Mount Meru, Tanzania
Eine traumhafte Bergtour, 21. - 24. Juli 2007


Sunset hinter dem Mount Meru Der Mount Meru ist mit 4566m der zweithöchste Berg in Tanzania und der fünfthöchste Afrikas. Er liegt wenige Kilometer nördlich von Arusha und 45 km westlich vom Kilimanjaro (5895m).

Wie auch der Kilimanjaro ist der Mount Meru durch vulkanische Aktivitäten entlang des ostafrikanischen Grabenbruchs entstanden. Seine letzte Eruption war 1910 und ein paar Jahre davor, etwa 1880 entstand der kleine Aschekegel (Ashcone, 3667m) in seiner Mitte.

Foto rechts: 27.07.07 18:35, Sunset hinter dem Mount Meru von Sabuko, nahe Sanja Juu aus beobachtet. In der Mitte ist der Hauptgipfel "Sozialist Peak" (4566m) und rechts der "Little Meru" (3800m) zu sehen. Die Massai dieser Gegend sind sicher, dass Gott hinter dem Meru im Berg "Ol Doinyo Lengai" schlafen geht.

Der Meru steht für die meisten Berg-Interessierten im Schatten seines großen Nachbarn, dem Kilimanjaro. 1/4 Jahr lang habe ich in unterschiedlichen Internet-Foren nach Mitwanderern gesucht und geworben, aber erfolglos. Alle wollen nur auf den Kili und übersehen dabei den viel schöneren Meru. Letztendlich hatte ich aber riesiges Glück und ich bin mit drei sehr netten Menschen auf den Meru hoch: Madeleine, Agnes und Hermann aus Moshi.

Freitag 20. Juli
fahren wir mit Calistus und Tanja nach Moshi-Town und um 17:00 bringen sie mich zum "Rose Home", dem Basecamp von Afromaxx. Dies liegt zwischen dem YMCA- und dem Arusha-Circle (Basecamp 865m, S3.3445°/E37.3385°). Dort gibt mir Saidi ein Zimmer und bereitet uns ein Abendessen. Wir sitzen im Garten, es ist ca. 22°C warm und später kommt Madeleine. Kurz vor Sonnenuntergang um 18 Uhr brechen Calistus und Tanja wieder in Richtung Sabuko auf. Und ich bespreche mit Madeleine die Tour.
Abends packe ich meine Sachen; die Dinge für den morgigen Tag in meinen Rucksack, die anderen Sachen verstaue ich regensicher in blaue Müllbeutel verpackt in meinem 30 Jahre alten Seesack. 22:30 Uhr gehe ich schlafen.

unser Daladala Samstag 21. Juli
6:30 Uhr stehe ich auf und frühstücke um 07:30 auf der Terrasse vom "Rose Home". 08:15 kommt Madeleine und bald trifft die Afromaxx-Crew ein. Gegen 9 Uhr besteigen wir den weißen Toyota-Daladala mit der Aufschrift "Thanks Jesus" und wir fahren erst ins nördliche Moshi ins Wohnviertel des Krankenhauses und holen Agnes und Hermann ab.

Dann geht es nach Westen. Nach 60 km, einige Kilometer vor Arusha biegen wir nach rechts von der Hauptstraße ab in Richtung Arusha-Nationalpark. Nach wenigen Kilometern hört die Tarmac-Road auf und ab jetzt fahren wir auf ungeteerter üblicher Buckelpiste. 10:30 erreichen wir das Ngongare Gate (S3.3125°/E36.8827°), den Eingang des 137 km² großen Parks. Am Office, wo wir uns für die Tour registrieren lassen müssen, braucht man schon eine Engelsgeduld. Alles passiert hier außerordentlich langsam, aber letztendlich haben wir es geschafft und wir fahren weiter durch den Nationalpark. Am Gate steigt Ranger Maneno in unseren Daladala dazu. Er wird vom Park gestellt und ist verantwortlich für unseren Schutz, insbesondere vor den Büffeln, die es auf dem Meru bis in große Höhen gibt. Die Mannschaft ist jetzt komplett: Guide Jackson, Assistant-Guide Albert, Koch, 4 Porter und der Ranger. Giraffe im Arusha-Park

