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© by Aisling (Aisling@gmx.net), 2011
Abby saß vor dem Feuer und drehte die Blüte mehrfach in der Hand, bevor sie sie zur Seite legte und anfing, die Pflanze in ihrem Notizbuch zu skizzieren. So viele Dinge gab es zu entdecken, so viel aufzuzeichnen und so wenig Platz in ihrem Notizbuch. Es war fast voll und sie musste sich auf wirklich außergewöhnliche Dinge beschränken, um nicht innerhalb weniger Tage den restlichen Platz vollzukritzeln.
Sie war so vertieft in ihre Arbeit, dass sie gar nicht mitbekam, wie Connor ihre Laubhütte betrat. Schau mal, was ich mitgebracht habe. Abby blickte hoch und sah, dass er zwei große Fische und einige essbare Wurzeln in den Händen hielt. Lass mich noch zu Ende zeichnen, dann kümmere ich mich um das Abendessen. Sie beugte ihren Kopf über ihr Notizbuch, als Connor sich räusperte. Abby, hast du mitgerechnet, wie lange wir schon hier sind? Sie schüttelte den Kopf. Das machst doch du. Ich bin viel zu sehr mit dem Katalogisieren beschäftigt. Er räusperte sich noch einmal und sie sah wieder hoch. Habe ich was verpasst? Noch gar nichts, nur, er hockte sich zu ihr hin, heute ist Weihnachten und ich wollte ... da nur wir beide ... Er blickte sie an und sah auf das Buch in ihren Händen und schüttelte den Kopf. Ach, vergiss es. Er stand auf und stürmte aus ihrer Behausung.
Abby blickte ihm hinterher. Weihnachten? Wenn das wahr war, dann hatten sie bereits ein halbes Jahr in der Kreidezeit überlebt. Ein halbes Jahr, in dem sie versucht hatte, alles über ihre Umgebung zu erfahren, alles Wichtige aufzuzeichnen und dabei mehr über Dinosaurier erfahren hatte, als sie sich jemals hätte träumen lassen. Ein verdammtes halbes Jahr, in dem Connor und sie um ihr Überleben gekämpft hatten und mehr als nur ein Mal beinahe als Vorspeise im Magen eines Dinosauriers gelandet wären. Sie verstand nicht, warum Connor so abrupt fortgeeilt war, würde Männer nie verstehen, aber sie konnte ihn auch nicht einfach so gehen lassen. Nicht ihn. Connor, warte! Sie sprang auf, ihr Notizbuch fiel zu Boden und blieb neben Connors Fischen liegen. Im Vorbeilaufen registrierte sie, dass es sich bei den schuppigen Tieren um Knochenfische, wahrscheinlich Karpfenfische handelte. Doch dieser Gedanke blieb wie die Fische zurück, als sie ihrem Connor hinterherlief.
Sie fand ihn dort, wo sich vor knapp einem halben Jahr die Anomalie geschlossen und sie in der Kreidezeit hatte stranden lassen. Connor? Vorsichtig berührte sie ihn an der Schulter.
Er nahm ihre Hand und drückte sie. Ach, Abby. Es ist so schwierig. Wir beide sind die einzigen Menschen hier und ich weiß, dass du nur Freundschaft für mich empfindest. Und ich Idiot habe das Gefühl, immer wieder gegen eine Mauer zu rennen, weil ich mehr möchte. Ich will dir keine Vorwürfe machen, setzte er hastig hinzu. Aber ... ein halbes Jahr ist verdammt lange. Und immer verschanzt du dich hinter deinem Buch und deinen wissenschaftlichen Aufzeichnungen.
Wir sind die ersten Menschen, die dies hier mit eigenen Augen sehen können. Wenn wir zurückkehren, dann wird das die Forschung der Kreidezeit unendlich weit nach vorn katapultieren. Abby wusste, dass dies keine Antwort war und bestimmt nicht das, was Connor hören wollte, aber die Wahrheit zu sagen, barg große Gefahren.
