| Verwesung (aerobe Verhältnisse)
im allg. im Anschluß an die Fäulnis einsetzende oxidativ-bakterielle Zersetzung organischer, v.a. stickstoffhaltiger Stoffe zu anorganischen Endprodukten (Ammoniak, CO2, Wasser, Nitrate, Sulfate). Führt bei Körpergeweben zum zundrigen Zerfall. Fäulnis (anaerobe Verhältnisse) die vorwiegend durch Fäulnisbakterien verursachte anoxidative Spaltung stickstoffhaltiger organischer Substanzen (v.a. als Eiweißfäulnis) unter Bildung von z.T. übelriechenden Gasen u. Zwischenprodukten (z.B. Kohlendioxid, Schwefelwasserstoff, Ammoniak bzw. Indol, Skatol Methan, NH3-Ammoniak, Kohlendioxid-CO2, H2S-Schwefelwasserstoff). Fäulnis und Verwesung Bakterien aus dem Darm und aus der Mundhöhle dringen ins Körperinnere vor und greifen die noch lebenden Zellen an. Die Verwesung beginnt. Hat ein Kranker vor seinem Tod Antibiotika erhalten, z.B. auf der Intensivstation, kann sie sich um Wochen verzögern. An der Haut lassen sich bald erste Veränderungen erkennen. Unter der Haut wird das Netz der Venen sichtbar. Schon kurz nach dem Tod zeigen sich die bläulichen Leichenflecken, die entstehen, wenn das Blut im Körper, der Schwerkraft folgend, absinkt. Trotz dieser Veränderungen können die Schweißdrüsen der Haut aber noch über 30 Stunden arbeiten. Und auch bei einem Toten kann man mit Medikamenten eine Gänsehaut hervorrufen. Schreitet die Verwesung weiter fort, blähen Gase, die bei der Verwesung entstehen (vor allem NH3, CO2, H2S und N2) den Körper auf und dringen in die Haut ein. Es entstehen Hautblasen, die sich später mit Flüssigkeit füllen. Stickstoffverbindungen, die bei der Zersetzung von Eiweiß durch Fäulnisbakterien entstehen, nennt man Leichengifte (Ptomaine). Bei einer Obduktion läßt sich das Knistern der gasgefüllten Haut hören. Nach 2 Stunden werden Muskeln unbeweglich. Ihre Energiespeicher werden langsam aufgebraucht und ohne Sauerstoff können sie nicht neu aufgefüllt werden. Die Muskelfasern verhaken sich, die Totenstarre setzt ein. Sie hält bis zu 2 Tagen an und löst sich dann wieder. Warum ist noch ungeklärt. Langsam erkaltet der Körper, je Stunde um ungefähr ein Grad. Je nach Umgebung können manchmal Tage vergehen, bis der Körper wirklich tot ist. Am Verwesungsprozess sind eine Vielzahl Bakterien, Enzyme, Pilze und andere Organismen beteiligt. Das gesamte organische Material (Haut, Fleisch und Organe) wird nach und nach zersetzt. Auch Haare und Zähne fallen aus. Nach etwa vier Jahren ist nur noch ein Skelett übrig, sämtliche Knorpel und Weichteile sind zersetzt.Grundsätzlich kommt es bei Aufenthalt von Leichen im Wasser zu den gleichen Veränderungen wie sie auch an Land ablaufen. Frühe Leichenveränderungen sind Erkalten, Totenflecke (schwach ausgeprägt) und Totenstarre. Hier ist zu beachten das der Leichnam zwar in der Regel schnell auskühlt, dies aber kein sicheres Todeszeichen ist. Späte Leichenveränderungen sind durch Autolyse (Zersetzung durch körpereigene Enzyme) und Fäulnis verursacht. Fäulnisvorgänge laufen im Wasser zum Vergleich an der Luft doppelt so langsam ab. Eine von außen erkennbare typische Erscheinung ist das Aufquellen der Haut besonders an Handflächen und Fußsohlen als Waschhaut. Nach längerer Liegezeit läßt sich die Oberhaut handschuhartig abziehen. Im weiteren kommt es zur sogenannten Fettwachsbildung mit Erhalt der äußeren Konturen der Leiche. Bei der Fettwachsbildung wird Körperfett nach Hydrolyse und Verflüssigung in gesättigte Fettsäuren und deren Alkalisalze umgewandelt. |
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