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© by Aisling (Aisling@gmx.net), 2007
Johnny blickte sich um. Im Sonnenlicht sah der Friedhof sehr sauber und gepflegt aus. Erstaunlich, wie groß die Anlage war. Sunnydale war nur eine Kleinstadt. Egal, für das, was er vor hatte, war es umso besser.
Zwei Stunden später war er fertig. Er hatte einige außergewöhnliche Grabsteine gefunden und fotografiert. Nur noch ein wenig Arbeit am Computer und Sunnydale hatte seinen ersten Geocache. Einen Multicache, der nicht nur über den vorderen - ordentlichen - Teil, sondern auch über den älteren, recht gruseligen Teil des Friedhofs führte. Dort waren die Gräber ungepflegt und die Grüfte teilweise verfallen. Eine der besser erhaltenen hatte Johnny sich als Ziel ausgesucht. Dort konnte er eine große Dose verstecken, ohne dass ein Gärtner sie sofort finden würde. Das war schließlich die Aufgabe der anderen Cacher.
Zwei Monate später
Was war nur mit den Menschen los? Kopfschüttelnd sah Spike den beiden jungen Männern hinterher, die mitten in der Nacht über seinen Friedhof wanderten. Beiden hielten ein Gerät in der Hand, das ihnen wohl die Richtung, in der sie gehen sollten, anzeigte. Immer wieder blieben sie stehen, suchten einen Grabstein und machten sich Notizen. Neugierig folgte Spike ihnen. Nachdem er sie über insgesamt sieben Stationen verfolgt hatte, blieben die beiden erneut stehen und verglichen ihre Notizen. Dann tippten sie etwas in die Geräte ein. „Dort müssen wir hin!“ Einer der Männer deutete in Richtung des alten Teils des Friedhofs – wo auch Spikes Gruft lag. Dieser Teil der Anlage war selbst am Tag nicht sicher für Menschen. Nach Sonnenuntergang war es einer der Treffpunkte für Dämonen, Vampire und andere Wesen der Nacht. Ideal für Spike: Wenn er Dampf ablassen wollte, dann brauchte er praktisch nur vor die Tür zu gehen. Schwierig, wenn seine Freunde ihn besuchen wollten. Aber dass diese Menschen so unbedarft in ihr Unglück liefen... Kopfschüttelnd folgte Spike ihnen. Er konnte jetzt schon Buffys Vorwürfe hören, sollte den beiden etwas passieren. Anfangs war es mehr als langweilig, sie zu verfolgen, aber zuzusehen, wie sie im Schein ihrer Taschenlampen über eingesunkene Grabsteine stolperten, weil sie nicht dem Gras überwucherten Pfaden folgten, sondern auf direktem Weg ihr Ziel erreichen wollten, steigerte seine Stimmung. Doch als einer der beiden stürzte und er sich dabei so verletzte, dass er blutete, bekam Spike Hunger, obwohl er erst vor wenigen Stunden eine Konserve zu sich genommen hatte. Es war lange her, seit er das letzte Mal frisches Menschenblut gekostet hatte. Da der Mann sich selbst die Wunde zugefügt hatte, würde sein Chip nicht anspringen, wenn er von ihm probieren würde. Nur ein bisschen, bis die Blutung aufhörte. Einen winzigen kleinen Schluck. Spikes Gesicht hatte sich verwandelt, bevor er den Gedanken zu Ende geführt hatte. Leise knurrend näherte er sich den hilflosen Menschen. Seiner Beute. „Tom, begreifst du endlich, dass es eine dumme Idee war, hier cachen zu gehen. In der Beschreibung steht, dass man den Friedhof nur tagsüber betreten soll.“ „Und wo ist der Spaß dabei, Bill? Da fehlt doch der Nervenkitzel. Ich habe mir nur den Arm aufgeschrammt, es blutet schon nicht mehr. Schau, da vorne ist wieder ein Weg. Wenn wir ihn nicht verlassen, dann passiert nichts mehr. Wir sind nur noch hundert Meter vom Ziel entfernt, da gibt man nicht auf.