Liedtexte


 

 


 

Schwanenstahl

(Übertragung: Karl Wolff)


Nimm in die Hand Asche, nimm in die Hand Eis.
Vielleicht wird´s ein Haus, ein Ereignis, wer weiß.
Doch dein Schmerz muß zum Flügel erst werden,
Schwan und Stahl zugleich, Wolke auf Erden.

Ich war stets allein - das ist des Pfeiles Recht.
Doch selbst, wenn das einer könnte, er ist nicht allein.
Mögen unsere Augen trügerisch sein wie Eis im März.
Wir werden, wie ein Traum , licht werden wir sein.

Nimm in die Hand Honig, nimm in die Hand Klee.
Die Schattenjagd taut, die uns nachfliegt, wie Schnee.
Wir überlebten die Nacht, jetzt schau auf den Tag:
Schwan, Wolke und Stahl: Vorwärt, ich sag.

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Große Eisenbahnsymphonie

(Übertragung: Karl Wolff)


Hab gelernt, ein Kind zu sein.
Einen Hafen sucht ich mir.
In Prinzipienreiterein
schlug ich mir den Kopf in Späne.
Im Kopf sind Kreuze, nichts als Kreuze.
Das Gegenteil von schwach ist, spirituell zu sein.
Dieser Zug jagt um die Erde,
Und in ihm sitzt du allein.

Wenn du jung bist, ist der Himmel fade.
Du findest auch nicht hin, bist du erst alt.
Golgotha durchwandert Buddha,
und ruft laut: "Allah Akbar".
Doch ich kenn nicht mein Zuhause,
ich bin heut zufällig hier.
Der auf der Lok weiß es auch nicht,
fährt dich her zu mir.

Es gibt Länder ohne Trauer,
es gibt Länder ohne Schmerz.
Aus Kristall das Grab und Kerzenlicht,
Dreifach gefügt aus Holz das Bild.
Die Seraphine in des Jahres Frühe
schreien machmal auf wie wild.
Der auf der Lok weiß es auch nicht,
fährt dich her zu mir.

Nichts im Leben ist beständig.
Alles verwest, das ist das Kreuz dir.
Flora- Fauna würd ich lieben,
hätte ich im Herz noch Platz und Raum.
Deine Lok, sie jagt im Kreise,
Gleise tauen wie im Traum..
Der auf der Lok weiß es auch nicht,
fährt dich her zu mir.

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Gold auf Blau

(Übertragung: Karl Wolff)


Alle die, die uns malen,
malen Rot uns auf Grau.
Farben sind Farben.
Ich aber meine es anders.
Wenn ich könnte,
ich würde dich malen
bei den grünen Bäumen dort.
Golden auf Blau

Da, wo wir leben,-
gibt´s zwar viel Licht,
doch der Sonnenuntergang
ist ein brennendenes Herz hinter Glas.
Wär ich ein Zimmermann,
ein Schiff baute ich für dich,
um wegzufahren mit dir,
zu den Bäumen,
dem Gold auf Blau.

Wenn ich doch lieben könnte,
ohne Liebe von dir zu verlangen....
Wenn ich die Angst nicht hätte,
und ich sänge mein Lied....
Wenn ich verstünde, zu sehen,
würde ich uns sehen so, wie wir sind:
wie grüne Bäume und
wie Gold und Blau.

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Zehn Pfeile

(Übertragung: Karl Wolff)


Zehn Pfeile in zehn Winde.
Geflochten aus Gras und Zweigen der Bogen.
Von ganz weit her kommt er geflogen
mit dem Regenschwert geschwinde.
Durch den Wald führt ihn der Wolf, der Weiße.
Vom Himmel folgt ihm nach der Greif, der Weiße.
Das Einhorn gibt ihm das Geleit,
der Wunder höchste Herrlichkeit.

Zehn Pfeile in zehn Winde.
Geflochten aus Gras und Zweigen der Bogen.
Von ganz weit kommt er geflogen,
der Wunder höchste Herrlichkeit.
Das Regenschwert hält er bereit,
ist in dein Haus schon eingezogen.

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Altrussischer Schmerz

(Übertragung: Karl Wolff)


Wohin jagst du, du Troika.? Wohin führt dich der Weg?
Ist unser Kutscher entschlummert oder voll, vom Wodka satt ?
Im Museum sind die Räder, findest überhaupt nichts mehr.
Doch hörst du? In jedem Haus singt einer wunderbar,
oder es bricht ihm das Herz.
Wie es verkündet den Heiligen, hängt alles am seidenen Haar.
Und ich sehe, schaue, klage in altrussischem Schmerz.

Keine Knochen, keine Speere liegen auf dem Feld der Schlacht.
Souvernirs für Gäste, für Touristen haben sie daraus gemacht.
Dobrynja pfeift auf Rußland, ist in Mailand engagiert in Gas.
Aljoscha, kein Zufall,- Popensohn,- verscherbelt den Ikonostas.
Am Fuß nur eine Socke, Ilja hüpft, bricht Girls das Herz.
Und ich sehe, schaue, klage in altrussischem Schmerz.

Jaroslawna geht es übel, hat nicht mal zum Klagen Zeit.
Exakt um Fünf hat sie Briefing, 6.30 Uhr Arbeit im Büro.
Toyota fahren unsere Bojaren, verlegen "Playboy" und "Vogue".
Holz und Öl gehen in den Westen, SS-20 ins Morgenland.
Am Schaltpult sitzt Fürst Vladimir, grinst, ihm lacht das Herz.
Und ich sehe, schaue, klage in altrussischem Schmerz.

Am Kloster an der Wand plötzlich Chaos, Theater.
Im seichten Fluß schwamm - vierzehnhändig - Gottvater.
Die Mönche schreien Zeder und Mordio, wollten Retter sein.
Und Gott sieht sofort, das geht daneben, brüllt: "Let it be. Laßt das sein."
Und dem Prior ins Gewande rutscht im Nu das Herz.
Und ich sehe, schaue, klage im altrussischen Schmerz.

