Grillparty
© by Aisling (Aisling@gmx.net), August 2007

 

Disclaimer: Ich wünsche es mir immer noch so sehr, aber die Rechte an den Echten Kerlen werden niemals mir gehören.
Beta: schnell und zuverlässig: Birgitt.
 

Leise fluchend erreichte Chris die Haustür. Obwohl er den Wagen direkt vor dem Haus geparkt hatte, war nicht nur sein Hemd total durchnässt.

Warum musste auch genau jetzt ein Wolkenbruch niedergehen?

„Eddie, ich bin wieder da!“

Keine Reaktion. Nicht dass Chris wirklich erwartet hatte, dass sein Freund schon um kurz nach fünf Feierabend gemacht hätte, das Auto stand auch noch nicht vor der Tür, aber es wäre schön gewesen.

Chris holte sich ein Handtuch und, während er sich trocken rubbelte, hing er seinen Gedanken nach.

Eddie hatte die Einladung zum gemütlichen Grillabend ausgesprochen. Er hatte über einige Kumpel erfahren, dass Helen in der Stadt war, und sie angerufen. Wie er es geschafft hatte, friedlich mit Helen zu reden und ihr dann auch noch eine Zusage zu einem gemeinsamen Abend zu entringen, war Chris ein Rätsel.

Vielleicht lag es daran, dass Helen - wie hatte Eddie es so schön zitiert? - ‚die Liebe ihres Lebens getroffen hatte' und deswegen vergessen hatte, dass sie einmal stinksauer gewesen war, weil ihr Freund sie wegen eines Mannes verlassen hatte. Vielleicht lag es auch daran, dass drei Jahre vergangen waren, und Eddie inzwischen wusste, dass es manchmal wichtig war, Frauen zu bezirzen. Dementsprechend rücksichtslos setzte er seinen Charme ein.

Irgendwie freute Chris sich, Helen wiederzusehen. Auch wenn sie nicht die Liebe seines Lebens gewesen war, so hatte er sie gern gehabt.

Wenn der Himmel kein Einsehen hatte, würde Chris unter dem Sonnenschirm grillen, während Mike, Helen, die Liebe ihres Lebens und Eddie vom Wohnzimmer aus zusahen und über ihn lästerten.

Lust dazu hatte Chris überhaupt nicht. Aber da waren die Steaks und die Würstchen, die er noch nicht aus dem Auto geholt hatte. Er könnte sie auch in die Gefriere werfen, aber wie er sich kannte, würde das Fleisch erst wieder das Tageslicht erblicken, nachdem der Gefrierbrand sich schon lange darüber her gemacht hatte.

Er trat zum Fenster, um zu sehen, ob es eine Chance für einen trockenen Abend gab. Eine bedrohlich dunkle Wolkenfront zog über Frankfurt. Dabei regnete es, als ob Noah mit seiner Arche lossegeln wollte.

Schwere Tropfen fielen vom Himmel und auf der Straße hatten sich große, schimmernde Pfützen gebildet.

Nicht nur Chris Auto stand in so einer Pfütze, sondern auch Eddies.

Eddies? Wo war der Kerl, wenn der Wagen da stand?

Chris checkte die Umgebung. Dabei registrierte er eine Bewegung im Auto und zählte eins und eins zusammen: Eddie wollte wohl auf eine Regenpause warten. Chris grinste. So, wie der Himmel aussah, würde das Weichei noch eine ganze Weile warten müssen. Die gerechte Strafe für den Einfall mit der Grillparty bei so unsicherem Wetter. Wenn Eddie nur zum Abendessen geladen hätte, dann hätte Chris italienische Küche gemacht. Mit Antipasti und allen leckeren Sachen, die über dem normalen Pizzadienst hinausging. Nicht nur Helen liebte dieses Essen.

Chris brachte hängte das Handtuch über der Badewanne auf und holte das Telefon.

