"Ohne Moos, ohne Moos nix los..." ?!

Tauschringe oder die Kunst, Warentausch und Dienstleistungen ohne Geld zu organisieren

Es stimmt: Geld regiert die Welt. Es gibt aber auch Beziehungen der Menschen untereinander jenseits von Geldverhältnissen. Das beweisen örtliche Tauschringe. Tauschringe wie der Tauschring "Jülicher Knöllchen". Die Idee kommt aus Übersee und erobert so nach und nach immer mehr Länder Europas. Auch in Deutschland gibt es in vielen Städten schon solche Tauschsysteme ohne Geldbasis, in unserer unmittelbaren Nachbarschaft sind es die Städte Düren und Aachen.

Worum geht es dabei? Viele Menschen bei uns haben wenig Geld, dafür mehr Zeit und vielfältige Möglichkeiten, Kenntnisse und Fertigkeiten. Und diese liegen oft brach, weil keiner davon weiß und sie folgerichtig auch nicht abgefragt und in die Gemeinschaft eingebracht werden. In einem Tauschring können Menschen in einem lokalen Umfeld miteinander Handel treiben und Dienstleistungen austauschen, ohne dass auch nur ein einziger Cent die Hände wechselt. Die Mitglieder einigen sich auf ein Tauschmaß als interne Quasi-Währung, die meist einen Namen mit einem örtlichen Bezug erhält -- für Jülich wurde als Maß der Rurtaler gewählt. Mit einem solchen "Rurtaler" wird die eigene Leistung, also das, was man selbst einbringt, bewertet und der damit entstandene Anspruch auf Waren und Dienstleistungen von anderen Tauschring-Mitgliedern festgehalten.

Tauschringe sind also eine erweiterte Form von organisierter Nachbarschaftshilfe und decken all die Unterstützung ab, die die Menschen früher durch das System der Großfamilien im Alltag erhielten. Der einzelne erfährt Hilfe, ist aber auch selber immer Gebender – eben bei einem anderen Mitglied des Tauschrings. Das stärkt das Selbstbewusstsein, verhilft zur Sinngebung, auch wenn man z.B. arbeitslos oder im Rentenalter ist. Im Tauschring wird man gebraucht.

Je mehr Teilnehmer ein solcher örtlicher Tauschring hat, umso vielfältiger sind die Möglichkeiten und Angebote.

Frau Bärbel Betz-Philipps hat als Leiterin des (inzwischen geschlossenen) städtischen Agendabüros diese Idee in Jülich bekannt gemacht und hat beim Start und Aufbau des Tauschrings geholfen. Tauschringe sind Beispiele für veränderte Konsumgewohnheiten und neue Formen von sozialen Kontakten.

Beispiele für Tauschgeschäfte

Beispiel 1:

Familie Westfeld erwartet Besuch. Dazu hat sie sich eine neue Sitzecke bei Ikea gekauft. Die alte Garnitur ist schon abgeholt. Herr Westfeld legt sich alles Werkzeug zum Zusammenbau zurecht und beginnt mit der Arbeit. Doch bereits beim ersten Versuch rutscht der Schraubenzieher ab und er verletzt sich stark an der Hand.

Was tun?

Frau Westfeld findet schnell ein Mitglied in der Tauschring-Liste, das gerade Zeit hat und herüberkommt. Bald ist die Sitzecke zusammen geschraubt und das Malheur vergessen.

Beispiel 2:

Bei Frau Schaub klingelt das Telefon. Die Nachbarin ihrer Mutter berichtet, dass die Mutter gestürzt sei und für ein paar Tage im Bett liegen muss. Die Tochter soll nun einige Dinge erledigen und Lebensmittel einkaufen. Ausgerechnet heute aber hat Frau Schaub ihr Auto nicht zur Verfügung. Frau Schaub blättert daher in der Tauschring-Liste und findet jemanden, der sie zur Mutter fährt, ja sogar abends nochmals nach der Mutter sehen wird.

So konnte alles gut erledigt werden und Gott sei Dank war der Sturz glimpflich verlaufen.

