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Bauchtanz ?
Reise nach Indien oder besser gesagt:

Indien in vollen Zügen

Indien in vollen Zügen
Natürlich hatte ich mir voher einen Reiseführer über Indien besorgt um mich ein wenig über mein nächstes Reiseziel zu informieren. Aber da sich niemand eine wahre Vorstellung machen kann , was einen als Rucksackreisenden erwartet, traten wir im März `85 guten Mutes unsere siebenwöchige Reise an.
Es zeigte sich schon am Flughafen, daß wir keine Ahnung hatten, wo`s hingeht. Unser Flug war gebucht von Amsterdam nach Bombay, aber diese Flugziel erschien auf keiner Abflugtafel. Die richtige Flugnummer schon, aber mit Ziel: Dhaka. Wo ist das denn ??
Dhaka! Das liegt doch in Afrika !?!?
Das dies die Hauptstadt von Bangladesh ist, haben wir erst viel später rausgekriegt.

Indien

Müll

            - Unglaubliche Szenen in Indien !


In Bombay angekommen, suchen wir uns zuerst ein Hotel. Dort empfängt uns ein junger Mann mit blutrot verschmiertem Mund. „Meine Güte", bemerkt Helga später, „der hat aber ein paar in die Fresse gekriegt!" Von wegen - wie wir zufällig im Reiseführer lesen, kommt dies vom Betelblatt, der Volksdroge der Inder. Es wird gekaut, regt den Speichelfluss an, färbt sich dabei rot und wird dann ausgespukt. Ganz Indien ist von den Spuren der Betelkauer übersät.
Als nächstes wollen wir uns ein Schiffs-Ticket für die Weiterfahrt nach Goa besorgen - zu Fuß,Bus fahren trauen wir uns noch nicht. Es führt uns durch die Slums von Bombay, wo sich das Leben auf der Strasse abspielt. Ganzkörperwaschungen, Essen kochen, abspülen, Wäsche waschen,
Menschen, die im Müll sitzen und nach irgendwas suchen.

Am nächsten Tag geht`s auf`s Schiff! Unmengen von Menschen versuchen sich einen Platz zu organisieren.
In Goa angekommen verbringen wir ein paar angenehme Tage am Strand.

Strand

Die ersten und letzten in diesem Urlaub.

Von Goa aus geht`s direkt in den Süden nach Kottayam. Von hier aus kann man sehr schöne Bootsfahrten auf dem weitverzweigten Kanalsystem unternehmen.
 


 

Strand   Strand

Boot Nr.1 Boot Nr.2

Wir wollen uns noch einen entspannten Strandtag gönnen, bevor es ins Landesinnere und weiter nach Nepal geht. Leider ist dies nicht möglich, weil wir schon nach kurzer Zeit von zwei dutzend Kindern umringt sind, die alle wissen wollen: „Where are you from? What is your name?" Wir versuchen uns unter unseren Badetüchern zu verstecken. Für einen Moment ist Ruhe. Dann wird das Tuch angehoben und ein Mädchen steckt ihr Gesicht unter unser Tuch. „What is your name?" Wir nehmen unsere Sachen und gehen.

Abends sehen wir vom Hotel aus, während des Sonnenuntergangs, einen Elefanten auf der Straße entlang gehen.
Als weiteres Transportmittel zwischen all den Rikshas Autos, Mofas und unzähligen Menschen - eine weitere unglaubliche Szene in Indien.
 

Boot Nr3
Stadtplan Weiter geht`s am nächsten Tag nach Madurei. Wir finden ein richtiges `Luxushotel´ mit Bad und richtiger Dusche und vor allem unheimlich sauber, und das für ca. 6,-.

 Apropos Dusche: in Indien gibt`s weder Dusche noch Badewanne. Man schöpft Wasser aus einem großen Becken und gießt es sich über den Körper. Ebenso die Toiletten: Man hockt sich über ein Loch und da es keine Toilettenspülung gibt und erst recht kein Papier, putzt man sich mit der linken Hand und etwas Wasser, was aus einem Hahn in fußbodennähe tröpfelt, den Hintern ab.