Nach dem zweiten Klingeln ging Eddie ran.

„Hallo Süßer! Vermisst du mich schon? Ich sitze in meiner Werkstatt und sinne darüber nach, wie ich dich am besten nackt in den Regen bekomme, um dich so zu vernaschen, dass dir ganz heiß wird.“

Die raue Stimme bewirkte, dass Chris schon beim Zuhören warm wurde.

„Eddie, lass das. Ich weiß ganz genau, dass du im Auto sitzt und Angst hast, nass zu werden. Dann brauchst du nicht mit solchen Fantasien zu kommen.“

„Ich habe keine Angst, nass zu werden“, versuchte Eddie, sich zu verteidigen.

„Gut, dann kannst du bei mir aus dem Kofferraum die Kühltasche mit dem Grillfleisch mitbringen und nachher den Grill anwerfen, während ich die Salate mache. Du hast ja einen Schlüssel.“

Bevor Eddie sich rausreden konnte, hatte Chris grinsend aufgelegt. Nackt im Regen, eine schöne Idee. Kalt war es nicht. Es war eine Idee, auf die er zurück greifen würde.

Erst einmal galt es, alles für die Gäste vorzubereiten.

Da Eddie ihn erst gestern mit dem Besuch konfrontiert hatte, musste er noch aufräumen und staubsaugen. Ergeben machte er sich ans Werk.

 

***

 

Chris stellte gerade den Staubsauger in die Abstellkammer, als Eddie rein kam. Nass wie ein begossener Pudel, doch er hielt triumphierend die Kühltasche hoch.

„Schau mal, was ich unter Einsatz meines Lebens gerettet habe!“

„Fünf Steaks vom toten Rind und fünf Paprikaspieße und dazu noch Würstchen, die so was von tot sind, dass ich einfach nicht glauben kann, dass du die freiwillig isst. Ach ja, das Grünzeug für den Salat hast du auch gerettet. Eine tolle Leistung. Bleib stehen!“

Eddie war schon halb auf dem Weg in die Küche, als er stehen blieb und sich zu Chris umdrehte.

„Warum?“

„Weil du mir so die Bude volltropfst und ich gerade sauber gemacht habe. Ich hol dir ein Handtuch.“

Chris nahm Eddie die Kühltasche aus der Hand und brachte sie in die Küche. Er räumte ganz in aller Ruhe das Fleisch in den Kühlschrank und packte alles andere auf die Arbeitsplatte.

„Chriiiiiis? Wo bleibst du? Mir wird kalt und ich steh gleich in einer Pfütze.“

Eddie konnte so süß schmollen, aber das würde Chris niemals zugeben.

„Strafe muss sein! Schließlich hast du fast eine halbe Stunde im Auto gesessen und mich arbeiten lassen.“

„Aber nur weil ich weiß, dass ich immer im Weg bin. Bitte, bring mir ein Handtuch oder lass mich selber gehen.“

„Unter einer Bedingung.“

„Und die wäre?“

„Du grillst.“

„Das ist was für richtige harte Männer, nichts für mich. Du beschwerst dich, dass das Steak zu durch ist.“

Chris schlenderte zurück in den Flur und lehnte sich gegen die Wand. Mit feuchten Haaren und nassen, eng anliegendem Hemd sah Eddie zum Anbeißen aus. Wenn da nicht der Besuch wäre...

„Das wäre es mir heute wert. So wie es aussieht, hört es die nächsten Stunden nicht auf zu regnen. Und einsam unter einen Sonnenschirm zu grillen, ist nichts für mich. Aber wenn du mir ein gutes Angebot machst, lasse ich mich erweichen.“

„Ich übernehme für zwei Wochen den Spüldienst.“

„Wir haben eine Spülmaschine. Vergiss es.“

„Du bekommst Samstag und Sonntag ein Verwöhnfrühstück im Bett. Mit warmen Brötchen, frisch gepresstem Orangensaft, Rührei mit Speck und viel Sex.“

„Und anschließend räume ich das Schachtfeld in der Küche auf. Nicht zu vergessen die Flecken in der Bettwäsche. Ich seh mich schon, wie ich anschließend das Bett neu beziehe.“

„Ich mache alles weg. Ehrenwort.“ Dabei sah Eddie Chris so treuherzig an, dass er fast schwach geworden wäre.

