Der Mount Meru ist mit 4566m der zweithöchste Berg in Tanzania und
der fünfthöchste Afrikas. Er liegt wenige Kilometer nördlich
von Arusha und 45 km westlich vom Kilimanjaro (5895m).
Wie auch der Kilimanjaro ist der Mount Meru durch vulkanische Aktivitäten entlang des ostafrikanischen Grabenbruchs entstanden. Seine letzte Eruption war 1910 und ein paar Jahre davor, etwa 1880 entstand der kleine Aschekegel (Ashcone, 3667m) in seiner Mitte.
Foto rechts: 27.07.07 18:35, Sunset hinter dem Mount Meru von Sabuko, nahe Sanja Juu aus beobachtet. In der Mitte ist der Hauptgipfel "Sozialist Peak" (4566m) und rechts der "Little Meru" (3800m) zu sehen. Die Massai dieser Gegend sind sicher, dass Gott hinter dem Meru im Berg "Ol Doinyo Lengai" schlafen geht.
Der Meru steht für die meisten Berg-Interessierten im Schatten seines großen Nachbarn, dem Kilimanjaro. 1/4 Jahr lang habe ich in unterschiedlichen Internet-Foren nach Mitwanderern gesucht und geworben, aber erfolglos. Alle wollen nur auf den Kili und übersehen dabei den viel schöneren Meru. Letztendlich hatte ich aber riesiges Glück und ich bin mit drei sehr netten Menschen auf den Meru hoch: Madeleine, Agnes und Hermann aus Moshi.
Freitag 20. Juli
fahren wir mit Calistus und Tanja nach Moshi-Town
und um 17:00 bringen sie mich zum "Rose Home", dem Basecamp von
Afromaxx.
Dies liegt zwischen dem YMCA- und dem Arusha-Circle (Basecamp 865m,
S3.3445°/E37.3385°).
Dort gibt mir Saidi ein
Zimmer und bereitet uns ein Abendessen. Wir sitzen im Garten,
es ist ca. 22°C warm und später kommt Madeleine.
Kurz vor Sonnenuntergang um 18 Uhr brechen Calistus und Tanja
wieder in Richtung Sabuko auf. Und ich bespreche mit Madeleine
die Tour.
Abends packe ich meine Sachen; die Dinge für den morgigen Tag
in meinen Rucksack, die anderen Sachen verstaue ich regensicher
in blaue Müllbeutel verpackt in meinem 30 Jahre alten Seesack.
22:30 Uhr gehe ich schlafen.
Samstag 21. Juli
6:30 Uhr stehe ich auf und frühstücke um 07:30 auf der
Terrasse vom "Rose Home".
08:15 kommt Madeleine und bald trifft die Afromaxx-Crew
ein. Gegen 9 Uhr besteigen wir den weißen Toyota-Daladala
mit der Aufschrift "Thanks Jesus" und wir fahren erst ins
nördliche Moshi ins Wohnviertel des Krankenhauses und holen
Agnes und Hermann ab.
Dann geht es nach Westen. Nach 60 km, einige Kilometer vor
Arusha biegen wir nach rechts von der Hauptstraße ab in Richtung
Arusha-Nationalpark. Nach wenigen Kilometern hört die Tarmac-Road auf
und ab jetzt fahren wir auf ungeteerter üblicher Buckelpiste.
10:30 erreichen wir das Ngongare Gate (S3.3125°/E36.8827°),
den Eingang des 137 km² großen Parks.
Am Office, wo wir uns für die Tour registrieren lassen müssen,
braucht man schon eine Engelsgeduld. Alles passiert hier außerordentlich
langsam, aber letztendlich haben wir es geschafft und wir fahren weiter
durch den Nationalpark. Am Gate steigt Ranger Maneno in unseren Daladala
dazu. Er wird vom Park gestellt und ist verantwortlich für unseren
Schutz, insbesondere vor den Büffeln, die es auf dem Meru bis in
große Höhen gibt.
Die Mannschaft ist jetzt komplett: Guide Jackson, Assistant-Guide Albert,
Koch, 4 Porter und der Ranger.
Auf halber Strecke, wir fahren auf dem mit tiefen Löchern übersäten
Weg gerade eine deutliche Steigung hoch, geht die Heckklappe
unseres Daladalas auf und unser Gepäck fällt raus. Es wird angehalten,
das Gepäck eingesammelt und wieder eingeladen und ab jetzt fährt einer
unserer Porter außen auf der Stoßstange stehend mit und hält
die Klappe zu.
Auf dem Weg kommen wir vorbei an Giraffen, Zebras und Warzenschweinen.
11:45 kommen wir am Momella Gate an
(1600m, S3.2336°/E36.8498°).
Wir laden das Gepäck aus und um 12:15 brechen wir in Richtung Westen
auf. Wir vier werden begleitet von Guide Jackson und Ranger Maneno,
der mit seinem Gewehr meistens voran geht.
Vorbei an einer kleinen Büffelherde laufen wir bergan durch Wiesen.
Wenn man zurück in Richtung Osten blickt, sieht man in ca. 8 km
Entfernung die Momella Seen und davor die Hatari Lodge (1962 Film Hatari!,
John Wayne, Hardy Krüger).
Wenig später laufen wir durch niedriges Buschwerk und ab etwa 2000m
Höhe beginnt der tropische Berglorbeer-Wald. Wir beobachten Paviane.
Je höher wir kommen, desto mehr sind die Bäume überzögen von
dickem Moos und es hängen lange Flechten herab.


