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© by Aisling (Aisling@gmx.net) & Birgitt Schuknecht (magnifica@gmx.net), September 2007
Chris war sich nicht sicher, ob es wirklich eine gute Idee war, so seinen Marktwert zu prüfen, Aber er war neugierig. Zumal zwanzig Euro wirklich nicht viel Geld waren. Aber warum hatte ihm niemand gesagt, dass er ein ganzes Profil ausfüllen musste? Alleine der Username... Kurz entschlossen tippte er ‚Haselmaus' ein. Und der Name war noch nicht vergeben. Bei den persönlichen Daten hatte er weniger Probleme. Größe, Gewicht, Alter – alles im grünen Bereich. Dass er bei der Haarfarbe ‚braun mit grauen Schläfen' eingab, war auch nur ein ganz klein wenig geschummelt. Im Gegensatz zu vielen anderen Männern hatte er noch genug Haare, um unterscheiden zu können. Beruf? Nach kurzem Zögern tippte er ‚Beamter im öffentlichen Dienst' ein. Das hörte sich zwar trocken und spießig an, aber als ‚Bulle' würde er noch mehr Frauen abschrecken. Wahrscheinlich sogar die interessantesten. Jetzt wurde es schwierig. Das Profil. Chris hatte sich schon bei der Konkurrenz umgesehen, um zu sehen, was sie so schrieben. Wie sie es schrieben, war manchmal eine Katastrophe. Einige Männer hielten es noch nicht mal für nötig, wenigstens die Autokorrektur von Word zu bemühen – mit so wenig Einsatz würden die bestimmt keine Frau abbekommen. Doch die schnulzigen, schmalztriefenden Texte einiger anderer Männer waren ihm auch zuwider. Einen Roman wollte er auch nicht schreiben. Er entschloss sich, es kurz und schmerzlos zu machen. „Topf sucht Deckel – oder ist es Deckel sucht Topf? Egal. Ich bin sportlich, finanziell unabhängig und suche eine Frau zum Pferdestehlen – na ja, wirklich illegal soll es nicht werden, aber ich habe manchmal recht verrückte Ideen und da solltest du schon mithalten können. Meine Hobbys: Gute Autos – ich fahre ein nicht zu stark getuntes Cabrio, das bei schönem Wetter ausgeführt werden will, und liebe es, gemütlich schöne Strecken zu fahren. Aber wenn es drauf ankommt, geht mein Audi auch über 200 – doch dass ist mir meistens zu stressig, denn entgegen allgemeiner Vorurteile ist mein Job schon anspruchsvoll genug. Ich brauche in meiner Freizeit keinen zusätzlichen Kick.“ Chris las den Text noch zwei Mal durch, verbesserte einen Rechtschreibfehler und lud sein Profil hoch. Ein Foto hatte er auch schon eingesandt – schwarzweiß, damit man nicht genau sehen konnte, wie weit die grauen Schläfen wirklich gingen. Als er auf die Uhr sah, merkte er, wie lange er vor dem Text gesessen hatte. Es war höchste Zeit, das Abendessen zu machen, Eddie würde gleich nach Hause kommen. Er klappte sein Laptop zu, verließ das Arbeitszimmer und dachte nicht weiter über seine verrückte Idee nach.
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Eddie nahm den Anruf über die Freisprechanlage an. Er befürchtete zwar, dass es ein Last-Minute-Kunde sein konnte – und darauf hatte er eigentlich gar keine Lust – aber er konnte sich in seinem Beruf Unzuverlässigkeiten nicht leisten. „Sänger!“, sagte er und hoffte, dass es höflich genug klang. „Täuber!“, kam es in gleichem Tonfall zurück und dann hörte Eddie Klaus' Lachen. „Du wirst nie ein richtiger Businessmensch.“ „Will ich auch nicht. Nur so weit, dass ich überleben kann.“ „Auch 'ne Einstellung. Aber ich rufe nicht an, um deine Manieren zu testen. Ich hab da was entdeckt, das dich bestimmt interessiert. Du bist doch ständig auf der Suche nach bezahlbaren Ersatzteilen für Oldies. Auf Ebay hat irgendeine Computernull seine Ersatzteilsammlung in die falsche Rubrik eingestellt. Noch keine Gebote und die Versteigerung geht heute Abend zu Ende.“ „Cool. Schickst du mir den Link per Mail? Ich bin auf dem Weg nach Hause und seh's mir dann sofort an.“ „Kein Thema. Ich verlange auch keine Provision. Aber wenn Chris mal wieder Lust hat, für mehr als zwei Personen zu kochen, lassen wir uns gern einladen.“ „Deal.“ „Wenn Chris das auch so sieht...“ „Den werde ich schon überzeugen.“ „Grüß deinen Hausdrachen!“ „Und du deinen Bullen!“ Grinsend unterbrach Eddie die Verbindung. Es ging nichts über gute Connections.
