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© by Aisling (Aisling@gmx.net), 2009
Julian Tifflor runzelte die Stirn, als er die Botschaft auf seinem Bildschirm las. Besprechung in zwei Stunden, Gleiter wird gestellt. Unterzeichnet war die Nachricht mit Gonozal VIII. Er hatte nicht die geringste Ahnung, warum Atlan ihn zu sich befahl. Statt ihn daran zu erinnern, dass der offizielle Botschafter von Terra eine höflichere Anrede verdient hatte, tippte er nur i.O. ein und versendete die Nachricht. Atlan war nicht der einzige, der sich kurz fassen konnte.
Die Wachen ließen Tiff genau zwei Stunden später in das Arbeitszimmer des Imperators. Atlan saß an einem Schreibtisch, vor sich ein Bildschirm, darüber, daneben eigentlich überall waren holografische Anzeigen angeordnet. Einige größer, einige winzig klein. Tiff ahnte, warum der Herrscher über unzählige Arkoniden so kurz angebunden gewesen war. Atlan sah kurz hoch und der Hauch eines Lächelns zog über sein Gesicht. Julian, schön, dass Sie da sind. Ich lese diesen Bericht zu Ende, dann habe ich Zeit für Sie. Setzten Sie sich bitte. Er deutete auf eine Sitzecke, die in einem eigens dafür gebauten Erker stand. Für irdische Verhältnisse waren es ganz normale Möbel, für arkonidische waren sie extrem schlicht. Tiff setzte sich und ein Dienstbote erschien, um ihn ein Erfrischungsgetränk anzubieten. Es war ein Zaliter, der in seiner Uniform sehr wichtig aussah. Tiff entschied sich für einen Kaffee, dann genoss er den Ausblick. Direkt unter dem Erkerfenster war ein Park angelegt worden. Nicht hübsch, aber er zeigte deutlich, wie weit die Handelsbeziehungen der Arkoniden reichten und wie mächtig sie noch waren, dass sie selbstverständlich Pflanzen von unzähligen unterworfenen Planeten hier zur Schau stellten.
Sie fragen sich sicher, warum ich Sie zu mir gebeten habe. Atlan kam zu ihm herüber und ließ sich von dem Zaliter auch eine Tasse Kaffee geben. Tiff fühlte seinen kühlen, kalkulierenden Blick. Er zuckte nur mit den Schultern. Ich bin neu auf Arkon, deswegen kenne ich mich noch nicht mit den Gepflogenheiten aus. Normalerweise würde ich sagen, dass etwas schrecklich schief gegangen ist, wenn man mich so ruft, aber ich habe das Gefühl, dass dem nicht so ist. Atlan nickte. Das Gefühl trügt Sie nicht. Rhodan hat heute mit mir Verbindung aufgenommen. Störrisch wie er ist, hat er darauf bestanden, dass ich mir nach drei Jahren die Zeit nehmen muss, Staatsbesuche und nicht nur Arbeitsbesuche zu empfangen. Er wird nächste Woche kommen und wir werden einige Dinge besprechen müssen. Er wird wie ein Staatsoberhaupt eines alliierten Volkes behandelt. Atlan sah gar nicht so unglücklich aus. Im Gegenteil, es schien, dass er sich darüber freute. Doch was hatte Rhodan ihm geboten, dass er als Staatsgast behandelt wurde? Atlan musste hart mit sich gerungen haben, um ihm diese Ehre zu erweisen. Schließlich galt Terra immer noch als rückständiger Planet. Andere, wirklich mächtige Rassen, wie die Springer, drängten auch auf Staatsbesuche und würden sehr sauer über diese Bevorzugung sein. Der Imperator trank einen Schluck und blickte hinaus. Tiff hätte viel Geld für seine Gedanken gegeben. Er kannte ihn gut genug, um zu wissen, dass jede Nachfrage zwecklos sein würde. Und was wird meine Rolle sein? Tiff wollte wissen, warum Atlan ihn zu sich bestellt hatte. Sie werden dafür sorgen, dass er im Palast wohnt und die Räume seinen Bedürfnissen entsprechen. Ich werde Ihnen einige Dienstboten zur Verfügung stellen, die Sie in allen Belangen unterstützen werden. Er trank einen weiteren Schluck, dann grinste er. Ich will ja nicht, dass unser Barbar von dem arkonidischen Luxus überwältigt wird. Tiff lächelte. Er wusste, wie der Arkonide es meinte: Sorge dafür, dass nirgendwo Abhöreinrichtungen oder Fallen sind. Er musste einsam sein. Kein Wunder; die eigentlichen Arkoniden waren so degeneriert, dass man mit ihnen nicht arbeiten konnte. Wollte Atlan aktive Mitarbeiter haben, musste er auf Nachfahren der Arkoniden wie die Zaliter zurückgreifen. Ein Teil seiner Hoffnungen ruhten auf den Schläfern, doch sie waren auf Gonza angesiedelt worden und noch nicht so weit, aktiv in das Geschehen einzugreifen. Das Trauma, teilweise Jahrtausende im Tiefschlaf verbracht zu haben, mussten sie noch verarbeiten. Der Luxus wird ihn nicht überwältigen, Atlan. Die Pracht, die die Arkoniden entfalten, ist nichts gegen die des Sonnenkönigs, Ludwig der XIV. Genau so, wie sie über genügend technische Entwicklungen verfügten, die Rhodan davor bewahren würden, das man jedes seiner Worte verfolgen konnte. Für seine Zeit war er wirklich prachtvoll, aber ihm fehlt unser technisches Verständnis, zudem haben wir bessere hygienische Bedingungen. Das ist auch nicht schwer. Tiff beugte ich vor. Dafür legen die Arkoniden viel zu viel Wert auf technische Spielereien. Können Sie mir verraten, was die drei Muscheln auf der Toilette in der Botschaft bedeuten? Atlan lächelte, dann schüttelte er bedauernd den Kopf. Das müssen Sie selbst herausfinden. Er leerte seine Tasse, dann stand er auf. So gerne ich noch mit Ihnen plaudern möchte, meine Arbeit wird nicht weniger werden. Ich zeige Ihnen noch, welche Zimmerflucht ich für Perry vorgesehen habe, danach können Sie dort anfangen. Wie Sie wünschen. Ohne seinen Kaffee auszutrinken, stand Tiff auf und folgte dem Imperator. Die Räume waren nicht weit entfernt. Sie waren elegant, aber nicht protzig eingerichtet und es war nicht nur eine Suite, die für Rhodan bestimmt war, sondern verfügte auch über viele Einzelzimmer, sodass der gesamte Stab in seiner unmittelbaren Umgebung übernachten konnte. In Gedanken ging Tiff durch, was er alles ändern musste, um die Suite für Rhodan sicher zu machen. Viel würde es nicht sein.
Als Rhodan zum Staatsbesuch kam, war alles perfekt vorbereitet. Auch in den nächsten Jahren wurden Rhodan in dieser Suite untergebracht, wann immer er zu Besuch kam. Kein anderer Gast bekam diese Zimmerflucht zur Verfügung gestellt.
Viel später erfuhr Tiff durch Zufall, dass diese Gemächer für die Gemahlin des Imperators vorgesehen waren und es eine geheime Tür gab, durch die Atlan jederzeit Rhodans Schlafzimmer betreten konnte. Da konnte er über diese Kleinigkeit nur noch schmunzeln.
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