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© by Aisling (Aisling@gmx.net), 2005
Es reichte. Genug war genug. Und bisher hatte Martina auch alles klaglos ertragen, aber diese Nacht toppte die vorhergehenden. Wenn Chris wenigstens vernünftig wäre. Nein, der gnädige Herr behauptete, dass es nichts' sei. Diese Nacht hatte Martina alles versucht. Doch selbst mit dem Kopfkissen über ihren Ohren konnte sie hören, wie Chris immer wieder von einem Hustenkrampf geschüttelt wurde - ein Wunder, dass er selbst davon nicht wach wurde. Und immer wenn Martina gerade wieder eindöste, wurde sie wieder geweckt. Ein Blick auf die Uhr zeigte ihr, dass es schon nach zwei war. Und um halb sechs ging der Wecker, weil Chris Frühdienst hatte. Da es die letzten Tage geschneit hatte, wollte Martina eigentlich auch früh aufstehen und den wichtigsten Papierkram erledigen, bevor die Jungs kamen und anfingen, die Unfallwagen zu reparieren. Doch wenn sie es nicht langsam schaffte zu schlafen, dann konnte sie es vergessen. So gerne sie auch eng an Chris gekuschelt schlief, Martina stand auf, nahm sich ihr Bettzeug und zog ins Gästezimmer. Dort hatte sie wenigstens ihre Ruhe, auch wenn sie sich sehr einsam fühlte. Als sie aufwachte, dämmerte es bereits. Zuerst dachte Martina sich nichts dabei, doch dann fiel ihr ein, dass es Anfang Januar war. So eine verdammte Scheiße! Jetzt habe ich auch noch verpennt. Chris, das wirst du mir büßen. Denn sie dachte, dass Chris sie nicht geweckt hatte, weil sie sich ins Gästezimmer verzogen hatte. Sie stand auf und ging zuerst in die Küche, wo sie die Kaffeemaschine ansetzte. Dann ging die junge Frau ins Schlafzimmer, um sich frische Klamotten zu holen. Als sie die Tür öffnete hörte sie Chris husten. Es war sehr gequält und leidend. Wenn Chris sich die letzten Tage den Temperaturen angemessen verhalten hätte, dann hätte Martina garantiert Mitleid mit ihm bekommen. Aber als ihr verrückter Freund unbedingt mit nassen Haaren zur Arbeit musste, weil er mal wieder verschlafen hatte, hielt sich dieses Bedauern eher in Grenzen. Zudem hatte sich Chris in den letzten Tagen strikt geweigert, ein Erkältungsbad oder auch nur Hustensaft zu nehmen. Er hatte es als Weiberkram' tituliert. Während Chris ohne wach zu werden weiterhustete, ging Martina zu ihm. Ihre Wut war verraucht. Deswegen nahm sie sich die Zeit und setzte sich auf die Bettkante. Dann schüttelte sie Chris sanft, bis dieser wach wurde. Auf Küssen reagierte er zwar besser, aber Martina wollte sich bei diesem Bazillenmutterschiff nicht anstecken. Da ihre andere Kollegin schon stark erkältet war, konnte sie es sich nicht leisten, krank zu werden. Endlich schlug Chris die Augen auf. Sie sahen krank und fiebrig aus. Kurz berührte Martina seine Stirn und wusste bescheid. Ihr Freund hatte nicht nur eine heftige Erkältung, sondern auch noch Fieber. Sie waren zwar seit einem Jahr zusammen, aber es war das erste mal, dass einer von ihnen wirklich krank war und Martina wurde etwas unsicher. Wie sollte sie mit ihrem kranken Freund umgehen? Besonders wo er die letzten Tage den harten Mann' herausgekehrt hatte. Entsprechend zurückhaltend fiel auch ihr Lächeln aus. Guten Morgen! Deine leichte Erkältung' hat dich aber ganz schön erwischt. Morgen! Bekomme ich keinen Kuss mehr von dir? Und außerdem bin ich nicht krank. Ich bin nur wieder eingeschlafen, nachdem der Wecker geklingelt hat. Du warst ja nicht da, um mich wach zu halten. Als Chris Anstalten machten, Martina zu sich runterzuzuiehen, um sie zu küssen, wehrte sie sich. Hör' auf. Ich küss' niemanden, der mit Bazillen um sich wirft. Weißt du wie viel Arbeit ich in der Werkstatt habe? Ich kann es mir nicht leisten krank zu werden. Die Antwort bestand aus einen undefinierbaren Grummeln. Und nun versuchte Chris aufzustehen. Doch er war zu schnell. Martina konnte die Sternchen sehen, die über seinem Kopf kreisten, bevor Chris sich mit einem tiefen Seufzer wieder ins Bett fallen lies. Alles Okay? Vorsichtig strich sie über seine Stirn und berührte seine Haare. Die sonst so widerborstigen blonden Locken waren schweißverklebt und fühlten sich seltsam an. Ja, mir geht es bestens, lass mir noch eine Minute und dann geh' ich unter die Dusche. Chris wollte wohl weiter den starken Mann spielen, aber Martina wollte das nicht dulden. Nichts da! Du gehst heute nicht arbeiten. Ich mache dir jetzt noch eine Thermoskanne mit Tee fertig und du bleibst im Bett. Ich werde in der Mittagspause was zu Essen holen und dich besuchen. Und wage es ja nicht, mir zu widersprechen. Diesem Befehl wollte Chris sich wohl nicht fügen, denn er setzte an, sich aufzusetzen. Aber ein weiterer Hustenanfall hinderte ihn. Als er wieder zu Atem gekommen war, nutzte Martina ihre Chance und drückte seinen Kopf wieder aufs Kissen. Dann hauchte sie ihm einen Kuss auf die Stirn. Komm, was meinst du, was dein Chef sagt, wenn du alle ansteckst. Und du wirst sehen, morgen kannst du wieder arbeiten. Und was ist, wenn du unterwegs zusammenklappst? So wie du aussiehst, kann alles Mögliche passieren. Und ich mache mir Sorgen. Es waren wohl weniger Martinas Worte, sondern ein weiterer Hustenanfall, der Chris überzeugte. Als er diesen überwunden hatte, schaute er sie bettelnd an. Bringst du mir denn zum Mittagessen etwas vom Chinesen mit? Richtig scharf, so wie ich es liebe? Nicht nur das Essen wird dann scharf sein. Wenn du dann Lust hast... Mehr brauchte Martina nicht zu sagen, Chris verstand sie auch so. Mit einem Grinsen verschränkte er die Arme über dem Kopf. Er wirkte sehr zufrieden und gar nicht mehr so krank, wie noch vor wenigen Minuten. Ich doch immer. Aber jetzt schau, dass du zur Arbeit kommst, ich muss schlafen, damit ich heute Mittag fit bin. Kopfschüttelnd stand Martina auf und ging ins Bad. Sie ging aber nicht unter die Dusche, sondern holte Medikamente aus dem Schrank. Jetzt hatte sie ein Argument, mit dem sie ihn zwingen konnte, den Weiberkram' einzunehmen. Bevor sie wieder ins Schlafzimmer ging verbarg sie ihr Grinsen unter einer besorgten Mine. Es war gut, dass sie gestern in der Apotheke besonders ekelhaft schmeckenden Hustensaft besorgt hatte.
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