Über Moskau wächst - stoned- in den Himmel der Wald.
Heiliges Rußland, was Türken für Türken bauen,
das ist cool in 30 Minuten, das ist nicht kalt.
Wer das Heilige im Zauber Russisch wahrt im Tanz,
Rubelklang klingt durch, ersetzt die Ikonengestalt.
Hara - Krischna durchtanzt den Arbat, unser russisches Herz.
Ich glaube, ich hab die Schnauze voll vom altrussischem Schmerz.

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Dubrowskij

(Übertragung: Karl Wolff)


Es riecht nach Jammer im Volk
Zur Zeit von Unglück und Not.
Doch dann um Mitternacht
Schemenhaft und blaß
Kpmmt aus dem Wald dieser Greis.
Du staunst: Der Alte vom Wald
Ist alt nicht, ist jung und schön.
Gas ist ja Dubrovskij.

Wach auf, du, mein Kostroma,
schlaf nicht, Saratov und Tver !
Wir leiden Hunderte Jahre
Und weinen um Brot.
Dubrovskij nimt ein Flugzeug,
fliegt über das Abendrot;
fliegt über die sündige Erde
und schreibt an den Himmel:

Ich bin ´s, Mascha, wein´nicht,
wein ´nicht, die Sonne kommt bald.
Versteck nichtvot Gott dein Gesicht.
So findet er uns ja nicht.
Das Himmlische Jerusalem
Leuchtet durch Kälte und Eis.
Da steht es.Um uns.
Wartet, es wartet auf uns.

Sein Schild warf er fort und sein Schwert,
auch fort mit dem Colt-Nagan.
Er wußte, Rache für wen ?
Und atmet unbeschwert.
In schwerer Stunde für uns ist er die Ikonenwand-
Sein Flieger fliegt hoch, fliegt hoch über uns
Und schreibt uns und sachreibt:

Wein nicht, Mascha, ich bin´s.
Wein nicht, die Sonne kommt bald.
Versteck nicht vor Gott dein Gesicht.
Sonst findet er uns nicht.
Das Himmlische Jerusalem
Leuchtet durch Kälte und Eis.
Das steht es: um uns
Und wartet, es wartet.

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Hard Rock- schweres Schicksal

(Übertragung: Karl Wolff)


Nicht sichtbare Sonnenflecken, staubbedecktes Gras.
Liegts an der Welt, was fehlt, ist es in mir drin ?
Glück wärmt nicht - ist hinter einer Mauer aus Glas.
Was über mir hängt, stürzt über mich hin.

Schlecht, so viel zu denken, hauptsächlich an dich.
Zigeunerin, was haben die Sterne im Sinn?
Die Karten fallen zu Boden, sie verbirgt das Gesicht.
Du Schmuckstück: Das Schicksal stürzt über dich hin.

Mich machte die Liebe zum Schatten. Nichts hat mehr Sinn.
Wollte ewigen Sommer, Winter nahm seinen Lauf.
Je höher in den Astral, noch mehr Unsinn trägst du hinauf.
Naturgesetze und Schicksal stürzen über mich hin.

Die einen sagen: heute um sechs ist Weltunergang.
Die anderen werden depressiv

an ihrer Seele krank.
Die dritten ertragen die Liebe nur, weil sie antwortlos ist...
Streif ihren Schmerz mit dem kleinen Finger, sie erschlagen dich.

Gestern, an der Kälte seiner Flügel erkannte ich ihn, trat ein Engel herein.
Ich bin nicht mehr der, dem er nachjagt, und er niemand, der drängt.
Setz dich. Freu dich an meiner Stille. Ich werde dein Feind nicht sein.
Trinken wir auf das Schicksal, das über mir hängt.

Von Gleis zu Gleis lebe ich, bin aufgeflogen und fliege.
Will nur, dass es für dich sich etwas leichter lebt:
Dem Wind sei gedankt und an meinem Rücken den Flügeln.
Der eine bist du, und der andere, was über mir schwebt.

Die Poesie des Liedes baut auf dem im Dreutschen äqivalentlosen
Wortspiel mit dem russischen Wort: auf. Es bezeichnet Schicksal und
Rock´nRoll.. Hard Rock bedeutet demnach im Russischen "schweres
Schicksal" und umgekehrt. Das als Titel für den Film - über das
Dissidentenschicksal sowjetischer Rockmusiker dem russischen B.G-Fan
vertraute Wortspiel wird hier existentiell und spirituell neuartig
verwendet und vertieft.

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Letzte Kurve

(Übertragung: Karl Wolff)


"Zur letzten Kurve" werde ich genannt.
Ihr alle kennt mich doch
am Wodka aus dem Erdenloch,
am Tränenduft des Brotes.

Alles im Arsch bei mir zu Hause.
Ein Loch in Schädel - das ist neu.
Wo ´s gut ist, sticht es mir ins Herz.
Wo ´s scheiße ist, bin ich zuhaus.

Ich scheiße auf eure "Goldene Stadt"
Siebenhundert Jahr im Herzen Brände.
Ich geb die Harmonien aus der Hand.
Vergessen, alles, Ende.

Ich komm in Himmel, morgen, rein.
An Händen , die mich leiten werden.
Apostel Petrus und du, Vater, Nikolaj.
Nur weg von dieser Erde.

Und in den klaren Himmel ganz oben
ziehen zwei Schwingen ihren reinen Bogen.
Ich aber geh an Krücken, hinke.
Gieß ein ! Das ist mein Himmel.

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Terminator-Abfangjäger

(Übertragung: Karl Wolff)


Lug und Betrug, sag mir mal, wie kommt das ?
Wo kommt das her, das Meiste im Leben ist Pfusch?
Nach Weihrauch aus der Hölle riecht die Kamille.
Seine Luger zeigt stolz der Apostel Andrej.

Der ehrbare Bürger geht spazieren alldieweil.
In seinem Kopf geht´s drunter und drüber, im Herzen Qual.
Über ihm in den Wolken kreist der schwarze Verderber.
Von Kopf bis Fuß Samt und Seide, ein Prinz, dieser Kerl.

