Es gibt immer ein erstes Mal
© by Aisling (Aisling@gmx.net), 2011

 

Disclaimer: Mir gehört leider gar nichts, ansonsten würde es noch so manch eine Folge der Serie geben...
Beta: Silke, vielen lieben Dank für die Mühe.
Danke Momo für die bayrische Übersetzung.
Für: T’len
 

Stolz sah Nina auf das Eingangskörbchen ihres Schreibtisches. Es war leer. Alle fälligen Berichte geschrieben, alle Akten abgelegt und somit Zeit, um Feierabend zu machen.  

Einzig die Sammlung von leeren Tassen, Löffeln und Tellern störte das Bild des ansonsten makellos aufgeräumten Schreibtisches. 

 

Da Leo noch der bei Ruprecht in einer Besprechung war nahm Nina das Geschirr und brachte es in die Küche. 

 

Auf dem Rückweg horchte sie ganz unauffällig an der Tür des Besprechungsraumes. So wie es sich anhörte, musste Leo gerettet werden, denn Frau Ruprecht hielt gerade einen Monolog. 

Nina klopfte also an und betrat den Raum. „Ich stör ja nur ungern, aber wir haben gleich noch einen Termin, Leo.“ 

 

Er sah sie an und schüttelte den Kopf. „Das wird leider nicht klappen, mein Mädchen. Wacker hat sich krank gemeldet und jetzt haben wir niemanden, der Heiligabend Dienst schiebt.“ 

 

„Ich kann nicht!“, wehrte Nina sofort Leos Dackelblick ab. „Wie du weißt, haben Florians Eltern zum Weihnachtsessen geladen. Und Florian wird mir ewig böse sein, wenn ich jetzt eine Ausrede finde. Schließlich hatten wir beide letztes Jahr schon Heiligabend den Dienst gehabt.“ 

 

Leo seufzte. „Und deswegen bekomme ich Ärger mit Bernd, wenn ich den Job übernehme. Er hat nämlich frei. Und alle anderen möglichen Kandidaten haben entweder Urlaub gebucht, oder sind nicht erreichbar.“ 

 

„Dann wünsche ich dir noch viel Erfolg auf der Suche nach einem Opfer. Ich mach jetzt Feierabend.“ 

 

Bevor Leo mit einem Kugelschreiber nach ihr werfen konnte, hatte Nina die Tür zugemacht. Sie wusste ganz genau, warum sie kein Abteilungsleiter sein wollte. Ihr tat Leo, der bestimmt nicht freiwillig im Besprechungsraum saß, schon ein wenig leid. Aber nicht genug, um seinetwegen diesen undankbaren Job zu übernehmen. 

 

Der Computer war schnell runtergefahren und dann war sie aus der Tür. 

 

Ohne Leo hatte sie aber keine Lust, auf einen Weihnachtsmarkt zu gehen. Ein kurzes Telefonat mit Florian ergab, dass er der Aktenflut auf seinem Schreibtisch noch nicht Herr geworden war, und so entschied sie sich, etwas Neues auszuprobieren: Sie würde für ihre Männer backen.  

 

So fuhr Nina einkaufen. Zuerst stand sie etwas ratlos vor den ganzen Backzutaten. Was wollte sie überhaupt backen? Was für Zutaten brauchte sie dafür?  

Sie war doch immer nur für das Schnibbeln, aber nie für das Kochen zuständig. 

„Kemma Sie z’recht??“ 

Eine unscheinbare Verkäuferin im weißen Kittel hatte Erbarmen. 

„Ich will Plätzchen backen, weiß aber nicht wie“, gab Nina ein wenig kleinlaut zu. 

„Kenna Sie kocha??“ 

„Zählt das hartgekochte Ei zum Frühstück?“ 

Die Frau brummte. „hob a Idee. Kemmas mied.“ 

War das überhaupt Deutsch, was die Verkäuferin sprach?  

Egal, Nina folgte ihr und zwei Gänge weiter zeigte die Frau ihr ein Regal mit Fertigpackungen. Neben verschiedenen Kuchenmischungen gab es einen halben Regalmeter mit Keksmischungen.  

„Schaungs Earna um, da kennans a bacha. Eza, auf gaiz!“ 

„Danke!“ 

Der rettende Engel verschwand und Nina versuchte, sich für eine Mischung zu entscheiden.  

