Presseschau ab 2012

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Ahnenforschung bei Aphoristikern

WAZ, Hattingen, 18.04.2013

Hattingen. Bei einem Regionaltag will das Deutsche Aphorismus-Archiv westfälische Sprachschätze heben. Und hat im Vorfeld Überraschendes herausgefunden

„Kurz – prägnant – westfälisch: Aphorismen und Aphoristiker aus Westfalen“ lautet der Titel einer Veranstaltung, die am Samstag, 20. April, von 10 bis 22 Uhr im Stadtmuseum in Blankenstein stattfindet. Und ausdrücklich nicht nur für Literatur-Experten, sondern jeden Interessierten offen ist.

Zwei Gründe gibt es für diesen Abstecher ins Westfälische. Einerseits haben sich am Internationalen Aphorismus-Wettbewerb 2012 mehr als 40 Autorinnen und Autoren aus Westfalen beteiligt. Andererseits ist der Landschaftsverband Westfalen-Lippe gerade dabei, das nicht nur gefühlte Übergewicht des Rheinlands bei der NRW-Kultur ein wenig aufzuweichen und Westfalen in den Blick zu rücken.

Stadtarchiv statt Mülltonne

Das Festival „Literaturland Westfalen“ ist Teil eines dazu aufgelegten Programms. Und die Hattinger Aphoristiker um Jürgen Wilbert, den Vorsitzenden des Förderkreises im Deutschen Aphorismus-Archiv, fühlten sich angesprochen.

Erstaunlich, was die Freunde der kurzen Gattungen bereits im Vorfeld der Veranstaltung zu Tage förderten. Den Nachlass von Theodor Kleff zum Beispiel. Geboren am 1. September 1917 in Bochum, hat der Verlagskaufmann, Korrektor, Lektor, Redakteur und Filmjournalist sein künstlerisches Schaffen ausgesprochen breit aufgestellt. Kleff, der am 30. Mai 1990 in Hattingen starb, hatte engen Kontakt zu Heinrich Böll und war 1949 Mitbegründer des „Rings junger Autoren Westdeutschlands“. Er schrieb Kinderbücher, verfasste Hörspiele, lieferte Übersetzungen – und setzte eben jene Gedankenflüge in die Welt, die das Deutsche Aphorismus-Archiv in Hattingen mit immer neuem literarischen Leben speisen.

„Liebe: Wenn zwei glauben, eins plus eins sei eins“, hat Kleff aufgeschrieben oder auch „Der Kuss - oft nur ein Lippen-Bekenntnis, bei dem der Lippenstift-Abdruck echter ist als der Druck der Lippen.“ Auch „Äußerer Reichtum geht fast immer auf Kosten innerer Werte“ und „Fortuna ist die launischste aller Göttinnen. Wer vor ihr katzbuckelt oder ihr gar nachstellt, den übersieht sie erst recht“ stammen aus seiner Feder. Einer aufmerksamen Hattingerin ist es zu verdanken, dass der Nachlass Theodor Kleffs nicht in der Mülltonne landete, sondern den Weg ins Hattinger Stadtarchiv fand.

Und so hat auch Theodor Kleff seinen Platz auf der Bühne des westfälischen Aphorismus’. Wie Johann Georg Hamann oder Hugo Ernst Käufer, wie Anselm Vogt oder Liselotte Rauner („Was gibt mir der Staat. Er gibt mir zu denken“). Literarische Kinder und Enkel jener Aphoristiker sind es, die sich jetzt am Samstag in Hattingen treffen sollen. Zum Westfälischen Tag gehören Rück- und Ausblicke, Workshops und Lesungen, Kabarett und Musik.

Ulrich Laibacher

Hattinger Werte

FAZ, Juli 2012

Wettbewerb zum Aphorismus Der Aphorismus gilt, so klagt das Deutsche Aphorismus-Archiv in Hattingen, als unterschätzte literarische Gattung. Doch zum dritten Wettbewerb, den er nach 2008 und 2010 veranstaltet und diesmal unter das Thema "Vom Stellenwert der Werte" gestellt hat, erhielt der dem Stadtmuseum assoziierte Förderverein 548 Einsendungen. Der erste Preis ging an Ludwig Fienhold (Frankfurt a. M.), der zweite an Rudolf Kamp (Mosbach) und der dritte an Jürgen K. Hultenreich (Berlin). Insgesamt wurden zehn Teilnehmer, die bis zu 5 Aphorismen einreichen konnten, ausgezeichnet. Das Thema "Wertsetzung - Werschätzung" steht auch über dem fünften Aphoristikertreffen, das vom 1. bis 3. November in Hattingen ausgerichtet wird."

