Das Abenteuer der experimentellen Archäologie
Einblicke in die Entwicklung des textilen Handwerks mit Schwerpunkt Brettchenweberei
Von Sarina Maria Lesinsiki
ISBN3935912102
Fabuloso Verlag, 2004
85 Seiten s/w
Sprache: deutsch
Preis: 7,50 Euro

 
Was erwarte ich von einem Buch mit diesem Titel?
Einen in Ansätzen wissenschaftlichen Bericht über das Brettchenweben, optional mit einigen dokumentierten Experimenten rund ums Brettchenweben.
 
Was bietet dieses Buch?
Es bietet einen ungenügend recherchierten Überblick über einzelne Funde und die Geschichte des Brettchenwebens. So wurde zum Beispiel in Hochdorf kein Doubleface-Band gefunden und Peter Collingwood hat schon vor einigen Jahren bewiesen, dass der sog. Ramsesgürtel nicht brettchengewebt ist.
Färbevorgänge mit Rotkohlsaft werden als experimentelle Archäologie gewertet, für mich ist es aber einfache Haushaltschemie, zumal mir die wissenschaftliche Dokumentation fehlt.
Und wie Lesinski selbst in einer Hochmittelaltergruppe arbeitet, mag zwar der Realität entsprechen, sollte aber nicht ein Drittel des Buches umfassen.
 
Was halte ich von dem Buch?
Man hat es wahrscheinlich schon gemerkt: Gar nichts.
Wenn sie einen anderen Titel für dieses Buch gewählt hätte, dann würde ich es noch als ganz nett bezeichnen, doch scheint für die historischen Details, über die sie berichtet hat, das Hintergrundwissen zu fehlen.
Ich habe keine einzige Zeile über experimentelle Archäologie, so wie ich sie verstehe, gefunden und somit hat sie in meinen Augen das Thema komplett verfehlt, zumal die Musteranleitungen, die sie vorstellt, zwar nett, aber nicht historisch sind.
 
 
Da ich diese Kritiken nicht so stehen lassen wollte, habe ich Sylvia Crumbach das Buch in die Hand gedrück und sie gebeten, eine weitere Kritik zu schreiben. Hier ist ihre Meinung:
 
Mit großem Interesse habe ich die Veröffentlichung „Das Abenteuer der experimentellen Archäologie“ von Sarina Maria Lesinski gelesen. Entstanden ist das Buch im Kontext „Hobby lebendige Geschichte“, dem ich ebenfalls seit einigen Jahren verbunden bin.  
Leider sind dem Überblick zur Geschichte des Brettchenwebens, einem der Schwerpunktthemen, einige sachliche Schwächen anzumerken. So fallen Fehler wie die für Hochdorf angenommene Broschier- oder Doublefacetechnik besonders auf, da diese Bänder in den letzten Jahren vielfach besprochen und bearbeitet worden sind. Diese Punkte sind allerdings sicher Ansätze für eine weitere Auflage, denn die Autorin ist sehr ehrlich im Nachsatz, hier wird ausdrücklich Kritik gewünscht und auf die Wissenslücken hingewiesen.
Wirklich negativ sind mir die Wahl des Themas „Das Abenteuer der experimentellen Archäologie“ und die Ausführungen dazu aufgefallen, die einen weiteren Kernpunkt des Buches bilden. Selbst nicht im wissenschaftlichen Alltag und Museumsbetrieb verhaftet, konnte ich jedoch einige Einblicke in wissenschaftliche und achäotechnische Arbeitsweisen gewinnen. Die experimentelle Archäologie ist ein sehr neuer Zweig wissenschaftlicher Arbeitsweise mit einem schweren Stand in der Fachwelt, aber mit sehr großer Wirkung in der Öffentlichkeit. Die Diskussion wird von Fachleuten und Laien mit großer Vehemenz geführt und jede Veröffentlichung stellt sich mit Gebrauch dieses Begriffs in ein Spannungsfeld. Um das mit dieser Veröffentlichung zu tun, wäre meiner Meinung nach eine umfassendere Hintergrundinformation umgänglich gewesen.
 
Das Buch bildet eine mutige Grundlage. Ich wünsche der Autorin viele spannende Diskussionen und Literaturtips, denn in allen Zeilen ist viel Begeisterung und Interesse zu lesen und zu merken. Ich wünsche dabei viel Erfolg und biete meine Hilfe gern an.
 

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