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Mein Jurastudium in Frankfurt an der Oder

Hier möchte ich eine Art offenes Tagebuch führen, das vielleicht mal anderen zukünftigen Studenten helfen kann zu sehen, was auf sie zukommt, wenn sie zum Studium in eine andere Stadt ziehen. Bisher weiß ich selbst nicht genau, wie das einmal werden könnte, und leider habe ich auch bisher nirgends einen Erfahrungsbericht finden können, der mich zufrieden gestellt hätte.

Vorgeplänkel

Ein Blick aus meinem Fenster: Das Hauptgebäude der Viadrina, dahinter der Oderturm - ein Büro- und Einkaufszentrum. Rechts sieht man die Flachbau-Baustelle, die morgens immer einen Höllenlärm verursacht. Donnerstag, 28.8.2003
Noch ein guter Monat, bis alles anfängt: Der Auszug von zuhause, der Einzug (hoffentlich) ins Studentenwohnheim in Frankfurt (Oder). Bisher scheint das alles noch weit weg. Ich bin immatrikuliert und habe meinen Studentenausweis bekommen, aber es scheint alles noch sehr irreal. In Frankfurt war ich letztes Jahr zum Schnupperstudium und Tag der offenen Tür; das war schon einmal sehr hilfreich. Man weiß ein bisschen genauer, was kommen wird, und es ist nicht alles total fremd.
Im Moment ist erstmal wichtig, ob ich einen Wohnheimplatz bekomme. Wenn nicht, müsste ich mir etwas anderes zum Leben suchen - und zwar recht schnell. Aber selbst, wenn ich in ein Wohnheim komme, weiß ich ja nicht, was es für eines sein wird. Da gibt es Einzelappartements mit zwei großen Küchen auf der Etage, es gibt Dreier- bis Fünfer-WGs, es gibt Plätze mit oder ohne Zugang zum Internet, direkt neben dem Uni-Hauptgebäude oder in einem anderen Stadtviertel. Am liebsten will ich natürlich alles sofort wissen. Aber ich muss mich da wohl noch ein bisschen gedulden ...
Dieser Tage höre ich häufig Fragen wie "Warum denn Frankfurt an der Oder?", "Warum denn in den Osten?". Das erinnert an die Frage vor dem Austauschjahr: "Warum denn ausgerechnet nach Polen? Das ist doch so weit weg. Warum denn nicht Amerika?" Und es stimmt ja irgendwie. Alle orientieren sich nach Westen, jeder studiert in Hamburg, München, Mainz, oder gleich in London, Paris, New York - wo auch immer. Ich dagegen orientiere mich nach Osten, weil ich nicht unbedingt dem Mainstream folgen will. Und weil ich denke, dass viele Ost-Unis besser sind als ihr Ruf. Die kleine, freundliche Viadrina hat mir im vergangenen Jahr ausgezeichnet gefallen, wesentlich besser als die Kieler Uni, an der ich mir immer sofort verloren vorkomme.

Montag, 15.9.2003
Nachgefragt: Ja, die Bescheide über Wohnheimplätze werden versandt, heute sind auch wieder 100 rausgegangen. Nein, man muss sich noch keine Gedanken machen, wenn man noch nichts gehört hat. Leicht gesagt: Langsam werde ich nervös.

Mittwoch, 17.9.2003
Gestern kam nun endlich der Bescheid vom Studentenwerk: Man stellt mir ab dem 1. Oktober (also in zwei Wochen!) einen Wohnheimplatz zur Verfügung, und ich soll am 1.10. zwischen 9 und 12 oder 13 und 15 Uhr vorbeikommen, um den Mietvertrag zu unterschreiben. 200 Euro Kaution und die ausgefüllte Einzugsermächtigung sind mitzubringen. Und eine Studienbescheinigung, die ich mir dann aber erst ausdrucken muss - am Selbstbedienungsterminal der Uni, von dem ich bisher keine Ahnung habe, wie es funktioniert.
Nicht im Schreiben steht, in welchem Wohnheim ich untergebracht sein werde, und damit auch nicht, wie viel der Spaß kosten wird. Immerhin liegen die Preise monatlich zwischen 116 und 282 Euro - nicht ganz unerheblich, was es denn nun wird. Nach telefonischer Rückfrage weiß ich aber seit heute, dass ich im Wohnheim "Logenstraße" untergebracht bin. Das sagt mir sehr zu, denn es war mein Wunschwohnheim. Nicht nur, dass es direkt neben der Uni und im unmittelbaren Stadtzentrum liegt, sondern auch, dass ich von dort aus Internetzugang habe, finde ich ganz ausgezeichnet. Und es werden auch nicht die 282 Euro, wenn die Preise auch knapp über 200 Euro liegen.
Nun geht es auch langsam an die konkrete Planung des Umzugs. Nach Frankfurt fahre ich mit dem Zug, meine Eltern kommen abends mit dem Auto (und einem sehr großen Teil meiner Sachen) nach. Bin mal gespannt, wie es weiter aussehen wird.

Blick aus meinem Fenster am Abend Donnerstag, 25. September 2003
Bin unterdessen ernsthaft dabei, den Umzug vorzubereiten. Erste Kartons sind schon gepackt. Ein Anruf bei der Hausmeisterin des Wohnheims hat außerdem geklärt, dass es dort keine Wäscheleinen gibt (Wäschetrockner ist zwar laut Website vorhanden, aber da kann man ja nicht alles reintun). Außerdem hab ich eine Jurastudenten-Mailingliste von der Juristenplattform Jurawelt abonniert - einfach mal vorsorglich. Ich verstehe zwar bei weitem noch nicht alles, was dort besprochen wird - meistens sind es Fälle aus Hausarbeiten. Aber trotzdem finde ich es interessant, schon mal ein bisschen mitzulesen.

Sonntag, 5. Oktober 2003
Angekommen in Frankfurt (Oder), der neuen "Heimat" meiner Wahl. Wobei man weder sagen kann, dass ich psychisch schon angekommen wäre, noch dass der Begriff 'Heimat' wirklich zuträfe. Wie sehr fehlt mir noch die Ostsee, fehlt mir meine Familie, mein Zimmer, mein altes Leben. Wie einsam es ist, in einem Umkreis von hunderten Kilometern keine einzige wirklich geliebte Person zu wissen. Wie fremd fühle ich mich doch noch, wie allein kann man in einer Stadt sein, die 20 mal so viele Einwohner hat wie der vorherige Wohnort. Doch dort konnte ich nicht bleiben; eine wirkliche Alternative gibt es nicht, gab es nie ... Es wird schon richtig sein, was ich entschied. Hoffentlich.