Wer bedient die Instrumente, wer in ihm ist Pilot ?
Wer dreht ihm am Rad, faucht ihn aus dem Schlot ?
Den Tschador tragen Piloten, du blickst nicht durch.
Werde nicht rot, ehrlich, ich und du, das ist der Pilot.

Und am Himmel Gewitter, reinster Phosphor- Angridid.
Will immer nur Liebe, im Visier die Welt total.
Zerreiß in der Brust das Leinen, Schluß mit der Schmach,
mit dem Schwarz in den Augen, dem Schatten der Flügel im Herz.

Apage, stolzer Geist, verschluck deine eiserne Mündung !
Du dreister Hund, das ist kein Leben, so oder so.
Ich passe dich ab und mit der letzten Kugel am Ende
knall ich dich ab und das Zeug vom Himmel.
Vielleicht wird es dann end

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Choral

(Übertragung: Karl Wolff)


Was besser ist,
Schaum oder eines Hauses Segen?
Kommt, laßt uns alle überlegen.
Und dann, geb ´s Gott, daß unser Denken
der blaue Himmel wird versenken.

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Partisanen des Vollmonds

(Übertragung: Karl Wolff)


All denen, die für den langen Tag Steine tragen,
den Brüdern der Traube und des Feuers Schwestern-
über das, was in mir ist,
aber nicht nur mich erfreut.


Ich sehe die Vorzeichen des Großen Frühlings -
im nächtlichen Himmel die silberne Flamme.
Alles, was ist, ist auch in uns: die Zeit ist da.
Werden wir die Tür ihr öffnen?


Die Partisanen des Vollmonds kommen hierher,
doch mein Platz ist hier.
Die Partisanen des Vollmonds kommen hierher;
einerlei.


Sie haben alle Kenntnisse von jener Welt-
weiße Hirsche auf schwarzem Schnee.
Ich weiß alles, was es gibt, meine Liebe,
aber was kann ich?


Also, wer ist der Kommandeur und wo ist seine Schlinge?
Die Angst ist ein Fest und ihr Netz ist die Schuld.
Meine Liebste, wir werden nur singen,
doch wir öffnen die Tür.


Die Partisanen des Vollmonds kommen hierher,
doch mein Platz ist hier.
Die Partisanen des Vollmonds kommen hierher,
sie sollen kommen.

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Sense

(Übertragung: Karl Wolff)


Hau ab, Sensenmann!
Mit Nägeln rührst du meine Hände nicht an!
Dein Aufgesetzter aus Schierling ist nichts für mich.
Du bist Vernunft, du bist der Sinn.
In mir ist nur beinerne Schwärze.
Laß uns ehrenhaft uns verkaufen:
das Fell unserer reinen Seele versaufen.

War immer Dieb, doch meine Hände sind leer.
War immer Säufer, trank mehr, immer mehr.
Geh doch zur Wahl oder werde Buddhist.
Es ändert sich NICHTS, es bleibt wie es ist.

Laß das mit den Balken in meinen Augen
und säge mich nicht durch. Balken gibts hier viele,
würden für ein solides Haus taugen:
Nur die Seele, die heilige, hat sich uns auferlegt.
Trink trotzdem mit mir, gelassen und unbewegt.

Und ob ich wollte! Doch was bleibt, sind Spuren im Sand.
Sing z. Bsp. in der Oper mit Bravour. Mach mit dem Beil die Rasur.
Egal. - Zum Wasser führt seine Herde Wladimir, der Weise.
Egal. - Die Herde fraß ihn und frißt Scheiße.

Hau ab, Sensenmann!
Mit Nägeln rührst du meine Hände nicht an!
Dein Aufgesetzter aus Schierling ist nichts für mich!
Du bist Vernunft, du bist der Sinn.
In mir ist nur beinerne Schwärze.
Laß uns ehrenhaft uns verkaufen,
das Fell unserer reinen Seele versaufen.

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Navigator

(Übertragung: Karl Wolff)


In die U-Bahn: die Armbrust in der Hand,
das Samurai-Schwert zwischen den Zähnen.
Ich schwebe lautlos - einer von euch - unerkannt,
durch die Himmel, den schwarzen und weißen,
mit oder ohne virtuelles Cyber-Kettengewand
in der Nacht ein helles Wähnen.

Das Unsichtbare der Ikonen bin ich:
Der reine Bezug - die Bewegung.
In den CNN-News - im Nu vor dem Ende, ein Strich
Doch für die in der Nacht,
die eines nur wußten: Wir sind auf ewig verloren.
Für die bin ich Leuchtturm zuletzt:
des unergründbaren Sterns Bewegung.

Navigator, singe ein neues Lied, eine Canzone.
Natürlich, komme ich zurück, warte auf mich am letzten Tor.
Eine Kurskorrektur noch - und in die Arme nehm ich dich.
Und wer da mit dem Schwert ist,
dem sage ich: " Schalom, Leitraiot!"

Alles ist ruhig - a la guerre comme a la guerre-.
Wir stehen in Klosterstille
an den Grenzen des Traums seit Beginn der Zeiten:
Wir des großen Kriegers Gefährten im Streiten:
Himmlischer OMON im Infrarotvisier.

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Begebenheit in Nastassjino

(Übertragung: Karl Wolff)


Hinterm Dorf ist es passiert.
Spät war es, schon in der Nacht.
Nastassja ist dorthin spaziert,
unschuldig - in nackter Pracht.

Da erbrausten grimme Winde,
öffnete im Himmel sich die Tür.
Auf drei Adlern flog geschwinde
zu ihr nieder dieser Kavalier.

rahmane oder Atamane
oder Avatar sogar?
Dampf ihm aus den Nüstern wallet,
wie der Feuer - Vogel steht er strahlend da.
Und er sprach: " An deinem Los
nehmen alle Anteil im Nirvana;
damit ende all dein Leide,
nehme ich dich jetzt zum Weibe.

Die Schöpfung allerfaßt Entzücken,
donnernd niedersinken Sterne,
Wogen machen Platz im Meer und rücken,
Regenbogen flammen himmlisches Erglücken.

Und acht Hände hielten sie umfangen,
feurig leuchtete das dritte Auge.
"Mama", konnte gerade sie noch schrein,
lebend ist sie so ins Paradies gegangen.
Vergangen sind seitdem drei Jahr.