Auf halber Strecke, wir fahren auf dem mit tiefen Löchern übersäten Weg gerade eine deutliche Steigung hoch, geht die Heckklappe unseres Daladalas auf und unser Gepäck fällt raus. Es wird angehalten, das Gepäck eingesammelt und wieder eingeladen und ab jetzt fährt einer unserer Porter außen auf der Stoßstange stehend mit und hält die Klappe zu. Auf dem Weg kommen wir vorbei an Giraffen, Zebras und Warzenschweinen.
am Momella Gate

 
11:45 kommen wir am Momella Gate an (1600m, S3.2336°/E36.8498°). Wir laden das Gepäck aus und um 12:15 brechen wir in Richtung Westen auf. Wir vier werden begleitet von Guide Jackson und Ranger Maneno, der mit seinem Gewehr meistens voran geht.
Büffel im Arusha-Park

Vorbei an einer kleinen Büffelherde laufen wir bergan durch Wiesen. Wenn man zurück in Richtung Osten blickt, sieht man in ca. 8 km Entfernung die Momella Seen und davor die Hatari Lodge (1962 Film Hatari!, John Wayne, Hardy Krüger).
Büffelschädel im Arusha-Park

Wenig später laufen wir durch niedriges Buschwerk und ab etwa 2000m Höhe beginnt der tropische Berglorbeer-Wald. Wir beobachten Paviane. Je höher wir kommen, desto mehr sind die Bäume überzögen von dickem Moos und es hängen lange Flechten herab.
Meru-Tour  Bäume mit Flechten am Meru
Regenwald am MeruFackel-Lilie am MeruHeuschrecke am Meru

Nach gut 11km Wegstrecke erreichen wir um 15:45 Uhr die Miriakamba Hut (2500m,  S3.2295°/E36.7997°). Da gibt es 4-Bett-Zimmer mit Stockbetten und guten Matrazen. Die sanitären Einrichtungen sind erstaunlich akzeptabel und es gibt sogar elektrisches Licht von Solarstrom.
Nach unserer Ankunft macht uns unser Koch warmes Wasser zum Waschen und bereitet uns einen Snack mit Kaffee und Tee und abends gibt es ein reichhaltiges und gutes Abendessen. - Man gönnt sich ja sonst nichts;-)
Miriakamba Hut, 2500m  Stockbetten in der Miriakamba Hut, Madeleine, Agnes und Axel

Sonntag 22. Juli
Nach einem ausgiebigen Frühstück brechen wir um 9 Uhr zu unserer zweiten Etappe auf. Kurz nach der Miriakamba Hut, beginnen die unzähligen leicht befestigten Stufen. Wir laufen durch märchenhaften Regenwald mit bemoosten Bäumen und tief hängenden Flechten.
Wanderung durch märchenhaften Wald am Meru  Ranger Maneno auf dem Treppenweg
bizarrer Regenwald am Meru Manchmal ragen die Bäume horizontal über den Weg und ergeben zusammen mit dem aufsteigenden Nebel eine bizarr wirkende Atmosphäre.

Aber auch wenn der Wald noch so sehr die Blicke fesselt, sollte man gelegentlich beim Laufen den Blick auf den Boden richten, damit man angriffslustige Ameise am Meru nicht eine der vielen "Büffelspuren" übersieht.

Wie das rechte Foto zeigt, lauern jedoch auch andere Gefahren am Meru.
Rast am Mgongo Wa Tembo
 
11:20 erreichen wir in 3150m Höhe den Aussichtspunkt Mgongo Wa Tembo (Elefantenrücken, S3.2246°/E36.7856°).
Foto links zeigt Guide Jackson, Axel und Ranger Maneno am Mgongo Wa Tembo.
Flechte am Meru 
Treppen kurz vor Saddle Hut
Blume am MeruRanger Maneno
Blick auf den Little Meru
Ab 3300m Höhe lassen Wolken und Nebel nach, die Vegetation wird etwas spärlicher und die Luftfeuchtigkeit trockener. Bald sehen wir den Little Meru in greifbarer Nähe vor uns und haben nur noch strahlend blauen Himmel über uns. Und wenn man über die Wolkenschicht Richtung Osten schaut, sieht man den Kilimanjaro, wie er aus der Wolkendecke herausragt.