Nach gut 11km Wegstrecke erreichen wir um 15:45 Uhr die Miriakamba Hut
(2500m, S3.2295°/E36.7997°).
Da gibt es 4-Bett-Zimmer mit Stockbetten und guten Matrazen.
Die sanitären Einrichtungen sind erstaunlich akzeptabel und es gibt
sogar elektrisches Licht von Solarstrom.
Nach unserer Ankunft macht uns unser Koch warmes Wasser zum Waschen und bereitet
uns einen Snack mit Kaffee und Tee und abends gibt es ein reichhaltiges
und gutes Abendessen. - Man gönnt sich ja sonst nichts;-)
Sonntag 22. Juli
Nach einem ausgiebigen Frühstück brechen wir um 9 Uhr zu unserer
zweiten Etappe auf. Kurz nach der Miriakamba Hut, beginnen die
unzähligen leicht befestigten Stufen. Wir laufen durch märchenhaften
Regenwald mit bemoosten Bäumen und tief hängenden Flechten.
Manchmal ragen die Bäume horizontal über den Weg und ergeben
zusammen mit dem aufsteigenden Nebel eine bizarr wirkende Atmosphäre.
Aber auch wenn der Wald noch so sehr die Blicke fesselt, sollte man
gelegentlich beim Laufen den Blick auf den Boden richten, damit man
nicht eine der vielen "Büffelspuren" übersieht.
Wie das rechte Foto zeigt, lauern jedoch auch andere Gefahren am Meru.
11:20 erreichen wir in 3150m Höhe den Aussichtspunkt
Mgongo Wa Tembo (Elefantenrücken, S3.2246°/E36.7856°).
Foto links zeigt Guide Jackson, Axel und Ranger Maneno am
Mgongo Wa Tembo.

Ab 3300m Höhe lassen Wolken und Nebel nach, die Vegetation wird etwas
spärlicher und die Luftfeuchtigkeit trockener. Bald sehen wir den Little Meru
in greifbarer Nähe vor uns und haben nur noch strahlend blauen Himmel über
uns. Und wenn man über die Wolkenschicht Richtung Osten schaut, sieht
man den Kilimanjaro, wie er aus der Wolkendecke herausragt.
14:00 Uhr erreichen wir die Saddle Hut (3500m,
S3,2182°/E36,7735°)
Auch hier gibt es 4-Bett-Zimmer mit Stockbetten und guten Matrazen.
Nach dem "Einchecken" und einer kleinen Pause brechen Agnes, Jackson und ich um 15:00 Uhr nochmal auf und wandern hoch auf den Little Meru (3800m, S3.2126°/ E36.7740°).
Vom Little Meru haben wir eine riesige Aussicht
auf den Kilimanjaro (siehe Fotos links) und den Mount Meru und wir
sehen runter auf die Saddle Huts, die im Sattel zwischen kleinem Meru
und der Erhebung Rhino Point stehen.
Immer wieder ziehen Wolkenfelder über den Sattel.
Um 17:00 sind wir zurück an den Hütten.


