Gott benutzt andere für seine Pläne

Ich habe in meiner letzten Predigt über die Allmacht Gottes gesprochen. Er kontrolliert alles, was auf der Erde geschieht und alles geschieht nach seinem Plan. Ich habe die Behauptung aufgestellt, daß er auch seine und unsere Feinde ganz bewußt einsetzt, um seinen Plänen zu dienen. Diese Aussage wurde von manchen bezweifelt, wie sich nachher im Gespräch herausstellte.
Ich finde es gut, wenn über eine Predigt nachgedacht wird. Jeder soll prüfen, ob es wirklich so verhält. Wir dürfen bei unklaren Punkten auch Nachfragen und uns diese anhand der Bibel beweisen lassen.

Ich habe mich deshalb auf die Suche gemacht, nach einem Text, in dem Gott seine Feinde für seine Pläne einsetzt und bin beim Propheten Habakuk im Kapitel 1 fündig geworden.

1 Dies ist die Last, die der Prophet Habakuk geschaut hat.
2 Wie lange, HERR, rufe ich schon um Hilfe, und du hörst nicht! Wie lange schreie ich zu dir: Gewalttat! - doch du rettest nicht?
3 Warum läßt du mich Unrecht sehen und schaust dem Verderben zu, so daß Verwüstung und Gewalttat vor mir sind, Streit entsteht und Zank sich erhebt?
4 Darum erstirbt die Weisung, und der gerechte Rechtsspruch kommt nie mehr heraus. Denn der Gottlose kreist den Gerechten ein; darum kommt ein verdrehter Rechtsspruch heraus.
5 Seht euch um unter den Nationen und schaut zu und stutzt, ja, staunt! Denn ich wirke ein Werk in euren Tagen - ihr glaubtet es nicht, wenn es erzählt würde.
6 Denn siehe, ich lasse die Chaldäer erstehen, die grimmige und ungestüme Nation, die die Weiten der Erde durchzieht, um Wohnplätze in Besitz zu nehmen, die ihr nicht gehören.
7 Schrecklich und furchtbar ist sie. Von ihr selbst gehen ihr Recht und ihre Hoheit aus.
8 Und schneller als Leoparden sind ihre Pferde und angriffslustiger als Wölfe am Abend. Es stampfen ihre Pferde, ihre Pferde kommen von fern her, fliegen herbei wie ein Adler, der sich auf den Fraß stürzt.
9 Jeder kommt zur Gewalttat. Ihre Front strebt unaufhaltsam vorwärts, und Gefangene rafft sie zusammen wie Sand.
10 Mit den Königen treibt sie ihren Spott, und Fürsten sind ihr ein Gelächter. Über jede Festung lacht sie, schüttet einen Erdwall auf und nimmt sie ein.
11 Dann fährt sie daher wie der Wind und zieht weiter und verheert: so ist der, dem die eigene Kraft sein Gott ist!

Der Propheten Habakuk beschäftigt sich mit einem Problem, das auch für uns heute eine große Bedeutung hat. Ihn quält die Frage: "Wie kann der heilige Gott bösen Menschen erlauben über die Gerechten zu triumphieren?" Böse siegen über die Guten. Sie verwüsten ihr Land, plündern und morden.

Warum scheint Gott taub zu sein für die Gebete seines Volkes wenn sie zu ihm schreien in Zeiten der Not und Bedrängnis?
Lesen wir noch einmal die Verse 1 bis 4.
Habakuk betet zum Herrn. Er klagt ihn dabei an, daß er entweder nicht hört oder auf sein Schreien nicht antwortet. Er fleht Gott an, Rettung zu schicken. Aber stattdessen sieht es so aus, als kümmert sich Gott gar nicht um sein Volk. Oder läßt er selber alles immer noch schlimmer werden?
Habakuk sieht um sich her Verderben, Verwüstung, Gewalttat, Streit und Zank. Er sieht auf Schritt und Tritt Korruption und Ungerechtigkeit. Und Gott kümmert sich überhaupt nicht darum. Habakuk möchte Erneuerung und Erweckung. Aber alles was er sieht ist zunehmende Gesetzlosigkeit.
Im Vers 3 steht, daß Gott ihn zwingt, sich diese furchtbare Situation anzusehen. Gott will, daß er diese Gesetzlosigkeit ganz bewußt wahrnimmt. Er kommt zu dem Schluß, daß das Gesetz und die Rechtsprechung ohnmächtig und sinnlos sind, weil jeder die Gesetze verdreht, wie er sie braucht.
Was er beschreibt hat verblüffende Ähnlichkeit mit dem, was heute vor Gericht abgeht: Wenn jemand genug Geld hat für Rechtsanwälte, Gutachter und immer neue Revivionen, kommt er schließlich mit allem durch.