Heilig ist jetzt im Kolchos hier unser Teich.
Pilger kommen zu ihm, gar nicht rar.
Lotusblüten blühen in dem Teich.
Rein die Luft ist, sanft das Klima.
Wischnu geht spaziern mit Krischna
durch die Felder.
Ja, im Dorf ist, was ihr nicht wißt,
seitdem jeder Dritte Hinduist.

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Es ginge uns allen besse

(Übertragung: Christoph Wachsmuth)


Einst war ich brav und erzogen,
sozusagen ein Kavalier.
War ich in Damenbegleitung,
so öffnete ich ihr die Tür.
Doch nennt man mich heute höflich,
so ist das nicht das richtige Wort.
Es ginge uns allen besser,
wärst Du endlich fort!

Glich Dein Mann einst einem Gotte,
gleicht er heut´ einem klapprigen Gaul
und schafft nicht einmal das mehr,
wozu er früher zu faul.
Ich weiß, das ist ein Karma,
das ist wohl das richtige Wort,
doch ginge uns allen besser,
wärst Du endlich fort!

Ja, wenn die Schiffe ankommen,
ist der Jubel im Hafen groß,
doch wärst Du auf dem Wasser -
ich machte die Leinen los.
Und wärst Du ein Sack voll Zucker
ließ ich es regnen in einem fort
und es ginge uns allen besser
wärst Du endlich fort!

 

Mein Tod!

(Übertragung: Christoph Wachsmuth)


Sei gegrüßt, mein Tod!
Wir sprechen die gleiche Sprache - das stimmt mich froh!
Ich brauchte oft einen,
dem es egal ist, wer ich jetzt bin,
der mich kennt und der mir die Tür öffnet nach Haus.

Lehre mich das, was von mir gesagt werden kann!
Lehre mich - Wort sind, wie ein Messer, egal!
Und der, der die Liebe will ist schutzlos, zweifach gar.
Und kennt er Dich nicht, bewegt im Dunkeln er sich.

Und jeder spricht über die Liebe in Worten,
jeder träumt einen herrlichen Traum,
jeder glaubt, dass gerade er Ursprung des Feuers ist.
Und das ist das Thema für einen neuen Krieg ...

Hallo Tod! Danke, dass es Dich gibt!
Meine Festtagsstadt ist vom Tod noch nicht erwacht.
Solange wir hier sind, solange ist
für eine Tat der Liebe noch Zeit.

Rein muss der Weg zur Quelle sein.

Auf der anderen Uferseite wartet Jemand auf uns ...
Jemand schaut mir direkt ins Gesicht.
Doch ich hörte ein Lied, in dem hieß es:
"Do, what you have to do!" und "Let it be!"
Mir scheint, diese Antwort ist gut!

Doch jeder schachert ernsthaft mit sich selbst,
damit der Frühling für ihn andauern soll.
Und dass er Recht hat zweifelt jeder heimlich an.
Und das ist das Thema für einen neuen Krieg ...

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Er plagt sich

(Übertragung: Karl Wolff)


Er plagt sich, er plagt sich. Das Leben versagt sich.
Egal, ob zu zweit allein, in Gesellschaft und mit Wein.
Er plagt sich, er plagt sich, sündigt und bereut tief.
Nie sagt er sich, schuld wirst du selbst daran sein.

Er plagt sich, er plagt sich, sündigt und bereut tief;
Egal, ist s der Staub im Felde, ist s das Vaterhaus.
Er plagt sich, er plagt sich - jault und verzagt nicht;
Nie sagt er sich, schuld wird er selbst daran sein.

Was du auch aufbaust, fällt wieder ein.
Was du auch sagst, macht keinen Sinn.
Trinkst du nicht, geht nichts.
Trinkst du, heulst du - Wolf - ohne Sinn so vor dich hin.

Er plagt sich, er plagt sich - jault und verzagt nicht.
Egal, ob zu zweit allein, in Gesellschaft und mit Wein.
Er plagt sich, er plagt sich - weiß Gott, er windet sich.
Nie sagt er sich, schuld wird er selbst daran sein.

Vielleicht ist s der Kopf, der sitzt bei mir nicht.
Viel zu viel gelogen, die Last ertrag ich nicht..
Gerne würd ich atmen, meine Brust ist zu schwer,
ging ich weg, ist's übler dort, käm gleich wieder her.

Er plagt sich, er plagt sich, der Pfad, er verengt sich.
Egal, ob zu zweit allein, in Gesellschaft und mit Wein.
Er plagt sich, er plagt sich, paß auf, er zerbricht sich,
und dann erst sagt er sich, schuld wird er selbst daran sein.

Kopeken sind im weißen Portemonnaie: Klimpergeld.
Im Taufbecken aus Gold: Finsternis und Haft.
Kette ging entzwei zwischen Himmel und der Welt.
Beginne sie zu flicken, weißt du schnell, was Leiden schafft.

 

Liebenswürdig-erstaunlicher Meister Lukjanov

(Übertragung: Karl Wolff)


Als großen Menschenfreund,
als Vorbild seh ich dich vor mir.
Spür mit dem Herzen die gespannte Saite,
Sprengmeister - Pionier.
Da, wo das Schicksal residiert, schafft er mir Heimstadt,
der liebenswürdige - erstaunliche Meister Lukjanov,
ein Anwesen gleichsam, mit Fenster zu dir.

Auf dir zur großen Fahrt, wär ich Matrose, heuerte ich an,
würde meine Schuhe versaufen;
Dann in der Hafenschenke tränk ich dir zu.
Die Völker aber schreien, niemand hilft in der Not
mit einem Zweig in der Hand, tröstet, es sei denn du.

Wir haben im Dunkel gelebt, auf Antwort geharrt.
Hier unten ist alles nur Glas, das uns narrt.
Geliebte, mein Glück, Einzige, Du.
Schluß damit, wie wir lebten!
Gehen wir! Auf das Licht gehen wir zu.

