DämmerungserscheinungenWohl jeder Mensch ist von der Übergangszeit zwischen Tag und Nacht besonders angetan. Wer vielleicht in seinem Urlaub einen Sonnenuntergang am Meer erlebt, spürt die besondere Faszination, die der Wechsel der Tageszeiten und die Farbspiele der Dämmerung auf den Menschen ausüben. Welche Dämmerungserscheinungen kann man eigentlich bei genauerem Hinsehen
beobachten? Ablauf der DämmerungIm Folgenden wird ein Sonnenuntergang mit Abenddämmerung beschrieben. In der Morgendämmerung treten die Erscheinungen in umgekehrter Reihenfolge auf.
Wenn sich die Sonne dem Horizont zuneigt, fällt zunächst ihre gelbe, später
rote Färbung auf. Diese kommt durch den ständig länger werdenden Lichtweg zustande,
den das Sonnenlicht bei flachem Stand über dem Horizont zurück legen muss. Der blaue Anteil des
Lichtes wird durch die Luftmoleküle stark gestreut (deshalb ist der Taghimmel auch blau und nicht schwarz).
Es bleibt nur der rote Anteil übrig. ![]() Sonnenuntergang an der Ostsee, Deformationen der Sonnenscheibe durch Refraktion (Sommer 1997, f8/500-Spiegeltele) Selten ist beim Sonnenuntergang der Grüne Strahl (auch grüner Blitz genannt) sichtbar. Weitere Informationen hier. Die Dämmerungserscheinungen beruhen auf der Streuung des Sonnenlichts in der Erdatmosphäre. Noch bevor die Sonne untergeht kann man in Horizontnähe eine schwache Gelb- bis Rotfärbung wahrnehmen. In der hellen Dämmerung treten zunächst die farbigen Horizontalstreifen hervor. Sie können bis zur Zwischendämmerung beobachtet werden und wechseln langsam Farbe und Intensität. Über dem Sonnenuntergangspunkt ist der klare Schein oberhalb des Horizontalstreifens als helle, halbkreisförmige Fläche erkennbar. Er wird in etwa 30° Höhe durch den sehr schwachen und verwaschenen braunen Ring begrenzt. Auf der Gegenseite zieht mittlerweile langsam der Erdschatten herauf. Über dem Horizont ist er als fahl blau-grauer Streifen sichtbar, der oberhalb durch ein rotbraunes Band, dem Hauptdämmerungsbogen, begrenzt wird. Oberhalb des Hauptdämmerungsbogens ist als verwaschener heller Fleck der Widerschein erkennbar. Die Erscheinungen auf der Gegenseite werden auch Gegendämmerung genannt. ![]() Gegendämmerung. Hauptdämmerungsbogen und Erdschatten (11. Dezember 2002, Canon Powershot G2) Wenn die Hauptpurpurdämmerung einsetzt, geht aus dem klaren Schein das Hauptpurpurlicht hervor. Es taucht den halbkreisförmigen Bereich über dem Westhorizont in Purpurblau bis Purpur. Seine Intensität ist davon abhängig, ob in der oberen Atmosphäre kleine Aerosolteilchen vorhanden sind (Nähere Erläuterungen hier). Meist ist es eher schwach ausgebildet, manchmal sogar fast fehlend. Der farbige Horizontalstreifen wird langsam in seiner Farbe immer intensiver. Auf der Gegendämmerungsseite ist der Erdschatten weiter empor gestiegen und verblasst langsam. Am Horizont ist die untere Gegendämmerung erkennbar, ein schwacher Abglanz des farbigen Dämmerungsstreifen. ![]() Schwaches Purpurlicht wie es oft beobachtet werden kann. (11. Dezember 2002, Canon Powershot G2) In der Zwischendämmerung konzentriert sich das Geschehen auf die Seite des Sonnenuntergangs. Selten ist das schwache Nachpurpurlicht zu beobachten. Der mittlerweile meist glutrote Dämmerungsstreifen hebt sich kontrastreich gegen den meist tiefblauen Dämmerungshimmel und bei genügender atmosphärischer Transparenz gegen einen fast schwarzen Horizont ab. An dieser Stelle muss man sich eigentlich fragen, warum der Dämmerungshimmel noch blau erscheint? Der Himmel wird eigentlich von atmoshärischem Streulicht dominiert und müsste gelb-orange erscheinen, da der Blauanteil durch die Rayleight-Streuung verloren geht. Da der Dämmerungshimmel jedoch blau ist, muss es andere Ursachen geben. Verursacher der auch "Blauen Stunde" genannten Dämmerungszeit ist die Ozonschicht. Ozon ist nicht nur ein sehr effektiver UV-Filter, sondern auch der Spektralbereich zwischen gelb über orange bis rot wird absorbiert. Übrig bleibt blau. Nach Sonnenuntergang geht das Himmelsblau vom Tagblau durch gestreutes Licht in Ozonblau über. Dem geübten Beobachter wird mit diesem Wissen auch auffallen, dass sich der Farbton des Himmelsblau ändert. Dabei spielt der Sonnenstand eine wichtige Rolle. Je tiefer die Sonne steht umso länger ist der Weg durch die Ozonschicht und umso effiktiver die Absorption. Die Ozonschicht ist auch für die Färbung des Erdschattens verantwortlich. In Sterne und Weltraum Nr. 8/2001 (2) ist ein sehr ausführlicher Artikel zu diesem Thema veröffentlicht worden. Quellen: 1/ Brandt, Müller, Splittgerber (1984): Himmelsbeobachtungen mit dem Fernglas. 2. Auflage J.A. Barth-Verlag Leipzig 2/ Hoeppe, G. (2001): Die blaue Stunde des Ozons. in SuW 8/2001, S. 632 ff. |
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| © Alexander Wünsche |