Sonntag, 12. Oktober 2003
Die Einführungswoche liegt nun hinter mir. Sie war anstrengend, aber wohl auch ein guter Anfang. Ich habe schon einige interessante Menschen kennengerlernt. Die Einführungsveranstaltungen an sich sehe ich von zwei Seiten: Einerseits lernt man dort sehr, sehr schnell Leute kennen, was gerade am Anfang besonders wichtig ist. Auf der anderen Seite bringen sie aber demjenigen, der sich die Informationsmaterialien durchgelesen hat, nur recht wenig neues. Die Stadtrallye fand ich sehr positiv, wenn auch alle Antworten auf dem Silbertablett serviert wurden, und auch die Treffen mit den studentischen Tutoren sind an sich sehr gut gewesen. Wenn man an der Stadtrallye teilnimmt, kann es übrigens passieren, dass man gleich in die bei der StadtrallyeMärkische Oder-Zeitung kommt ;) - und das sogar mit Bild.
Was mir weniger gefallen hat, war die Anmeldung beim Einwohnermeldeamt: Viermal insgesamt war ich im so genannten 'Bürgeramt', habe dort jedes Mal zwischen einer und drei Stunden gewartet und musste dann weg, weil eine wichtige Veranstaltung an der Uni war. Als ich dann am Donnerstag glücklich drankam, war ich auch heilfroh, das endlich erledigt zu haben. Ich muss aber demnächst noch Mal hin, um einen Antrag auf Befreiung von den Rundfunkgebühren abzugeben.
Des Weiteren waren Freitag Einstufungstests für die Sprachkurse. In Französisch noch so richtig altmodisch ;) auf Papier, mit 70 Multiple-Choice-Fragen zu Grammatik und Wortschatz, dann Vervollständigung von Wörtern in einem Text, und als letztes sollte man selbst was schreiben. Doll lief es bei mir nicht, aber das war auch nicht zu erwarten. Das Ergebnis erfahre ich am Dienstag. In Englisch fand der Test online statt, was bedeutet, dass man am Computer arbeitet und der Test auch sofort ausgewertet wird. Als erstes bekommt man auch hier Multiple-Choice-Fragen. Wer darin gut genug ist, bekommt danach einen umgangssprachlichen Text vorgelegt und soll Fragen dazu beantworten (ebenfalls Multiple-Choice). Damit kann man sich wiederum qualifizieren, um einen letzten Text lesen zu dürfen. Dieser ist schon etwas schwerer zu verstehen, in meinem Fall war es ein Zeitungsartikel mit gehobenem Sprachniveau. Wieder waren Fragen zu beantworten, und dann, Klasse gemacht, Auswertung: O* in meinem Fall, was bedeutet, dass ich jetzt einen Oberstufe-Kurs Englisch belegen darf (zweistündig) und mich nach dem Semester zur Allgemeinsprachlichen Prüfung melden kann. Es bleibt mir jetzt noch, morgen mit dem Lektor für Polnisch zu reden, damit er mich für Polnisch einstuft. Danach kann ich mich zu den Sprachkursen anmelden.

Erstes Semester: WS 2003/2004

Sonnabend, 25. Oktober 2003
So sieht es kurz vor einer Vorlesung aus, wenn die Studis scharenweise in das Sprachenzentrum in der August-Bebel-Straße stürmen. Die ersten zwei Vorlesungswochen sind vorbei. Es ist wahnsinnig anstrengend, sich überall einzufinden. Insbesondere im Zivilrecht habe ich Probleme, dem Prof zu folgen. Aber auch so banale Sachen wie sich in der Bibliothek zurechtzufinden, sind am Anfang eine große Hürde. Lebensgefährlich war die Einschreibung in die Arbeitsgemeinschaften. Jeder rechnete damit, keinen guten Platz mehr zu bekommen - oder gar keinen - und drängelte. Ich stand recht weit vorne und habe mich eine halbe Stunde lang gefühlt wie in der Sardinenbüchse. Von hinten schoben sie, aber nach vorne konnten wir nicht. Und so hätte es beinahe tatsächlich Verletzungen gegeben. Dem Dekan habe ich hinterher eine E-Mail geschrieben, und er hat mir geantwortet, dass es beim nächsten Mal wohl besser wird. Hoffen wir's!
In Englisch und Polnisch bereite ich mich in je einem Oberstufenkurs auf die allgemeinsprachliche Prüfung am Ende des Semesters vor. Im Polnischen muss ich insbesondere meinen schriftlichen Ausdruck trainieren. Französisch war - wie erwartet - nicht so toll, bin halt für die Mittelstufe eingestuft worden; die passt aber nicht in meinen Stundenplan. Von daher bleibt das erstmal liegen.

Freitag, 31. Oktober 2003
Juhu, heute ist Feiertag! Ich als Katholikin begehe den Reformationstag zwar nicht, aber man nimmt ja jede Gelegenheit wahr, endlich mal auszuschlafen und auszuspannen. Studieren ist nämlich anstrengend: Ich stehe jeden Morgen um sieben auf und je nachdem, ob ich um neun oder erst um elf Vorlesung habe, schaffe ich es auch noch, etwas vor- oder nachzuarbeiten oder etwas im Haushalt zu tun. bis 16 bzw. 18 Uhr habe ich Vorlesungen, AGs und Sprachkurse, danach gehe ich häufig einkaufen. Abends muss wohl oder übel noch etwas getan werden, denn sonst schiebt man alles ewig vor sich her, bevor man dann einen riesigen Berg zu lernen hat.

Montag Dienstag Mittwoch Donnerstag Freitag
9 - 11 - GK Zivilrecht I
Wittmann
HM HS 01
- - AG Strafrecht I
Dollwetzel
HM 06
11 - 13 s.t.
GK Zivilrecht I
Wittmann
HM HS 01
s.t.
GK Öffentliches Recht I
v. Brünneck
HM HS 01
Polnisch Oberstufe
"Vom Satz zum Text"
Leyko
Ab 108
s.t.
Rechtsphilosophie
Wittmann
HM HS 01
AG Öffentliches Recht I
Beutel
HG 162 / HG 217
14 - 16 GK Strafrecht I
Joerden
HM HS 01
Logik für Juristen
Joerden
HM HS 01
- GK Strafrecht I
Joerden
HM HS 01
Englisch Oberstufe
"(un)usual situations"
Krajewski
AB 08
16 - 18 GK Öffentliches Recht I
v. Brünneck
HM HS 06
- - s.t.
AG Zivilrecht I
Schmidt
HM 303
-

