In unseren Schwerpunkten für letztes und für dieses Jahr kommen haben wir Ziele formuliert wie:
Diese Punkte stehen und fallen mit unserer Fähigkeit, Beziehungen aufzubauen und zu erhalten. Deshalb ist es wichtig, darüber auch mal nachzudenken und nicht nur blind zu handeln.
Christen sind genauso wenig automatisch beziehungsfähig wie andere Menschen auch.
Diese Feststellung ist sehr wichtig und wird uns eine Menge Streß und
Enttäuschung sparen.
Wir werden bei der Wiedergeburt nicht sofort perfekt, sondern da fängt der
Prozeß der Veränderung in uns erst an. Gott will in uns die Wiederherstellung des
natürlichen Menschen bewirken, so wie er uns geschaffen hat. Und dazu gehört auch
die Fähigkeit, Beziehungen zu haben und zu leben.
Gott benutzt Werkzeuge um uns beziehungsfähig zu machen. Diese Werkzeuge sind
Menschen. Ganz klar, sonst wäre das vergleichbar mit schwimmen lernen auf dem
Trockenen.
Wollen wir beziehungsfähige Menschen werden, dann muß die Gemeinschaft im
Vordergrund stehen. Gemeinschaft heißt zunächst einmal: zusammen sein. Wir sitzen
hier neben einander und haben deswegen schon eine prima Gemeinschaft, oder? Nein,
Gemeinschaft entsteht nicht automatisch weil 2 oder 3 Christen zusammen kommen.
Wird die Qualität der Gemeinschaft dann besser durch mehr Aktivitäten? Wohl auch
nicht! Es kommt auf unsere Einstellung, unsere Motivation an.
Es kommt auf das mit- und füreinander an. Haben wir Anteil am anderen. Sind wir mit
ihm zusammen, weil er uns wichtig ist. Haben wir eine Verbindung mit ihm!
Wir haben eine große Entscheidung zu treffen:
Der erste Weg ist leicht, keine Schmerz oder Herausforderung, aber auch wenig Hilfe oder Segen. Ich hoffe wir sind alle bereit, den zweiten Weg zu gehen in der Gemeinschaft miteinander.
das müssen wir mitbringen, wenn wir eine solche Gemeinschaft haben wollen. Uns von
Gott ändern zu lassen.
Viele haben Mauern um sich herum aufgebaut. Unsichtbare Mauern. Wenn wir den Weg der
Gemeinschaft gehen wollen, dann müssen diese Mauern fallen!
Ich sehe vier solche unsichtbare Mauern, die uns hindern in der Gemeinschaft zu leben:
Viele christliche Gruppen kranken an der Unverbindlichkeit ihrer Mitglieder. Aber hinter
diesen offensichtlichen äußeren Schwäche steht eine tiefere Not: Der Mangel
an echter Hingabe.
Hingabe bedeutet nicht nur die Bereitschaft, dem anderen gelegentlich zu dienen, sondern
eine dauerhafte Bindung miteinander einzugehen. Aber das wollen die meisten nicht. Wir
genießen die Freiheit. Wir freuen uns auf einen unverbindlichen Besuch im
Gottesdienst, in der Jugendstunde oder beim Männerhock. Aber damit hört es auf.
Dahinter steht eine Erwartungs- oder Konsumhaltung. Wir erwarten etwas von den anderen und
den Veranstaltungen, ohne daß wir bereit sind zu geben. Wenn uns dann jemand auf eine
Mitarbeit oder ein verbindliches Dabeisein anspricht, sind wir schnell enttäuscht und
ziehen uns zurück.
Jesus selbst sagt uns: Geben ist seliger als nehmen.
Auch in unserer Sprache drückt sich diese Unabhängigkeit aus. Wir reden zwar
freundlich, aber grenzen bestimmte Bereiche unseres Lebens sorgfältig aus. Wir denken
dabei: Ich will dem anderen nicht zu nahe treten, weil ich selbst nicht wünsche auf
kritische Stellen hin angesprochen zu werden.
Sehr oft geschieht dies aus der Angst heraus, durchschaut zu werden. Die anderen
könnten erkennen, daß wir begrenzt, fehlerhaft, ergänzungsbedürftig
sind. Doch genau das ist das Bild von der Gemeinde als Leib Jesu: Wir sollen einander
ergänzen, weil ein einzelnes Glied nicht bestehen kann.
Unabhängigkeit ist die Ursünde überhaupt - Adam und Eva wollten schon
unabhängig sein. Aber das ist nicht der Wille Gottes, sondern Gemeinschaft, d.h.
Abhängigkeit voneinander. Unsere Beziehung zu den Geschwistern ist ein Spiegelbild
für unsere Beziehung zu Gott: Solange wir uns von den Geschwistern nichts sagen lassen,
werden wir auch wahrscheinlich von Gott nichts hören wollen.
Wir müssen die Lüge Satans erkennen: Verbindliche Beziehungen bedeuten nicht
Einschränkung und Verlust unserer Freiheit!
Wir sollten die gegenseitige Hingabe auch bewußt voreinander aussprechen - mit der
Bereitschaft Fehler zu machen und eventuell dabei verletzt zu werden. (Punkt 3)
Am Beginn unserer Beziehungsfähigkeit muß der Beschluß stehen:
Unabhängigkeit - Nein danke !
Warum haben wir Angst vor Ablehnung?
Besonders da wo wir in der Vergangenheit schlechte Erfahrungen mit Personen unseres
Vertrauens gemacht haben, bleibt die Angst, sich erneut zu binden und wieder enttäuscht
zu werden.