In diesen ersten vier Versen lesen wir von Habakuks Vorwürfen gegen Gott. Er klagt ihn regelrecht an. Er klagt ihn an, taub zu sein oder nicht auf seine Gebete antworten zu wollen. Vielleicht kommt ihm auch der Gedanke, daß Gott gar nicht mächtig genug ist, um einzugreifen und alles zu ändern.
Gott ist entweder unwillig oder unfähig, irgend etwas an dieser schrecklichen Gesellschaft zu ändern. Habakuk verschwendet wohl nur seine Zeit mit beten.

Ab Vers 5 antwortet Gott: Denn ich wirke ein Werk in euren Tagen - ihr glaubtet es nicht, wenn es erzählt würde. Denn siehe, ich lasse die Chaldäer erstehen, die grimmige und ungestüme Nation, die die Weiten der Erde durchzieht, um Wohnplätze in Besitz zu nehmen, die ihr nicht gehören.

Seine Antwort ist schwerer zu verstehen als sein Schweigen. Wir müssen bedenken, daß Habakuk für Gottes auserwähltes Volk betet. Er geht hier um Israel.
Gott antwortet endlich sagt: "Du Habakuk, ich bin weder blind noch taub oder hilflos. Ich bin bereits voll bei der Arbeit. Und wenn ich dir jetzt sage, was ich tun werde, dann wirst du es nicht glauben."
Ich denke, der arme Habakuk konnte das wirklich nicht glauben, was Gott ihm da als seinen Plan offenbarte. Erst war er verwirrt gewesen von Gottes Nichtstun. Aber die jetzt angekündigte Aktivität hat ihn sicher noch mehr durcheinander gebracht. Gottes Plan schien schlimmer zu sein als sein Schweigen.
Was wollte Gott denn genau tun? Er war dabei, die Chaldäer zu stärken und sie dann losziehen zu lassen, um in Israel einzufallen. Diese Chaldäer sind Gottes Instrument zur Züchtigung Israels, das ist ganz klar aus dem Text zu ersehen. Die Chaldäer kommen und Gott selbst ist dafür verantwortlich.
Viele Christen und auch viele "Health and Wealth"-Prediger würden sagen: "Das ist eine Lüge. Gott ist ein guter und liebender Gott, der so etwas schreckliches nie tun würde." Was zu dieser Zeit niemand sehen konnte war, daß Gott die Invasion der Chaldäer später für seine guten Zwecke benutzen würde. Tatsächlich erfüllt er damit Habakuks Gebet, weil die kommenden schrecklichen Zeiten sein Volk zur Buße und Umkehr bringen werden.
Trotzdem, paßt so ein Gott und solche Methoden in unser Gottesbild? Wir müssen uns darüber im Klaren sein: Wenn die Chaldäer da ankommen, dann schickt sie nicht der Teufel um dem Volk Israel Schaden anzutun. Sondern Gott selbst sendet sie!
Und sie ist es auch mit allem, was heutzutage geschieht. Wie sehr es uns auch verwirren mag, ich glaube, daß der allmächtige Gott alles in der Hand hat uns alles leitet. Wenn Gott es nicht wollte, würde es nicht geschehen. Wir müssen Gott suchen und ihn fragen um die Lektion zu verstehen, die er uns mit einer schwierigen Situation oder einem großen Problem beibringen will.
Den Teufel für alle Anfechtungen verantwortlich zu machen ist nicht der richtige Weg. Manche stärken sogar ihre selbstgerechte Einbildung indem sie sagen: "Ich muß wirklich ein supergeistlicher Christ sein, wenn ich so vom Teufel angefochten werde." Bis wir wirklich Gott hinter allem erkennen, kämpfen wir sowohl gegen ihn als auch gegen den Zweck, zu dem er uns die Schwierigkeiten geschickt hat. Wir müssen aufpassen, daß wir nicht an etwas glauben und etwas erwarten, was Gott nie versprochen hat. Dann können wir auch Gott nicht hören, wenn er durch die Anfechtungen zu uns sprechen will.