Drei Fragen an... Dr. Jürgen Wilbert (DAphA), Hattingen

Hattingen: Stadtmuseum Hattingen

1. Herr Dr. Wilbert, welches ist Ihr Lieblings-Aphorismus aus dem diesjährigen Aphorismus-Wettbewerb?
Es waren so viele gute Aphorismen beim Wettbewerb dabei, dass es mir sehr schwer fällt, mich nur für einen zu entscheiden. Daher nenne ich diese drei: „Atheisten im Ausnahmezustand: Sie flehen zu Gott um das Ausgleichstor.“ (Rudolf Kamp, Mosbach) und „Wenn es ums Ganze geht: teilen!“ (Jörg Dahlbeck, Löhne) sowie „Wohlweislich verkrümeln sich unsere moralischen Prinzipien in lauter Gewohnheiten.“ (Heinrich von Gyldenfeldt, Hamburg).

2. „Vom Stellenwert der Werte“ hieß ja diesmal das Thema: Sind Sie denn mit dem Wert, also der Anzahl der Wettbewerbseinsendungen, zufrieden?
Die Anzahl der Einsendun­gen aus allen Teilen Deutschlands und dem Ausland – beispielsweise aus nicht-europäischen Ländern wie Brasilien und Kanada – beträgt 548. Dies ist eine Steigerung gegenüber dem Wettbewerb vor zwei Jahren von rund 200! Damit können wir als Ausrichter sehr zufrieden sein. Die meisten Beiträge kamen mit 124 aus NRW, davon 50 aus Westfalen. Aber auch qualitativ hat die Jury viele der eingesandten Aphorismen überzeugt, was in der Wettbewerbsanthologie nachzulesen ist. Sie wurde jetzt bei der Preisverleihung vorgestellt. Der Titel-Aphorismus „Prinzipienreiter satteln nicht um“ stammt von Hans-Gerrit Auel aus Schwalmstadt.

3.Was würden Sie sich im Zusammenhang mit dem DAphA von den Hattingern – Politik und Bürgern – wünschen?
Die Außenwirkung unserer Aktivitäten ist erfreulich groß, wie der Wettbewerb und die Zahl der Anmeldungen zum nächsten Aphoristikertreffen im November zeigen. Unser Förderverein hat immerhin 90 Mitglieder. Natürlich wünschen wir uns noch mehr Wahrnehmung in der Hattinger Bürgerschaft. Die Stadt unterstützt uns dankenswerterweise vor allem im Hinblick auf den weiteren Ausbau des Deutschen Aphorismus-Archivs und die Internationalen Aphoristikertreffen. Viele glauben, Aphorismen seien schwer verdauliche, hochliterarische Kost. Sie sollten sich mal davon überzeugen lassen, dass sie durchaus lebensnah, geistreich und wortwitzig sein können, wie der Wettbewerb und die prämierten Texte belegen.

Das Leitthema des fünften Internationalen Aphoristikertreffens 2012 in Hattingen vom 1. bis 3. November lautet „Wertsetzung – Wertschätzung. Der Aphorismus im Wandel der Werte“. Veranstalter sind der Förderverein ­DAphA Hattingen und der städtische Fachbereich Weiterbildung und Kultur

Wettbewerb - Vom Stellenwert der Werte

WAZ Hattingen, 19. Mai 2012

Hattingen. Die Preisträger des Aphorismus-Wettbewerbs 2012 stehen fest. Preisverleihung ist am 6. Juni im Stadtmuseum.

Nicht weniger als 548 Einsendungen mit jeweils fünf Aphorismen brachte die Ausschreibung zum Aphorismus-Wettbewerb mit dem Thema „Vom Stellenwert der Werte“. Die meisten Beiträge kamen aus Nordrhein-Westfalen (124), gefolgt von Bayern (58) und Berlin (42). Aber auch aus dem Ausland schickten Teilnehmer ihre Gedankensprünge, etwa aus Österreich und Belgien, Argentinien und Kanada.

Werte – das hat das Ergebnis gezeigt – können immer noch die Diskussion anstacheln. Vor allem ging es um Werte wie Verantwortung, Vertrauen, Ehrlichkeit, Toleranz oder Nächstenliebe, deren Fehlen häufig beklagt wurde. Auch viel Politik(er)schelte war dabei.