Montag 23. Juli
Warm angezogen und mit Stirnlampen bewaffnet brechen wir um 1:15 Uhr
in der Nacht zu der Gipfeletappe auf. Wir, das heißt: Agnes, Madeleine,
Axel mit Guide Jackson, Assistant Albert und Ranger Maneno.
Der erste Abschnitt führt uns 300 Höhenmeter hoch zum
Rhino Point (3800m,
S3.2232°/E36.7648°).
Da kommen wir 2:30 Uhr an.
Von dort geht der Weg leicht bergab in Richtung Kraterrand und an diesem laufen wir dann stetig bergan. Seit Rhino Point gibt es so gut wie gar keine Pflanzen mehr. Es ist kalt und der Wind bläst scharf. Wir tragen Handschuhe, Schal und Wollmütze.
Unser Weg führt teilweise
über Lavaschotter in der man zwei Schritte nach vorne macht
und meistens dann einen zurück rollt und über Staub und
scharfkantige Lavafelsen.
Linksseitig geht es hunderte von Metern steil herab in den Krater
und rechts geht es etwa 45º bergab. Der Weg ist gekennzeichnet
mit großen grünen Markierungen. Je höher wir kommen, desto atemloser
werden wir.
6:30 Uhr sind wir 150 Höhenmeter unterhalb des Gipfels und wir
erleben am Kraterrand einen phantastischen Sonnenaufgang über dem
Kilimanjaro.
Die letzten Meter zum Gipfel geht es über Lavafelsen steil hoch.
Die Luft ist merklich dünn, die Knie sind weich.
7:15 Uhr kommen wir auf dem Gipfel des Mount Meru an, dem Sozialist Peak. Wir stehen nun in 4566m Höhe auf dem Gipfel des fünfthöchsten Bergs Afrikas und erleben eine atemberaubende Aussicht. Das lässt alle Anstrengungen vergessen.
Madeleine hat heute Geburtstag und natürlich wird zur Feier dieses
Tages oben auf dem Gipfel eine Kerze angesteckt.
Wir tragen uns in das Gipfelbuch ein und nehmen einen Tee.
8:15 Uhr beginnt der Abstieg ...


... und um 12:00 Uhr sind wir zurück an der Saddle Hut auf 3500m.
Wir stärken uns und gönnen uns ein wenig Ruhe.
Um 15:00 Uhr starten wir zum Abstieg um weitere 1000m
auf die Miriakamba Hut. Der Regenwald auf dieser Strecke
wirkt sagenhaft und der letzte Teil führt wieder über
die unzähligen Stufen. Um ca.17:30 kommen wir an der Miriakamba Hut an.
Dienstag 24. Juli
Als wir aufwachen, regnet es und es ist recht ungemütlich draußen.
Nach einem guten Frühstück brechen wir 8:40 Uhr auf zu unserer
letzten Etappe von der Miriakamba Hut runter zum Momella Gate.


Heute nehmen wir nicht den direkten Weg, den wir vor 3 Tagen gekommen waren, sondern wählen eine rund 4 km längere Alterative. Von der Miriakamba Hut aus gehen wir zuerst in Richtung Süden. Anfangs geht es leicht bergan. Rechts von uns liegt in 3 km Entfernung der Ash Cone und links laufen wir am Kitoto Hill vorbei.
Nach rund 2 km kommen wir am Kitoto Viewpoint vorbei.
Inzwischen hat es aufgehört zu regnen, aber es ist noch
neblig. Jetzt hört auch der Lavaboden auf und wir laufen wieder
durch Regenwald. Wir begegenen einer kleinen Büffelherde,
die plötzlich vor uns auf unserem Weg im Bachlauf steht und säuft.
Ranger Maneno schlägt sie durch Klatschen in die Flucht.
Und wir sehen ein paar Paviane neben dem Weg.
Die lichte Wiese vor dem Maio Wasserfall (Foto links,
S3.2435°/E36.7498°) lädt ein zu einer kleinen Rast;
man könnte hier ewig bleiben.
Eindrucksvoll sind immer wieder die von Würgefeigen umwachsenen Bäume. Deren Luftwurzeln wachsen bis zum Boden und oft ist der Wirtsbaum schon abgestorben. Ein besonderes Exemplar einer Würgefeige steht auf unserem Weg: The Arched Fig Tree, über 20m hoch und am Boden ca. 7m Durchmesser (Foto rechts).
12:50 Uhr kommen wir am Momella Gate an.
Nachdem dort von Guide Jackson die Formalitäten erledigt sind,
werden die üblichen Trinkgelder an Jackson und seine Truppe und
den Ranger verteilt. Unser Daladala wartet schon und wir verabschieden
uns vom Ranger und den beiden am Gate angeheuerten Portern.
Auf unserer Fahrt vom Momella Gate durch den Arusha Park zum
Ngongare Gate sehen wir wieder viele Giraffen, Zebras,
Warzenschweine.
15:30 treffen wir in Moshi ein, bringen Agnes und Hermann nach Hause und fahren dann ins "Rose Home".

Im "Rose Home" tausche ich mit Madeleine die gemachten
Fotos aus, sitze zufrieden im Garten (Foto rechts)
und warte, dass mich Tanja und Calistus wieder hier abholen.
Mzuri sana.
Diese Tour auf den Mount Meru war ein phantastisches Erlebnis. Meine Erwartungen wurden mehr als übertroffen und ich freue mich, dass ich die Tour unternommen habe. Kwa herini!
Axel Bug
axel015 @ arcor,de