14:00 Uhr erreichen wir die Saddle Hut (3500m, S3,2182°/E36,7735°)
Auch hier gibt es 4-Bett-Zimmer mit Stockbetten und guten Matrazen. Saddle Huts und Little Meru

Nach dem "Einchecken" und einer kleinen Pause brechen Agnes, Jackson und ich um 15:00 Uhr nochmal auf und wandern hoch auf den Little Meru (3800m, S3.2126°/ E36.7740°).

Vom Little Meru haben wir eine riesige Aussicht auf den Kilimanjaro (siehe Fotos links) und den Mount Meru und wir sehen runter auf die Saddle Huts, die im Sattel zwischen kleinem Meru und der Erhebung Rhino Point stehen. Immer wieder ziehen Wolkenfelder über den Sattel. Um 17:00 sind wir zurück an den Hütten.
Jackson, Agnes, Axel auf dem Little Meru
Blick vom Little Meru auf Rhino Point und Mount Meru

Kilimanjaro vom Meru aus gesehen

Montag 23. Juli
Rhino Point, 3800m Warm angezogen und mit Stirnlampen bewaffnet brechen wir um 1:15 Uhr in der Nacht zu der Gipfeletappe auf. Wir, das heißt: Agnes, Madeleine, Axel mit Guide Jackson, Assistant Albert und Ranger Maneno. Der erste Abschnitt führt uns 300 Höhenmeter hoch zum Rhino Point (3800m, S3.2232°/E36.7648°). Da kommen wir 2:30 Uhr an.

Von dort geht der Weg leicht bergab in Richtung Kraterrand und an diesem laufen wir dann stetig bergan. Seit Rhino Point gibt es so gut wie gar keine Pflanzen mehr. Es ist kalt und der Wind bläst scharf. Wir tragen Handschuhe, Schal und Wollmütze.

Unser Weg führt teilweise über Lavaschotter in der man zwei Schritte nach vorne macht und meistens dann einen zurück rollt und über Staub und scharfkantige Lavafelsen. Linksseitig geht es hunderte von Metern steil herab in den Krater und rechts geht es etwa 45º bergab. Der Weg ist gekennzeichnet mit großen grünen Markierungen. Je höher wir kommen, desto atemloser werden wir.
4500m, Axel + Madeleine beobachten Sunrise über Kili

6:30 Uhr sind wir 150 Höhenmeter unterhalb des Gipfels und wir erleben am Kraterrand einen phantastischen Sonnenaufgang über dem Kilimanjaro.
4500m, Sunrise über dem Kili
Mount Meru, Sozialist Peak, 4566m


Die letzten Meter zum Gipfel geht es über Lavafelsen steil hoch. Die Luft ist merklich dünn, die Knie sind weich.

7:15 Uhr kommen wir auf dem Gipfel des Mount Meru an, dem Sozialist Peak. Wir stehen nun in 4566m Höhe auf dem Gipfel des fünfthöchsten Bergs Afrikas und erleben eine atemberaubende Aussicht. Das lässt alle Anstrengungen vergessen.

Madeleine hat heute Geburtstag und natürlich wird zur Feier dieses Tages oben auf dem Gipfel eine Kerze angesteckt. Wir tragen uns in das Gipfelbuch ein und nehmen einen Tee. Maneno und Agnes am Sozialist Peak Sozialist Peak, Südlicher Kraterrand

8:15 Uhr beginnt der Abstieg ...
Mount Meru Abstieg vom Meru: Axel, Jackson, Agnes
Abstieg vom Meru: Axel, Albert Abstieg vom Meru: Agnes, Jackson
Mount Meru, Madeleine und Jackson Abstieg vom Meru: Madeleine, Agnes, Jackson
Abstieg vom Meru (HDR-Foto) Abstieg vom Meru: Albert und Axel gehen als Letzte