Er hatte kaum die Haustür geöffnet, da brüllte der Drache schon. „Frisch gewischt – Schuhe aus.“ „Ja, Mama. Irgendwann musst du mir mal erklären, warum ich mir das hier antue. Singledasein ist doch eigentlich unschlagbar!“ „Gutes Essen, besserer Sex – noch Fragen?“, kam es aus der Küche zurück. „Das kann ich auch haben, wenn du nicht bei mir wohnst.“ „Eigentlich wohnst du bei mir.“ „Schon wieder dieses Thema!“ „Du hast angefangen?“ Eddie kickte die Schuhe unter den Schrank, die Autoschlüssel landeten auf der ohnehin überfüllten Ablage und dann rutsche er auf Socken in Richtung Küche. „Weißt du, dass wir uns ziemlich verheiratet anhören?“ „Mir egal, solange ich die dazugehörige Begrüßung bekomme.“ Erwartungsvoll drehte sich Chris um und spitzte die Lippen. „Begrüßung vor dem verflixten siebenten Jahr oder danach?“ „Immer noch egal – Hauptsache mit Zunge.“ Und die bekam er dann auch.
„Wie lange dauert es noch? Ich habe noch nicht ganz Feierabend.“ „Solange du keine Komplettreparatur vornehmen musst... Ich habe gerade die Kartoffeln aufgesetzt.“ „Und das sagt mir was?“ „Dass du noch zwanzig Minuten für deine Geschäfte hast. Lass aber die Finger von meinem Zeug – das Genie beherrscht nur das Chaos, das er selber verbrochen hat.“ „Ich höre immer Genie.“ „Du hörst immer richtig – und jetzt verschwinde aus MEINER Küche!“ Lachend verzog sich Eddie ins Arbeitszimmer. Chris hatte nicht übertrieben: Der Schreibtisch bot ein grausames Bild. Aber das war okay, schließlich hatte er ein ähnliches Durcheinander in seinem Büro in der Werkstatt. Chris tobte sich halt hier aus. Und solange das Laptop noch auffindbar war... Wie üblich war das Gerät eingeschaltet; er öffnete den Deckel und bewegte die Maus. Der Bildschirm erwachte zum Leben. Der Browser war geöffnet und Eddie war neugierig genug, einen Blick darauf zu werfen. Und einen zweiten. Und einen dritten. Haselmaus und ein aktuelles Bild von Chris waren mehr als nur eindeutig. Er war auf ein Profil seines Freundes gestoßen. Aber was war das hier nur für eine Seite? „www.datingcorner.de“? Eddies vierter Blick ging nahtlos in ein genaues Studium der Webseite über. Das durfte doch nicht wahr sein! Chris war auf der Suche, auf der Jagd. Und so, wie es aussah, ging es ihm nicht nur um ein Abenteuer, sondern um mehr. Er wollte sich verändern. Die Worte „eigentlich wohnst du bei mir“ und „meine Küche“ bekamen plötzlich eine ganz neue Betonung. Für Eddie brach die sprichwörtliche Welt zusammen. Er ließ sich in den Drehstuhl fallen und starrte auf den Bildschirm.