Aufleuchtet auf den Kranich-Uhren das Zeichen: Zum Flug.
Beschwingt die Stille von Flügel zu Flügel zum steigendem Zug.
Wer aber startet - ich sage es nicht - die andere Mühe,
wandelt sich zu Licht, das aus dem Fenster, aus deinem, fällt:
Licht der Frühe in der abendlichen Welt.

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Fliege, mein Engel flieg!

(Übertragung: Christoph Wachsmuth)


Die Schwingen zerbrachen, da war der Himmel noch leer.
Wer konnte ihm sagen, Du ziehst nur eine Last hinter Dir her?!
Wir wußten, er fliegt uns voran, und jeder von uns schwieg.
Und ich flüsterte ihm hinter: Fliege, mein Engel, flieg!

Ein Junge, gleich einem Magier, doch blind wie der Tag,
Die Jungfräulichkeit des Himmels zerbrechend mit einem Flügelschlag.
Die Brücken wurden zu Staub und die Asche bedeckte den Weg,
Und ich rief ihm hinterher: Fliege, mein Engel, flieg!

Ich weiß bei allem, was ich tu´ - Gott steht mir bei.
Und die Warnung "Du bis taub!" ist mir einerlei.
Ich höre tausend Stimmen, doch bin ich allein, wie ein Spatz in der Hand
Und ich balle die Faust: Mein Engel, fliege voran!

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Kostroma -- Mon amour

(Übertragung: Karl Wolff)


Ich brauche nicht Sieg, nicht Lorbeer, ich brauche nicht viel.
Nicht der Kuß einer Hexe bringt mich ans Ziel.
Nur zur Süße des Frühlings, nicht zu Lüge, zum Leben das Ja.
Ja, meine Schwester Samara, ach, ja.

Üble Horden ziehen durch den Garten, durch das Paradies.
Ach, Heiliges Wasser, ach, Judas, Verrat, Verlies.
Ein Anschlag aufs Herz, im Blut liegt der Schwan.
Auf dem Hügel Wladimir, " Maria Schutz " unten im Tal.

Sonne und Wolken stoßen zusammen, hoch über mich hin.
Ich bin wohl ein Glückspilz, da ich jetzt noch am Leben bin.
Überfliegt ein Vogel den Fluß, erwartet den Freund, den er liebt.
Die Mauern sind weiß hier, meine Seele ist grau und betrübt.

Besoffener Erzengel, der in den Mund sich eine Papptröte steckt.
Warum ist vor Schwarz alles rein und vor Weiß alles befleckt?
Hoch oben fliegt unbewegt, finster ein Flieger durch den Lazur.
Ach, meine Schwester Samara, Kostroma -- mon amour.

Gerne lebte ich trocken, nüchtern, ohne Hektik so für mich hin.
Doch die Seele an der Kette hat nur die Freiheit im Sinn.
Durchdringen als Ruf, vertreiben das Finstere. In den Lazur!
Ach, meine Schwester Samara, Kostroma - mon amour.

Ich brauche nicht Sieg, noch Lorbeer, ich brauche nicht viel.
Geniere mich jedoch mit der Herde zum Vater zu ziehn.
Geschnitzte Gartenpforte, Spitze der Lampenschirm, abat-jour.
Ach, meine Schwester Samara, Kostroma - mon amour.

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Kontertanz

(Übertragung: Christoph Wachsmuth)


Das Jahrhundert vergeht -
Sieh wir kurz es war!
Du wartest bestimmt,
Oder vielleicht nicht?

Aber heute fiel Schnee -
Man gelangt nicht zu Dir
Ohne Spuren im Schnee.
Doch braucht´s der auch nicht.

Dort ist heute Empfang,
Dort ist´s heute warm,
Doch auf uns wartet man
Dort sicher nicht.

Manch Einer kam hin,
Manch Einer ist dort,
Doch sie sind sie,
Du bist du und ich bin ich.


In dieser Welt gibt es Zufälle nicht
Und das Schicksal bedaure, nicht mich!
Er spielt ihnen auf,
Du spielst für Ihn,
Doch wer spielt hier für Dich?

Ich bitt´ Dich um Eines:
Sollte in Deinem Haus
Brokat, Elfenbein
Oder gar Seide sein,
Dann vergesse das Haus,
In dem ich gewohnt,
Denn was bin ich denn
Schon für ein Gast?

Ich betrink mich wie´n Schwein
sink´ unter´n Tisch und schlaf ein -
In diesem Kreis mache ich nicht allzuviel her!
Ich vermochte es nie,
Der Erste zu sein
Doch der Zweite zu sein,
Ertrage ich nicht!

In dieser Welt gibt es Zufälle nicht
Und das Schicksal bedaure, nicht mich!
Es spielt ihnen auf,
Du spielst für Ihn,
Doch wer spielt hier für Dich?

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Die Schlüssel von meiner Tür

(Übertragung: Christoph Wachsmuth)


Zwischen dem, der ich gestern war und dem, der ich heute bin
liegt ein Weg, unendlich weit.
Doch ich lief den ganzen Tag her und hin
Und suchte ´ne Schlafgelegenheit.

Und sie fragte mich nicht, was ich wollte bei ihr
Und wer ich denn überhaupt wär´.
Sie sagte nur: "Nimm Sie mit Dir,
Die Schlüssel von meiner Tür!"

Zwischen dem, der ich war und dem der ich bin
Liegen sieben Stunden der Nacht.
Und ich vergaß, als ich am Morgen ging,
In welchem Gesicht ich bisher mein Leben verbracht.

Und sie fragte nicht, als ich ging von ihr:
"Gehst Du nach Süden oder Norden von hier?"
Sie sagte nur: "Nimm Sie mit Dir,
Die Schlüssel von meiner Tür!"

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Wie sich das Eis bewegt

(Übertragung: Christoph Wachsmuth)


Die, welche wissen, worüber ich spreche,
Ähneln dem, der sich im Schlafe wiegt.
Ich lernte einst, wie wichtig das Wesen der Dinge ist,
Doch wie man aussieht entscheidet, ob man siegt.

Es gibt die Zeit, das Netz auszuwerfen
Und die Zeit, auf Zehenspitzen zu gehn,
Zeit zu sehen, Zeit, sehen zu lernen,
Wie sich das Eis bewegt.

