RadioRadio
KOSMOS "Radiomann" - Mein Nachbau


            

Eines vorweg: Alles nachfolgende - zum Thema "Radiomann", von mir geschriebene beruht auf mein subjektives Empfinden. Soll heissen: Ich bin kein "Röhren"-Profi; besitze ausser ein Voltmeter keine weiteren Messgeräte jedoch Spass an der Sache. Sollte folgendes ab und an auf Unverständnis stossen (hier sind ausnahmslos die Profis angesprochen ;-) so möge mir man dies uneingeschränkt mitteilen. Ich habe kein Problem mit konstruktiver Kritik ;-) und werde alles zu beherzigende im folgenden Text einfliessen lassen.

Meine eMail-Adresse: akoffm@germanynet.de

            


            

Seit dem 24.12.2004 bin ich stolzer Besitzer eines KOSMOS-Radiomann-Baukasten aus dem Jahre 1967 in der 19. Auflage, für rund 40,-- bei eBay ersteigert. Der Kasten ist nahezu vollständig. Nur ein Kondensator und zwei Widerstände fehlt. Die, damals als Zusatzpackung erhältliche, Radioröhre (Pentode) EF98 lag, nebst Verbindungsfedern bei. Deswegen habe ich den Kasten auch ersteigert um endlich mal ein Röhrenradio (im weitesten Sinne) zu bauen. Frühere Versuche schlugen fehl - aus Unkenntnis. An jenem Heiligabend bekann der "Siegeszug" erst mal mit einer Enttäuschung. Die Verbindungsfedern waren das Problem: Kontaktprobleme traten auf. Jedoch lies ich mich nicht entmutigen so das gegen 23 Uhr aus dem Kopfhörer der gewohnte Klang der Mittelwelle zu hören war. Ich hatte gemäss Kapitel 94 (Die Röhre als Verstärker) die Schaltung aufgebaut und einen Tag später die selbe Schaltung mit einer EBF89 realisiert. Da diese statt sieben neun Stifte besitzt und die "Platte" RS 1 des KOSMOS-Baukasten nur die EF98 aufnehmen kann benutzte ich eine für 0,50 erworbene Fassung und verdrahtete sie auf jener Platte. Das Kabelgewirr war komplett, denn die Stifte der EBF89 haben eine andere Belegung. Hierzu später mehr.

            
            

Da ich im Radiobau (auf Transistorbasis !) schon ein wenig Erfahrung besitze kam mir das Kapitel 110 des Anleitungsheftes sehr entgegen. Hier wird ein Rückkopplungsempfänger beschrieben. Auch diese Schaltung baute ich mit beiden Röhren auf. Als nervig empfand ich das man mit der Hand die Rückkopplungsspule innerhalb der Schwingkreisspule bewegen musste um den Einsatz der Rückkopplung zu ermitteln. Für so was braucht man eine ruhige Hand. So kam ich auf die Idee dies mit einem Spindelantrieb zu realisieren.

           
            

Weil ich die Originalspulen nicht verwenden wollte - der Baukasten soll vollständig bleiben, baute ich die Spulen nach und "entwickelte" den Spindelantrieb. Diese Technik kennt man von Autoradios her. Hier wird ein Ferritkern durch verstellen des Senderwahlknopfes in einer Spule bewegt. Bei meinem Antrieb nutze ich eine Gewindestange, welche es erlaubt die Rückkopplungsspule auf rund einem halben Millimeter zu bewegen. Auf Grund der Dimensionierung habe ich die KOSMOS-Schaltung auf einer MDF-Platte aufgebaut.

           
            

Wie oben angesprochen, besitzt die EBF89 neun Stifte zudem eine andere Stiftbelegung als die EF98 mit sieben Stiften. Ich habe im Internet ein wenig gestöbert und fand unter der URL www.r-type.org/ die entsprechenden Daten für "meine" Röhre. Ich kann diese Seiten wärmstens empfehlen. Da ich mir den 50-Cent-Sockel für ein anderes Projekt aufheben wollte, bastelte ich mir meinen eigenen Röhrensockel. Er ist gut gelungen. Die Stifte sind nicht so verbogen wie bei der KOSMOS-Lösung mit dem Radiomann. Ich habe eigens eine kleine Bauanleitung geschrieben, für jene die ihn nachbauen wollen (Siehe in der Menüleiste links). Eine Bauanleitung für den Spindelantrieb habe ich leider (wie dumm von mir ;-) nicht bildlich dokumentiert.

           
            

Hier erst mal der Schaltplan. Ich habe die Originalschaltung aus Kapitel 110 etwas abgeändert. Es bestand, mit dem von mir verwendeten Drehkondensator (Luft), das Problem das es nicht möglich war das gesamte Mittelwellenband zu "überstreichen". Ich kam bis ca. 1020 KHz.

