Taxi Atlantis

© by Aisling (Aisling@gmx.net) & Birgitt Schuknecht (magnifica@gmx.net), 2007

 

Disclaimer: Uns gehört Atlantis leider nicht. Wir spielen nur ein wenig mit den Charaktern und geben sie anschließend zurück.


 

"Lassn Sie misch los, Sör. Das kann isch allein!"

"Das bezweifele ich."

Ohne auf die weiteren Proteste von Sergeant Miller zu achten, zog John Sheppard ihn vom Boden hoch, schlang einen Arm um dessen Hüfte und versuchte, ihn aus der festlich dekorierten Messe zu manövrieren.

Da viele bereits die Weihnachtsfeier verlassen hatten, war es recht einfach.

 

Schuld war die Bowle.

Als Mitorganisator der Weihnachtsfeier hatte John darauf geachtet, dass die Bowle nur einen Hauch Alkohol enthielt - schließlich sollten die Diensthabenden auch ein Glas trinken können.

Das erste Glas war noch okay, aber beim zweiten hatte John gemerkt, dass der Fruchtpunsch mit Zelenkas Selbstgebranntem verfeinert worden war.

Es war aber zu spät, um noch etwas zu unternehmen: Eine Entführung der umlagerten Bowle hätte wohl zu einer Meuterei geführt. John schwieg und trank. In Maßen, auch wenn es ihm schwer fiel.

Es hatte nicht lange gedauert, bis der erste Wissenschaftler unter den Tisch kroch, um ein Nickerchen zu machen. John hatte amüsiert zugesehen, wie Rodney sich fluchend und Drohungen ausstoßend abmühte, den Betrunkenen zum Aufstehen zu bewegen.

Nicht viel später hatte John seinen ersten ,Fahrgast', den er in sein Quartier brachte.

 

Miller war die zehnte Fuhre und John hatte mehr Routine, mit Betrunkenen fertig zu werden, als er jemals hatte haben wollen. Aber die Touren hatten auch ihre komischen Momente.

"Isch will noch weiter feiern, Sör." Sergeant Miller versuchte, sich aus Johns Griff zu befreien.

"Dann hätten Sie weniger trinken sollen." John hatte ihn eisern im Griff.

"Schwei Gläscher, wasch isch daran zu viel?"

"Zwei Gläser mit mehr Alkohol, als du in den letzten zwei Jahren getrunken hast. Halt dich fest."

Endlich hatte er Miller im Transporter. Nach dem Beamvorgang hielt er respektvollen Abstand von seinem Begleiter. Seine Sorge war unbegründet. Miller wurde ein wenig grün im Gesicht, behielt seinen Mageninhalt aber bei sich.

"Kommen Sie."

John zog ihn mit sich und nach wenigen Schritten standen sie vor Millers Quartier. Er überbrückte mit einem Befehl den Sicherheitscode der Tür und bugsierte Miller aufs Bett, zog ihm die Schuhe aus und fand sogar eine Schüssel, die er neben dem Kopfende abstellte.

Als John den Raum verließ, war der Soldat bereits eingeschlafen.

Auf dem Rückweg begegnete er drei Wissenschaftlern, die dreisprachig und sehr schief 'Stille Nacht' sangen und so betrunken waren, dass sie sich gegenseitig stützen mussten. Dabei lachten sie immer wieder laut auf. John beobachtete den bühnenreifen Abgang, bis sie in den Transporter torkelten und die sich schließende Tür den Gesang verschluckte.

Als John die Messe betrat, war der große Saal war fast leer.

"Kein Kunde mehr", murmelte John nach einem prüfenden Blick in die Runde.

Er ging zu dem Tisch, an dem noch Dr. Weir, Carson Beckett und Rodney saßen. John nickte den anderen zu und ließ sich auf einem Stuhl nieder.

Als Elizabeth ihm eine Tasse rüberschob, inhalierte er den aufsteigenden Dampf, bevor er mit einem wohligen Seufzer den ersten Schluck trank. Kaffee. Richtiger, guter Kaffee und nicht die Brühe, die es sonst gab.

"Willst du nicht gleich ins Bett gehen? Bei so viel Koffein kannst du bestimmt nicht schlafen."

"Du glaubst auch noch an den Weihnachtsmann, McKay. Ich kann unter ganz anderen Bedingungen schlafen. Außerdem ist es mein Kaffee! Ich habe ihn mir hart erarbeitet."

"So viele?" Elizabeths verständnisvolle Frage tat gut.

"Zehn. Dabei hat sich Major Lorne Willbourgh und Wings auf einmal geschnappt und hat mir Arbeit abgenommen."

"Ein Mann mit vielen Talenten: Soldat, DJ, Reinemachefrau..."