Du legst Dich schlafen, weise wie ein König,
Erwachst allmächtig, wie Gott, der Herr -
Leicht verkatert und verliebt ein wenig,
Doch warum sind die Wände so weiß um Dich her?

Warum soll man sich nackt ans Fenster stellen?
Das ist der Weg, wie man sich erhebt:
Wirf die Fotos derer weg, die nicht begreifen,
Wie sich das Eis bewegt.

Meine Liebe ist mir Zucker und Tee.
Wir kaufen uns ein eigenes Haus,
Zu uns kommen Leute, genau solche wie wir,
Und wir sprechen uns darüber aus,
Das es keine Zeit gibt, außer der Gegenwart,
Rücken die Gläser enger zusammen und spüren,
Wie sich das Eis bewegt.

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Iwanow

(Übertragung: Christoph Wachsmuth)


Iwanow steht an der Haltestelle
und er wartet auf die Kutsche,
freut schon auf sein Bier sich -
ja, am Montagmorgen ist das Leben schwer!

Und die Leute ringsherum,
die sich drängeln in den Bus,
treten auf die Füße ihm,
sogar auf die Flügel tritt ihm wer.

Doch gehört er nicht zu ihnen,
diesen Leuten, hat er doch
in seiner Tasche Saetre,
wo sein Nachbar nur ´nen Fünfer stecken hat.

Iwanow liest in dem Buche
und es kommen Kontrolleure,
welche Iwanow bestrafen -
ja, am Montagmorgen läuft eben nicht alles glatt!

Er wohnt auf der Petrograder
in ´ner kommunalen Wohnung
zwischen Küche und Toilette
und die Toilette, die ist immer übervoll.

Häufig kommen zu ihm Leute,
bringen Koffer voller Portwein,
das sind Typen, die verbringen
ihr verkrachtes Leben mit dem Test von Alkohol.

Und dann gehn sie alle wieder.
Nur die allerbesten Freunde
und bezaubernd schönsten Damen
bleiben bis zum nächsten Morgen in der Frühe da.

Und allmählich kommt die Dämmrung,
alles ist grau und verräuchert,
was die Erkenntnis untermauert:
Heute ist der gleiche Tag, der gestern war!

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Blues der wilden Menschen

(Übertragung: Christoph Wachsmuth)


Geh dorthin, wohin du gingst
Und finde den, den du gekannt
Und findest du ihn nicht, sieh ein:
Die Erde ist ein weites Land.

Seltsame Spiele spieltest du
Mit Blinden und dem Einhorn auch.
Hast dich verändert ganz und gar.
Bist heilig und stehst auf dem Schlauch.
Es ist nun Zeit, ins Bett zu gehn -
Man kann die Nacht durch's Fenster fühl´n.
Gar wilde Menschen, die ihr seid,
Ich scheiße drauf, für euch zu spieln.

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Blaulichter Schein

(Übertragung: Karl Wolff)


Schwarzer Wind fegt über die Brücken.
Schwarz ist die Erde, mit Bränden bedeckt.
Fremde sind Wölfe, blicken so drein,
vielleicht werde auch ich so einer sein.
Auf Schienen kreischt mein Leben -- Draisine;
Ich könnte fliegen, ein Schmetterling sein.
Mein Tod fährt eine schwarze Limousine
mit blaulichtem Schein.

Flucht nicht: tollkühn bist du, verwegen.
Mein zerschlagnes Gesicht -- schamrote Miene.
Hätt´ gern mich getraut im Himmlischen Sein,
mich unter die Krone dieser Ehe begeben.
Du kaufst dein Schicksal im Laden nicht ein,
packst es nicht am Schwanz, heizt ihm nicht ein.--
Mein Tod fährt eine schwarze Limousine
mit blaulichtem Schein.

Tut mir nicht leid, war nichts -- mit Einleben.
Tut mir nicht leid, bin geboren, Anfänger im Leben.
Erwisch´ ich den, der sich das alles ausgedacht,
ich hätt ihn auf der Stelle umgebracht.
Zu spät, länger auf dem Gipfel zu sein;
abwärts geht es, barfuß hinab -
Mein Tod fährt eine schwarze Limousine
mit blaulichtem Schein.

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Augen

(Übertragung: Christoph Wachsmuth)


Gebt mir Augen!
Gebt mir Strom!
Gebt mir eine Wand,
In die man Nägel schlagen kann!
Dann kommt von mir aus zu mir zum Frühstück!

Gebt mir eine Leinwand!
Lasst mir freien Lauf!
Lasst mich diese fünf
Melodiösen Noten noch singen!
Dann könnt Ihr mich an die Hand nehmen und fortführen!

WIE VIELE ZIMMER MIT LEUTEN RANDVOLL
DIENSTZIMMER MIT LEUTEN RANDVOLL
DURCHSICHTIGE ZIMMER MIT LEUTEN RANDVOLL
DOCH SOLANGE DU MICH NICHT LIEBST
WERDE ICH IMMER NOCH ETWAS WOLLEN

Gebt mir eine Nacht!
Gebt mir einen Tag!
Gebt mir die Chance,
Etwas zu machen aus uns!
Ansonsten ist das, was Ihr hört,
Das, was Ihr hören wollt!

MAG SEIN, MAG NICHT SEIN:
AUF UNSERN PLATZ AM HIMMEL
LEUCHTET EIN STERN
DIR WIRD KALT DAVON
DASS DIESER PLATZ LEER IST

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Helden

(Übertragung: Christoph Wachsmuth)


Manchmal glaube ich, wir sind Helden,
Wir bekommen vor nichts einen Schreck.
Manchmal glaube ich, wir sind Helden,
Manchmal glaube ich, wir sind einfach nur Dreck.

Und häufig spielen wir ohne Gage,
Tragen Boxen in aller Herrgottsfrüh´.
Manchmal glaube ich, wir sind Idioten,
Manchmal glaube ich, wir sind einfach nur Vieh.

Und wie alle anderen hab´ ich einen Engel;
Sie tanzt mir hinter dem Rücken umher.
Sie bringt mir Kaffee aus dem "Saigon"
Und ihr ist egal, was wird aus mir.