Freitag, 7. November 2003
Freitag abends ist hier öfter Lärm: Der Mieter über mir scheint eine Vorliebe für laute Musik zu haben, die ich leider nicht teile. Jedenfalls dann nicht, wenn sie in meinem Zimmer lauter zu hören ist als ich für gewöhnlich meine eigene einschalte. Nun gut, dafür ist es ein Studentenwohnheim und ich bin bereit, in gewissem Maße tolerant zu sein. Solange das nicht mitten in der Woche genauso läuft ...
Mehr stören mich eigentlich die Arbeiten am Flachbau, die morgens um sieben Uhr beginnen. Es motiviert unglaublich zum Aufstehen, wenn man sowieso fast aus dem Bett fällt ... Aber es gibt auch motivierendes: So machen mir zum Beispiel die AGs sehr viel Spaß, und insbesondere der Englischkurs scheint ein wunderbarer Wochenabschluss zu sein. Heute haben wir Rollenspiele gemacht; dafür hatte ich schon immer eine Schwäche. Bei den Vorlesungen freue ich mich immer auf Logik, Straf- und Öffentliches Recht, denn die sind gut gehalten und interessant.
Was mich ein wenig traurig stimmt: Eigentlich wollte ich mich gern bei der Ökumenischen Studentenarbeit engagieren, aber das schaffe ich häufig gar nicht mehr, weil ich Mittwoch abend nach Polnisch, Haushalt und Bibliothek so geschafft bin, dass ich nur noch ins Bett falle. Aber es wird jetzt auch westlich der Oder eine katholische Studentengemeinde aufgebaut, die polnische hilft uns dabei. Zunächst haben wir erstmal am letzten Montag eines Monats um 20 Uhr eine Studentenmesse in Heilig Kreuz, aber eventuell wird das bald auf wöchentliche Gottesdienste ausgeweitet. Darauf freue ich mich: Die Heilig-Kreuz-Kirche ist für mich wesentlich besser erreichbar als das Hedwig-Haus der ÖSAF, und so hoffe ich, dass ich mich da länger und besser zur Teilnahme motivieren kann. Außerdem habe ich das Gefühl, dort gebraucht zu werden, denn die katholische Studentengemeinde ist noch im Aufbau und soll nicht so schnell wieder einschlafen! Wie viele Ecken hat dieses Haus wirklich? (Übrigens: Davor stehe ich.)
Sonnabend, 15. November 2003
Heute war ich mit meiner Nachbarin in Słubice (Polen) einkaufen. Wir waren im Intermarché. Es war unheimlich toll, mal wieder die polnischen Marken zu sehen und zu kaufen, und die Preise haben mir auch sehr gefallen. ;o) Immerhin habe ich für wenig Geld alles bekommen, was mein Herz begehrte. Habe gar nicht mehr überlegt, ob ich mir etwas leisten kann oder nicht ... Und das war auch nicht wirklich notwendig. Das einzig Blöde war, die Sachen dann hinterher nach Hause zu schleppen. Aber als ich dann meinen weißen Käse (bröckliger Quark) mit Sahne gegessen habe, war ich doch sehr zufrieden. Hab mich fast wieder gefühlt wie im Austauschjahr.
Was mir ebenfalls sehr gefällt, ist die Straßenbahn. Nicht nur, dass ich schon immer sehr gern Straßenbahn gefahren bin - ich weiß auch nicht, woran das liegt - aber hier merkt man halt auch gerade die Internationalität der Stadt. Auf dem Weg zum Sprachenzentrum in der August-Bebel-Straße kann man immer einfach mitten drin stehen und versuchen, die unterschiedlichen Sprachen zu identifizieren, die gesprochen werden. Deutsch und Polnisch sind immer dabei, häufig aber auch Englisch, Französisch, Chinesisch (oder ist es doch Japanisch?), Russisch und Spanisch - und sicher noch manche andere. An so etwas kann ich mich immer wieder freuen, auch wenn ich von den meisten Sprachen nicht ein Wort verstehe.
Außerdem muss ich mal erwähnen, mit wem ich hier tagtäglich zu tun habe. Da ist zum ersten die Sandra, die sich ja schon in meinem Gästebuch über ihr Nichterscheinen auf dieser Seite beschwert hat. Sie ist eine erstaunliche Persönlichkeit. Mit ihr und Manfred sitze ich meistens in den Vorlesungen zusammen. Dann sind da noch der Kai (mein Nachbar), die Ines, die Sarah, der Sandro u.v.a.m. als Juristenkollegen. Von den KuWis kenne ich zum Beispiel die Steffi und die Katharina. Alle kann ich hier sowieso nicht aufzählen, schließlich gibt es an dieser Uni über 5000 Studenten. Sehr lieb sind auch die meisten polnischen Kommilitonen - wie ich schon im Austauschjahr festgestellt habe, heißen die meisten von ihnen Kasia, Ania, Gosia, Ewa oder Karolina sowie Adam, Marek, Jacek, Michał oder Rafał. Sie sind immer sehr niedlich erstaunt, wenn ich ihnen mitteile, dass ich polnisch verstehe und auch spreche. ;o) Vielleicht kann mir der eine oder andere ja bei der Sprache helfen und ich im Gegenzug ihnen ...

Donnerstag, 20. November 2003
Hihi ... Diese Woche habe ich ein Buch gewonnen. Mein Prof im Öffentlichen Recht verteilt Bücher, die er von Verlagen zu Semesterbeginn zugeschickt bekommt, an Studenten, die in der Vorlesung gute Antworten geben. Darüber habe ich mich riesig gefreut.
Ich spreche jetzt mit immer mehr Polen, und das macht mir Spaß. Verständlicherweise wollen sie meistens Deutsch sprechen, denn nur durchs Sprechen lernt man wirklich - aber ich möchte auch wieder ins Polnische reinkommen. Meist wechseln wir zwischen den Sprachen hin und her, aber das ist auch okay.

Montag, 24. November 2003
Schon wieder Montag ... Irgendwie sind Montage die Hölle. Wie immer war das Wochenende viel zu kurz. Und wie immer mochte ich heute morgen nicht aufstehen. Außerdem wurde ich heute morgen von Google-News mit einer tollen Nachricht begrüßt. Bei einem Brand in einem Moskauer Wohnheim für ausländische Studenten sind mindestens 32 Menschen ums Leben gekommen. :( Sowas zieht mich immer ziemlich runter.

Mittwoch, 4. Dezember 2003
Anscheinend kommt nach Frankfurt doch noch ein ordentlicher Weihnachtsmarkt. Und ich dachte schon, die armseligen fünf Buden wären alles ... Aber nein, seit gestern stehen da mehr Buden (die noch nicht geöffnet waren), und direkt daneben baute auch noch ein Jahrmarkt auf ... :) Weihnachten kommt näher, aber irgendwie ist für die Studenten davon kaum was zu merken. Man kriegt langsam die Panik, dass man ja viiiel zu wenig lernt, will sogar schon in den Weihnachtsferien was tun, bekommt aber von dem gemütlichen Teil kaum was mit. Naja, mal sehen, was der Nikolaus so bringen wird. ;) Studentenwohnheim Logenstraße. Das eingerahmte Fenster ist meines. Und nein, das Haus steht nicht schief. Es sieht nur auf dem Bild ein bisschen so aus.

Donnerstag, 11. Dezember 2003
Man muss verdammt aufpassen, dass man sich nicht ausschließt in diesem Wohnheim. Es passiert leider leicht, dass man den Schlüssel im Zimmer vergisst; heute ist dies schon der zweiten Bekannten passiert. Wenn die Hausmeisterin nicht mehr da ist, hat man ein Problem. Jedenfalls dann, wenn man nicht viel Geld für den Schlüsseldienst ausgeben mag. Zum Glück gibt es aber Leute, die sich damit auskennen ...
Außerdem fangen langsam und allmählich jetzt auch die Frankfurter Studenten an zu protestieren, nachdem unter anderem die Berliner da schon seit Wochen bei sind. Heute war eine gemeinsame Aktion mit Berlinern und Potsdamern: Diese kamen mit dem RE1 nach Frankfurt und sind dann durch die Stadt an der Viadrina vorbei zusammen mit einigen von uns zur Oderbrücke gezogen, um in Polen Bildungsasyl zu beantragen. War aber ein recht trauriger Haufen, vielleicht 100 Leute. Selbst bin ich aber auch nicht mitgegangen, denn zum einen hatte ich zu der Zeit Strafrechtsvorlesung, und zum anderen muss ich nach einer eben überstandenen Magen-Darm-Grippe (Sonntag siebenmal übergeben) nicht gleich wieder unnötig lang durch die Kälte marschieren. Und kalt ist es geworden ...