„Du warst noch nicht mal ein Pfadfinder und wenn du glaubst, dass die Küche sauber ist, putze ich noch zwei Stunden.“

„Dann mach du einen Vorschlag.“

Chris ging zu Eddie. Er strubbelte durch die feuchten Haare, dass die Wassertropfen flogen, dann berührte er mit den Fingerspitzen Eddies Nacken, kratzte mit den Nägeln über die Wirbelsäule und glitt mit seinen Händen tiefer. Jeder einzelne Muskel zeichnete sich unter dem nassen Hemd ab. Chris fuhr diese Linien sanft nach, er kannte jede einzelne, hatte sie schon oft genug erkundet. Erobert. Am liebsten hätte er Eddie gegen die Wand gepresst und seinen Körper in Besitz genommen. Doch da war noch der Besuch.

Als er Eddies verlangendes Stöhnen hörte, ließ er von ihm ab.

„Mein Auto muss dringend gründlich von innen und außen gereinigt werden. Und du wirst die Felgen mit der Zahnbürste putzen.“

„Chris, du bist grausam zu mir.“

„Und ich bin es gerne.“

Fröhlich pfeifend ging Chris ins Bad und holte das Handtuch. Als Eddie sein Hemd auszog und sich mit provozierend langsamen, erotischen Bewegungen abtrocknete, floh er in die Küche.

 

Chris lenkte sich von den verführerischen Bildern ab, indem er sich ein scharfes Messer nahm und den Salat vorbereitete. Er musste sich konzentrieren, wollte er sich nicht schneiden.

Doch als Eddie barfuss in die Küche kam, mit seinen Händen Chris' Hüften packten, ihn rau an sich zog und in den Nacken biss, wusste Chris, dass Eddie nicht eher ruhen würde, bis er vom Autoputzen befreit war.

„Eddie!“ Der gemeine Kerl setzte ganz gezielt seine Zunge ein und ließ Chris' Knie weich werden.

„Ja?“

„Aus! Helen kommt gleich. Willst du ihrem Freund sofort dem Schwulentest unterziehen, indem er sieht, dass wir gerade Sex hatten?“

„Das wäre doch mal was anderes. Ich hab schon lange niemanden mehr schockiert.“

Er knabberte an Chris' Ohrläppchen. Jetzt zu stöhnen würde eine Niederlage bedeuten.

Am schnellsten gab Eddie auf, wenn man ihn ignorierte.

Chris konzentrierte sich darauf, die Gurke zu schälen.

Zuerst fuhr Eddie fort. Setzte gezielt seine Hände ein, die verlangend über Chris' Pobacken fuhren. Dann zupften talentierte Finger das Hemd aus Chris' Hose.

Als Chris jedoch anfing, die Gurke in feine Scheiben zu hacken, und dabei vor sich hin summte, gab er sich geschlagen.

„Ist das, was du da machst, eine Drohung?“

„Nein, sollte es?“

„Schon gut.“

„Wo du gerade nicht beschäftigt bist: Könntest du bitte den Tisch decken?“

„Nur wenn ich einen Kuss bekomme.“

Chris legte das Messer zur Seite, drehte sich um und sah zu seinem Freund hoch. Der lächelte in einer Art und Weise, dass Chris verloren war.

Der Kuss war leidenschaftlich, alles verschlingend, doch nach einem kurzen Augenblick löste sich Eddie von ihm.