Sie tanzt ohne jegliches Mitgefühl,
Sie tanzt, damit´s dunkel wird im Saal.
Und einer fährt weg, der andre sagt ab,
Aber das ist mir, ja das ist mir egal.

Und wenn ich dann im "Saigon" stehe,
Kommen die Leute zu uns herein.
Große Leute in großen Wagen -
Doch ich möchte keiner von ihnen sein.

Und juckt es denn überhaupt die anderen,
Dass Sweet Jane nun mit mir geht?
Aus diesem Dreckt kommt man nie nach oben -
Mir geht es besser, wenn sie zu mir steht.

Ich hätt´ gern ein Gespräch unter Gleichen,
Doch wenn das nicht geht, liegt die Schuld nicht bei mir.
Und wenn sich hier jemand ändern muss,
So bin das nicht ich, scheint es mir.

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Der elektrische Köter

(Übertragung: Christoph Wachsmuth)


Ein gutes Gedächtnis ist schlimmer als Syphilis,
Besonders im Freundeskreis.
Es steigt das Bankett der Erinnerung:
Selbst dem Feind wünscht man das um keinen Preis.
Und der alternde Jüngling sucht sein Vergnügen
Und die ewige Frage lässt im keine Ruh´.
Er betrinkt sich mit Wein und von der Seite her schaut ihm
Der elektrische Köter mit gezielter Aufmerksamkeit zu.

Verraucht ist die Küche - wir halten dort Wache
In Hüten aus Federn und Hosen aus Blei.
Wenn einer der Kämpfer eingeht an Atemnot,
Merkt´s die Truppe nicht, ist sein Platz auch frei.
Und der Reihen Geschlossenheit ist ein Zeichen von Freundschaft
Oder von Angst vor dem eigenen Gehversuch.
Und über dem Küchenschloss weht eine Flagge
gleich einem zerrissenen Schlüpfer mit penetrantem Geruch.

Und jeder hier hat spezielle Methoden,
In Wallung zu bringen das Glimmermeer:
Die Photographen schwelgen in ihren Photos,
In fremden Zimmern treiben sich die Dichter umher,
Telephonieren nur noch untereinander -
Während dessen frisst sich der Hund in die Wand.
Sie erörtern, wie schön unser Kreis sei,
Doch der Köter sucht eine zärtliche Hand.

Und die Frauen, die wie Schwestern sein könnten,
Bemal´n sich die Fingernägel mit rotem Gift
Und sehen in allem, was sich bewegt, ´ne Rivalin,
Obwohl sie versichern, dass es ein Flittchen ist.
Von solcher Art Liebesbekenntnis zum Nächsten
Wird mir, denk an die Moral ich, ganz schlecht.
Der Köter jedoch ist nicht frei von Paradoxa:
Er ist verliebt in diese Frauen und hat, von seiner Warte aus, Recht.

Und weil die anderen hier nicht inspirieren
Zu leben, zu sterben, zu einem Poem -
Schauen die Einen mit Erstaunen nach Westen,
Mit Begeisterung die Andren nach Osten hin.
Und jeder lernt seit zehn Jahren Rollen,
die man seit zehn Jahren vergessen müsst´.
Doch dieser Köter lacht nur darüber -
Ihm ist es egal wie und warum er eigentlich ist.

Dies´ Lied hat keinen Anfang und auch kein Ende.
Doch eine Inschrift, die hat´s allemal:
"Wir wuchsen auf unter solch hoher Spannung,
Bei der jedes Gerät verschmort beim ersten Mal."
Und zum logischen Denken ist der Köter nicht fähig,
Doch er lebt, ob man es glaubt oder nicht.
Und wenn man mich fragt, worum´s in dem Lied geht,
Antworte ich rätselhaft: Das weiss ich ja selber nicht!

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Elektrizität

(Übertragung: Christoph Wachsmuth)


Meine Arbeit ist simpel - ich betrachte das Licht.
Mir erscheint ein Motiv, ich wähl´ den Text mit Bedacht.
Doch wenn am Himmel der Stern aufgeht in der Nacht.
Hör ich das Knistern der Wellen, die gibt es hier nicht.

Mein Weg ist länger als der Pfad hinter mir.
Ich erinn´re mich, was man mir gezeigt hat:
Auf einem fernen Hügel die weiße Stadt,
Das Licht der Sterne auf dem Weg nach Haus.

Doch die Elektrizität schaut mir in´s Gesicht
Und fordert meine Stimme.
Doch ich sage dem, der die Stadt schon gesehen hat:
"Ich brauche Deinen Ring nicht!"

Noch zu früh für den Zirkus,
Doch zu Spät für den Gang ins Heilige Land.
Wir bewegen uns langsam, so wie schmelzendes Wachs.

Das hat keinen Sinn mehr.

Hallo Kinder der farblosen Welt!
Wär´ ich ein himbeerfarbener Vogel,
Ich nähm´ Dich zu mir nach Haus.
Wär´ ich ein Vogel ...
Wär´ ich ein Vogel ...

Jedes Haus hat Fenster zum Licht,
Aus jeder Tür führt ein Weg in die Welt.
Doch wenn Dein Weg mit Kreide auf den Asphalt gemalt ist,
Wohin wirst Du gehen, wenn dann der Schnee fällt?

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Baum

(Übertragung: Karl Wolff)


Du bist der Baum.
Der Garten ist dein Platz.
Und wenn ich dunkele,
trete ich dort ein.
Du bist der Baum.
Vor aller Augen bist du.
Und wenn ich lange dich ansehe,
dann hörst du meinen Blick.

Du bist der Baum.
Durchsichtig und rein ist dein Stamm.
Und du wirst mich hören,
berühre ich dich mit der Hand.
Du bist der Baum.
Ich bin das Blatt einer Espe,
das Kind von Wasser und Erde bist du,
ein Sohn des Feuers bin ich.

Dort werd ich warten auf dich,
wo du es mir sagst,
wo du es mir sagst...
solange in mir dieses Blut ist
und in deinen Zweigen der Wind.
Ich werde warten, ich werde auf dich warten.