  Meru-Truppe: Axel, Jackson, Madeleine, Agnes, Hermann
... und um 12:00 Uhr sind wir zurück an der Saddle Hut auf 3500m.
 Schuhe nach der Meru-Gipfeletappe
Wir stärken uns und gönnen uns ein wenig Ruhe.
Um 15:00 Uhr starten wir zum Abstieg um weitere 1000m auf die Miriakamba Hut. Der Regenwald auf dieser Strecke wirkt sagenhaft und der letzte Teil führt wieder über die unzähligen Stufen. Um ca.17:30 kommen wir an der Miriakamba Hut an.
Regenwald am Meru Regenwald am Meru

Dienstag 24. Juli
Miriakamba Hut, Hermann, Agnes, Madeleine, Axel, Jackson. Als wir aufwachen, regnet es und es ist recht ungemütlich draußen. Nach einem guten Frühstück brechen wir 8:40 Uhr auf zu unserer letzten Etappe von der Miriakamba Hut runter zum Momella Gate.
Abstieg von der Miriakamba Hut
Büffelschädel am Meru

Heute nehmen wir nicht den direkten Weg, den wir vor 3 Tagen gekommen waren, sondern wählen eine rund 4 km längere Alterative. Von der Miriakamba Hut aus gehen wir zuerst in Richtung Süden. Anfangs geht es leicht bergan. Rechts von uns liegt in 3 km Entfernung der Ash Cone und links laufen wir am Kitoto Hill vorbei.

Maio Falls

Nach rund 2 km kommen wir am Kitoto Viewpoint vorbei. Inzwischen hat es aufgehört zu regnen, aber es ist noch neblig. Jetzt hört auch der Lavaboden auf und wir laufen wieder durch Regenwald. Wir begegenen einer kleinen Büffelherde, die plötzlich vor uns auf unserem Weg im Bachlauf steht und säuft. Ranger Maneno schlägt sie durch Klatschen in die Flucht. Und wir sehen ein paar Paviane neben dem Weg.

Die lichte Wiese vor dem Maio Wasserfall (Foto links, S3.2435°/E36.7498°) lädt ein zu einer kleinen Rast; man könnte hier ewig bleiben. The Arched Fig Tree

Eindrucksvoll sind immer wieder die von Würgefeigen umwachsenen Bäume. Deren Luftwurzeln wachsen bis zum Boden und oft ist der Wirtsbaum schon abgestorben. Ein besonderes Exemplar einer Würgefeige steht auf unserem Weg: The Arched Fig Tree, über 20m hoch und am Boden ca. 7m Durchmesser (Foto rechts).

12:50 Uhr kommen wir am Momella Gate an. Nachdem dort von Guide Jackson die Formalitäten erledigt sind, werden die üblichen Trinkgelder an Jackson und seine Truppe und den Ranger verteilt. Unser Daladala wartet schon und wir verabschieden uns vom Ranger und den beiden am Gate angeheuerten Portern.
Zebras im Arusha-Park Giraffe im Arusha-Park

Auf unserer Fahrt vom Momella Gate durch den Arusha Park zum Ngongare Gate sehen wir wieder viele Giraffen, Zebras, Warzenschweine.

15:30 treffen wir in Moshi ein, bringen Agnes und Hermann nach Hause und fahren dann ins "Rose Home".

Axel im Rose Home, Moshi (Basislager Afromaxx)

 
Im "Rose Home" tausche ich mit Madeleine die gemachten Fotos aus, sitze zufrieden im Garten (Foto rechts) und warte, dass mich Tanja und Calistus wieder hier abholen. Mzuri sana.

Diese Tour auf den Mount Meru war ein phantastisches Erlebnis. Meine Erwartungen wurden mehr als übertroffen und ich freue mich, dass ich die Tour unternommen habe. Kwa herini!

Axel Bug
axel015 @ arcor,de



© September 2007 · Axel Bug  ·  22.08.2008 (#58278), Seit 1.10.07