           

            

Die hier gezeigte Schaltung funktioniert bis ca. 1616 KHz. Mittels Schalter (S) können über die "direkte" Antenne die Frequenzen von ca. 590 bis 1020 KHz und über dem der Antenne vorgeschalteten Drehkondensator von ca. 1020 bis ca. 1600 KHz "überstrichen" werden. Zudem habe ich vier statt drei 4,5 Volt-Batterien in Reihe geschaltet. Die Lautstärke des NF-Signal nahm zu. Der - im KOSMOS-Kasten beiliegenden, Gitterkondensator wurde gegen einen 6,8 nF-Rollkondensator ausgetauscht. Das Brummen nahm merklich ab. Ich vergas dies zu erwähnen: Mit der obigen Schaltung (Version 1) und auch bei der Originalschaltung wurde das verstärkte NF-Signal von einem deutlich hörbaren Brummen begleitet. Die Kapazitäten des von mir verwendeten Trimmers für die Rückkopplung (aus einem Satellit 3400) und des Drehkondensators (aus einem MW-Taschenempfänger) für die Antennenanpassung sind mir nicht bekannt.

           
            


Hier ein Bild
von meinem MW-Audion (Version 1 - Januar 2005)

            

           
            

Wegen Glasbruch bei der EBF89 kam eine ECH84 zum Einsatz. Die Schaltung entspricht bis auf das Umlöten zweier Drähte am Sockel der obigen Schaltung. Die teuren 4,5 Volt-Blockbatterien hatte ich durch ein Netzteil (schaltbar bis 12V/380 mA) ersetzt. Jenes versorgte den Anoden-Gitterkreis (G2). Die Heizung wurde von einem 6 Volt-Trafo gespeist.

Nach einigem experimentieren konnte ich einen billigen Walkmannkopfhörer anschliessen; ihm war ein 10:1 Übertrager vorgeschaltet. Den Kopfhörer habe ich mir für 1,49 bei einem Discounter in Alsfeld (Oberhessen) besorgt. Trotz des niedrigen Preises bietet er einen angenehmen Klang.

Später hatte ich einen 1-Röhren-Verstärker, welchen Andreas Legnar unter http://www.b-kainka.de/röhren auf der Homepage von Burghard Kainka vorstellt, nachgebaut; inkl. Netzteil. Als Röhre kam die EABC80 im Einsatz da ich keine Stereoverstärkung benötige. Fazit: Ich kann kann Andreas nur beipflichten. Ich habe ihm zum Test an einen der beiden Chinch-Ausänge meines Tapedecks angeschlossen und das Ergebnis war eine satte Verstärkung des Chinch-Pegels. Weniger erfolgreich war die Anbindung an das KOSMOS-Audion. Erst mit einem 220 K-Widerstand - parallel zwischen NF-Eingang und Masse des Verstärkers, brachte eine kleine Verbesserung. Der Empfänger arbeitete meiner Meinung nach noch nicht zufriedenstellend, die Rückkopplung war zu "hart".

Ein Griff in meine Röhrenkiste brachte die EL84 hervor. Ich setze sie zZt. in der o.g. Schaltung (zzgl. G2 auf +V; ohne 220 KOhm-Widerstand) ein und kann eine bessere Lautstärke ausmachen. Auch die Rückkopplung ist nicht mehr so "hart". Diese Verbesserung, die Rückkopplung betreffend, kann aber auch daran liegen das dass Audion-Teil nicht mehr mit 12 sondern nur noch mit max. 7,5 Volt betrieben wird.

Wenn ich mir heute (Oktober 2005) den obrigen Absatz durchlese, muss ich mir an den Kopf greifen, was ich damals zusammengebastelt hatte. Wenn ich mal nix zu tun habe werde ich den Fehler mit der Verstärkeranbindung an das Audion beheben.

Mit einer rund 14 Meter langen Drahtantenne und Erdung konnte ich folgende Sender - welche ein deutschsprachiges Programm ausstrahlen, empfangen (Stand: 11.04.2005 - fettgedruckt = aktuelle Verstärkerröhre):

Die Hörproben sind alle MP3-Files.

           

Frequenz

Stationsname

Verstärkung

Standort (Station)

Hörprobe

549

Deutschlandfunk

EABC80

Braunschweig/Heusweiler; variiert

594

HR Info

EABC80

603

Stimme Ruslands

EL84

Berlin

711

SWR Kontra

PCL86

Heilbronn/Ulm; varriiert

720

WDR 2

EL84

Langenberg

783

MDR Info

EABC80

Leipzig-Widerau

801

Bayrischer Rundfunk 1

EABC80

Dillberg/Neumarkt; variiert

918

Radio Slovenija

EL84

Ljubljana-Domzale

936

Bremen 1

EABC80

via Relais SWR

990

Deutschlandradio Kultur

EL84

Berlin-Britz

1323

Stimme Russlands

EL84

Sowetsk/Wachenbrunn; variiert

1440

Radio China Intl.

EABC80

via WRN

1440

RTL Radio

EL84

Marnach

1422

Deutschlandfunk

EABC80

Heusweiler

1440

Missionswerk W. Heuckelbach

EABC80

1458

Radio Tirana

EABC80

1467

Radio Vatikan

PCL86

via Relais Radio Ibrahim

1476

Österreichischer Rundfunk

EABC80

Wien-Bisamberg

1512

Radio Vlaandern

EL84

Wolvertem

1539

Evangeliumsrundfunk

EABC80

Mainflingen

1539

Neumarktner Rundfunk

EL84

Miercurea Ciuc, ROU



Version 2 mit Verstärker (März 2005)