Bei einigen gab es komplizierte Anleitungen auf der Rückseite, andere sollten dagegen ganz einfach sein.  

 

Nach einer halben Stunde war die Entscheidung auf zwei verschiedene Mischungen gefallen, wo sie laut Anweisung nur noch Butter und Eier hinzuzugeben musste, um Vanillekipferl und Zimtsterne backen zu können. 

Kurzentschlossen kaufte sie auch noch die restlichen Zutaten und fuhr nach Hause. 

 

Bevor sie in der Küche loslegte, las sie noch einmal aufmerksam die Anleitung durch. Es sollte nichts schief gehen. Da sie einen großen Respekt vor Leos Küchenmaschine hatte, knetete sie den ersten Teig mit den Händen. 

Nur um festzustellen, dass die Masse fast nicht mehr von den Fingern zu lösen war.  

Als es ihr endlich gelungen war, las sie noch einmal die Anweisung und suchte danach nach Mehl, das sie im Vorratsschrank fand. 

Anschließend wurde es ernst und sie rollte den Teig aus, um ihn zu formen. Nebenbei probierte sie ein klitzekleines Stück. Es schmeckte prima. Nina konnte nicht widerstehen und naschte ein wenig mehr. 

 

So waren es nur noch eine kleinere Menge Zimtsterne, die sie in den Ofen schieben konnte.  

 

Gewissenhaft stellte Nina den Wecker, dann fing sie mit dem nächsten Teig an.  

Hier klappte alles wunderbar und sie war vorsichtig optimistisch, dass sie doch genießbare Plätzchen zaubern konnte.  

 

Das Klingeln des Handys lenkte sie ab. Es war Florians Klingelton.  

Schnell wusch sie ihre Finger und hetzte zur Handtasche, die auf der Couch lag. Natürlich war sie zu spät und ihr Anrufbeantworter war angesprungen. 

 

Sie rief ihren Freund sofort zurück. 

„Gassner!“ meldete sich Florian. 

„Hallo Du." 

„Ich wollte dir Bescheid sagen, dass ich genug von meinen Akten habe. Wenn du magst, können wir noch auf den Weihnachtsmarkt.“ 

Das war die pure Versuchung. „Schrecklich gerne, aber du musst mir noch etwas Zeit geben.“ 

„Warum? Habe ich dich mit meinem Anruf aus der Badewanne geholt und du stehst tropfnass, nur mit einem Handtuch bekleidet im Flur. Das ist bestimmt ein schöner Anblick. Besser, dieser Anblick macht mich ganz heiß.“ 

Nina musste grinsen. Das war ihr Flori.  

Sie setzte sich in einen Sessel. „Nicht ganz, du darfst noch einmal raten.“ 

„Hmmm, schwierig, denn dieser Anblick ist kaum zu toppen.“ 

Nina hörte, wie in der Küche der Wecker ablief. 

„Oh, verdammt!“, fluchte sie. 

„Nina, Schatz, was ist?“ 

„Ich muss jetzt aufhören, sonst verbrennen mir die Plätzchen im Ofen.“ 

„Du kochst? Darauf wäre ich nie gekommen.“ 

„Ich backe. Und danke, dass du mir so wenig zutraust.“ Nina stand auf und ging zur Kochzeile. 

„Ich weiß, warum ich beim gemeinsamen Frühstück das Rührei brate“, entgegnete Florian sehr gelassen. „Aber du weißt, dass ich keine Frau suche, die kochen kann.“ 

„Ja, und damit die Plätzchen nicht verbrennen, muss ich aufhören. Ich melde mich, wenn ich fertig bin.“ 

Damit legte sie auf, pfefferte das Handy auf die Anrichte, nahm sich die Topflappen und holte die Kekse aus dem Ofen.  

Sie sahen ein wenig dunkel aus, aber schienen nicht verbrannt zu sein.  

 

Erleichtert formte sie auch die Vanillekipferl und schob die in den Ofen. Bis sie gar waren, räumte sie die Küche auf. 

 

So schlimm wie sonst war es gar nicht. Das lag wohl daran, dass sie nicht alle Zutaten quer durch den Raum verteilt hatte. 