Du bist der Baum.
Deine Laubkrone die Wolken.
Doch fast hat ein Blatt mich berührt,
es flog am Gesicht mir vorbei.
Du bist der Baum.
Und wir sind in sicheren Händen.
Wir werden warten bis zum Ende der Zeit,
und nach diesem Ende sehn wir uns wieder.

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Der das Schiffchen bewacht

(Übertragung: Karl Wolff)

Alles, was fliegt, hat zwei Flügel.
Ich hab nur einen.
Bei allen ist die Ferne strahlend-hell,
bei mir nicht, eher zum Weinen.
Die Gäste sind da, schon gerufen zu Tisch,
nur ich nicht, streun noch durch die Nacht.
Wo ich bin'? Ich bin stumm wie ein Fisch.
Fragt den, der das Schiffchen bewacht.

Für jeden Menschen gibts eine Seele
und eine Nadel, spitz, daß sie dich quäle.
"Schwestern" lauern auf mich im Port,
mich zu retten und auch meine Seele.
Und geh ich an Land. Als Ignorant
schau ich nicht hin, sondern fort.
Und den Mantel, schwarz wie die Nacht
breitet über mich der,
der das Schiffchen bewacht.

Ich wollte für dich Ritter im Zirkus
und Heiliger im Kino sein.
Ich wollte für dich zu Wasser werden,
man hat mich verwandelt in Wein.
Ich las mich in einem Buch.
Ich bin ein seltsames Wesen.
Ich kam darin vor und habe davon genug.
Falls ich´s war. Es war sehr komisch zu lesen.

Den, der das Schiffchen bewacht,
kann man hochmütig, nicht Heiligkeit nennen.
Den, der das Schiffchen bewacht,
kann man an seiner Schönheit erkennen.
Und so geht die Fahrt durch den Tag, durch die Nacht.
Teufelchen Rippenstoß gesellt sich darein.
Und im Zollamt ganz ungeniert
heißt es: Nichts zu verzollen? Passiert!

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Apokryph

(Übertragung: Christoph Wachsmuth)


Im purpurnem Schnee
Verlor sich unsere Spur,
Gehen dem Regen nach,
Brechen Spiegel entzwei.

Gelegen am Rand
Des Schweigens die Stadt.
Mitternacht, unser Freund,
Zeigt uns den Weg.

Auf der Kehrseite des Tages
Gehen wir
In das Land, wo der Wind
Uns die Augen verschließt.
Auf der Kehrseite des Tages
Gehen wir
In das Land, wo der Wind
Uns einst erkannt.

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25 zu 10

(Übertragung: Christoph Wachsmuth)


Ich bin Ingenieur mit zweitausend Mark Lohn,
Und mehr bekomme ich nicht.
Bin 25 schon, doch was ich will,
Das weiß ich immer noch nicht!

Und ich glaube ich habe keinerlei Grund,
Stolz auf mein Schicksal zu sein,
Doch schlüge ich, wenn ich wählen könnt,
Noch einmal den gleichen Weg ein!

Bin 25 nun und zehn Jahre davon
Sing ich und weiß selbst nicht, worum es geht.
Und es fällt mir so schwer zu fürchten den,
Der hinter dem Rücken steht.

Mag sein, meine Worte sind nicht sehr klar -
Die Schuld daran liegt bei Euch.
Doch was stört´s den, der hinter uns steht?!
Vor ihm sind wir doch alle gleich!

Vielleicht drehen sich die Zeiger der Uhr
Ab morgen anders herum
Und den man mit Tränen vom Kreuze nahm
Bringt erneut man am Kreuze um.

Und zärtliche Lippen werden noch einmal
Auf Suche nach ihrem Retter sein.
Doch ich sang, was ich sang und wenigstens darin
Ist mein Gewissen rein.

Ich bin froh, daß es kam wie es kam,
Fiel manches auch nicht so gut aus.
Bläst der Wind auch in meinem Kopf herum,
Sieht mein Tempel auch ziemlich wüst aus.

Ich hab nur versucht, meinen Garten zu bauen
Und den Anblick nicht zu zerstör´n.
Doch ich hoffe der Fischer wird mir verzeih´n
Und der Grenzkommandeur mich erhör´n!

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Garçon Nummer 2

(Übertragung: Karl Wolff)


Garçon Nr. 2, Garçon Nr. 2!
Das Laub ist vetrocknet auf unserem Baum.
Aus und vorbei. Stimmt es? Ich glaubte es kaum.
Das Leben sei Traum? Garçon Nr. 2?

Was wir tranken hier an dem Tisch, war Whisky mit Eis.
Alles vermodert, verstaubt im Museum, ich weiß.
Meine besten Freunde liegen in Vitrinen,
Mumien hinter Glas, da sind sie geblieben.
Ging Zigaretten holen. Fünf Minuten. Wo hast du gesteckt?
Eben mal durchs Quartier Latin, vom Camden Lock
wieder heim Ecke Tverskaja, Nevskij-Prospekt.
Nicht von dieser Welt war ich, als ich ging,
Bin ganz in dieser Welt, seit ich mich fing.
ich hätte verlorengehen können, doch ich ging nicht verloren.

Garçon Nr. 2, Garçon Nr. 2! Was du nicht weißt:
Mal glimmt er, mal leuchtet der Geist.
Nur das Denken stirbt, das Leben lebt weiter,
Garçon Nr. 2, und alles ist heiter,
und ist nur ein Traum.

Wie Salböl fließt Glockenklang aus dem Krug.
Wach auf, meine Seele, wach auf zum Gebet.
Hetz nicht. Es ist nicht zu spät.
Stille. Ikonen der Beatles. Keinen Weihrauch!
Mir ist es gleich, ist es dir hell genug.

Garçon Nr. 2, Garçon Nr. 2. Nichts ist dabei
bei Friedhof, Stille und Grab,
du glaubst es kaum:
Auf jedem Grab wachsen Blumen und Gras.
Nichts ist vorbei - das Leben ist Traum.
Garçon Nr. 2, und ist es Traum,
beweg dich, komm endlich auf Trab.

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