Montag, 15. Dezember 2003
Ich komme gerade vom Gottesdienst der katholischen Studentengemeinde mit anschließender Advents-/Weihnachtsfeier. Es war sooo schöööön. :o) Wir haben nach polnischem Brauch die Oblaten miteinander gebrochen und uns gegenseitig etwas gewünscht. Dann haben wir Glühwein getrunken, Stollen und Spekulatius gegessen und uns gegenseitig erzählt, wie wir Weihnachten feiern. Ich weiß jetzt, wie es in Rumänien und der Slowakei ist, und alle kennen jetzt den Friesenbaum und "Wiehnachtsmann, büst Du all dor?". Es wurde viel erzählt und gesungen, geredet und gelacht. Und ich hab vielleicht ein bisschen mehr Glühwein getrunken als ich sollte ...

Sonnabend, 20. Dezember 2003
Heute geht es endlich heim! Nach drei Monaten fast komme ich das erste Mal wieder in mein Schleswig-Holstein zurück. Weihnachten verbringe ich bei meiner Familie. Hier ist seit Tagen Aufbruchstimmung, denn viele sind schon früher abgefahren. Zum Teil auch, obwohl sie noch Lehrveranstaltungen gehabt hätten. Immer wieder wird man jetzt gefragt, wann man nach Hause fährt und wohin und wie lange. Mancher kann auch gar nicht fahren, weil es zu weit weg oder zu teuer ist. Ich hoffe, dass diese Leute hier trotzdem ein schönes und unvergessliches Fest erleben. Jetzt muss ich langsam anfangen abzubauen, denn bald will ich los und der Computer soll mit. :o) Schön, wenn man ein Notebook hat.

Dienstag, 30. Dezember 2003
Bin seit gestern zurück in Frankfurt (Oder), obwohl die Vorlesungen erst am 5. Januar wieder losgehen. Ich werde mir nämlich endlich mal die Zeit nehmen müssen, richtig zu lernen. Schließlich will ich im Februar die Klausuren bestehen. Heute habe ich endlich getan, was schon lange fällig gewesen wäre: Hab mir im Buchhandel zwei kleine Lernboxen vom aol-Verlag gekauft. Das Fünf-Fächer-System ist zum Lernen von Vokabeln und hoffentlich auch juristischen Definitionen nämlich unschlagbar. Die Zivilrechtsdefinitionen stehen jetzt schon auf kleinen Karteikarten. Leider tut mir nun aber mein Handgelenk innen so weh, dass ich nicht mehr schreiben kann. Tippen geht aber. Wie fühlt sich eigentlich eine Sehnenscheidenentzündung an?

Donnerstag, 1. Januar 2004
Gestern ist also tatsächlich mein BAFöG-Bescheid gekommen. Ich war schon erleichtert und auch erfreut, als ich ihn endlich in den Händen hielt. Abgesehen davon bin ich fleißig am Lernen. Es gibt ja soooo viele Definitionen, die man können muss ...
Zu Weihnachten hab ich unter anderem das Buch Geschichte des Rechts von Uwe Wesel bekommen. Das liest sich wirklich sehr gut, kann ich jedem nur empfehlen, der sich für Geschichte und/oder Recht interessiert.

Blick in Richtung Grenzübergang Stadtbrücke. Das große, strahlend weiße Haus rechts ist übrigens das Studentenwohnheim Große Oderstraße. Mittwoch, 7. Januar 2004
Heute Nacht hat es endlich mal richtig geschneit! Ich freu mich sehr darüber, denn es war schon eine ganze Zeit lang ziemlich kalt (deutlich unter 0), und ich wollte nicht nur frieren, sondern wenigstens auch eine schöne Schneelandschaft genießen. Und auf der Oder schwimmen die Eisschollen - das sieht toll aus. Davon abgesehen bin ich fleißig am Lernen, denn bis zu den Klausuren ist nur noch ein guter Monat, und irgendwann muss ich es ja tun ...

Sonnabend, 24. Januar 2004
Das Lernen wird langsam intensiver. Kein Wunder, denn Mitte Februar schreibe ich ja die Semesterabschlussklausuren. Außerdem stehen die allgemeinen Sprachprüfungen in Englisch und Polnisch an. Ich hab die Rückmeldung für das Sommersemester auch schon erledigt. Ging ganz einfach am Selbstbedienungsterminal, da steckt man die Studentenausweis-Chipkarte rein und tippt ein paarmal rum, dann lässt man es was von der EC-Karte abbuchen, schon ist die Rückmeldung erledigt. Neue Studienbescheinigungen druckt es auch gleich, und auch der Semesterticket-Aufdruck wird automatisch erneuert, so dass man wirklich ziemlich fix durch ist damit. Die Anmeldung zu den Prüfungen läuft noch "altmodisch" auf Papier: Man holt sich ein Formular, kreuzt darauf an, welche Klausuren man schreiben möchte, trägt seine Daten ein, unterschreibt, steckt den Zettel am Prüfungsamt in den Briefkasten - das war's.
Wir haben jetzt in den AGs auch Probeklausuren geschrieben. Ich war etwas überrascht, dass ich tatsächlich mit den zwei Stunden Bearbeitungszeit gut hingekommen bin. Hätte ich gar nicht erwartet, nachdem ich in den Weihnachtsferien an der Klausur im Öffentlichen Recht vom letzten Jahr vier Stunden gesessen habe. Auch die Fälle scheinen langsam immer lösbarer, nachdem ich am Anfang meist recht ratlos davor gesessen habe. In der Probeklausur im Zivilrecht habe ich "befriedigend" geschrieben; das ist besser, als man erwarten möchte, wenn man an Schulnoten gewöhnt ist. Insgesamt scheint man ab der Note "vollbefriedigend" schon als späterer Star-Jurist gehandelt zu werden, und "gut oder "sehr gut" kommen sowieso nur alle Jubeljahre mal vor. Ich bin dann mal gespannt, wie die Semesterabschlussklausuren nachher ausfallen. Ob ich die Noten hier veröffentlichen werde, weiß ich noch nicht.