„Tisch decken oder Bett?“

„Be- Tisch decken natürlich.“

 

***

 

Der Abend war trotz allem richtig schön geworden. Es hatte zwar die ganze Zeit geregnet, aber Helens große Liebe, Martin, entpuppte sich als Grillexperte und -liebhaber und löste Chris schon nach kurzer Zeit ab.

Als Chris ins Wohnzimmer kam, grinsten sich Mike und Eddie verschwörerisch an und Helen schüttelte den Kopf. Chris stellte keine Fragen, er wusste auch so, dass Martin den Schwulentest bestanden hatte, jetzt aber einige Zeit für sich brauchte.

Es war wie in alten Zeiten, als Eddie noch mit Mike und Chris mit Helen zusammen gewesen war.

Als es nichts mehr zum Grillen gab, traute Martin sich wieder rein und er entpuppte sich als witzig und humorvoll.

Doch gegen elf drängte er zum Aufbruch und Helen gab ihm lächelnd nach. Mike schloss sich ihnen an.

 

***

 

Nachdem Chris die Tür hinter ihnen geschlossen hatte, machte er sich ans Aufräumen. Er holte das Geschirr in die Küche, ließ Wasser in das Becken, gab Spülmittel hinzu, nahm die Bürste und wollte die Teller vorspülen, als Eddie ihn von hinten umarmte und einen Kuss in seinen Nacken hauchte.

„Geh du nach draußen und mach dein Heiligtum sauber. Ich kümmere mich um den Kram hier.“

„Sicher?“

Dass Eddie sich freiwillig um den Haushalt kümmerte, war etwas sehr Seltenes, aber solange er Chris' VW so aufmotzte, dass selbst die Jungs auf der Wache neidisch wurden, war Chris mit der Rollenverteilung zufrieden.

„Frag nicht, sondern geh, bevor ich meine soziale Ader bereue.“

Ein weiterer feuchter Kuss landete in Chris' Nacken.

„Dafür musst du mich auch loslassen.“

„Muss ich das wirklich?“

„Du kannst auch mitkommen.“

Da es immer noch regnete, wunderte sich Chris nicht, wie schnell er aus der Umarmung entlassen wurde. Er drehte sich um und sah Eddie grinsend an.

„Weichei! Hast Angst, nass zu werden?“

„Einmal heute reicht mir voll und ganz.“

Chris holte aus dem Spülbecken ein wenig Schaum und verteilte es auf Eddies Nasenspitze.

„So, jetzt bist du wieder nass.“

Eddies Blick war Gold wert. Dafür nahm Chris es sogar auf sich, von ihm mit Schaum eingeseift zu werden.

Bevor es aber in einer Schlacht endete, hob Chris - sich ergebend - die Hände. Eddie nutzte die Gunst des Augenblicks und drängte ihn gegen den Kühlschrank und hielt Chris' Hände über den Kopf fest.

„Hmmmm, was mach ich jetzt mit dir?“ Eddie beugte sich vor und plazierte einen Kuss auf Chris' Hals und setzte dabei rücksichtslos Zunge und Zähne ein. „Das Grillfleisch war lecker, aber irgendwie fehlt mir noch der Nachtisch.“

„Den bekommst du, nachdem die Bude wieder ordentlich ist.“

„Ehrenwort?“

„Ehrenwort – im Gegensatz zu dir war ich bei den Pfadfindern.“

„Reib es mir nur immer unter die Nase. Irgendwann werde ich mich bitterlich rächen.“

Der nächste Kuss landete auf Chris' Ohr. Feucht, schlabberig und definitiv nicht erotisch.

„Bäh, das ist nass. Hör auf, Eddie. Oder du bekommst die nächsten drei Tage keinen Sex.“

„Als ob du mir widerstehen könntest.“

Eddie lehnte sich vor, rieb sich an Chris, knabberte am Ohrläppchen und gab nicht eher Ruhe, bis er fühlte, dass seine Arbeit Früchte trug.