Verständlich, das die linke Hand als unrein gilt und niemals beim Essen verwendet werden darf!

Aber zurück nach Madurei. Hier befindet sich eine der schönsten Tempelanlagen Indiens, der Sree Menakshi Tempel, mit unendlich vielen Figuren und Verzierungen und einer tollen Aussicht über die Stadt.
Der eine Teil des Tempels ist Sree Menakshi geweiht, der Gemalin Shivas und der andere Teil Shiva selbst

.„Shiva ist Zerstörer und Erneuerer in einer Person.
Er ist der tanzende Gott im Flammenkreis, der mit stampfenden schritten die Erde zertrümmert, und der sie mit seinen vier Armen immer wiederneu erschafft. Ein vitaler, explosiver und kreativer Gott zugleich, ein Schutzgefährte nicht nur bei Busabenteuern, sondern auch das Idol all jener, deren Lebensexistenz ständig bedroht ist. Die Ruhe in den Gesichtszügen des Gottes und die Gestik seines Tanzes verweisen auf den unabänderlichen Kreislauf des Lebens zwischen Schöpfung und Untergang. Ein Shiva-Talisman ist also weit mehr als die indische Parallele einer Christopherus-Medaille, - er ist das Alltagssymbol der göttlichen Weltlenkung" (Zitat).
 

Tempel Nr.2  Tempel Nr.1
Shiva Neben Shiva gibt es noch Brahma, den Erschaffer des Universums und Vishnu, den Erhalter. Diese Götter bilden die 3-Einigkeit des Hinduismus. Weitere Erklärungen über die Götter Indiens und das Kastensystem würden hier zuweit führen.

Wir besorgen uns ein Busticket und setzten unsere Reise fort nach Hyderabad, einer sehr schönen Universitätsstadt inmitten des Landes.

Daß in Indien die meißten Bus- und Autounfälle passieren wundert uns nach dieser Fahrt nicht mehr! Abenteuerliche Überholmanöver auf engen Strassen bei unverändeter Geschwindigkeit.
Ochsenkarren von vorne, Brücken ohne Geländer, Fahrradfahrer, Fußgänger, Rikshas, Kühe und wir mittendurch. Den Busfahrer schien das alles nicht zu interessieren, wahrscheinlich mit dem festen Glauben an Shiva, nach der Zerstörung alles wieder zu erneuern.
 

 Unglaubliche Szenen in Indien...
Stadthalle In Hyderabad angekommen, haben wir etwas Mühe,ein Hotel zu finden, denn diese Stadt ist in keinem unserer Reiseführer beschrieben. Uns gefällt es hier auf Anhieb. Es ist alles verhältnismässig sauber
und es gibt viele schöne Gebäude.

       Stadthalle

Hier finden wir auch ein sehr schönes Restaurant, wo man preiswert wie immer, gutes Essen bekommt.

Die Speisekarte liest sich gut und nach jede unserer Bestellungen schüttelt der Ober den Kopf, sagt aber nichts.Natürlich bestellen wir daraufhin noch mehr. Der Ober schüttelt den Kopf - na gut, dann eben noch mehr. Der Ober schüttlet den Kopf, wir bestellen weiter. Da uns der Ober keine Erklärung gibt, hören wir jetzt auf zu bestellen. - mal sehen, ob was kommt!

Etwas später füllt sich der Tisch und wir bekommen alles, was wir bestellt haben und es schmeckt alles supergut! Zum Schluss bezahlen wir zusammen ca. 7,- und sind pappsatt.

Essen
info Das passiert nicht oft, denn das Essen ist im allgemeinen recht wenig und äusserst kalorienarm! Was erklärt, warum ich während des Urlaubs 5 kg abgenommen habe. (Ein kleiner Tip für alle, die mit ihrer Diät nicht weiterkommen!)