Freitag, 6. Februar 2004
Heute nacht hat es dann also auch mal unser Stockwerk erwischt: Um halb eins war Feueralarm. Erst bin ich gar nicht richtig wach geworden; habe bestimmt fünf Minuten gebraucht, um zu verstehen, was da los war. Unser Feueralarm klingt ungefähr so wie die Alarmanlage eines Autos, und so dachte ich zunächst auch, dass ein Auto geklaut worden wäre. Irgendwann bin ich dann aber doch aufgestanden und hab meine Wohnungstür geöffnet - und der ganze Flur war total verqualmt. Hab mich also angezogen und dann erst mal nachgeschaut, ob es irgendwo in der Etage brennt, aber das war nicht der Fall. Jedoch fiel mir auf, dass der Qualm ungefähr so roch wie unser Backofen (der leider nur sehr selten wirklich gründlich gereinigt wird). Bin dann runtergegangen, da ich bei dem Lärm sowieso nicht schlafen konnte. Im Treppenhaus habe ich dann ein paar Leute getroffen, denen ich erzählen konnte, dass das siebte Stockwerk ziemlich verqualmt ist. Als ich ganz unten im Keller angekommen war, öffnete gerade die Feuerwehr von außen die Tür. Die Männer stellten den Alarm ab und schauten nach, wo der Alarm ausgelöst worden war. O Wunder - es war im siebten Stock. Also machten sich vier Tapfere auf den Weg über die Treppen nach oben, und ich lief hintendrein, denn dass es nicht richtig brannte, wusste ich ja so schon. Oben stellten das dann auch die Feuerwehrmänner fest, und auch, dass der Backofen noch warm war. Offenbar war dort heißes Fett, das auf den Boden des Ofens getropft ist, verbrannt. Dann ging ich wieder Richtung Bett, konnte aber noch eine ganze Weile nicht einschlafen. Und das, wo ich doch heute allgemeinsprachliche Prüfung in Englisch hatte ... Das passiert, wenn die Vorlesung nicht wirklich spannend ist ...
Die Prüfung war auch ein Ding für sich. Da ich vorher noch Strafrechts-AG hatte, war ich lange vor Beginn da. Um 12 sollte es losgehen und zwei Stunden dauern - ausgerechnet, dabei ist der Mensch doch um die Mittagszeit am unproduktivsten. Eine halbe Stunde vor Beginn war Einlass. Jeder musste am "Mann mit der Liste" vorbei, dem die Matrikelnummer zu nennen und der Studentenausweis zu zeigen war. Die besten Plätze sollten wegen der Hörverstehensübung die in der Mitte sein, wo der Text weder zu laut noch zu leise zu hören sei. Diese Plätze waren natürlich auch am schnellsten vergeben, aber ich habe noch einen ergattert. Wir hatten drei Teilaufgaben zu bewältigen: Eine zum Hörverstehen, eine zum Leseverstehen und einen Essay. Irgendwie fiel mir der Essay noch am leichtesten, auch wenn ich mit den ungewohnten Formalia (nicht weniger als vier und nicht mehr als sieben Absätze, zwischen 250 und 350 Wörtern) etwas zu kämpfen hatte. Hörverstehen fand ich relativ schwer; aber wie oft hab ich auch schon jemanden schnelles British English reden hören? Mal sehen, wenn ich durch einen Teil durchgefallen sein sollte, muss ich nach Ostern in die Mündliche. (Wenn ich durch zwei oder mehr Teile durchgefallen bin, ist es gleich aus.)
Als ich nach der Prüfung müde und geschafft nach Hause kam, roch es hier im Flur schon wieder so komisch. In der Küche stellte ich fest, dass ein Mädchen aus der Etage gerade zwei Baguettes aus dem Ofen nahm. Ich hab ihr dann noch von dem Feueralarm erzählt, den sie nicht mitbekommen hat, weil sie arbeiten war. Ich bin mal gespannt, wie lange es bis zum nächsten dauert.

Montag, 23. Februar 2004
Brandenburg wird die Stipendien für die Studierenden aus Osteuropa streichen. Dazu ist heute ein Artikel im Tagesspiegel.
In der letzten Woche hab ich von Montag bis Donnerstag meine Klausuren in Zivilrecht, Strafrecht, Öffentlichem Recht und Logik (in dieser Reihenfolge) geschrieben. In Zivilrecht und Öffentlichem Recht war die Zeit eher knapp; in Strafrecht und Logik bin ich wohl ganz gut hingekommen. In den beiden schreibintensiven Klausuren im Zivil- und Öffentlichen Recht hatte ich richtig schöne Krämpfe in der Hand. Und in beiden hätte ich gut noch mehr schreiben können, wenn man mir noch ein halbes oder ein ganzes Stündchen mehr gegeben hätte. Aber wenn meine Ausführungen auch zum Teil knapp sind: Hauptsache, sie sind richtig. Wie's sonst gelaufen ist, kann und will ich noch nicht abschätzen. Nur: 18 Punkte werden es wohl nirgendwo. ;o)
Seit Sonnabend beschäftige ich mich mit meiner Hausarbeit im Zivilrecht. Es ist ein Fall aus dem Leistungsstörungsrecht, das heißt, eigentlich sind es vier Fälle. Aber die sind alle recht gut gemischt, so dass man sich am Anfang erst mal seine Sachverhalte zusammensuchen durfte. In knapp drei Wochen will ich fertig sein damit, und ich schätze, bis dahin liegt ein guter Brocken Arbeit vor mir. Aber keiner, den ich nicht bewältigen könnte ...

Dienstag, 9. März 2004
Mühsam, sehr, sehr mühsam ernährt sich das Eichhörnchen. Ebenso geht es dem Jurastudenten bei der Hausarbeit. Das erfahre ich soeben am eigenen Leibe. Manchmal komme ich innerhalb einer Stunde gerade mal einen Satz weiter - und manchmal stelle ich dann einige Stunden später fest, dass dieser Satz auch noch komplett falsch war. Ich befinde mich in dem Moment, in dem ich diese Zeilen verfasse, in unserer schönen Bibliothek. Eigentlich mag ich die Bibliothek, denn es ist angenehm, sich in ihr aufzuhalten. Hier ist es ruhig und man kann ohne die normalen häuslichen Ablenkungen (Hilfe, ich muss endlich Wäsche waschen!) arbeiten. Zur Hausarbeitenzeit ist es jedoch ein Graus. Da erklingen die schönen Melodien, die Windows beim Hochfahren macht - wenn man nicht sie oder den Ton abgestellt hat - und das nicht nur einmal. Da verschwinden Bücher und Zeitschriften. Da muss man, wenn man die aktuelle (63.) Auflage vom Palandt zum Arbeiten haben will, entweder morgens vor neun Schlangestehen und bei der Öffnung der Türen als einer der ersten die Treppe hochstürmen, oder aber man kommt abends nach sechs Uhr, denn da haben sich die meisten schon wieder zurückgezogen und vielleicht sogar ihre Bücher in das richtige Regal zurückgestellt. Am schönsten ist es, wenn sich die Leute laut unterhalten. Wenn sie es wenigstens leise täten, wäre es ja zu ertragen, aber davon träumt man nur. Gestern hatte ich das erste Mal einen Kommentar in der Hand, in dem etwa Hundert Seiten einfach herausgeschnitten waren. Eigentlich sollte man meinen, dass Jurastudenten soetwas nicht täten; schließlich sind es die Juristen, die beschließen, an welche Regeln man sich zu halten hat. Aber weit gefehlt.
So, jetzt habe ich mich genug beklagt. Auf geht's wieder an die Arbeit - der nächste Satz in meiner Hausarbeit will endlich formuliert werden!