„Siehst du, komm, lass uns ins Bett gehen.“

„Nix da. Du wolltest die Spülmaschine füllen und ich mache den Grill sauber. Wenn das Fett eingetrocknet ist, schrubb ich mehrere Stunden, jetzt geht es richtig schnell.“

Eddie war ihm zwar körperlich überlegen, aber aus dem Dienst kannte Chris genug Tricks, um sich zu befreien. Da sein Freund es auch nicht ernsthaft darauf angelegt hatte, ihn festzuhalten, reichten zwei schnelle Bewegungen und er war frei.

Schnell brachte Chris sich aus der Reichweite von Eddies Arme. Martin hatte den Sonnenschirm zugeklappt und in die Ecke gestellt. Bis das sperrige Teil wieder aufgemacht hatte, würde Chris nass bis auf die Unterwäsche sein. Deswegen ließ er es und so prasselten die Tropfen auf Chris nieder, als er sich dranmachte, den Grill zu reinigen.

Er hatte einmal gedacht, dass es eine gute Idee wäre, auf der Terrasse einen Grill fest zu installieren – heute war er anderer Meinung. Die Asche war eine klebrige graue Masse, die er mit viel Mühe in den Mülleimer kippen konnte. Der fest angebrachte Rost war voller Fett, aber dank einer Drahtbürste, viel Spülmittel und hartem Körpereinsatz glänzte bald alles wieder.

Chris war nass bis auf die Haut. Vom Regen und Schweiß. Zufrieden wischte er sich die Stirn ab. Eine heiße Dusche und mit Eddie ins Bett, dann würde es ihm wieder gut gehen.

Er richtete sich auf und wollte sich umdrehen, als kräftige Männerhände ihm umfassten.

„Im Regen habe ich dich jetzt und nackt bist du gleich auch.“

Eddie hatte sich wirklich rausgetraut.

Genüsslich lehnte Chris sich an seinen Freund – und merkte, dass der mindestens sein Hemd ausgezogen hatte. Er fühlte die Finger, die sich an den Knöpfen seines Hemds zu schaffen machten.

„Willst du unseren Nachbarn wirklich eine Show bieten?“

Das Wohnzimmerlicht war noch an und Chris wusste, dass die Oma im zweiten Stock gegenüber nur auf einen Grund wartete, etwas gegen sie zu unternehmen.

„Du bist unromantisch.“

„Ich habe keine Lust, gleich von den Kollegen von der Sitte rausgeklingelt zu werden.“

Ein tiefer Seufzer war die Antwort. Dann löste Eddie die Umarmung und ging ins Wohnzimmer.

Irgendwie war Chris enttäuscht. Er hatte von seinem Freund mehr erwartet. Eddie war doch sonst nicht der Typ, der sich von anderen in sein Liebesleben reinreden ließ.

Doch dann ging das Licht im Wohnzimmer aus. Grinsend räumte Chris einige Stühle zur Seite, dass er sich mit dem Rücken an die Wand lehnen konnte, dann war Eddie auch schon wieder zurück.

„Du hast die Zeit gut genutzt.“

„Ich bin schnell und effektiv.“

„Das hat dir aber nur auf der Arbeit eine Beförderung eingebracht, zu Hause taugt es nichts.“

„Du meinst, dass ich mir ab sofort Zeit lassen soll?“

„So ungefähr, aber nicht zuviel, sonst holen wir uns noch eine Erkältung.“

Bevor Chris antworten konnte, beugte Eddie sich vor, stützte sich mit seinen Händen an der Mauer ab und küsste Chris. Seine Zunge drang spielerisch in seinen Mund ein, erforschte und erkundete längst erobertes Gebiet.

Ihre Zungen berührten sich. Und Chris begann ein halbherziges Gefecht um die Vorherrschaft, das er verlor, als Eddie den Kuss abrupt beendete.