 

Nina war gerade dabei, die Arbeitsplatte abzuwischen, als die Haustür geöffnet wurde. 

Leo hatte endlich Feierabend. 

„Nina-Mädchen, schenkst du mir einen Wein ein, den brauch ich nach diesem beschissenen Tag. Was riecht hier so gut?“ 

Leo schnupperte und kam zielstrebig in die Küche. 

 

Strahlend deutete Nina auf das Blech, wo die Zimtsterne abkühlten. „Das habe ich gebacken.“ 

„Seit wann kannst du ...“  

Ihr böser Blick brachte ihn zum Schweigen. 

„Noch ein Wort und du bekommst nicht ein einziges Stück. Dabei sollen sie dich eigentlich trösten.“ 

„Du bist ein Schatz.“ 

Leo zog sie in eine Umarmung, löste sich aber sehr schnell von ihr, um zu probieren. 

„Hmmmm, die sind lecker!“, lobte er sie mit vollem Mund. 

„Danke.“ 

Da klingelte der Wecker und die nächste Fuhre Plätzchen war fertig. 

Als Leo noch einen Stern stibitzen wollte, klopfte sie ihm auf die Finger. 

„Nix da. Erst wenn der Zuckerguss drauf ist, kannst du schlemmen.“ Sie sah sich suchend um, wo war das Päckchen, das sie nur in Wasser auflösen musste? 

Dann fiel es ihr siedendheiß ein. Sie hatte es mit der restlichen Verpackung ins Altpapier entsorgt. „Verdammt!“  

 

Es dauerte eine Weile, bis sie in der Kiste unter der Spüle fündig wurde. Ja, da war es. Triumphierend stand sie auf, nahm eine Tasse und löste den Inhalt nach Anweisung in Wasser auf, bevor sie die klebrige Masse auf die Plätzchen goss. 

„Nina, du nimmst eine Fertigpackung?“ 

„Wäre es dir lieber gewesen, wenn ich nach einem Rezept gebacken hätte?“ 

„Nicht in unserer Küche!“ Leo nahm sich dreist einen noch warmen Vanillekipferl, 

Nina sah ihn an und schüttelte den Kopf. Er war manchmal so ein großes Kind.  

„Die sind richtig lecker geworden. Irgendwann lernst du es auch noch zu kochen.“ 

Auch wenn es kein richtiges Lob war, hatte Nina das Gefühl, zwei Zentimeter zu wachsen. Bevor sie Leo in die Seite knuffen konnte, klingelte es. 

„Erwartest du Besuch?“, wollte Leo wissen.  

„Eigentlich nicht, aber ich glaube, dass Florian neugierig geworden ist, nachdem ich mit ihm telefoniert habe.“ 

Aber es war nur Bernd. 

„Komm rein“, begrüßte Nina Leos Freund. „Dein Schatz ist auch schon da und will nach einem anstrengenden Tag getröstet werden.“ 

„Perfekt“, strahlte Bernd. „Aber was riecht hier so gut?“ 

„Das sind selbstgebackene Kekse, ich habe gebacken?“ 

„Sind die nur für Florian, oder darf ich auch probieren?“ 

Es tat ihr gut, dass wenigstens ein Mann nicht ihre Kochkünste kritisierte. Aber er hatte bisher nur etwas zu essen bekommen, wenn sie geschnibbelt hatte. 

„Du kannst gerne probieren, sind ja genug da.“ 

 

Als Nina in die Küche zurückging, musste sie feststellen, dass Leo fleißig geräubert hatte. Und statt eines Kusses bekam Bernd ein Plätzchen in den Mund geschoben. 

 

Als es jetzt erneut an der Haustür klingelte, war es Florian, der auch naschen wollte. 

 

Lächelnd ließ sie ihn herein und gab ihm die Plätzchen. Er nahm eins und gab ihr anschließend einen dicken Kuss.  

Sie bemerkte, wie er sich in der Küche umsah und große Augen machte, als er feststellte, dass sie sauber und ordentlich war. 

Danach war Nina an der Reihe, gefüttert zu werden. 

Das ließ sie sich gern gefallen. 

Besonders als Leo noch einen Wein aufmachte. 

 

Eine Diät konnte bis nach Weihnachten warten.  

 
Ende