Klassifizierung

Die Amyloidosen werden in mehreren Schritten nach verschiedenen Kriterien klassifiziert, wobei die chemische Identifizierung des Amyloid-Fibrillen-Proteins die wichtigste Maßnahme nach der Kongorotfärbung darstellt. Erst nach Diagnosestellung erfolgt die Klassifizierung, danach die Einteilung in die individuelle Krankheiten. Die Diagnose der individuellen Amyloid-Krankheit erfolgt nach klinischen Gesichtspunkten, nach der Organverteilung, und bei hereditären Amyloidosen zusätzlich nach der Identifizierung der Punktmutation auf DNA- oder RNA-Ebene und/oder des Aminosäureaustausches. Die Klinik bestimmt das Syndrom und kann die Prognose für den möglichen Verlauf der Krankheit nach Kenntnis der oben genannten Ergebnisse in etwa vorhersagen. Sie fragt auch nach der Heredität und nach den zugrundliegenden Erstkrankheiten, die mit Hilfe klinisch chemischer Parameter näher erkannt werden. Erst danach kann ein Therapieplan erstellt werden, der in jedem Falle amyloid- klassenspezifisch sein muß. Die chemische Amyloiddiagnose erfolgt heute am besten mit der Immunhistochemie, wobei Antikörper gegen die Amyloid-Fibrillen-Proteine die sichersten Immunreagenzien auf licht- und elektronenoptischer Ebene darstellen. Dagegen färben Antikörper gegen Amyloid- Vorläufer-Proteine vielfach die Amyloidablagerungen nicht zuverlässig an, da diese die für die Amyloid-Fibrillen-Bildung typischen antigenen Determinanten nicht immer erkennen. Für die Immunhistochemie ist auch wichtig, auf welche Weise ein Gewebe vorbereitet ist. Am besten geeignet sind formalinfixierte und in Paraffin eingebettete Routineschnitte, die auf für die Immunhistochemie vorbereiteten Glas-Objektträgern aufgebracht werden. Diese Vorbereitung geschieht durch anhaftende Substanzen wie Polylysin, Chromalaun-Gelatine oder ähnliche Substanzen. Eine einfache Alternative dafür sind kommerziell erhältliche Glas-Objektträger, die für das Anhaften der Paraffinschnitte speziell präpariert sind. Die elektronenmikroskopische Klassifizierung läßt sich an Paraformaldehyd-fixierten Epon- Ultradünnschnitten mit poly- und monoklonalen Antikörpern durchführen. Die chemische Klassifizierung geschieht am sichersten durch Isolierung der gereinigten Amyloidfibrillen mit nachfolgender Aminosäure-Sequenzanalyse der Amyloid-Fibrillenproteine. Diese Möglichkeit steht allerdings nur wenigen spezialisierten Labors zur Verfügung. Diese Technik ist auch teuer und zeitaufwendig, so daß sie nur für spezielle wissenschaftliche Fragestellungen Anwendung findet.

Die Amyloidosen stellen eine große Fülle unterschiedlicher Amyloidsyndrome dar. Jedes Amyloid-Fibrillenprotein ist durch ein international festgelegtes Akronym dargestellt, das mit einem "A" für "Amyloid" beginnt, was die amyloide Konformation bezeichnet. Dieses "A" ist als Eigenschaftswort des nachfolgenden Proteins zu verstehen, das ebenfalls abgekürzt wird. Mit jedem dieser Proteine gehen eine Reihe typischer Amyloidkrankheiten einher, die entweder ohne bekannte Vorkrankheit entstehen oder durch bestimmte Vorkrankheiten ausgelöst werden. Andere Amyloidkrankheiten sind hereditär und wieder andere streng organlimitiert oder lokal. Diese fünf Kategorien von Amyloid-Krankheiten gibt es in vielen, aber nicht in allen Amyloidsyndromen. So gibt es Amyloidsyndrome, die relativ einheitlich sind, wie z. B. die Alzheimerschen Krankheiten, während andere sehr heterogen sind, wie z. B. die Amyloide und Amyloidosen vom Immunglobulin-Typ (s.u.). Die chemische Klassifizierung der Amyloide ist bei jedem Patienten mit Amyloidablagerungen erforderlich, da Amyloidablagerungen progredient sind und diese Form der Diagnose pathogenetisch exakt ist. Außerdem legt sie die Prognose und Therapiemöglichkeit fest. Da es sich bei den Amyloidosen um eine ganze Reihe unterschiedlicher Krankheiten handelt, die alle ihre z.T. typische, aber auch z.T. individuelle, Symptomatik zeigen, ist es unerläßlich, die chemische Amyloidklasse zu kennen. Daraus ergibt sich, daß eine eingreifende Therapie (s.u.) nicht ohne definitive Diagnose und Kenntnis der Amyloidklasse eingeleitet werden sollte.