ist der dritte Punkt im SSC. Der aktive partner darf sich nur innerhalb der abgesprochenen Grenzen bewegen. Das Spiel bzw. das Ausleben darf nur Praktiken enthalten, die von beiden Partnern bejaht werden. Diese Grundregeln sind für beide Seiten ein absolutes MUSS.
Setzt man den Focus auf eine BDSM-Beziehung hat man zunächst ein Gefüge um Macht und Ohnmacht, das seine Wurzeln in der Sexualität hat. BDSM ist in seinen Wurzeln eine sexuelle Spielart bzw. Praktik. Es spielt dabei keine Rolle wie weit das Ausleben von BDSM in andere Lebensbereiche reicht.
Die Eckpfeiler in diesem Machtgefüge sind Verantwortung, Vertrauen, Hingabe und Respekt.
Der passive Partner schenkt dem aktiven Partner das Vertrauen, der aktive Partner trägt für den passiven Partner, genauer für sein Handeln, die Verantwortung. Die Unterwerfung ist die Hingabe mit Körper und Geist. Es ist die Obliegenheit des Aktiven mit dieser Hingabe respektvoll umzugehen.
Diese Eckpfeiler bilden das Fundament für das Spiel, das kein Spiel ist. Kein Aktiver hat ein Interesse daran, den Passiven ernsthaft zu demütigen, erniedrigen oder zu verachten. Diese Szenarien dienen dazu das Kopfkino zu füttern. Denn BDSM spielt sich in der Hauptsache im Kopf ab. Die Aktion selber, das demütigen oder das fesseln ist nur die sichtbare Spitze des Eisbergs BDSM. Wird aus der gespielten Verachtung eine echte Verachtung ist es kein BDSM, sondern Gewalt.
Echt in diesem Spiel sind die Gefühle und Empfindungen die entstehen. Diese Gefühle sind kein Spiel. Auch wenn es für anders veranlagte unglaublich erscheint, der passive Partner empfindet echte Lust in der "gespielten" Erniedrigung. Es ist für den aktiven Partner eine hohe Verantwortung mit dieser Lust, mit dieser Hingabe umzugehen und sie zu respektieren.
Die Gefühle die in diesem Spiel entstehen sind emotional sehr tiefgreifend und bilden eine starke Bindung zwischen den Partnern. Der Satz "SM ist nichts für schwache Nerven" hat seine Berechtigung, aber nicht wegen der Härte die gespielt wird, sondern wegen der Intensität der Gefühle die entstehen. Sie erfordern auf beiden Seiten eine stabile Persönlichkeit. Daher ist es für psychisch instabile oder depressive Menschen nicht empfehlenswert BDSM auszuleben.
Betrachten wir die Facette BDSM als Ganzes haben wir ein Machtgefüge das auf vier Pfeilern ruht und eine hohe Intensität an Gefühlen und Empfindungen erzeugt.
Die Facette BDSM ist aber nur eine von vielen Facetten bei einem Menschen. Sie ist nur ein Teilaspekt in der komplexen Struktur Mensch. Wie groß die Facette BDSM in dieser Struktur ist, hängt von der inneren Einstellung ab. Es kann eine kleine Facette sein, die "nur" eine sexuelle Abwechslung beinhaltet, oder eine große Facette in der BDSM ein Teil der Lebensphilosophie ist.
Ein Fehler von vielen Aktiven ist es, den Mensch, die Frau/Mann, auf die Facette BDSM zu reduzieren. Die anderen Facetten werden nicht beachtet oder es wird versucht diese in die Facette BDSM zu integrieren, was sich zu einer Hörigkeit entwickeln kann.
Wie weit BDSM in andere Lebensbereiche strahlt, hängt von der Entscheidung beider Partner ab. Diese Absprache erfolgt nicht im Machtgefüge, sondern auf gleichberechtigter partnerschaftlicher Ebene. Es ist das Abstecken der Grenzen im Spiel BDSM.
Gibt der passive Partner die Führung in einem Bereich ab, muss sie sich dessen bewusst sein. Es liegt in der Verantwortung des Aktiven, diese Entscheidung bewusst zu machen und im Bewusstsein zu halten. Die Verantwortung für die Entscheidung trägt der passive Partner. In der Verantwortung des aktiven partners liegt es mit der Entscheidung respektvoll umzugehen.
In jedem Fall ist es notwendig eine Normalität im Umgang zu bewahren. Diese Normalität ist notwendig um einen Kanal zu bilden, über den beide Partner außerhalb des Machtgefüges kommunizieren können. Ein Teil dieser Kommunikation sind die Rückmeldungen "Es geht mir gut" oder "Ich habe Probleme". Die Rückmeldungen können in Worten erfolgen, aber auch im Zeigen von Gefühlen. Diese Rückmeldungen sind für beide Partner wichtig.
Weder Aktiver noch Passiver sind in der Lage ihre Rolle in dem Machtgefüge dauerhaft (24/7) zu "spielen". Beide Partner sind emotionalen Schwankungen unterworfen und brauchen einen Halt in der Normalität und bei dem anderen.
Daher ist für beide Seiten das zeigen von Gefühlen und vor allem auch von Nähe notwendig. Ob es nur auf die normale Schiene begrenzt ist, oder sich auch auf die BDSM-Schiene ausweitet, ist ein Agreement zwischen den Partnern.
Für den Passiven kann das Wechselbad von emotionaler Nähe und Distanz einen zusätzlichen Kick bieten. Dem Aktiven ermöglicht es das zeigen von Gefühlen ohne seine Rolle im Spiel bzw. in der Session, zu verlassen.
Für alle, die nichts mit dem Thema BDSM anfangen können möchte ich noch eines Ergänzen. Nehmen wir das Machtgefüge und die Rollen Aktiv/Passiv aus der Beziehung raus, haben wir eine normale Beziehung. Das zeigen von Gefühlen und Nähe gelten aber weiterhin. Es unterscheiden sich beide Beziehungen nur im Machtgefüge.
Ein Aspekt von BDSM ist es sich Gefühle, Nähe und Handeln bewusst zu machen. Wer dieses versäumt (er)lebt immer nur einen Teil von BDSM.
Ein wichtiges Thema bei BDSM ist das Verhalten bei Abstürzen der passiven Seite. Ein Absturz ist das Umschlagen der Lust in ein seelisches Tief. Wichtig ist dabei das Auffangen der aktiven Seite. Dazu gehört der Trost, das in den Arm nehmen ebenso, wie das Reden und die Ursachenforschung. Wird dies unterlassen, ist es eindeutig eine Verletzung des SSC (siehe oben).