1 Und es geschah nach dem Tod des Mose, des Knechtes des HERRN, da sprach der HERR zu Josua, dem Sohn des Nun, dem Diener des Mose: 2 Mein Knecht Mose ist gestorben. So mache dich nun auf und gehe über diesen Jordan, du und dieses ganze Volk, in das Land, das ich ihnen, den Söhnen Israel, gebe! 3 Jeden Ort, auf den eure Fußsohle treten wird - euch habe ich ihn gegeben, wie ich zu Mose geredet habe. 4 Von der Wüste und diesem Libanon an bis zum großen Strom, dem Strom Euphrat, das ganze Land der Hetiter, und bis zum großen Meer gegen Sonnenuntergang, das soll euer Gebiet sein. 5 Es soll niemand vor dir standhalten können, alle Tage deines Lebens. Wie ich mit Mose gewesen bin, werde ich mit dir sein; ich werde dich nicht aufgeben und dich nicht verlassen. 6 Sei stark und mutig! Denn du, du sollst diesem Volk das Land als Erbe austeilen, das ihnen zu geben ich ihren Vätern geschworen habe. 7 Nur sei recht stark und mutig, daß du darauf achtest, nach dem ganzen Gesetz zu handeln, das mein Knecht Mose dir geboten hat! Weiche nicht davon ab, weder zur Rechten noch zur Linken, damit du überall Erfolg hast, wo immer du gehst! 8 Dieses Buch des Gesetzes soll nicht von deinem Mund weichen, und du sollst Tag und Nacht darüber nachsinnen, damit du darauf achtest, nach alledem zu handeln, was darin geschrieben ist; denn dann wirst du auf deinen Wegen zum Ziel gelangen, und dann wirst du Erfolg haben. 9 Habe ich dir nicht geboten: Sei stark und mutig? Erschrick nicht und fürchte dich nicht! Denn mit dir ist der HERR, dein Gott, wo immer du gehst.
Dieser Text ist recht bekannt. Vor allem die Zusage in Vers 9 wird oft
zitiert: Siehe, ich habe dir geboten, dass du getrost und unverzagt seist.
Lass dir nicht grauen und entsetze dich nicht; denn der Herr, dein Gott ist
mit dir, in allem was du tun wirst.
Wir nehmen diese Zusage gerne für uns in Anspruch. Aber sie ist nicht
universell gültig, für jeden und in jeder Situation. Wir dürfen solche
Verheißungen nicht aus dem Zusammenhang reißen. Deshalb müssen wir erst
einmal die Umstände ansehen, unter denen diese Zusage gegeben wurde.
Mose, die große Führergestalt war gestorben. Josua stand vor der gewaltigen Aufgabe, seine Platz einzunehmen. Er sollte die Führung des Volkes Israel übernehmen, um mit ihm das Land Kanaan zu erobern. War diese Aufgabe nicht viel zu groß für ihn? Das eine Problem war das Volk, das nur allzu oft in der Vergangenheit störrisch gewesen war und ungehorsam gegen Gott. Das andere Problem waren die Kanaanäer, denen er das Land wegnehmen sollte. Sie hatten feste Städte mit Stadtmauern und Wachtürmen, sie hatten Streitwagenabteilungen, die etwa den heutigen Panzerarmeen entsprechen. Die Kanaanäer waren eine eingespielte politische Organisation. Und das Volk Gottes - arm, von der Wüstenwanderung geschwächt, sollen ihr Land erobern. Und wenn er auf sich sah mit seinen Gaben und sich mit seinem Vorgänger Mose verglich, mußte ihm schwindelig werden. Der Auftrag war zu groß für ihn! Diese Aufgabe konnte er nach menschlichem Ermessen nicht bewältigen.
Josua bekommt diesen Auftrag aber nicht von einem Menschen, sondern vom allmächtigen Gott selbst: Da sprach der HERR zu Josua, dem Sohn des Nun, dem Diener des Mose: Mein Knecht Mose ist gestorben. So mache dich nun auf und gehe über diesen Jordan, du und dieses ganze Volk, in das Land, das ich ihnen, den Söhnen Israel, gebe.
Der Auftrag war nicht neu. Schon Mose war es klar, daß Josua seine
Nachfolge antreten würde: 5.Mose 31,7-8:
Und Mose rief Josua und sprach zu ihm vor den Augen von ganz Israel: Sei
stark und mutig! Denn du, du wirst mit diesem Volk in das Land kommen, das
der HERR ihren Vätern geschworen hat, ihnen zu geben; und du, du wirst es
ihnen als Erbe austeilen. Der HERR, er ist es, der vor dir herzieht; er
selbst wird mit dir sein; er wird dich nicht aufgeben und dich nicht
verlassen. Fürchte dich nicht und sei nicht niedergeschlagen!
Viele Menschen, denen Gott einen Auftrag gab, versuchten sich
herauszureden: "Ich kann das nicht. Ich weiß nicht wie! Ich bin zu
schwach!"
Auch Mose hatte Ausreden, als er berufen wurde: 2.Mose 4,10: Mose aber
antwortete dem HERRN: Ach, Herr! Ich bin kein redegewandter Mann, weder seit
gestern noch seit vorgestern, noch seitdem du zu deinem Knecht redest; denn
unbeholfen ist mein Mund und unbeholfen meine Zunge.
Bei Josua lesen wir nichts dergleichen. Es hätte ihm auch nichts genützt. Denn wenn Gott Menschen in seinen Dienst ruft, hat er klare Vorstellungen, was aus ihrem Leben werden soll. Sein Wille durchkreuzt den eigenen Willen. Und Gott setzt sich dabei über alle Einwände hinweg, weil er stärker ist als unsere Schwäche. "Des Menschen Wille, das ist sein Glück", sagt Schiller. Aber die Bibel sagt es anders. Erst wenn Gottes Wille einen Menschen ganz erfüllt, wird er brauchbar für Aufgaben im Reich Gottes.