Das Essen auf der Strasse kostet ca. 1,50 DM. Dort ist es allerdings so schmutzig, daß man es manchmal gar nicht essen möchte und ziemlich scharf ist es sowieso. Aber man darf nicht kleinlich sein!

Übrigens, was die Reaktion des Obers betrifft: Kopfschütteln heißt JA und nicken heißt NEIN

Es war auch ziemlich schwer, uns in dieser wirklich schönen Stadt zurechtzufinden, da wir keinen Stadtplan hatten. So versuchten wir, eine Touristinfo zu finden.
Wir fragten also verschiedene Leute danach. Da sich kein Inder die Blöße gibt, etwas nicht zu wissen, wurden wir von 10 verschiedenen Leuten in 10 verschiedene Richtungen geschickt. Wir haben es dann aufgegeben und waren jedesmal froh, unser Hotel wiederzufinden.

Dann wurde es Zeit, weiterzureisen. Unser nächstes Ziel ist Varanasi, ca. 950 km entfernt. Wir überlegen, ob wir evtl. dorthin fliegen. Wir finden auch überraschenderweise das Büro von Air India, aber die Infos sind mehr als dürftig, werden von einem Schalter zum nächsten geschickt. Versteht man uns nicht oder verstehen wir sie nicht? Mit englisch kommt man eigentlich immer zurecht! Wir lassen diesen Plan fallen und gehen zum Bahnhof. Dort kann man kein Ticket nach Varanasi kaufen, denn der Zug fährt aus der nächsten, ca. 15 km entfernten Stadt ab. Wir also dahin, denn es ist äußerst ratsam, ein Ticket mit Sitzplatzreservierung zu haben. Dies klappt auch für den ersten Teil der Fahrt, aber leider gibt es keinen durchgehenden Zug, sodaß wir einmal umsteigen müssen. Wir können nur erahnen, was das bedeutet...

Am nächsten Tag geht`s dann los. Wir haben 2 Tage Zugfahrt vor uns (100 km kosten ca. 2,50). alles geht gut bis zur Umsteigestation in Itarsi. Hier fängt der eigentliche Horror erst an!

Wir gehen nach verlassen des Zuges sofort zum `Stationmaster`. Hier werden wir
erstmal richtig ausgefragt - „Where are you from, how old are you, are you married, why are you not married, what is your name ???" Eine Platzreservierung bekommen wir allerdings nicht. Wir sollen uns beim `Conductor` melden , „when the train comes!" Gut! Wir finden den conductor natürlich nicht, as the train comes und sind erstmal froh, im Zug zu sein, der natürlich rappelvoll ist - kein Sitzplatz mehr frei. Wir finden ein winziges Plätzchen zwischen zwei Toiletten, wo wir auf unserem Gepäck sitzten können.

 Das geht nicht lange gut. Kurz vor Mitternacht kommen ein dutzend dreckig-stinkender Männer in den Zug und belegen mit riesigen Teppichrollen und diversen anderem Gepäck den Platz zwischen den Ein- und Ausgängen und beiden WC`s, Helga und ich mittendrin!

Überblick?
 
 
 
 
 
 
 
 

Zug Nr.1

Das heilige Bad An der nächsten Station gibt es eine Schlägerei, weil niemand mehr in den Zug kommt. Die Nacht liegt vor uns, klar, daß wir so gut wie kein Auge zu machten. Die Einheimischen schon - ich glaube, sie können wirklich überall schlafen.

 Gegen morgen werden alle wach und es kommt Bewegung in den Zug. Einige Männer pinkeln aus den Fenstern..... unglaubliche Szenen..... Frauen versuchen auf`s WC zu kommen, (da liegen allerdings die Teppiche) Zähne werden geputzt mit einem Stück Süssholz!

Ganz allmählich leert sich der Zug und gegen Mittag haben wir sogar einen Sitzplatz.