Chris wollte protestieren, als Eddies Lippen weiterwanderten, über sein Kinn den Hals hinab. Leichte, spielerische Küsse und um anzudeuten, zu was er fähig war, hier und dort ein Biss, manchmal so flüchtig, dass Chris die Zähne kaum spürte, dann fester, dass er befürchtete, am nächsten Tag einen Rollkragenpullover tragen zu müssen.

„Nicht, keine Flecken“, protestierte er.

„Nur wenn du mir sagst, dass es dir nicht gefällt.“

Ohne auf eine Antwort zu warten, machte Eddie weiter, sein Mund wanderte tiefer. Als er am Kragen ankam, setzte er erstmalig seine Hände ein, um das Hemd weiter aufzuknöpfen. Danach setzte er seine Folter mit Küssen und Bissen fort.

Immer wenn Eddie sich so auf ihn konzentrierte, hatte Chris das Gefühl, von einer Feuerwalze überrollt zu werden. Die ihn einhüllte, alles andere von ihm abschirmte, sein Gehirn zum Abschalten brachte und seine Beine in Pudding verwandelte. Er war froh, dass die Wand hinter ihm war. Den Regen empfand er als willkommene Abkühlung.

Irgendwann registrierte Chris, dass Eddie den letzten Knopf geöffnet hatte und ihm das nasse Hemd vom Körper schälte.

Dann hockte Eddie sich nieder und lächelte zu Chris hoch.

„Was meinst du, schaut sich unsere Nachbarin diese Show an?“

„Nur wenn sie ein Nachtsichtgerät hat.“

„Du möchtest also, dass ich weiter mache?“

Was fragte Eddie?

„Gott, ja!“ Es war fast ein Stöhnen.

„Unter einer Bedingung.“

Chris war versucht, seinen Hinterkopf gegen die Wand zu knallen. Eddie war unmöglich.

„Erst machst du mich heiß und dann stellst du Bedingungen? Das ist doch nicht dein Ernst.“

„Ist es!“

Eddie hauchte einen Kuss auf den Bauchnabel, dann biss er ein klein wenig tiefer fest zu.

„AUA!“

Ein Kuss auf dieselbe Stelle besänftigte Chris. Doch statt weiterzumachen, blickte Eddie hoch.

Chris wusste, wann er verloren hatte.

„Welche Bedingung?“ Ein tiefer Seufzer entrang sich seiner Kehle. Warum hatte er sich auch einen Mann, nein, diesen Mann als Lebensgefährten ausgesucht?

„Kein Autoputzen. Schon gar nicht die Felge mit der Zahnbürste.“

Chris schloss die Augen. Es wäre zu schön gewesen. Sex und Eddie, der freiwillig etwas putzte und wenn es nur sein Auto war.

„Und wenn ich nein sage? Du bist doch genau so geil wie ich.“

Eddie zuckte mit den Achseln.

„Handarbeit ist manchmal gar nicht so übel. Besonders wenn du mir dabei zusiehst.“

„Bastard!“

„War das jetzt ein Ja?“

Eddies rechte Hand fuhr zwischen Chris' Schritt. Fest genug, um ihn erneut aufstöhnen zu lassen. Eddie ließ wieder los.

„Das ist Erpressung. Und strafbar.“

„Du kannst mich ja nachher verhaften und bestrafen. Vorausgesetzt du bringst deine Handschellen mit. Ich mag es, wenn du dominant bist. Aber heute bin ich dran. Ja oder nein?“

„Ja“, presste Chris hervor.

„Gut!“

Eddie neigte seinen Kopf und fuhr mit seinem Spiel fort. Seine Hände öffneten den Gürtel und dann den ersten Hosenknopf. Als er sich am Reißverschluss zu schaffen machte, schaltete Chris' Gehirn endgültig ab. Nur vage bekam er mit, dass die Jeans ziemlich unsanft runtergezerrt wurde. Die Boxershorts behandelte Eddie etwas sanfter – wohl wegen des empfindlichen Inhalts.