John wartete darauf, dass Elizabeth den Künstler erwähnte, aber Rodney fiel ihr ins Wort.

"Ich brauchte mich nur um drei zu kümmern. Im Gegensatz zu Soldaten fällt es Wissenschaftlern viel leichter, rechtzeitig aufzuhören. Schließlich könnten bei uns ja wertvolle Gehirnzellen absterben."

"Ich vermute, sie haben mehr Übung. Schließlich sitzen sie ja an der Mondschein-Quelle"

"Ich habe Dr. Zelenka bis zu seinem Quartier gebracht", mischte sich Elizabeth ein. "Er konnte zwar noch gehen, verfluchte aber denjenigen, der Wodka und nicht seinen Becherovka in die Bowle gekippt hat."

John fragte sich, wer noch eine Destille aufgebaut hatte. Vielleicht war es der neue russische Wissenschaftler mit dem unaussprechlichen Namen. Er musste es herausbekommen, um seinen Jungs etwas mehr ,Trainingsmöglichkeiten' zu verschaffen.

"Wenigstens war die Feier sehr fröhlich, wenn ich dagegen an letztes Jahr denke..." Carson brauchte nicht mehr zu sagen.

Elizabeth nickte. "Es war deprimierend. Ich habe an die Erde gedacht und an die Menschen, die ich zurückgelassen habe."

"Dr. Heightmeyers Terminkalender war randvoll. Dieses Jahr wird wird sie die Feiertage genießen können."

"Ja, weil alle verkatert zu dir kommen und sich mit Drogen versorgen lassen. Schade, dass morgen das Labor geschlossen ist." Rodney sagte es mit einem sehr sarkastischen Unterton.

"Warum denn?", fragte John.

"Dann bräuchte ich noch nicht einmal meine Stimme zu erheben, um Weinkrämpfe zu provozieren."

"Du bist ein Sadist. Es ist Weihnachten: Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen", grinste John.

"Phhhh. Wenn sie bewusst ihre Gehirnzellen killen, gefährden sie hier nicht nur ihr eigenes Leben. Also müssen sie dann zur Strafe mit mir klar kommen."

John leerte den Becher und wollte sich auf den Heimweg machen, als eine Geste von Elizabeth ihn zurückhielt.

"Bevor ihr ins Bett geht, möchte ich mich bei euch für diese gelungene Feier bedanken. Ohne eure Organisation wäre das Fest nur halb so schön geworden."

John kratzte sich verlegen am Hinterkopf. Carson räusperte sich und Rodney wuchs um drei Zentimeter, fand auch als Erster seine Stimme wieder.

"Es war auch viel Arbeit. Alleine das Tannengrün zu organisieren..."

"Du warst nicht auf MKT358, Rodney. Das waren Ronon, Teyla und ich. Du hast dafür gesorgt, dass du mit jeglicher körperlicher Arbeit nichts zu tun hattest."

"Nicht ganz. Ich gehöre morgen zu Aufräumtruppe."

Jetzt wunderte sich John über gar nichts mehr. Kein Wunder, dass der Raum noch halbwegs menschlich aussah. Womit hatte Rodney seinen Wissenschaftlern gedroht?

"Darf ich bitte weiterreden?"

Auf Elizabeths Stirn war eine kleine Falte und John schluckte seine Antwort runter.

"Als kleines Dankeschön für eure Arbeit wird Carson euch auf eurer nächsten Mission begleiten." Elizabeth lächelte in die Runde und niemand wagte es, Widerworte zu geben. "Ihr Ziel wird MKT341 sein. Vier Tage, an denen ich einzig und allein regelmäßige Meldungen erhalte, dass es euch gut geht und ihr euch gut erholt. Verstanden?"

Alle nickten. John wusste aus Lornes Berichten, dass es sich um einem Planeten mit tropischem Klima, traumhaften Stränden und wunderbarem Wellengang zum Surfen handelte. Zudem gab es eine Ruine, die Rodney schon lange untersuchen wollte. In der Nähe der Ruine gab es zudem einen fischreichen Fluss, der Carson bestimmt gefallen würde Ein fantastischer Urlaubsort.

"Ach übrigens, Frohe Weihnachten."

Elizabeth stand auf und verließ die Messe.

John schaffte es so gerade eben, ihr "Frohe Weihnachten und Danke!" hinterher zu rufen, bevor die Tür sich hinter sie schloss.

"Wow", sagte Carson und Rodney war zur Abwechslung sprachlos. Wahrscheinlich plante er schon seinen Trip in die Antiker-Historie. John grinste. 'Wow' war absolut richtig. Auf der Erde hätte er ein einsames Fest verbracht. Hier hatte er alles, was er brauchte, um glücklich zu sein.

 

 

 

Ende