Wie werden wir beziehungsfähige Christen?

In unseren Schwerpunkten für letztes und für dieses Jahr kommen haben wir Ziele formuliert wie:

Diese Punkte stehen und fallen mit unserer Fähigkeit, Beziehungen aufzubauen und zu erhalten. Deshalb ist es wichtig, darüber auch mal nachzudenken und nicht nur blind zu handeln.

Wie wird ein Christ beziehungsfähig?

Christen sind genauso wenig automatisch beziehungsfähig wie andere Menschen auch. Diese Feststellung ist sehr wichtig und wird uns eine Menge Streß und Enttäuschung sparen.
Wir werden bei der Wiedergeburt nicht sofort perfekt, sondern da fängt der Prozeß der Veränderung in uns erst an. Gott will in uns die Wiederherstellung des natürlichen Menschen bewirken, so wie er uns geschaffen hat. Und dazu gehört auch die Fähigkeit, Beziehungen zu haben und zu leben.
Gott benutzt Werkzeuge um uns beziehungsfähig zu machen. Diese Werkzeuge sind Menschen. Ganz klar, sonst wäre das vergleichbar mit schwimmen lernen auf dem Trockenen.

Gemeinschaft

Wollen wir beziehungsfähige Menschen werden, dann muß die Gemeinschaft im Vordergrund stehen. Gemeinschaft heißt zunächst einmal: zusammen sein. Wir sitzen hier neben einander und haben deswegen schon eine prima Gemeinschaft, oder? Nein, Gemeinschaft entsteht nicht automatisch weil 2 oder 3 Christen zusammen kommen.
Wird die Qualität der Gemeinschaft dann besser durch mehr Aktivitäten? Wohl auch nicht! Es kommt auf unsere Einstellung, unsere Motivation an.
Es kommt auf das mit- und füreinander an. Haben wir Anteil am anderen. Sind wir mit ihm zusammen, weil er uns wichtig ist. Haben wir eine Verbindung mit ihm!

Wir haben eine große Entscheidung zu treffen:

Der erste Weg ist leicht, keine Schmerz oder Herausforderung, aber auch wenig Hilfe oder Segen. Ich hoffe wir sind alle bereit, den zweiten Weg zu gehen in der Gemeinschaft miteinander.

Bereitschaft zur Veränderung

das müssen wir mitbringen, wenn wir eine solche Gemeinschaft haben wollen. Uns von Gott ändern zu lassen.
Viele haben Mauern um sich herum aufgebaut. Unsichtbare Mauern. Wenn wir den Weg der Gemeinschaft gehen wollen, dann müssen diese Mauern fallen!

Ich sehe vier solche unsichtbare Mauern, die uns hindern in der Gemeinschaft zu leben:

  1. Streben nach Unabhängigkeit
  2. Angst vor Ablehnung
  3. Mangel an Vergebung
  4. Leben hinter Masken

1. Streben nach Unabhängigkei

Viele christliche Gruppen kranken an der Unverbindlichkeit ihrer Mitglieder. Aber hinter diesen offensichtlichen äußeren Schwäche steht eine tiefere Not: Der Mangel an echter Hingabe.
Hingabe bedeutet nicht nur die Bereitschaft, dem anderen gelegentlich zu dienen, sondern eine dauerhafte Bindung miteinander einzugehen. Aber das wollen die meisten nicht. Wir genießen die Freiheit. Wir freuen uns auf einen unverbindlichen Besuch im Gottesdienst, in der Jugendstunde oder beim Männerhock. Aber damit hört es auf.
Dahinter steht eine Erwartungs- oder Konsumhaltung. Wir erwarten etwas von den anderen und den Veranstaltungen, ohne daß wir bereit sind zu geben. Wenn uns dann jemand auf eine Mitarbeit oder ein verbindliches Dabeisein anspricht, sind wir schnell enttäuscht und ziehen uns zurück.
Jesus selbst sagt uns: Geben ist seliger als nehmen.
Auch in unserer Sprache drückt sich diese Unabhängigkeit aus. Wir reden zwar freundlich, aber grenzen bestimmte Bereiche unseres Lebens sorgfältig aus. Wir denken dabei: Ich will dem anderen nicht zu nahe treten, weil ich selbst nicht wünsche auf kritische Stellen hin angesprochen zu werden.
Sehr oft geschieht dies aus der Angst heraus, durchschaut zu werden. Die anderen könnten erkennen, daß wir begrenzt, fehlerhaft, ergänzungsbedürftig sind. Doch genau das ist das Bild von der Gemeinde als Leib Jesu: Wir sollen einander ergänzen, weil ein einzelnes Glied nicht bestehen kann.
Unabhängigkeit ist die Ursünde überhaupt - Adam und Eva wollten schon unabhängig sein. Aber das ist nicht der Wille Gottes, sondern Gemeinschaft, d.h. Abhängigkeit voneinander. Unsere Beziehung zu den Geschwistern ist ein Spiegelbild für unsere Beziehung zu Gott: Solange wir uns von den Geschwistern nichts sagen lassen, werden wir auch wahrscheinlich von Gott nichts hören wollen.
Wir müssen die Lüge Satans erkennen: Verbindliche Beziehungen bedeuten nicht Einschränkung und Verlust unserer Freiheit!
Wir sollten die gegenseitige Hingabe auch bewußt voreinander aussprechen - mit der Bereitschaft Fehler zu machen und eventuell dabei verletzt zu werden. (Punkt 3)
Am Beginn unserer Beziehungsfähigkeit muß der Beschluß stehen:
Unabhängigkeit - Nein danke !

2. Angst vor Ablehnung

Warum haben wir Angst vor Ablehnung?
Besonders da wo wir in der Vergangenheit schlechte Erfahrungen mit Personen unseres Vertrauens gemacht haben, bleibt die Angst, sich erneut zu binden und wieder enttäuscht zu werden.
Stellen wir uns vor: Jemand bekehrt sich und kommt in einen Hauskreis. Er erlebt zum ersten mal Offenheit und Vertrauen. Aber er bringt ein Paket von Enttäuschungen aus negativ verlaufenen Beziehungen mit.

Wie wirkt sich diese Angst vor Ablehnungen aus?
Die Angst vor Ablehnung kann sich in Schüchternheit und Zurückgezogenheit äußern, aber auch in einem bestimmenden und wortreichen Auftreten. Oder die Furcht, nicht angenommen zu sein, macht ihn defensiv und mißtrauisch.
So sind viele in ihrem Innern: skeptische, einsame und zerbrechliche Menschen.
Jesus war aber mehr ablehnt als wir das jemals erfahren werden. (Jes 52,14 und 53,3) Und deshalb kann er diese Verletzungen und Empfindlichkeiten heilen.
Hauskreise und andere Kleingruppen sind der Ort, wo diese Heilung geschehen darf.
Da ist ein Ort des Vertrauens und Offenheit untereinander. Aber ebenso wichtig ist eine Verschwiegenheit nach außen.
Um Beziehungen zu haben, muß man lernen, neu sich anderen Menschen anzuvertrauen.

3. Mangel an Vergebung

Wo keine Vergebung ist, da kann auch keine wahre Gemeinschaft entstehen!
Wie oft kommt eine Befangenheit innerhalb einer Gruppe auf oder die Neigung, sich gegenseitig aus dem Weg zu gehen, weil alte unaufgearbeitete Konflikte da sind.
Vielleicht mußten wir durch kleine Machtkämpfe leiden. Oder irgend jemand hat etwas Negatives über uns in der Gemeinde gesagt.
Unsere Zunge kann so schnell so viel zerstören. Jakobus warnt uns davor (3,10-11):
Aus einem Mund kommt Loben und Fluchen. Das soll nicht so sein, liebe Brüder. Läßt etwa die Quelle aus derselben Öffnung Süßes und Bitteres hervorsprudeln?
Es geschieht trotzdem immer wieder, daß wir verletzt werden. Das ist zwar tragisch, aber nicht zu verhindern.