Beispiel 3:

Frau Sprang hat ihren kleinen Sohn in den Kindergarten gebracht. Nun widmet sie sich der Hausarbeit. Aber ach! Das Heißwassergerät tut es nicht mehr. Sie ruft den Installateur an; der verspricht zu kommen, aber es dauert doch länger. Er kommt so verspätet, dass Frau Sprang in Zeitdruck gerät, da ihr Söhnchen vom Kindergarten abzuholen ist. Aber da ist ja die Tauschring-Liste. Frau Sprang findet die Telefon-Nummer eines Mitglieds und nach Benachrichtigung der Kindergartenleiterin wird das Kind abgeholt und sicher nach Hause gebracht.

Beispiel 4:

Frau B. ist berufstätig und froh, wenn ihre Tochter mittags bei Frau S. essen gehen kann. Frau S. ist alleinstehend und kann ihren Garten nicht mehr alleine bewältigen. Hier hilft Herr P. Dieser lässt sich mit seiner Frau ab und zu gerne ausländisch bekochen. Herr A. kommt ins Haus und fertigt Spezialitäten seines Landes. Während des Essens unterhalten sie sich angeregt über andere Länder. Herr A. ist, wie auch seine Frau, leider nicht so fest in der deutschen Sprache. Hier hilft Frau L. bei Briefen und manchmal auch bei Telefonaten. Frau L. hasst das Bügeln und verlässt sich hier lieber auf Frau E., die beim Wäsche holen auch gerne auf ein Schwätzchen hereinkommt. Frau E. benötigt jemanden, der die Steckdose umklemmt.........

Beispiel 5:

Rentnerin Frau Müller füttert in der Ferienzeit die Katze von Familie Plum, leert deren Briefkasten und versorgt die Blumen. Frau Müller kann dies gut mit ihren täglichen Spaziergängen verbinden und ist froh, dabei noch ein sinnvolles Ziel zu haben. Sie erhält für diese Dienste kein Geld, sondern als Gutschrift einen "Rurtaler" , der Verrechnungseinheit des Jülicher Tauschrings, dem sie angehört. Diesen "Rurtaler" verwendet sie dazu, hin und wieder frisches Gemüse einzu"kaufen", das eine weitere Familie des Tauschrings, Familie Schulz, in ihrem großen Garten geerntet hat. Familie Schulz ist froh darüber, dass sie ihr liebevoll gezogenes Gemüse nicht wegwerfen muss, nur weil gerade mehr reif ist als von der eigenen Familie verzehrt werden kann. Frau Plum gibt ihrerseits dem Sohn von Familie Schulz vor der nächsten Klassenarbeit im Fach Mathematik ein paar Stunden Nachhilfe. Familie Schulz hat vor kurzem ein Haus gebaut und ist froh, wenn das Familienbudget nicht noch mit teuren Nachhilfestunden belastet wird. Frau Plum hat selbst nur Kleinkinder und ist froh darüber, einmal nicht Hänschen-Klein singen zu müssen, sondern ihre im Studium erworbenen Kenntnisse gebraucht zu sehen. Ein weiteres Mitglied des Tauschrings mäht einem anderen den Rasen, der froh ist, von dieser ihm lästigen Pflicht befreit zu sein. Er selbst befestigt dafür viel lieber Regale im Haushalt einer handwerklich ungeschickten Person....

Tauschen kennt keine Grenzen. Jeder mit guten Ideen kann Waren (z.B. aus der eigenen Gartenernte) und Dienstleistungen, die gerne verrichtet werden (z.B. kochen) gegen andere Dinge tauschen, die jemand anders gerne macht.

So bekommt jeder, was er/sie braucht und hat Spaß dabei!

Für jede Dienstleistung gibt es eine imaginäre Währung in Form eines Tauschbons.

Wie dies genau funktioniert, erklären wir Ihnen gerne.

Bitte rufen Sie uns an oder kommen Sie zu unserem Stammtisch.

Für alle Mitglieder und Interessierte gibt es am 2. Donnerstag eines jeden Monats ab 19.30 Uhr einen Stammtisch in der Gaststätte "Zum Franziskaner" in Jülich, Baierstraße.

Gertrud Muders Tel. 02462/4779

Waltraud Cewe Tel. 02461/55788

e-mail: juelichertauschring@arcor.de

www.juelicherknoellchen.de.vu