Das Ende des Krieges
© by Aisling (Aisling@gmx.net), 2005

 

Diese Story ist auch schon als Parabel bezeichnet worden. Aber ich halte es für ein wenig zu hochgegriffen.
Entstanden nach einem ziemlich ekligen Streit.
 

Der König konnte sich gar nicht an den Frieden erinnern. Zu viele Jahre war es her.

 

Angefangen hatte alles als Streit um eine Wasserquelle, der zuerst mit Worten, dann mit Waffen ausgetragen wurde. Aber als keiner nachgeben konnte – man hätte sonst das Gesicht verloren – wurde daraus ein Krieg. Es war keine schöne Angelegenheit. Zu viele Menschen starben. Nicht nur Freunde und Bekannte. Sein Sohn, noch keine zwanzig Jahre alt, starb vor zwei Jahren an einer verirrten Kugel. Aber der König bezweifelte, dass sich eine Kugel wirklich verirren konnte.

Danach führte er den Krieg mit noch mehr List und Tücke. Er nahm keine Rücksicht mehr. Es war ihm egal, wie viele Menschen starben, ihm war nur wichtig, dass der Feind größeren Schaden erlitt. Dabei waren sie doch vor vielen Jahren einmal befreundet gewesen.

 

Jetzt war es vorbei. Der Gegner hatte kapituliert, doch der König wusste nicht, ob er glücklich sein sollte. Es hatte ihm keine Befriedigung verschafft, das zerstörte Land zu durchschreiten und die wenigen überlebenden Menschen durch den Staub kriechen zu sehen. Sein eigenes Land war auch verwüstet und entvölkert.

Auch wenn er den Tod seines Kindes gerächt hatte, blieb der Schmerz in seinem Innern. Nichts was ihn lindern konnte.

 

Im Palast seines Gegners musste er lange suchen, bis er seinen alten Feind fand. Er hatte sich selbst gerichtet. In der Hand hielt er den Abschiedsbrief fest umklammert. Vorsichtig löste der König die verkrampften Finger von dem Papier. Dann las er den Text:

 

Es ist nicht nur dein Kind im Krieg gestorben, mein Sohn wurde von einer Granate zerfetzt und meine Frau nahm sich aus Kummer das Leben. Bitte sorge für mein Volk.

 

Lange starrte der König den Brief an. Und ihm wurde bewusst, dass er all die Jahre den Krieg geführt hatte, um seine persönliche Eitelkeit zu befriedigen, das Wohl seines Volkes aber ignoriert hatte.

 

Sein Gesicht hatte er dabei schon lange verloren. Der König entschied, dass es genug war. Er verließ den Palast und kehrte in seine Heimat zurück. Dort diktierte seinem Schreiber Briefe an seine Untergebenen und ordnete seine Angelegenheiten zum Wohle seines Volkes.

 

Nachdem der König das Gift eingenommen hatte, versuchte er noch einmal, sich an den Frieden zu erinnern. Es gelang nicht. Da wusste er, dass er die richtige Entscheidung getroffen hatte.