Für die Erfüllung seiner Aufgabe gibt Gott dem Josua klare Richtlinien.
Wie soll er es tun, was muss er dabei beachten.
7 Nur sei recht stark und mutig, dass du darauf achtest, nach dem ganzen
Gesetz zu handeln, das mein Knecht Mose dir geboten hat! Weiche nicht davon
ab, weder zur Rechten noch zur Linken, damit du überall Erfolg hast, wo
immer du gehst! 8 Dieses Buch des Gesetzes soll nicht von deinem Mund
weichen, und du sollst Tag und Nacht darüber nachsinnen, damit du darauf
achtest, nach alledem zu handeln, was darin geschrieben ist; denn dann wirst
du auf deinen Wegen zum Ziel gelangen, und dann wirst du Erfolg haben.
Das Gesetz ist Gottes Anleitung zur Erfüllung des Auftrags. Es ist wie der Weg zum Ziel. Ein Weg, von dem Josua weder zur Rechten noch zur Linken abweichen soll. Gott verlangt, dass Josua sich an das Gesetz hält. Er soll nicht davon weichen und er soll darüber nachdenken, ununterbrochen. Das Gesetz ist Gottes Willensoffenbarung. Im Gesetz, in Gottes Geboten ist der Wille Gottes ausgesprochen. Gott fordert Josua also nicht nur auf, fest und mutig das Volk Israel in das verheißene Land zu führen, sondern auch, seinen Willen zu tun, nach Gottes Willen zu fragen, Gottes Willen zu suchen und danach zu handeln. Gottes Verheißung gilt, er gibt Israel das verheißene Land. Gottes Zusage kann aber nur dann Wirklichkeit werden, wenn Josua und die Israeliten sich dem Willen Gottes entsprechend verhalten.
"Des Menschen Wille, das ist sein Glück", sagt Schiller. Aber die Bibel sagt es anders. Erst wenn Gottes Wille einen Menschen ganz erfüllt, wird er brauchbar für Aufgaben im Reich Gottes.
Gott ist es sehr wichtig, dass wir nicht nach eigenen Wertvorstellungen
handeln. Er ist nicht mit dem Sprichwort einverstanden: "Der Zweck
heiligt die Mittel." Es zählt für ihn nicht nur das Ergebnis, sondern
auch, dass wir es seinem Gesetz gemäß erreichen. Bei allem, was wir tun,
sollen wir darauf achten, ob es mit der Bibel übereinstimmt. Oft handeln
wir in einer Spontanreaktion falsch, nicht so wie Gott es von uns erwartet.
Dagegen gibt es nur ein Mittel: Die Bibel muß uns in Fleisch und Blut
übergangen sein. Das geschieht, indem wir Tag und Nacht darüber
nachsinnen.
Das steht auch im Psalm 1: Wohl dem, der sinnt über dem Gesetz Tag und
Nacht.
Nachdem Gott dem Josua seinen Auftrag gegeben hat und ihm klar gemacht
hat, wie er ihn erfüllen soll, gibt er ihm jetzt als Stärkung die
Verheißung mit auf den Weg:
Siehe, ich habe dir geboten, dass du getrost und unverzagt seist. Lass
dir nicht grauen und entsetze dich nicht; denn der Herr, dein Gott ist mit
dir, in allem was du tun wirst.
Das ist gleichzeitig ein Befehl und eine Verheißung. Der Befehl ist kurz und bündig: "Sei getrost und unverzagt; laß dir nicht grauen und entsetze dich nicht." Wenn ein Freund das zu Josua gesagt hätte, dann hätte er wahrscheinlich geantwortet: "Du hast gut reden! Dort drüben stehen die festen Mauern von Jericho, und hier ist dieser müde Haufen, den ich führen soll." Aber es ist kein Freund, der das zu Josua sagt. Es ist der allmächtige Gott, der es befiehlt, und sein Befehl ist abgedeckt durch die größte Verheißung, die sich Josua nur vorstellen kann: "Denn der Herr, dein Gott, ist mit dir in allem, was du tun wirst." Er, Josua, steht nicht allein. Den Weg, den er gehen soll, geht er nicht allein; nein, der lebendige Gott geht mit ihm. Er selbst gibt ihm diese Zusage. Nicht nur in den ersten Tagen dieses neuen Lebensabschnittes, nein, bis zum letzten Tag ist Gott bei ihm. Nicht nur bei den ersten Amtshandlungen, sondern bei allem, was er tun wird, ist Gott mit ihm. Welch eine Verheißung an Josua!
Der Name Jesus ist die griechische Form des hebräischen Jeschua oder Jehoschua, also des Namens Josua. Das heißt "Der Herr ist Hilfe, (oder) der Herr rettet". Dieser Name ist Botschaft und Verheißung. Dieser Name "Der Herr rettet" ist das Programm der Heilsgeschichte Gottes mit den Menschen.
Und die gleiche Verheißung wie Josua bekommen hat, gilt uns! Jesus Christus gibt sie seinen Jüngern: "Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende." Dieses Wort gilt! Mit dieser Verheißung lässt es sich leben! So können wir jeden Tag getrost an unsere Arbeit gehen. Wenn wir sie im Namen Jesu tun, wenn wir seinem Ruf gehorchen, dann ist er bei uns. Angst und Mutlosigkeit, Resignation und Müdigkeit, sie alle müssen weichen, denn der Herr selbst ist mit uns.
Amen