Beobachtung einer außergewöhnlichen Haloerscheinung mit Moving Ripples

Beobachtungsort: Graupa (bei Pirna), Südlich von Dresden
Datum/Uhrzeit: 14. Mai 2001, 12.50 MESZ

Der Tag begann mit hohen und recht dichten Schleierwolken, die im Laufe des Vormittags abnahmen. Wie an den Vortagen zeigte sich daraufhin ein recht klarer, azurblauer Himmel, der von einzelnen Cirren geschmückt war. Für diesen Tag war noch schönes Wetter angekündigt. Erst am Abend und am Folgetag sollten Schauer und Gewitter einen unbeständigen Witterungsabschnitt einleiten. Der Wind hatte merklich aufgefrischt und kam aus südlichen Richtungen das Elbtal entlang.

Gegen mittag bemerkte ich eine Cirruswolke (federförmig; ca. 20° Ausdehnung), die in nördlicher Richtung hoch am Himmel stand. Sie änderte langsam ihre Form und zog langsam nach Osten oder Südosten. Zunächst hielt ich einen besonders hellen Teil im Zentrum der Wolke für besonders dicht, da er auffällig hell und weiß leuchtete. Doch nach kurzer Zeit stellte sich heraus, dass durch die Wolke ein Teil eines Halobogens o.ä. verlaufen musste, denn an den Rändern waren blasse Farbsäume auszumachen. Da die Wolke weiter in den Bogen hineinwanderte, wurde der sichtbare Teil des Bogens größer. Der Bogen erschien nicht sonnen- sondern zenitzentriert zu sein.
Als der Bogen seine grösste Ausdehnung erreichte, bemerkte ich ein weiteres Phänomen. Mehrmals (2 oder 3mal) liefen schnell wellenförmige Schatten über den nordwestlichen Teil des Bogens. Die Wellen querten den Bogen von Süd nach Nord bzw. vom Zenit zum nördlichen Horizont. Ein "Wellenpaket" bestand aus ca. 3 bis 5 dunklen Linien, die nur eine Ausdehnung von ca. 10' hatten. Die "Wellenpakete" folgten in kurzen Abständen. Die Geschwindigkeit war dabei erstaunlich hoch (ca. 2° pro Sek.).

Durch die nachträgliche Recherche in Literatur (SuW 10/1999), Internet (Satelitenbilder) und Astrosoftware (TheSky; Halo) kann ich noch folgende zusätzliche Angaben machen:

  1. der sichtbare Teil des Halos war offensichtlich Teil des Horizontalkreises,
  2. der Sonnenstand betrug ca. 57°,
  3. die Auswertung der DLR Satelitenbilder von ca. 5.00 Uhr UT und 14.00 Uhr UT ergab in der Umgebung keine größeren Gewitterwolken,
  4. Millitärflieger mit Überschallgeschwindigkeit wurden an diesem Tag keine bemerkt,
    dem "Moving Ripples" konnten keine anderen akustischen oder optischen Ereignisse (Donner, Detonation, usw.) zugeordnet werden.
© Alexander Wünsche, 19. Mai 2001