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Das war ja wieder typisch Eddie. Die zwanzig Minuten waren schon längst vorbei und der Kerl hatte es noch nicht mal nötig gehabt, den Tisch zu decken. Er drückte sich vor der Hausarbeit, wo es nur ging. Ein klein wenig frustriert war Chris schon. Da stellte er sich fast eine Stunde in die Küche, um für seinen Liebsten ein Essen inklusive Nachtisch zu zaubern, und der vergaß über seine Arbeit die Zeit. Das Arbeitszimmer war leider im ersten Stock und mit geschlossener Türe erprobt schalldicht, so dass Chris hochgehen musste. Schwungvoll riss er die Tür auf und rief: „Die zwanzig Minuten sind schon lange vorbei“, als er das Häufchen Elend im Sessel sitzen sah. Chris erster Gedanke war, dass auf der Arbeit wohl verdammt viel schief gegangen sein musste, als er sah, dass das Laptop aufgeklappt war und welche Seite Eddie sich angesehen hatte. ‚Oh, Scheiße!' war sein erster Gedanke. Wieso hatte er auch vergessen, den Browser zu schließen? „Das ist nicht so, wie du denkst.“ „Das ist es nie, was glaubst du, wie oft ich diesen Satz schon gehört habe? Irgendwie habe ich nicht damit gerechnet, dass ausgerechnet du...“ Eddie verstummte, sah Chris nur anklagend an. Chris fühlte sich wie der letzte Arsch. Dabei stimmte das doch gar nicht. Er war halt nur, ja, neugierig gewesen. „Ich...“ Genervt fuhr er mit seinen Fingern durch das graumelierte Haar. Es war wohl doch keine so gute Idee gewesen. „Ja, kommt jetzt das schlechte Gewissen? Chris Schwenk, der Superbulle muss beweisen, dass er nicht nur den kleinen Schwulen von nebenan haben kann? Du weißt doch ganz genau, dass es mir egal ist, wenn du mal wieder eine Affäre hast, schließlich nehme ich mir ab und zu auch diese Freiheit, aber das da...“ Er deutete auf den Bildschirm. „Verdammt, ich bin nicht auf der Suche!“, platzte es aus Chris heraus. „Und die letzte Affäre ist auch schon Jahre her. Du reichst mir, voll und ganz!“ „Dann erklär's mir. Ich steh auf dem Schlauch.“ „Ich wollte meinen Marktwert testen.“ Das klang so billig. Doch Chris wusste nicht, wie er es anders ausdrücken sollte. „Marktwert? So nennt man es heute?“ „Ja, verdammt noch mal!“ Chris lief unruhig auf und ab. Es war eine bescheuerte Idee gewesen. Zwanzig Euro hatte er zum Fenster rausgeworfen, denn er wusste, dass er niemals auf irgendwelche Kontaktaufnahmen reagieren würde. Was hatte ihn nur zu so einem Schwachsinn getrieben? „Kann ich mich damit rausreden, dass ich nicht nachgedacht habe? Vor einigen Tagen hat Kallenbach geprotzt, dass er pro Woche zwanzig verheißungsvolle Rückmeldungen bekommen würde. Das konnte ich nicht auf mir sitzen lassen.“ Endlich änderte sich was an Eddies Haltung. Er setzte sich aufrecht hin und sah Chris mit dem ‚Typisch Macho!“-Blick an. „Und wenn Kallenbach von der Brücke springt, um zu beweisen, dass er ein toller Hecht ist, dann springst du hinterher?“ Es wurde immer schlimmer. Wo war das Loch im Boden, wenn er es brauchte? „Nein, natürlich nicht.“ Und dann roch Chris es. Die Schnitzel. Er hatte die Platte runtergedreht, bevor er hochgegangen war, um Eddie zu rufen, aber nicht damit gerechnet, so lange weg zu bleiben. „Verdammt, unser Abendessen!“ „Das Essen ist mir egal. Bei mir geht die Beziehung nicht durch den Magen. Was hast du jetzt vor?“ „Die Schnitzel verkohlen zu lassen? Denn wenn ich runter gehe, schlägst du mich.“ „Ich würde dich doch niemals schlagen... dann würden es doch deine Kollegen sehen.“ „Eddie!“ „Hör auf, mich so anzureden. Das Recht hast du nicht mehr!“ Die ganze Haltung sagte nur eins: Ich zicke und das mit Recht. Chris wusste, dass er mindestens einen Monat ohne Sex und ohne nette Gesten auskommen musste, wenn er das nicht sofort in Ordnung bringen würde. „Und was muss ich tun, damit du mir verzeihst?“ Verzweifelt sah Chris seinen Freund an. Er wollte ihn nicht verlieren, hatte niemals auch nur eine Sekunde daran gedacht, dass er durch diese idiotische Idee seine Beziehung gefährden konnte.