Stellen wir uns vor: Jemand bekehrt sich und kommt in einen Hauskreis. Er erlebt zum ersten
mal Offenheit und Vertrauen. Aber er bringt ein Paket von Enttäuschungen aus negativ
verlaufenen Beziehungen mit.
Wie wirkt sich diese Angst vor Ablehnungen aus?
Die Angst vor Ablehnung kann sich in Schüchternheit und Zurückgezogenheit
äußern, aber auch in einem bestimmenden und wortreichen Auftreten. Oder die
Furcht, nicht angenommen zu sein, macht ihn defensiv und mißtrauisch.
So sind viele in ihrem Innern: skeptische, einsame und zerbrechliche Menschen.
Jesus war aber mehr ablehnt als wir das jemals erfahren werden. (Jes 52,14 und 53,3) Und
deshalb kann er diese Verletzungen und Empfindlichkeiten heilen.
Hauskreise und andere Kleingruppen sind der Ort, wo diese Heilung geschehen darf.
Da ist ein Ort des Vertrauens und Offenheit untereinander. Aber ebenso wichtig ist eine
Verschwiegenheit nach außen.
Um Beziehungen zu haben, muß man lernen, neu sich anderen Menschen anzuvertrauen.
Wo keine Vergebung ist, da kann auch keine wahre Gemeinschaft entstehen!
Wie oft kommt eine Befangenheit innerhalb einer Gruppe auf oder die Neigung, sich
gegenseitig aus dem Weg zu gehen, weil alte unaufgearbeitete Konflikte da sind.
Vielleicht mußten wir durch kleine Machtkämpfe leiden. Oder irgend jemand hat
etwas Negatives über uns in der Gemeinde gesagt.
Unsere Zunge kann so schnell so viel zerstören. Jakobus warnt uns davor (3,10-11):
Aus einem Mund kommt Loben und Fluchen. Das soll nicht so sein, liebe Brüder.
Läßt etwa die Quelle aus derselben Öffnung Süßes und Bitteres
hervorsprudeln?
Es geschieht trotzdem immer wieder, daß wir verletzt werden. Das ist zwar tragisch,
aber nicht zu verhindern.
Wir müssen uns entscheiden wie wir reagieren: Verbittern wir uns aus Mangel an
Vergebung oder vergeben wir und bringen das Ganze ins Reine.
Jesus sagt in Mat. 5,23-24:
Wenn du deine Opfergabe zum Altar bringst und dir dabei einfällt, daß dein
Bruder etwas gegen dich hat, dann laß deine Gabe dort vor dem Altar liegen. Geh und
versöhne dich mit deinem Bruder und dann komm und opfere deine Gabe.
Der ganze Gottesdienst und die Gemeinschaft haben keinen Wert, wenn etwas zwischen uns
steht.
Deshalb muß man diese Mauer niederreißen. Wo Beziehungen durch unausgesprochene
Spannungen belastet sind, wo einer dem anderen gegenüber Vorbehalte hat, ist das offene
Gespräch unter vier Augen nötig! Nur wenn wir wahrhaftig aufdecken, kann die Liebe
zudecken!
Masken sind sehr gefährlich, weil sie im Grunde Lügen sind.
Sie sind oft schwer zu durchschauen und man gewöhnt sich leicht daran. Eventuell
können wir selbst von einer Rolle so überzeugt sein, daß wir sie irgendwann
dauernd spielen.
Masken bieten eine gewisse Sicherheit und Schutz davor, durchschaut zu werden. Aber auf
Dauer engen sie uns ein.
Beispiele für Masken, also Rollen hinter denen wir unser wirkliches Wesen verstecken,
gibt es viele:
Der Schüchterne, Kritische, Lustige, Engagierte, Minderwertigkeit, Komplex, oder der
mit dem großen Durchblick.
Bei Christen gibt es noch eine weitere gefährliche Maske: die falsche Heiligkeit.
Wir müssen frommer erscheinen als wir sind - denken wir.
Aber auch diese Maske ist nur einer Lüge. Es ist nur Schein-Heiligkeit, die keinem was
bringt.
Die Lösung:Wieso lassen wir uns nicht richtig kennenlernen wie wir
sind - das ist Demut.
Stolz dagegen ist die ständige Flucht vor mir selbst. Ich jage einem Idealbild nach,
das gar nicht ich selbst bin.
Schwäche zeigen ist in der Gemeinschaft der Christen erlaubt.
Wenn wir die Leute nur messen an ihren Leistungen, dann sind wir nicht besser als die Welt.
Wir sollten uns nicht mit dem andern vergleichen sondern ergänzen - nach dem Prinzip
des Leibes Christi wie er in 1.Kor 12 beschrieben ist: Viele Glieder - ein Leib.
Wollen wir das?
Wollen wir als Gemeinde "Christliche Gemeinschaft" heißen und auch praktizieren?
Wenn ja dann müssen wir unsere Beziehungsfähigkeit erneuern durch Jesus. Das ist
ein Prozeß von persönlicher Heilung und Wiederherstellung.
Das aber kann nur geschehen, wenn wir als Gruppe bereit sind, unsere
Mauern zu sehen und zu bekennen.
Alte Verhaltensweisen und Persönlichkeitsstrukturen müssen durch den Heiligen
Geist erneuert werden, damit wir zum einem Leib zusammenwachsen können, der trotzdem
offen ist, neue Menschen aufzunehmen und zu integrieren.
Wollen wir beziehungsfähiger werden? Dann müssen wir die Mauern niederreißen:
Die Beziehung zum Nächsten kann nur verbessert werden, wenn wir anfangen, Offenheit und Annahme zeigen und praktizieren trotz unserer eigenen Schwächen und Fehler und die der anderen.