Wir müssen uns entscheiden wie wir reagieren: Verbittern wir uns aus Mangel an Vergebung oder vergeben wir und bringen das Ganze ins Reine.
Jesus sagt in Mat. 5,23-24:
Wenn du deine Opfergabe zum Altar bringst und dir dabei einfällt, daß dein Bruder etwas gegen dich hat, dann laß deine Gabe dort vor dem Altar liegen. Geh und versöhne dich mit deinem Bruder und dann komm und opfere deine Gabe.
Der ganze Gottesdienst und die Gemeinschaft haben keinen Wert, wenn etwas zwischen uns steht.

Deshalb muß man diese Mauer niederreißen. Wo Beziehungen durch unausgesprochene Spannungen belastet sind, wo einer dem anderen gegenüber Vorbehalte hat, ist das offene Gespräch unter vier Augen nötig! Nur wenn wir wahrhaftig aufdecken, kann die Liebe zudecken!

4. Leben hinter Masken

Masken sind sehr gefährlich, weil sie im Grunde Lügen sind.
Sie sind oft schwer zu durchschauen und man gewöhnt sich leicht daran. Eventuell können wir selbst von einer Rolle so überzeugt sein, daß wir sie irgendwann dauernd spielen.
Masken bieten eine gewisse Sicherheit und Schutz davor, durchschaut zu werden. Aber auf Dauer engen sie uns ein.

Beispiele für Masken, also Rollen hinter denen wir unser wirkliches Wesen verstecken, gibt es viele:
Der Schüchterne, Kritische, Lustige, Engagierte, Minderwertigkeit, Komplex, oder der mit dem großen Durchblick.

Bei Christen gibt es noch eine weitere gefährliche Maske: die falsche Heiligkeit.
Wir müssen frommer erscheinen als wir sind - denken wir.
Aber auch diese Maske ist nur einer Lüge. Es ist nur Schein-Heiligkeit, die keinem was bringt.
Die Lösung:Wieso lassen wir uns nicht richtig kennenlernen wie wir sind - das ist Demut.
Stolz dagegen ist die ständige Flucht vor mir selbst. Ich jage einem Idealbild nach, das gar nicht ich selbst bin.
Schwäche zeigen ist in der Gemeinschaft der Christen erlaubt.
Wenn wir die Leute nur messen an ihren Leistungen, dann sind wir nicht besser als die Welt. Wir sollten uns nicht mit dem andern vergleichen sondern ergänzen - nach dem Prinzip des Leibes Christi wie er in 1.Kor 12 beschrieben ist: Viele Glieder - ein Leib.

Wollen wir das?
Wollen wir als Gemeinde "Christliche Gemeinschaft" heißen und auch praktizieren?
Wenn ja dann müssen wir unsere Beziehungsfähigkeit erneuern durch Jesus. Das ist ein Prozeß von persönlicher Heilung und Wiederherstellung.
Das aber kann nur geschehen, wenn wir als Gruppe bereit sind, unsere Mauern zu sehen und zu bekennen.
Alte Verhaltensweisen und Persönlichkeitsstrukturen müssen durch den Heiligen Geist erneuert werden, damit wir zum einem Leib zusammenwachsen können, der trotzdem offen ist, neue Menschen aufzunehmen und zu integrieren.

Schluß:

Wollen wir beziehungsfähiger werden? Dann müssen wir die Mauern niederreißen:

Die Beziehung zum Nächsten kann nur verbessert werden, wenn wir anfangen, Offenheit und Annahme zeigen und praktizieren trotz unserer eigenen Schwächen und Fehler und die der anderen.