So Zeilenabstand für die Hausarbeit einstellen Donnerstag, 18. März 2004
Wenn man in der Hausarbeit Probleme mit den Word-Fußnoten hat, weil diese aus unerfindlichen Gründen auf die nächste Seite rutschen, kann folgendes helfen: Man stellt unter Format -> Absätze -> Einzüge und Abstände -> Abstand bei "Zeilenabstand" nicht "1,5" sondern "Genau" ein, und bei "Maß" stellt man auf 22 Punkt. Das sieht dann ungefähr so aus wie auf dem Bild rechts. Es sind nicht genau 1,5 Zeilen Abstand, die dabei herauskommen (eher etwas mehr), aber die Abweichung ist unwesentlich. Wenn man den Platz sehr dringend braucht, kann man ja nach dem genauen Zeilenabstand suchen - oder man muss die Fußnoten von Hand verschieben, was einen aber in den Wahnsinn treiben kann.
Wenn man überlegt, sich Kommentare zuzulegen, kann es lohnen, einen Blick zu Ebay zu werfen - dort gibt es die Kommentare häufig in der aktuellen Auflage und fast unbenutzt für weit weniger als den Neupreis. Auch für andere Fachbücher kann es sich natürlich rentieren ...

2. Semester: SS 2004

Montag, 3. Mai 2004
Ja, ich habe eine ganze Weile nichts geschrieben. Das lag zum einen an der Hausarbeit, die zum Ende hin immer mehr Zeit in Anspruch nahm. Zum anderen war ich irgendwie ... demotiviert. Soll ja alles vorkommen. Was geschah in der Zwischenzeit? OK, Hausarbeit ist abgegeben, hoffentlich ist nicht alles komplett falsch. ;) Meine Klausuren habe ich alle bestanden - mit unterschiedlichen Punktzahlen, aber bestanden. Auch durch die allgemeinsprachlichen Prüfungen in Polnisch und Englisch bin ich durchgekommen. Im Moment belege ich einen Französischkurs der Mittelstufe und bin stark motiviert, jede Menge zu lernen. Am Ende der Semesterferien war ich noch eine Woche in Polen bei meiner Gastfamilie (*wink*) und eine Woche zuhause bei meiner Familie (*auchwink*). Die Einschreibung in die AGs verlief wieder nicht wirklich besser, auch wenn man dieses Semester wenigstens nicht ganz so sehr um die Gesundheit fürchten musste. Im Strafrecht hatte man eine neue Regelung gefunden, Einschreibung war dort persönlich oder per E-Mail bei den AG-Leitern möglich. Jedoch nicht so im Ö- und Zivilrecht: Wieder fast das gleiche Chaos, jedoch wurde der Einlass der Studenten nach Endziffern der Matrikelnummer gestaffelt, und zwar angefangen mit der 9 runter bis zur 0. Ich habe eine Matrikelnummernendziffer im unteren Bereich und war deshalb schon von Anfang an nicht von der Gerechtigkeit dieses Systems überzeugt. Schlimmer wurde dies nur noch, als dann mitten im Verfahren auch noch die Vorgehensweise geändert wurde: Da wurden dann irgendwann zwischendurch die AG-Listen von Dienstag bis Donnerstag vorläufig geschlossen, und bis auf unbestimmte Zeit waren nur Einschreibungen am Montag und Freitag möglich. Da aber diese Randtermine so gut wie keiner wollte (sei es, weil man am Montag und Freitag besseres zu tun hat oder auch weil man wieder zu seinem alten AG-Leiter wollte, der aber nunmal seine AGs in der Wochenmitte anbot), standen wir uns die Beine in den Bauch, bis endlich wieder alle AG-Listen geöffnet wurden. So kam ich also auch wieder zu meinen Wunsch-AGs. Aber "Organisation" muss man an dieser Uni wohl noch mal als Crashkurs anbieten, und zwar nicht für die Studenten.
Ansonsten ist eigentlich alles wie immer; in Strafrecht und Zivilrecht haben wir jetzt Methodik-Vorlesungen dazubekommen, und die Grundlagenfächer fallen weg - zu meinem Bedauern geht Logik nur über ein Semester. Auch die Studentengottesdienste haben wieder angefangen - Montags um 20 Uhr in Heilig Kreuz! Ich muss jetzt noch ein wenig was über die Verfassungsbeschwerde lernen ... Aber die nächste Schreibpause wird wohl kürzer.

Sonnabend, 8. Mai 2004
Back to the roots ist offenbar das neue Motto unseres Studentenwohnheims - Leben wie in der Steinzeit. Als kleiner Vorgeschmack: Ein Wochenende ohne Warmwasser. Seit heute nacht kommt nur sehr schönes kaltes Wasser aus der Leitung ... Anscheinend ist das im ganzen Haus so. Hausmeisterin und Stadtwerke sind nicht erreichbar. So werden meine Haare, mein Geschirr und meine Wäsche wohl dieses Wochenende ungewaschen bleiben ... Naja, fürs Geschirr geht eventuell noch ein Mix aus wasserkocherwarmem und leitungskaltem Wasser ...

Sonntag, 23. Mai 2004
Der Himmel weinte dicke, bitterkalte Tränen, als Frau Professor Schwan die Wahl zur Bundespräsidentin verlor ... Um es anders auszudrücken: In dem Moment, als Herr Thierse das Ergebnis der Bundespräsidentenwahl bekannt gab, ging über dem Ehrenhof des Hauptgebäudes der Viadrina ein Hagelschauer nieder, mit etwa erbsengroßen Hagelkörnern. (Interessanterweise soll zum selben Zeitpunkt über dem Reichstagsgebäude in Berlin die Sonne aufgegangen sein. Daraus möge nun jeder seine eigenen Schlüsse ziehen.) Glücklicherweise standen die Fernseher im Ehrenhof unter großen Bierzeltschirmen. Die "Studies für Gesine", die sich zum gemeinsamen Warten auf das Wahlergebnis versammelt hatte, nahmen die Entscheidung für den "falschen" Kandidaten mit einem lachenden und einem weinenden Auge hin: Einerseits hätte man Frau Schwans Charisma und Kompetenz gern im höchsten Amt des Staates gesehen - aber andererseits können wir sie so hier an der Viadrina behalten. Und die in der Bundesversammlung wissen halt nicht, was gut ist. ;o)

