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© by Aisling (Aisling@gmx.net), 2010
Ich brauche noch da, der Mann hielt mir einen Frachtbrief und eine Kugelschreiber unter die Nase, Ihre Unterschrift, dass Sie die Ware erhalten haben.
Merkwürdig, ich hatte in letzter Zeit doch gar nichts bestellt. Aber auf den Papieren stand eindeutig mein Name: David Peterson. Auch die Anschrift stimmte. Ich runzelte die Stirn, der Absender sagte mir überhaupt nichts. Anstatt vernünftig zu sein und die Annahme zu verweigern, siegte meine Neugier und ich nahm den hingehaltenen Stift und unterschrieb. Schönen Tag noch! Damit ging der Mann zu seinem LKW zurück, stieg ein und fuhr weg. Vor meiner Garage stand die Lieferung: Ein großes Paket, dass gut zwei Meter lang, bestimmt einen Meter breit und genau so hoch war. Selbst für den Flachbildschirmfernseher, mit dem ich schon seit Monaten liebäugelte, war das zu groß. Damit mein Nachbar mir nicht über die Schulter schauen konnte, schob ich das Paket in die Garage und machte das Tor hinter mir zu. Dort hatte ich auch das passende Werkzeug, um die Lieferung auszupacken.
Zehn Minuten später war es soweit, und ich hatte die Verpackung, die aus unzähligen Lagen Packpapier bestand, abgemacht. Ich hatte mit allem gerechnet, nur nicht mit einem Sarg. Laut dem beiliegenden Lieferschein handelte es sich um einen Kiefernsarg Nr. 4a antik mit Kupferbeschlägen und hatte sogar eine einfache Schnitzerei auf der Seite. Was sollte das? Wer hatte sich da einen makaberen Scherz erlaubt? So alt war ich noch nicht, dass ich ihn brauchte und schon gar nicht wollte ich ans Sterben denken.
Wütend ging ich zurück in mein Haus, setzte mich in meinem Arbeitsraum in meinen bequemen Sessel und versuchte den Lieferanten - eine Sargfirma, was auch sonst anzurufen. An einem Freitagnachmittag war natürlich niemand mehr da, also machte ich den Computer an, um etwas über die Firma herauszufinden. Doch vorher schaute ich noch schnell meine Mails durch und sah einen mir sehr bekannten Absender. Sie stammte von Evi. Meiner Exfreundin. Eigentlich hatte alles gut angefangen, aber dann merkte ich, wie eifersüchtig sie war. Sie machte mir Szenen, wenn ich auch nur von einer Arbeitskollegin erzählte. Als ich es nicht mehr ertrug, hatte ich die Beziehung beendet und seit drei Monaten war ich ein glücklicher Single. Zuerst überlegte ich, ob ich ihre Mail wie auch alle anderen Nachrichten von ihr ungelesen in den Papierkorb werfen sollte, aber dann kam mir der Gedanke, dass sie vielleicht etwas mit dem Sarg zu tun haben könnte.
Hallo David! Hast du dich über mein kleines Abschiedsgeschenk gefreut, das dir die Spedition heute geliefert hat? Wenn nicht, ist es auch egal, denn du wirst ihn innerhalb der nächsten zwei Tagen brauchen. Schönes Restleben noch, Evi!
Ich saß eine ganze Weile wie betäubt vor dem Bildschirm, dann schob ich ihre Nachricht kopfschüttelnd in den Mülleimer. Dabei fragte ich mich, ob sie mir nur Angst einjagen wollte, oder ob sie wirklich so verrückt war, dass sie mich umbringen wollte. Vielleicht lieferte der Sarg einen Anhaltspunkt? Ich stand auf, ging zurück in die Garage und betrachtete den völlig unauffälligen Sarg, soweit man das von einem Kiefernsarg in einer Garage sagen kann, dann ging ich zurück, setzte mich vor meinen Computer und holte die Mail wieder zurück. Wenn sie so viel Geld hatte, um mir einen Sarg zu schicken, dann sollte ich ihre Drohung wohl auch besser ernst nehmen. Aber was sollte ich unternehmen? Mich in meinem Haus verschanzen? Die Polizei anrufen? Menschenmassen suchen? Spontan Urlaub nehmen und wegfliegen? Was erwartete sie von mir? Dass ich betteln würde, verschont zu werden? Nie im Leben. Das würde sie nicht erleben.
Spontan griff ich zum Telefon und wählte die Nummer von Horst. Wir kannten uns seit dem Kindergarten und hatten schon viel zusammen erlebt. Er war inzwischen glücklich verheiratet. Evis Bekanntschaft hatte er hatte er gemacht, als ich sie zu seiner Geburtstagsfeier mitgenommen hatte und sie mir dort prompt eine Szene gemacht hatte, weil ich mit seiner Frau Angela, getanzt hatte. Horst hatte nicht viel dazu gesagt, nur den Kopf geschüttelt und hatte mich abgefüllt, nachdem alles vorbei war.
Nach dem dritten Klingeln ging er ran. Hallo, David, altes Haus?, begrüßte er mich. Seine Stimme hatte einen fröhlichen Klang. Ich brauche deine Hilfe!, kam ich direkt auf dem Punkt und hasste es, seine gute Laune zu ruinieren. Was ist los? Evi! Ist sie zu dir auf die Arbeit gekommen und hat dir eine Szene gemacht? Schlimmer, sie hat mir einen Sarg geschickt. Sie hat was? Klar, dass Horst es nicht glauben konnte. Sie hat mir einen niegelnagelneuen Sarg geschickt und gedroht, dass ich ihn in zwei Tagen brauchen würde. Bleib wo du bist, ich bin in zehn Minuten bei dir! Damit hatte er aufgelegt. Ich kam in Versuchung, mich in meinem Arbeitsraum zu verschanzen, aber da ich genug Horrorfilme gesehen hatte, wusste ich, dass es nicht helfen würde und so ließ ich es. Ich kontrollierte nur, dass die Haustür wirklich abgeschlossen war. Bis ich hörte, dass Horst seinen MX5 in der Einfahrt parkte, lief ich unruhig auf und ab. Ich schaute sogar durch den Türspion, bevor ich ihm aufmachte. Zeig mir den Sarg!, war seine einzige Begrüßung. Wortlos ging ich vor in die Garage. Er umkreiste ihn zwei Mal, las sich dann Evis Mail mehrmals durch, überlegte einen Moment, lächelte siegessicher und anschließend ging es los zum Baumarkt.
Sonntagmittag war unser Werk fertig: Mein Garten hatte zwei wunderschöne neue Gartenkübel, die zwanzig Zentimeter tief eingegraben und mit Nelken bepflanzt waren. Das Kiefernholz passte perfekt zu meinen restlichen Gartenmöbeln. Anschließend machte ich noch ein Foto und schickte es Evi mit dem Kommentar: Vielen Dank, ich konnte ihn wirklich brauchen.
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