Viel Arbeit also für die Jury mit Petra Kamburg, Stadt Hattingen, Friedemann Spicker und Jürgen Wilbert vom Vorstand des Fördervereins Deutsches Aphorismus-Archiv Hattingen, Ehrenmitglied Prof. Gerhard Uhlenbruck und Ulrich Laibacher, Lokalchef der Hattinger Zeitung. Hier das Ergebnis:

Der erste Preis geht an Ludwig Fienhold aus Frankfurt/Main. Der Kulturredakteur weiß das Wortspiel in einer Weise fruchtbar zu machen, die anregend und vielschichtig ist, sich allerdings erst auf den zweiten Blick zu erkennen gibt. Vor allem überzeugte er die Jury durch die Art, wie er in scheinbar schlichten Aussagesätzen aphoristische Wertaspekte transportiert: „Sie stehen vor einem Scherbenhaufen und bewundern, wie fein das Porzellan ist.“

Der zweite Gewinner, Rudolf Kamp aus Mosbach, ist philosophisch versierter Erwachsenenbildner. Er versteht es, große Themen und Alltagswelt so unangestrengt wie gekonnt zu kombinieren, dass sich das Wertbewusstsein auf witzig enthüllende Weise erschließen lässt: „Atheisten im Ausnahmezustand: flehen zu Gott um das Ausgleichstor.“

Der dritte Preisträger, Jürgen K. Hultenreich, Autor aus Berlin, rechnet in zuweilen grotesker Form etwa mit den zaudernden Zeitgenossen ab und setzt auch sonst Werte aphoristisch-witzig ins Bild: „Es gibt Leute, die sich gar nicht bewegen. Wie soll man die aufhalten?“

Die ersten zehn Preisträger werden sich und ihre Aphorismen im Rahmen der Preisverleihung am Mittwoch, 6. Juni, um 19.30 Uhr im Stadtmuseum vorstellen. Zugleich wird dort die Wettbewerbsanthologie mit dem Motto-Aphorismus von Hans-Gerrit Auel „Prinzipienreiter satteln nicht um“ präsentiert. Der erste Gewinner erhält neben einem kleinen Preisgeld traditionell den „Hattinger Igel“, eine Originalzeichnung des Künstlers H.J. Uthke. Für die weiteren Preisträger gibt es Buchgutscheine. Das Musikprogramm gestalten Naima Brand und Merlin Schreiber. Der Eintritt ist frei.

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Aphorismen

Hattinger Aphorismenwettbewerb im FAZ-Kulturteil vom 22.2.2012
Im Feuilleton der FAZ vom 22. Februar 2012
Hinweis auf den Aphorismen-Wettbewerb
"Vom Stellenwert der Werte" :: vergrößern ::
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Aphorismen

Vom Stellenwert der Werte

WAZ - 08.02.2012 | 16:30 Uhr

Hattingen. Das Hattinger Aphorismus-Archiv ruft im Vorfeld des 5. Internationalen Treffens zu einem Wettbewerb auf.

Hattingen hat sich seit 2004 mit bisher vier Aphoristikertreffen und als Sitz des Deutschen Aphorismus-Archivs überregional einen Namen als „Heimstadt des Aphorismus“ gemacht, seit 2008 auch mit den Aphorismus-Wettbewerben. Nach dem Aphoristikertreffen 2010, das unter dem Motto „Gedankenübertragung“ stand und auch Wertungsfragen aufwarf, wurde beschlossen, beim nächsten Treffen das Thema „Werte“ in den Mittelpunkt zu stellen.

So wird es nun geschehen. „Wertsetzung – Wertschätzung. Der Aphorismus im Wandel der Werte“ lautet das Leitthema des 5. Internationalen Aphoristikertreffens, das 2012 traditionsgemäß Anfang November im Stadtmuseum durchgeführt wird.

Einmal mehr stellen die Veranstalter – der Förderverein Deutsches Aphorismus-Archiv und der Fachbereich Weiterbildung und Kultur der Stadt – zur thematischen Einstimmung einen Wettbewerb voran. Gebeten wird um maximal fünf Aphorismen, literarische Antworten auf die Frage nach dem „Stellenwert der Werte“. Was ist mit Ehrlichkeit, Zuverlässigkeit, Vertrauen, Rücksicht? Wie ist es um Mäßigung, Nächstenliebe, Toleranz und Verantwortung bestellt?

Teilnehmer schicken ihre Beiträge bis zum 30. März per E-Mail an: aphorismus@hattingen.de. Nach einer Juryentscheidung werden nur die Gewinner benachrichtigt und auf der Internetseite www.dapha.de ab dem 2. April veröffentlicht. Eine Publikation mit den Beiträgen der Gewinner wird den Wettbewerb wie in den vergangenen Jahren abschließend dokumentieren. Die Präsentation der Anthologie mit Lesung der Preisträger wird am 6. Juni um 19.30 Uhr im Café am Stadtmuseum erfolgen.

In der Jury sitzen: Petra Kamburg, Fachbereich Weiterbildung und Kultur der Stadt Hattingen, Dr. Friedemann Spicker, Aphorismusforscher und Leiter des Deutschen Aphorismus-Archivs Hattingen, Prof. Dr. Gerhard Uhlenbruck, emeritierter Universitätsprofessor und Aphoristiker, Dr. Jürgen Wilbert, Aphoristiker und Vorsitzender des Fördervereins Dapha Hattingen, und Ulrich Laibacher, Leiter der WAZ/WR-Lokalredaktion Hattingen.

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