Mittwoch, 9. Juni 2004
Manche Ereignisse geben mitten im Semester neue Kraft, zum Beispiel das Bestehen einer Hausarbeit. Ich hatte überhaupt keine Ahnung, wie ich abgeschnitten habe, habe jedesmal in der Zivilrechtsvorlesung, wenn etwas zum Hausarbeitsthema drankam, richtig Angst bekommen - genau diese Sache könnte ich ja falsch gemacht haben. Gestern bekamen wir die Arbeit zurück. Und ja, ich habe bestanden, und das mit einem richtig guten Ergebnis, wie ich meine. :) Der restliche Tag war so schön, und ich war mal wieder vollkommen überzeugt, dass Jura doch das richtige für mich ist.
Ärgern könnte ich mich dagegen heute. In Spiegel-Online gibt es einen Artikel zu den "Studienbeiträgen" (schon fast ein Euphemismus), die die Hochschulrektorenkonferenz jetzt fordert. Zitat: '"Dieser Betrag ist für jeden Studierenden zumutbar und angemessen", sagt Peter Gaehtgens und verweist auf die monatlichen Kosten für Wohnung, Handy und Autos, die im Vergleich viel höher seien. So gesehen sei der Betrag von 500 Euro für Studenten zu verkraften.' Danke, Herr Gaethgens, vielleicht sind 500 Euro im halben Jahr für Sie nicht besonders viel - für mich aber durchaus, denn von irgendetwas möchte ich ja auch noch leben. Dass ich eine noch billigere Wohnung finde, ist nicht zu erwarten, auf mein Auto kann ich schon deshalb nicht mehr verzichten, weil ich nie eines hatte, und was meine Handykosten angeht - 500 Euro im Semester (also immerhin 83,33 Euro pro Monat) kann ich davon nicht bezahlen, selbst wenn ich ab jetzt bis zum Ende meines Studiums nicht wieder telefoniere. Im Übrigen käme ein Festnetzanschluss für mich teurer. Natürlich neigt man dazu, mir jetzt zu sagen, ich könne ja arbeiten gehen. Aber irgendwie war mir in Erinnerung geblieben, dass die Arbeitsmarktsituation in Deutschland im allgemeinen und in Ostbrandenburg im speziellen nicht die allerbeste ist. Wenn jetzt noch wesentlich mehr Studenten als bisher Jobs suchen, ist das bestimmt nicht förderlich. Zum anderen dauert dadurch ja auch das Studium wesentlich länger an, und somit muss ich mehr verdienen, um die Studiengebühren zu bezahlen zu können - ein Teufelskreis. Aber vielleicht wird ja auch mein Bedarf nach BAFöG um die Höhe der Studiengebühren aufgestockt - so dass im Endeffekt Papi Staat einen Großteil davon selbst bezahlt. Auch sehr sinnvoll.

Freitag, 9. Juli 2004
Und wieder ist ein Semester fast rum. Das Sommersemester ist entschieden zu kurz; am Montag geht es schon wieder an die Klausuren. Die Strafrechtshausarbeit habe ich schon gestern in Angriff genommen, bisher aber natürlich nicht allzu viel erreicht. Das Wetter macht es mir nicht leichter; es ist schwül, und zwischendurch gibt es ziemlich heftige Gewitter. Gestern abend schüttete es wie aus Eimern. Zum Glück war ich nur insoweit betroffen, als dass ich meine Fenster schließen musste - im Wohnheim in der August-Bebel-Straße halfen geschlossene Fenster nicht gegen das Wasser. Ein Swimmingpool im Zimmer ist zwar Luxus, aber nur dann, wenn er nicht den kompletten Raum füllt ... Auch entwurzelte Bäume haben einen gewissen malerischen Reiz - jedoch wohl nicht mehr, wenn sie auf dem eigenen Auto liegen.
Entgegen allen Hoffnungen habe ich doch noch einen Ort entdeckt, an dem es sich richtig gut (und auch nicht unvernünftig teuer) einkaufen lässt, wenn der Aldi mal nicht befriedigt: Das Spitzkrug Multi Center hat zwar meiner Meinung nach nicht den besten Web-Auftritt, dafür beherbergt es aber den einen oder anderen interessanten Laden. Zu nennen wären da insbesondere der toom-Baumarkt, MediMax und Kaufland. Bei Kaufland hat man ein sehr hübsch breites Sortiment zur Auswahl und kann es sogar bezahlen. Am besten gefällt mir eigentlich das viele Gemüse, das sogar ziemlich frisch aussieht ... Und mit dem Bus Nr. 981 ist man (vom Brunnenplatz aus) in zehn Minuten dort.

Montag, 2. August 2004
Die Hausarbeit im Strafrecht scheint mir schwieriger zu sein, als sie auf den ersten Blick wirkte. Umso froher stimmt es mich, dass ich jetzt eine gute Woche Pause eingelegt habe, um mich mal vom gesamten Uni-Stress zu erholen. Mal wieder zuhause zu sein ist gar nicht schlecht, vor allem, wenn man dann mal nichtjuristische Bücher lesen kann.
Mit meiner neuen Digicam kann ich jetzt die Fotos für meine Homepage auch selbst machen. Also, wenn die Qualität nachlässt, wisst Ihr, woran es liegt - und damit meine ich nicht die Cam. ;) Bisher hat die Fotos nämlich immer mein Freund gemacht. Dafür nachträglich nochmal vielen Dank. :-*

3. Semester: WS 2004/2005

Dienstag, 23. November 2004
Die Zeit vergeht schnell. Insbesondere jetzt merke ich das. Eigentlich kommt es mir vor, als sei der letzte Eintrag noch nicht sooo lange her, aber offenbar ist er es doch. Es ist auch viel passiert seit August. Am 1. September habe ich angefangen, am Lehrstuhl für Öffentliches Recht, insbesondere Staatsrecht und Verfassungsgeschichte als studentische Hilfskraft zu arbeiten. Dabei war ich bisher insbesondere mit der Aktualisierung von Bibliographie und Index des Gesetzbandes "Landesrecht Brandenburg" und mit Literaturrecherche befasst. Ich bin gespannt, was in mich in Zukunft noch erwartet. Sicher fordern mich einige der Aufgaben heraus, aber bisher habe ich noch alle meistern können.
Außerdem hat natürlich das neue Semester begonnen. Wir haben jetzt andere Professoren; außerdem gibt es für uns Vorlesungen nicht nur in den Grundkursen (Sachenrecht, Strafrecht Besonderer Teil 1 und Bezüge des Staatsrechts zum Völker- und Europarecht), sondern auch in Handelsrecht und Einführung in das Verfahrensrecht bzw. Strafverfahrensrecht. Das meiste ist hochinteressant, was man aber leider nicht von jeder Vorlesung an sich sagen kann. Mittlerweile bin ich stark dazu übergegangen, für mich allein aus Büchern zu lernen und nicht mehr zu jeder noch so trockenen Vorlesung hinzugehen. Insgesamt bringt mir das mehr. In diesen Tagen wird auch der neue Fachschaftsrat Jura gewählt. Da ich bisher noch nicht viel von der Existenz eines Fachschaftsrats mitbekommen habe, bin ich am Überlegen - entweder, ich wähle klassisch einige Kandidaten, oder - diese Variante gefällt mir besser - ich mache meinen Stimmzettel ungültig, indem ich darauf schreibe "Jes 41,24".
Passend zu der letzten Anmerkung ist natürlich wichtig zu erwähnen, dass unsere Studentengottesdienste in Heilig Kreuz nun nicht mehr am Montag, sondern am Dienstag um 20 Uhr sind. Danach treffen wir uns, um in gemütlicher Runde zu klönen, spielen oder im Rahmen eines Themenabends zu diskutieren. Dazu sind alle Interessierten herzlich eingeladen - die Kirche ist groß genug! :o)