Wir haben eine Stunde Aufenthalt in Allahabad bevor es für weitere 3 Stunden nach Varanasi weitergeht.

Der Zug ist relativ leer, die Landschaft entsetzlich öde, die Luft furchtbar trocken und staubig, nicht weit von den Bahngleisen entfernt sehen wir tatsächlich ein paar Geier.....
In Varanasi angekommen, suchen wir ein Hotel, duschen, und fallen todmüde in`s Bett.

Am nächsten Tag geht`s auf Entdeckungsreise durch die Stadt mit dem heiligen Fluß - dem Ganges.

Heilig deshalb, weil er im Himalaya entspringt, dem Dach der Welt wo die Götter wohnen. Ein Bad im Ganges reinigt den Menschen von allen Unreinheiten und Sünden. Von dieser Überzeugung geprägt, pilgern die gläubigen Hindus zu tausenden in die heilige Stadt Benares, die heute Varanasi heißt. Viele Steintreppen führen zum Fluß hinab. Dort werden von den Pilgern die Waschungen nach vorgeschriebenem Ritus durchgeführt.
Aber auch alles andere wird im Ganges gewaschen, ob es Tiere, Wäsche oder Geschirr ist!
Außerdem haben alle Gläubigen den Wunsch, hier zu sterben. Auf den Verbrennungsplätzen am Ufer des Ganges werden die Verstorbenen eingeäschert und ihre Asche in den Ganges gestreut.
Verbrennungsplatz
Leben auf der Strasse Nr. 2 Ich habe es gewagt, aus weiter Entfernung so einen Verbrennungsplatz zu fotographieren,
woraufhin ein junger Mann mir meinen Fotoapparat wegnehmen wollte. Das kam natürlich nicht in Frage, also sollte ich 5,- Strafe bezahlen. Auch das wollte ich nicht. Nach einigem hin und her gingen wir mit ihm mit (ich weiß nicht mehr warum und wir hatten auch mal wieder kaum die Hälfte verstanden) und landeten letztendlich in einem Teppichgeschäft!!

Auf dem Weg zurück zum Hotel kamen wir am Bahnhof vorbei. Hier kommt uns ein völlig nackter Mann entgegen, auf den Straßen sitzten Bettler, eine Bushaltestelle wird als Toilette benutzt, es stinkt und alles ist unbeschreiblich dreckig! unglaubliche Szenen spielen sich ab...

Hier in Varanasi haben wir dann auch, nach immerhin 3 Wochen, unseren ersten Durchfall bekommen. Früher oder später erwischt es JEDEN.

Wir beschließen, weiter nach Nepal zu fahren. Ein etwas leichtsinniges Unternehmen, knapp 2 Tage Busfahrt mit Durchfall, aber es geht gut.

In Pokkara angekommen, haben wir das erste Mal ein bischen Urlaubsgefühl. Wir bleiben noch knapp 4 Wochen in Nepal, wo wir uns von unserer Indienreise erholen können.

Ende April geht es dann zurück nach Deutschland. Hier bekomme ich erstmal einen `Kulturschock`. Ich brauche einige Wochen, um mich wieder zurechtzufinden und habe ziemliche Probleme, mit meinen Mitmenschen zurechtzukommen.

Während ich mich über fliessendes Wasser und jedes frische Handtuch freue, verstehe ich manchesmal nicht, wovon die Anderen eigentlich reden - bin völlig im falschen Film !
Auch die Straßen sind so leer, keinen Kühe mehr, alles läuft in geordneten Bahnen.

Die Reise nach Indien war sicherlich das beeindruckenste, was ich erlebt habe. Danach sieht man das eigene Leben aus ganz anderer Sicht. Urlaub war das allerdings nicht und wer sich erholen möchte, sollte besser woanders hinfahren......

Briefmarken
 Unglaubliche Szenen in Indien...
Susanne Prante
Schwarzer Kamp 2
33647 Bielefeld
 
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