Scheiß auf die Forschung! Was ist mit mir? Ich bin auch hier, aber manchmal siehst du mich gar nicht, du isst, wenn ich dir etwas bringe, schläfst, wenn ich es dir sage, hältst Wache, wenn ich schlafen muss, aber verdammt noch mal merkst du nicht, was mit mir los ist? Connor hatte sich zu ihr umgedreht und sah sie an. Dabei hielt er ihre Hand fest, so dass sie nicht einfach weggehen konnte. Abby musterte ihn nachdenklich. Die Kleidung, die sie viel zu selten wuschen, seine Haare, die dringend geschnitten werden mussten und die Verzweiflung in seinen Augen. Sie fuhr sich mit der freien Hand durch die Haare. Sie saßen hier fest und wenn sie Connor jetzt anlog, dann würde die nächste Zeit ihre ganz persönliche Hölle werden. Das durfte nicht passieren. Aber wie sollte sie es erklären?
Connor, ich weiß, wie du fühlst. Du wirst es mir vielleicht nicht glauben, aber ich empfinde Ähnliches für dich. Aber hier, wo es überhaupt keine Zivilisation gibt, ist es einfach zu gefährlich. Was ist daran gefährlich, einem anderen Menschen nah sein zu wollen? Dass es nach neun Monaten ernst werden kann. Und das sagst du, nachdem wir fast ein halbes Jahr ... Er hob abwehrend die Arme. Stopp, willst du mir etwa sagen, dass du Angst hast, schwanger zu werden? Abby kreuzte die Arme vor ihrer Brust und starrte ihn böse an. Und was ist daran bitteschön so falsch? Es ist schon schlimm genug, dass ich für meine körperlichen Bedürfnisse alle paar Wochen Moos sammeln muss, aber der Gedanke, dass nach neun Monaten weder ein Arzt, noch eine Hebamme in der Nähe wäre, ist bei mir der absolute Lustkiller. Und dabei denke ich noch nicht einmal darüber nach, wie in dieser Umgebung ein Kleinkind überleben könnte. Sie zuckte mit den Schultern. Ich bin zu vernünftig, als dass ich solche Gedanken einfach bei Seite schieben könnte.
Connor sah sie ungläubig an. Glaubst du ernsthaft, dass ich nur das von dir will? Ich will dich. Und miteinander schlafen muss doch nicht alles sein, man kann auch anders Spaß haben. Er zwinkerte viel sagend und Abby wurde rot. Aber, er wurde wieder ernst, willst du mit mir schlafen, weil ich es bin oder weil ich der einzige Mann auf der Welt bin? Denn das will ich nicht. Ich will nicht, dass es vorbei ist, wenn wir nach Hause zurückkehren.
Sie fühlte, wie noch mehr Wärme in ihren Kopf stieg und schüttelte entschieden den Kopf. Nein, weil du es bist. Zu Hause warst du immer der Chaot und ich habe dir hinterhergeräumt. Hier bist du ganz anders. Du hast es geschafft, uns diese riesige Behausung zu bauen, in der wir vor den Dinosauriern sicher sind, du hast dir die Alarmanlage ausgedacht und du bist immer so optimistisch, gibst nicht auf. Wenn ich nicht meine Arbeit hätte, würde ich verzweifeln. Der Gedanke, dass das Buch irgendwann voll sein würde und sie nichts mehr hatte, dass sie davon ablenken konnte, dass sie in der Kreidezeit gestrandet waren, erschreckte sie.
Würdest du nicht!, widersprach Connor ihr lächelnd. Würde ich wohl!, konterte Abby, musste aber auch grinsen. Nein! Doch! Nein! Doch! Abby lachte auf. So verrückt konnte nur ihr Connor sein. Da spürte sie, wie er sie näher an sich heranzog und sie umarmte. Sie kuschelte sich an ihn. Es tat so gut, seine Wärme und Stärke zu spüren. Frohe Weihnachten, Abby! Er beugte sich vor und küsste sie.
Ende.
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