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Eddie war hin- und hergerissen. Er genoss es, Chris zappeln zu lassen – der Kerl hatte es so was von verdient. Der Schock saß ihm in den Gliedern, und dass es nur Gedankenlosigkeit gewesen war, machte die Sache keineswegs besser. Doch Chris' Entsetzen war nicht gespielt – die Sache tat ihm leid und er war sich seiner Schuld sehr bewusst. Typisch Chris! Diese Geschichte war total bescheuert – er glaubte seinem Freund jedes Wort. Jedes Mal, wenn Chris so einen Stunt drehte, hatte er vorher nicht nachgedacht und wunderte sich dann regelmäßig, wenn er ein neues Fettnäpfchen für sich entdeckte. Eine kleine, aber hartnäckige Stimme erinnerte Eddie daran, dass er auch immer wieder in Situationen geriet, in denen Chris nur mit den Augen rollte. Meist war seine nicht ganz saubere Vergangenheit daran schuld. Oder die furchtbare Angewohnheit, Chris erst um Hilfe zu bitten, wenn er bereits mitten in der Sch-Tinte saß. Er unterdrückte ein Grinsen. Seit mehr als sieben Jahren ging das nun schon so. Und wenn er ehrlich war, sorgten ihre Eskapaden für das Salz in der Suppe. Trotzdem hatte Chris Strafe verdient. Und es war immer von Vorteil, wenn sein Freund ihm etwas schuldete. Brauchte er da nicht noch ein Abendessen? Siedendheiß fiel ihm die Auktion wieder ein. Ohne auf Chris' Protest zu reagieren, schob er ihn aus dem Zimmer. „Das bedarf sorgfältiger Überlegung. Rette du die Schnitzel!“ Überraschenderweise ließ Chris sich tatsächlich rausschmeißen. Eddie wechselte zur GMX-Seite, loggte sich ein und da war Klaus' auch schon. Keine fünf Sekunden später rieb er sich die Hände. Dieses Angebot kam wie gerufen. Einer seiner besten Kunden hatte ihm seinen Alfa Romeo gebracht, damit er ihn auf Vordermann brachte. Und hier fanden sich fast alle Teile, die er dafür brauchte. Die Gewinnspanne ließ ihn von Hawaii und von Drinks mit Schirmchen drin träumen. Die Fotos zeigten alle Details und den guten Zustand der Ersatzteile. Er würde erst in letzter Sekunde bieten; er wollte keine schlafenden Hunde wecken. Eddies Jagdfieber war geweckt – und sein idiotischer Freund für den Moment vergessen.
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Was war das jetzt? Chris verstand die Welt nicht mehr und schon gar nicht Eddie. Zuerst zu Tode betrübt und dann auf einmal überhaupt nicht mehr interessiert. Hatte er etwa im Geiste mit der Beziehung abgeschlossen und überlegte sich jetzt einen Weg, um es Chris möglichst schmerzhaft beizubringen? Die Schnitzel waren egal. Sie landeten im Mülleimer. Genau so wie anderen Sachen, die auf der Herdplatte standen und schon lange angebrannt waren. Der Nachtisch – Chris war versucht, ihn an die Wand zu klatschen. Ließ es aber, er wusste zu gut, wer die Küche putzen würde. Egal was Eddie sagen würde. Warum hatte er auch damals darauf bestanden, dass er alleine die Wohnung kaufen würde? Jetzt hatte er noch nicht einmal damit einen Grund, um Eddie zu halten. Aber da sein Freund schon mit der Werkstatt eine hohe finanzielle Belastung aufgenommen hatte, war es ihm damals als gute Idee vorgekommen, das Erbe seiner Eltern so zu investieren. Tolle Idee. Wie alle Einfälle von ihm. Frustriert ging Chris ins Wohnzimmer. Im Barfach suchte er sich die hochprozentigste Flasche raus – Strohrum, eigentlich zum Flambieren gedacht. Doch er musste ganz schnell seine Gefühle betäuben, bevor er noch etwas Dümmeres anstellte. Er hatte schon genug vermasselt. Wie würde Eddie sich nur entscheiden? Der Rum schmeckte grauenhaft. Brannte und betäubte gleichzeitig. Genau das, was er brauchte. Er schenkte sich noch ein Glas ein.