Beachten wir, wie Gott betont, daß er handelt und nicht der Teufel:
Denn ich wirke ein Werk in euren Tagen. Denn siehe, ichlasse die Chaldäer erstehen.
Gott selbst ist derjenige, der diese grausamen Krieger gegen sein auserwähltes Volk ziehen läßt. Weiter hinten in diesem Kapitel sagt er dann auch, daß er die Chaldäer richten wird für das, was sie tun. Sie gehen also nicht straffrei aus, weil sie Gottes Werkzeug sind. Das paßt nicht in unser Rechtsverständnis, aber darüber müßte man eine eigene Predigt halten.

Eine andere Begebenheit mit ähnlichem Inhalt steht in Jesaja 10, Verse 5 und 6:
Wehe, Assur, Rute meines Zorns! Und der Stock meines Zorns - in ihrer Hand ist er. Gegen eine gottlose Nation sende ich ihn, und gegen das Volk meines Grimmes entbiete ich ihn, Raub zu rauben und Beute zu erbeuten und es zertreten zu lassen wie Straßenkot.
Statt der Chaldäer benutzt Gott hier die Assyrer. Gott erklärt, daß die Assyrer wirklich seine Rute, seinen Stock in der Hand haben, mit dem Israel gezüchtigt werden soll. Die Assyrer sind diejenigen, die mit der Rute zuschlagen. Aber dahinter steht Gottes Plan. Er betont noch einmal, daß er sie sendet. Er selbst gibt den Befehl dazu.

Es ist durchaus nicht die Absicht der Assyrer, Gott zu dienen: (7 bis 11)
Er aber meint es nicht so, und sein Herz denkt nicht so, sondern zu verheeren hat er im Sinn und nicht wenige Nationen auszurotten. Denn er sagt: Sind meine Oberste nicht allesamt Könige? Wie meine Hand die Königreiche der Götzen erreicht hat - und ihre geschnitzten Bilder waren mehr als die von Jerusalem und von Samaria, werde ich nicht, wie ich Samaria und seinen Götzen getan habe, ebenso Jerusalem und seinen Götzenbildern tun?
Sie wollen rauben und andere Völker ausrotten. Die Assyrer denken im Verfolgen ihrer Absichten überhaupt nicht an Gott. Alles woran dieses arrogante Volk denkt ist plündern und morden. Trotzdem ist Gott es, der unbemerkt die Situation lenkt, ihren Willen und ihre Gefühle beeinflußt. Gott dirgiert die Assyrer, um seinen Gerichtsplan mit Israel auszuführen.

Was hier im Großen, mit Völkern geschehen ist, das passiert auch im Kleinen mit uns persönlich (Psalm 76, 10):
Denn selbst der Grimm des Menschen wird dich preisen; auch noch mit dem Rest des Grimmes wirst du dich gürten.
Es ist die Rede von Menschen, die gefüllt sind mit Zorn gegen Gott und seine Herrschaft. Gott hat nicht den Zorn in die Menschen hineingelegt. Er ist auch nicht verantwortlich für das, was sie in ihrem Grimm anstellen. Des Menschen freier Wille ist 100 prozentig verantwortlich für den Zorn, für die Sünde, die daraus entsteht und für die Taten die daraus folgen. Trotzdem wird Gott diese feindliche Haltung benutzen für seine Pläne und sich Preis daraus schaffen.

Diese Textstellen haben ganz deutlich das gezeigt, was ich versuche zu belegen: Egal was passiert und egal wer vordergründig handelt, immer ist der allmächtige Gott am Werk. Er hat die völlige Kontrolle und er arbeitet an seinen lange vorherbestimmten Plänen.
Und ich bin froh darüber, daß der allmächtige Gott volle Kontrolle über alles hat und daß kein Spatz vom Himmel fällt, ohne daß er es weiß. Damit bin ich mir sicher, daß alles letztlich zu unserem besten dient.