Und dann waren Eddies Lippen genau dort, wo Chris sie schon die ganze Zeit haben wollte. Sie berührten federleicht die Spitze, hauchten kleine Küsse auf das sensible Fleisch.

„Wenn du mich jetzt beißt, ist der ganze Spaß vorbei!“

„Würd ich doch nie machen.“

Chris fühlte, dass Eddie seine Zähne einsetzte, so sanft, dass er es gerade eben spürte. Es war spielerisch und würde Chris niemals zum Ende bringen, dabei war es genau das, was er wollte. Nach dem unendlich lang erscheinenden Vorspiel brauchte er die Erlösung.

„Eddie, bitte!“

Das war wohl das, was Eddie hatte hören wollen, denn er blickte hoch, grinste Chris lausbubenhaft an.

„Bist du wieder einmal schnell und effektiv?“

Statt Chris eine Pause zu gönnen, damit er nicht zu schnell kam, leckte Eddie einmal über die Länge von Chris' Schaft, bevor er ihn inhalierte.

„Gott, ja!“

Nässe, Reibung und die Gewissheit, dass es Eddie war, der ihn in den Wahnsinn trieb, stellten Chris' Stehvermögen auf eine harte Probe. Nicht nur, dass die Beine nachzugeben drohten, und er seine Hände in Eddies dichtes Haar vergrub, um es zu verhindern, nein er war auch kurz davor zu kommen. Dabei wollte er seinem Freund doch beweisen, dass er die süßen Qualen länger aushalten konnte.

„Bitte ... langsamer ... kann nicht mehr.“

Doch Eddie beachtete seine Worte nicht, stattdessen streichelte er auch noch seinen Po, zog ihn von der Wand weg, um seine Finger in seine Backen zu krallen.

Dann glitt ein Finger über Chris' Ritze und mit seiner Selbstbeherrschung war es vorbei.

Hatte Chris es bisher geschafft, still zu halten, Eddie das Tempo und die Tiefe bestimmen lassen, so pumpte er jetzt hektisch in Eddies Mund. Drei, vier harte Stöße und es war vorbei.

„Jaaaa!“

Wären nicht Eddies starke Hände gewesen, so wäre Chris erschöpft zu Boden gegangen. So blieb er stehen, nahm aber nur verschwommen wahr, wie Eddie sich aufrichtete. Erst als er ihn küsste, kam Chris wieder zu sich.

Eddie schmeckte ein wenig anders als sonst, salziger. Und als er begann, sich an Chris' Körper zu reiben, war Chris klar, warum es ihm egal war, dass er so schnell gekommen war.

„Dreh dich um.“

Das heisere Flüstern war mehr als nur ein Versprechen. Doch Chris hatte inzwischen wieder einige seiner Gehirnzellen eingesammelt.

„Was bekomme ich dafür?“

„Chris, das ist gemein!“

„Genau so gemein, wie du eben warst. Jetzt schaue ich dir gerne bei der Handarbeit zu.“

„Gut, ich putze dein Auto, aber nackt und du schaust mir zu.“

„Eddie!“

„Macht dich das schon wieder an? Warte mal, bis ich mit dir fertig bin. Jetzt dreh dich um.“

Breitwillig folgte Chris dieser Aufforderung.

Als seine Brust die Mauer berührte, lief ein Schauer durch seinen Körper, der Regen hatte die Wand ausgekühlt. Chris spürte die Kälte, doch er weigerte sich, dem Drang, ins Warme zu gehen, nachzugeben. Der Körper hinter ihm heizte genug.

Er fühlte Eddies nasse, glitschige Finger, die über seinen Po glitten und sich langsam zu seiner Spalte vorarbeiteten. Sein Freund war langsam, vorsichtig. Sie wussten beide, dass jedes Mal für Chris schwierig war. Schließlich gab es da in seinem Kopf etwas, das immer im falschen Moment laut aufschrie ‚Ich bin nicht schwul!' und das galt es zu überlisten.