Montag, 17. Januar 2005
Und wieder ist ein Jahr vorbei ... Interessanterweise habe ich im neuen Jahr aber nicht mehr Zeit als zuvor. Allein die letzte Woche war ganz schön vollgepackt. Ich hatte ein Vorstellungsgespräch beim Cusanuswerk, die zweite Hälfte eines Rhetorik-Seminars, eine Französisch-Gruppenarbeit vorzubereiten und nebenbei natürlich noch die Uni und die Arbeit am Lehrstuhl.
Das Gespräch mit dem Cusanuswerk war interessant, insbesondere, da ich nicht wusste, was auf mich zukommen würde. Weder in den Unterlagen vom Cusanuswerk noch aus dem Internet bekommt man Hinweise über den Ablauf dieses Gesprächs. Deshalb hier jetzt kurz für die Nachwelt meine Erfahrungen:
Im Dezember bekam ich einen Brief mit der Einladung zum Gespräch. Es sollte in den Räumen der Berliner Studentengemeinde stattfinden. Darin stand auch, dass mit mir gleichzeitig noch ein weiterer Bewerber eingeladen war. Per E-Mail bestätigte ich den Gesprächstermin, und dann hieß es erstmal: Abwarten! In der Zwischenzeit habe ich mir auf der Website vom Cusanuswerk noch den Lebenslauf meines Gesprächspartners Dr. Stefan Raueiser angesehen, was mir ein wenig das Gefühl gab, nicht einem völlig Fremden gegenüberzusitzen. Außerdem hab ich mich natürlich bei der Bahn und Stadtplandienst.de darüber informiert, wie ich am besten an den mir unbekannten Ort des Geschehens gekommen konnte. Als ich dann am Gesprächstag nach Berlin gekommen war, verirrte ich mich natürlich auf dem Weg von der U-Bahn zur Studentengemeinde, obwohl ich den entsprechenden Teil des Stadtplans mithatte. Aber: In einer Stadt, in der ich mich nicht verlaufen habe, bin ich nicht gewesen. Da ich mich ja kenne, hatte ich genug Zeit eingeplant und war 20 Minuten vor dem Termin vor Ort. Kurz nach mir traf auch der zweite Kandidat ein, mit dem ich mich schon etwas unterhielt: Er war Archäologiestudent in Berlin, also kein direkter Konkurrent von mir um den Förderungsplatz. Schließlich wurden wir in das Gesprächszimmer gebeten, und das eineinhalbstündige Kolloquium begann. Wir sprachen im wesentlichen über uns und über Themen, die uns interessierten. Dabei mussten wir uns einige unbequeme Fragen stellen lassen, aber insgesamt war die Atmosphäre sehr angenehm. Meine am Morgen doch noch aufgekommene Nervösität konnte ich vollkommen vergessen. Als ich wieder nach Hause fuhr, wusste ich, dass ich mich recht natürlich gegeben hatte. Ob ich aufgenommen werde und das Stipendium erhalte, werde ich nach Ostern erfahren. Vielleicht drückt mir ja jemand da draußen die Daumen ...

4. Semester: SS 2005

Sonnabend, 9. April 2005
Ich habe es nicht erhalten. Aber es ist auch viel anderes passiert in den letzten drei Monaten, in denen ich mich nie aufraffen konnte, oder vielleicht auch nie die Zeit hatte, hier etwas neues hereinzuschreiben.
Die Zwischenprüfung hab ich jetzt hinter mir. Zum Glück, denn gegen Ende wurde ich leicht nervös. Jetzt kommt das Hauptstudium auf mich zu, und ich gehe neuen juristischen Abenteuern entgegen ... Allgemeines Verwaltungsrecht, Europarecht, Kommunalrecht, Familienrecht, Kreditsicherungsrecht soll ich in diesem Semester erlernen. Ich bin zutiefst gespannt. Außerdem belege ich ein Vertragsgestaltungsseminar und möchte gern den großen Schein im Zivilrecht machen. Um aber die Ereignisse der letzten Monate zusammenzufassen: Seit Weihnachten hab ich mich tief in mein Studium hineingestürzt und viel gelernt. Auch am Lehrstuhl gab es einiges an Arbeit, und wir haben jetzt wieder einen zweiten wissenschaftlichen Mitarbeiter und auch bald eine zweite studentische Hilfskraft. Das Forschungssemester des Professors ist auch vorbei, so dass sich wohl das eine oder andere ändern wird. Ich habe die kleine Hausarbeit im Öffentlichen Recht geschrieben; es ging um Staatsorganisationsrecht, insbesondere um die formelle Verfassungsmäßigkeit eines Bundesgesetzes. Diese Hausarbeit war endlich mal richtig angenehm zu schreiben, auch wenn ich zwischendurch wie immer ganz schön gezetert habe. Die Kirche St. Paul vor den Mauern in Rom
Abgesehen davon war ich eine Woche in Rom, und zwar Anfang März, also etwa einen Monat vor dem Tode Papst Johannes Pauls II. Ich war dort mit einer "Studentengruppe" und einem Zivi ;o) sowie dem Kaplan von Heilig Kreuz. Wir haben unglaublich viel gesehen, jedenfalls dafür, dass wir nur von Sonntag bis Sonnabend da waren. Und interessanterweise sind mir vor allem die Kirchen auch gut in Erinnerung geblieben; jede hat ihren ganz persönlichen Charme, und auch, wenn ich nicht jede gleich schön fand, so haben sie mich doch alle berührt. Besonders erwähnenswert sind auch die vatikanischen Gärten, in denen man an einem sonnigen Tag ganz besondere Ruhe finden kann. "Meine" ganz persönliche Kirche St. Paul vor den Mauern (ich habe sie den anderen vorgestellt) möchte ich irgendwann noch einmal besuchen und von dort den Weg nach St. Peter am Tiber entlangwandern. Darauf freue ich mich. Insgesamt ist es sehr schwer, eine solch eindrucksvolle Woche zusammenzufassen, und die meisten Leser wird es herzlich wenig interessieren, in welcher Reihenfolge wir die 15 Kirchen besucht haben ...
Die Oder war auch mal wieder leicht angestiegen, zwar stand das Wasser nicht ungewöhnlich hoch für die Jahreszeit, aber der Ziegenwerder (das ist die Insel keine 50 Meter vom Wohnheim) war zum Teil überflutet. Der ganze untere Weg war weg, als ich Gründonnerstag dort war ... Die überschwemmte Insel
Eine Woche konnte ich auch zum Glück mal wieder in meiner Heimat genießen, und zwar von Karfreitag bis zum Sonnabend nach Ostern. Abends, als ich wieder zurück in Frankfurt war und im Fernsehen (erwähnte ich, dass ich seit kurzem einen Fernseher habe?) zum X-ten Male "Shrek, der tollkühne Held" sah, wurde das Programm unterbrochen: Unser Papst Johannes Paul II. war gestorben. Die ganze Woche hatte er schon gelitten, hatte den Ostersegen "Urbi et Orbi" nicht sprechen können, und nun war er erlöst. Millionen Menschen sind nach Rom gepilgert; gestern war die Beisetzung, die ich dann ebenfalls im Fernsehen verfolgt habe. R.I.P.
Ach ja, nicht zu vergessen: Die Studentengottesdienste sind weiterhin in der Vorlesungszeit Dienstags um 20 Uhr in Heilig Kreuz ...
© by Cornelia Klaebe 2001, 2003-2005