Wasserleichen
Bei der Verwesung von Wasserleichen spielt die Wassertempertur eine noch entscheidenderere Rolle als bei Leichen im Gelände.
Veränderungen an Leichen im Wasser Grundsätzlich kommt es bei Aufenthalt von Leichen im Wasser zu den gleichen Veränderungen wie sie auch an Land ablaufen. Frühe Leichenveränderungen sind Erkalten, Totenflecke (schwach ausgeprägt) und Totenstarre. Hier ist zu beachten das der Leichnam zwar in der Regel schnell auskühlt, dies aber kein sicheres Todeszeichen ist.In seltenen Fällen tritt eine sofortige Totenstarre ein, was insbesondere bei extremem Schock möglich ist. Äußerlich lässt sich an einer Wasserleiche nicht erkennen, ob der Tod an Land oder im Wasser eingetreten ist. Beginnend an den Fingerbeeren, bildet sich eine durchweichte und faltige, so genannte "Waschhaut" (=Runzelbildung), die durch Quellung der Hornschicht entsteht. Früheste Leichenveränderungen treten bereits nach ca. 30 Minuten auf, sind jedoch Abhängig von Wassertemperatur und Talgüberzug der Haut (fette Haut). Nach rund zwei Wochen löst sich die Haut (Epidermis) von den Händen und Füßen und nach drei bis vier Wochen lässt sich die gesamte Haut wie ein Handschuh abstreifen. Die Haare lösen sich und mit Beginn des Fäulnisprozesses wird das Venennetz durch die Haut sichtbar ("Durchschlagen des Venennetzes"). Leichen treiben meist mit dem Gesicht nach unten und mit herabhängenden Armen und Beinen im Wasser. Eventuelle Totenflecke bilden sich daher meist im Gesicht, der oberen Rumpfpartie, an Händen, Unterarmen, Waden und Füßen. Bestehender Wellengang kann das Erscheinungsbild aber verändern. In Fließgewässern kommt es durch die Lage der Leiche meist zu Kratz- und Schleifspuren an Stirn, Nase, Handrücken, Knien und Fußrücken. Gröbere Verletzungen entstehen durch Eisschollen, Wildwasser, Schiffsschrauben, Bergehaken und Tierfraß (Krebse, Ratten, Fische, Möwen). Auch eine Entkleidung der Leiche ist in Fließgewässern nicht selten. Wasserleiche in Fließgewässer
Häufig finden sich an Wasserleichen Verletzungen, die durch das Abtreiben des Leichnams entstanden sind. Die obigen Bilder zeigen die am häufigsten davon betroffenen Extremitäten. Im Wasser läuft der Verwesungsprozess langsamer als an Land. Eine Wassertemperatur von 5°C kann eine mehrwöchige Verzögerung bewirken. Mit fortschreitender Fäulnis entsteht in den Eingeweiden ein beträchtliches Gasvolumen. Sofern die Leiche nicht am Grund fixiert ist, steigt sie nach rund zwei Wochen an die Wasseroberfläche. Die Identifizierung von Wasserleichen gestaltet sich manchmal sehr schwierig, da der verwesende Körper und vor allem das Gesicht stark entstellt und die Haut durch das sich zersetzende Blut fast schwarz sein kann. Längeres liegen im Wasser und überhaupt in einer feuchten Umgebung führt gelegentlich zum Entstehen von Fettwachs (Adipocire). Aufgrund chemischer Prozesse wird hierbei Körperfett in eine graue, wachsartige und seifenähnliche Substanz verwandelt. Die Körpergestalt bleibt erhalten, das Gesicht ist jedoch oftmals nicht mehr zu erkennen. Fettwachs entsteht gewöhnlich erst im Lauf mehrerer Monate und ist über Jahre oder sogar über Jahrhunderte hindurch beständig. Bei der Fettwachsbildung wird Körperfett nach Hydrolyse und Verflüssigung in gesättigte Fettsäuren und deren Alkalisalze umgewandelt. Eine von außen erkennbare typische Erscheinung ist das Aufquellen der Haut besonders an Handflächen und Fußsohlen als Waschhaut.
Nach längerer Liegezeit läßt sich die Oberhaut handschuhartig abziehen. Im weiteren kommt es zur sogenannten Fettwachsbildung mit Erhalt der äußeren Konturen der Leiche. Auch Algenbewuchs kann das Äußere einer Wasserleiche beeinflussen. Algenbewuchs tritt jedoch frühestens nach 2-3 Wochen auf und ist meist bunt und zottig. Späte Leichenveränderungen sind durch Autolyse (Zersetzung durch körpereigene Enzyme) und Fäulnis verursacht. Fäulnisvorgänge laufen im Wasser zum Vergleich an der Luft doppelt so langsam ab. |
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