Ein Biss in den Nacken ließ Chris aufstöhnen. Diesen Moment nutzte Eddie, um mit dem ersten Finger in ihn einzudringen. Er war so feucht und rutschig dass er drin war, bevor die Stimme in Chris' Kopf Alarm gab.

Und als Eddie den Punkt in Chris traf, hatten sie es geschafft.

Chris' Denken reduzierte sich wieder einmal zu nichts. Er konzentrierte sich nur auf das Gefühl, Eddie um sich, in sich zu haben. Nichts anderes als die Bewegung zählte. Als Eddie die Finger herauszog. war Chris nahe daran, um mehr zu betteln. Er biss sich jedoch auf die Lippen. Jetzt wollte er nicht verhandeln. Er wollte Eddie tief in sich spüren. Nicht mehr, nicht weniger.

Eddie schien dies zu wissen, er packte Chris' Hüften und drang langsam mit seiner ganzen Länge in ihn ein.

Chris biss sich in dem Arm, um nicht laut aufzuschreien, denn das hätte nicht nur eine Nachbarin auf den Plan gerufen. Es war schon ein Wunder, dass man sie bisher in Ruhe gelassen hatte.

Eddie war viel. Fast zu viel. Als er sich langsam in ihm bewegte und den Winkel änderte, bis er wieder den Punkt traf, war auch Chris' bester Freund wieder voll im Spiel. Damit hatte Chris nicht gerechnet, er brauchte sonst mehr Erholungszeit.

Eddies Bewegungen wurden schneller, härter. Ihre Leiber klatschten scheinbar eine Ewigkeit gegeneinander und als Eddie sich mit einem „Jaaaaaa!“ in ihm verströmte, stieß es auch Chris über die Kante und er hatte das Gefühl zu fliegen.

 

Viel zu schnell kam er wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. Es waren die kalten, nassen Fliesen der Terrasse. Und was da so laut klapperte, waren seine eigenen Zähne.

Eddie war direkt über ihm zusammen gebrochen und schirmte ihn so ein wenig vom eiskalten Regen ab.

Wenn er sich nicht bald aufwärmen könnte, würde er sich einen dicken Schnupfen einfangen.

„Eddie, aufstehen, du bist mir zu schwer.“

„Bin ich dir doch sonst nicht.“

„Dann liegen wir auch im weichen Bett. Komm, ich brauch eine heiße Dusche. Auf mit dir.“

Ganz leicht kniff Chris in Eddies Seite.

„Hey! Das ist gemein!“ Eddie rappelte sich hoch und reichte Chris eine Hand. Chris schlug ein und ließ sich hochziehen. Seine Knochen fühlten sich an, als ob er von einem schweren Einsatzwagen überrollt worden wäre.

Stöhnend richtete er sich auf. „Ich will jetzt unter die Dusche und dann ins Bett. Gut, dass ich morgen dienstfrei habe, dann kann ich in Ruhe vor mich hin leiden.“

„Und was ist mit mir?“

„Du bist doch Schuld. Du musst mich pflegen.“

Chris beugte sich vor und gab Eddie einen Kuss auf die Nasenspitze, nahm ihn bei der Hand und zog ihn hinter sich her. Er nahm sich die Zeit, die Terrassentür hinter sich abzuschließen – er kannte die Statistiken des Raubdezernates zu gut. Auf dem Grill stand ein kleines Fläschchen Gleitöl und verstreut auf dem Terrassenboden lagen ihre Kleidungsstücke.

Die Nachbarn aus den oberen Stockwerken würden sich am nächsten Morgen denken können, was sich hier abgespielt hatte. Doch er war zu ausgelaugt, um sich der Beweismittel anzunehmen. Einzig der Gedanke an die heiße Dusche hielt ihn noch aufrecht.

 

 
Ende