“ Spike schnüffelte, tatsächlich, der Blutgeruch war weg. Die Chance auf einen Schluck Menschenblut war vertan. Aber so tollpatschig, wie die beiden sich anstellten, brauchte er ihnen nur zu folgen, dann bot sich sicher eine neue Gelegenheit. Den Gedanken, dass er sie beschützen sollte, schob er zur Seite. Wer sich so dumm wie die beiden anstellte, hatte es nicht besser verdient. „Guck mal, was wir hier haben! Frischfleisch!“ Aus dem Nichts heraus tauchten drei Vampire auf und umkreisten die beiden. Sie hatten sich gegen den Wind genähert, so dass Spike sie nicht hatte wittern können. Der Blutgeruch hatte sie wohl angelockt. Spike knurrte. Das war seine Beute, niemand nahm sie ihm weg, schon gar nicht drei so blutjunge Vampire. Die waren doch noch grün hinter den Ohren, wenn sie im Rudel jagen mussten. Die Vampire schubsten Tom und Bill zwischen sich hin und her. „Hey! Was soll das? Wir haben euch nichts getan!“ Tom hob seine Taschenlampe und versuchte, einen Vampir zu schlagen. Der trat einen Schritt zur Seite und wich dem Schlag aus, gleichzeitig verwandelte sich sein Gesicht in die Vampirfratze. Tom sah ihn an, erst ungläubig, dann schrie er. „Oh mein Gott, HILFE!“ Spike wusste, dass das in diesem Teil des Friedhofs keine Rettung bedeutete, im Gegenteil, Schreie lockten nur noch mehr Gestalten der Nacht an. „Halt die Klappe“, fuhr einer der Vampire Tom an. „Ich habe keine Lust, die Beute durch mehr als drei zu teilen.“ „DAS ist meine Beute.“ Knurrend trat Spike aus dem Schatten heraus. „Verschwindet oder es gibt gleich drei neue Staubhaufen.“ „Du vergisst etwas. Wir sind zu dritt.“ Selbstbewusst bauten sich die drei Vampire vor Spike auf. „Ja, und? Zu sechst hättet ihr vielleicht eine Chance – wenn ich einen schlechten Tag habe. Geht zu eurem Schöpfer und sagt ihm, dass er in Spikes Revier wildert und sich verziehen soll, wenn ihm etwas an seinem untoten Leben liegt.“ Statt seinem Rat zu folgen, gingen zwei zum Angriff über, nur um zehn Sekunden später als Staub zu enden. Als der einzige Überlebende seine Beine in die Hand nahm, ließ Spike ihn laufen. Der Sire dieser Flachpfeifen würde die Staubhäufchen rächen wollen. Der war hoffentlich ein besserer Kämpfer, damit Spike wenigstens etwas Spaß haben würde, bevor er ihn in schlechten Dünger verwandelte. „Jetzt zu euch.“ Spike dreht sich zu Tom und Bill um. Dort, wo sie noch vor einigen Augenblicken zitternd gestanden hatten, lagen eine Taschenlampe, eine Kladde und eins dieser seltsamen Geräte. Die beiden Jungs liefen um ihr Leben. Spike hätte sie einholen können. Doch was wollte er mit Beute, von der er nicht kosten konnte? Dieser Gedanke reichte, dass Spikes Gesicht sich zurück verwandelte. Er blickte sich um und sammelte die Hinterlassenschaften der beiden auf. Nicht auszudenken, wie Buffy reagieren würde, wenn sie auf ihrer Patrouille die Gegenstände finden würde.
Zu Hause – in seiner Gruft – machte Spike es sich mit einer Blutkonserve vor dem Fernseher bequem. Frisches Blut schmeckte wesentlich besser, aber er war nicht in der Position wählerisch sein zu können. Anschließend steckte er sich eine Zigarette an und blätterte neugierig durch die Kladde. Von 'Geocaching' hatte er noch nie gehört. Er würde Giles überreden, für ihn zu recherchieren.
Zwei Nächte später hob Spike seinen ersten Cache – er war in der Nachbargruft versteckt worden.
Ende
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