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„Drei – zwei – eins – MEINS!“ Mit geballter Faust sprang Eddie auf. Hawaii war in greifbarer Nähe. Gut, da lagen noch ein paar Stunden Arbeit vor ihm, aber der erste Schritt war getan. Klaus hatte sich seine Provision verdient. Und es würde ihn – Eddie – nur ein Lächeln kosten. Jetzt, wo er Chris in seiner Hand hatte. Er rief die Kontodaten des Verkäufers auf, überwies den Betrag – den lächerlich kleinen Betrag! – und lehnte sich zufrieden zurück. Dieser Sieg musste gebührend gefeiert werden. Schnitzel waren irgendwie nicht angemessen. Wenn die überhaupt noch genießbar waren, es stank grauenhaft. Sie waren schon seit Ewigkeiten nicht mehr ausgegangen. Und heute hätte Chris bestimmt kein Problem damit, ihn einzuladen. Beim Nachtisch würde er ihm dann von dem Schnäppchen erzählen – und von Hawaii und den Schirmchengetränken. Chris konnte ihm bestimmt dabei helfen, einen geeigneten Reisepartner zu finden. Schließlich hatte er genug Erfahrung mit Online-Dating!
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Chris hatte nur zwei Schnäpse getrunken, danach war er auf die Terrasse gegangen, um sich den Sonnenuntergang anzusehen. Bisher hatte er es doch auch immer geschafft, ihre Beziehung zu retten. Bisher hatte er aber auch nicht so tief in der Patsche gesteckt. Es lag jetzt einzig und alleine an Eddie, zu entscheiden, ob sie eine gemeinsame Zukunft hatten. Verdammt, er fühlte sich wie eine Frau mit Liebeskummer. Und das nur wegen Eddie.
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Chris war nicht in der Küche und auch von dem Essen war nichts mehr zu sehen. Eddie hatte eine Ahnung und die fand er im Mülleimer bestätigt: Chris hatte seine Verzweiflung am Essen ausgelassen. Oh-oh! Das bedeutete nichts Gutes. Chris war magengesteuert und selbstgekochtes Essen war ihm eigentlich heilig. Eigentlich. Eddie ging ins Wohnzimmer und fand das Barfach offen vor. Na toll! Wenn er Pech hatte, war Chris inzwischen jenseits von Gut und Böse und in nicht mehr ausführbarem Zustand. Wie sollte er dann an sein Abendessen kommen, ohne selbst zahlen zu müssen? „Chris? Wo steckst du?“ Keine Antwort und Eddie seufzte. Für jemanden, der behauptete, nicht schwul zu sein, hatte Chris die Dramaqueen ganz gut drauf. Eddie ging methodisch vor. Badezimmer – check. Schlafzimmer – check. Abstellkammer – nicht ernsthaft, aber Methode war Methode. Er hatte von dem Besten gelernt. Blieb nur noch eine Möglichkeit – außer dem Motel an der nächsten Autobahnauffahrt. Und da stand er dann auch. Sah sich den Sonnenuntergang an, mit einem Glas in der Hand. Keine Flasche, das war doch ein gutes Zeichen. Zumindest für Eddies Abendessen bestand noch Hoffnung. Er öffnete die Terrassentür und trat hinter seinen Freund. „Bist du noch ansprechbar?“ „Kommt auf die Frage an.“ „Gehen wir essen?“ „Was?“ „Also nicht!“ „Eddie!“ „Das hatten wir heute auch schon.“ „Hör bitte auf. Sag mir, was ich tun muss!“ „Lad mich zum Essen ein.“ „Was? Und das ist alles?“ „Habe ich nicht gesagt. Aber es ist ein guter Anfang. Ich habe Hunger und bin pleite.“ Chris drehte sich langsam um – ohne zu schwanken, wie Eddie erfreut feststellte. „Du bist unmöglich.“ „Ja. Wie sonst könnte ich es mit dir aushalten?“ „Und das dicke Ende kommt noch?“ „Worauf du dich verlassen kannst!“
Epilog
Zwei Tage später wollte Chris den verdammten Account beim Datingcorner löschen. Als er jedoch sah, dass zehn Nachrichten auf ihn warteten, traute er seinen Augen nicht. Die Versuchung war zu groß und er gab ihr nach. Er druckte alle Antworten inklusive der Profile aus. Danach schrieb er den Frauen eine höfliche Absage und löschte sein Konto. Kallenbach würde Augen machen.
Epilog 2
Eddie fand natürlich die Ausdrucke. Doch nach dem Versöhnungssex der letzten Tage wusste er, dass es nur ein Anflug von Midlifecrisis war. Damit konnte er leben. Zudem gönnte er Kallenbach die Niederlage von ganzem Herzen.
Ende
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