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braucht immer drei Komponenten
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Diesmal hatten wir uns für unsere Gesprächsrunde, zu
der wir uns alle vier bis sechs Wochen treffen, und an der dann im
Durchschnitt so sechs Personen teilnehmen, das Thema Aufmerksamkeit vorgenommen.
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Alexander eröffnete die Runde mit der scheinbar so
einfachen Frage: "Was ist eigentlich Aufmerksamkeit ?"
Darauf setzte zunächst ein langes, nachdenkliches Schweigen ein.
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Schließlich sagte Barbara zögernd: "Ich weiß,
was es ist - und doch fällt es mir schwer, das mit einigermaßen
treffenden Worten zu beschreiben. Ich denke, dass ich aufmerksam bin, wenn
ich bewusst schaue, oder bewusst rieche oder bewusst den Kugelschreiber in
die Hand nehme."
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Herbert nickte mit dem Kopf und ergänzte dann:
"Oder anders ausgedrückt: Du bist teilweise unaufmerksam, wenn du
zum Beispiel den Kugelschreiber automatisch in die Hand nimmst, ohne
dem Beachtung zu schenken. Beachten tue ich etwas immer dann, wenn ich
mein Handeln nicht nur denke, sondern auch mit dem Spüren begleite und
mir das dann innerlich auch gegenwärtig ist."
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Und Barbara fügte hinzu: "Hier und jetzt - in
diesem Augenblick - mit Leib und Seele!"
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Brigitte stöhnte: "Ein paar Worte, eigentlich
gängige Schlagworte, die leicht und schnell so dahin gesagt sind, die
aber doch ein ungemeines Gewicht und große Bedeutung haben.
Wir sprechen von der Aufmerksamkeit. Hier und jetzt, in diesem
Augenblick, das lasse ich mir schon eingehen. Ich esse also, wähle jeden
Bissen bewusst aus, führe ihn zum Mund, spüre, wie sich das Kiefer
öffnet und die Zunge bereit macht, schiebe das Essen in den Mund, spüre
den Geschmack, beginne mit der Kaubewegung, merke die geschmacklichen
Veränderungen und die Zerkleinerung und lasse es dann schließlich
schluckend nach unten rutschen.
Ja, und wenn ich es so sorgfältig mache, dann ist das ‘mit Leib und
Seele!’, also mit Kopf und gleichzeitig Körper, mit gleichzeitig
voller Konzentration und Hingabe.
Aber - so geht das nicht immer. Im Gegenteil, höchst selten. Im Alltag
esse ich - und gleichzeitig unterhalte ich mich mit meinen Tischnachbarn -
und gleichzeitig höre ich der Musik im Hintergrund zu - und gleichzeitig
überlege ich mir, wann ich wieder losgehen und was ich dann tun will -
und gleichzeitig machen dann auch meine Gedanken Ausflüge zu heute Abend
und zum bevorstehenden Wochenende. Das ist alles auch Aufmerksamkeit."
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Thomas ergriff nun das Wort und sagte: "Ich denke,
die Aufmerksamkeit ist eine lebensnotwendige Fähigkeit, die jeder
in jedem Augenblick hat und auch einsetzt. Die entscheidende Frage ist
nur, wie viel Aufmerksamkeit nun für was verwendet wird, ob die Aufmerksamkeit
mehr nach Außen - oder in den Kopf - oder in den Körper geht, ob sie
sich konzentriert und damit tiefer geht mit einem Inhalt oder sich
aufsplittert und damit mehr an der Oberfläche bleibt, mit mehreren
verschiedenen Inhalten gleichzeitig. Außerdem ist Aufmerksamkeit auch
Übungssache."
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Ich fasste zusammen: "Da haben wir eine ganze
Menge Details gestreift, wie konzentriert, oberflächlich, zerstreut, mit
Leib und Seele, Hingabe, Hier und Jetzt usw. Sicherlich führt es zu einem
vollwertigeren Leben, je mehr es gelingt, das, was man gerade tut, ganz zu
tun, also mit gleichzeitig Denken (Kopf) + Spüren (Körper) + äußerem
Handeln (Bewegung). Aber in der Praxis gelingt das, wenn überhaupt, meist
nur so, dass wir sagen müssen: ‘Das wäre schon noch verbesserungsbedürftig!’
Ich meine, wir sollten uns nicht in Details verlieren,
sondern uns einen Überblick erarbeiten, wie sich die Aufmerksamkeit entwickelt,
was alles dazu gehört, wie sie eingesetzt wird und wie und in welcher Richtung
sie verbessert werden könnte. Das ist dann schon eine ganze Menge - und
das sollte dann auch für heute reichen."
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So haben wir es dann auch gemacht - und sind zu
folgenden Ergebnissen gekommen:
Die Aufmerksamkeit hat immer drei Wahrnehmungs-Richtungen,
aus
denen Informationen, Eindrücke und Impulse aufgenommen werden:
Bestmöglich kann die Aufmerksamkeit ihre
Aufgabe, zu einem vollwertigen und wohltuenden Leben beizutragen, nur dann
erfüllen, wenn immer 'gleich-zeitig' und 'gleich-berechtigt' ihre drei
'gleich entwickelten' Teil-Ebenen und deren aktuelle Informationen verfügbar sind und beachtet
werden.
Es ist ähnlich, wie bei einem Hocker: Für einen stabilen Stand sind mindestens drei Beine unerlässlich. Und
sie müssen auch noch gleich-kräftig und gleich-lang sein, andernfalls
wackelt der Hocker und sein Gebrauch wird unsicher und gefährlich.

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Aufmerksamkeit
ist die
Fähigkeit und die Bereitschaft,
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bewusst
bei der Sache zu sein,
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alles was dieser Augenblick gerade zum Inhalt hat einzubeziehen
(Fröhliches und Belastendes, Wohltuendes und Schmerzliches, weiterführende
Erfahrungen
der Vergangenheit, Möglichkeiten der Gegenwart und Wünsche, Anliegen
und Ziele der Zukunft usw.),
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das mit dem Spüren zu begleiten,
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daraus die notwendigen Schlüsse und Folgerungen zu ziehen,
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jetzt bestmöglich zu entscheiden und dann auch zu handeln,
auch wenn es anstrengend oder gar unbequem ist,
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und das alles dann auch noch zu genießen.
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Haben tut die Aufmerksamkeit bzw. die Möglichkeit,
sie zu nutzen oder auch weiter zu entwickeln, jeder. Nur ob und in welchem
Umfang sie der Einzelne dann auch einsetzt, das ist in jedem Augenblick
immer wieder eine höchst-persönliche Entscheidung.
Kinder haben einen ganz natürlichen und intuitiven
Zugang zu allen Teilen der Aufmerksamkeit, wenn auch noch mit anderen
Inhalten.

Obwohl die drei Teile der Aufmerksamkeit gleich wichtig sind und mit dem Heranwachsen auch gleich entwickelt werden
sollten, bleibt dies meist ein Wunschtraum.
Training und Förderung der Aufmerksamkeit erfolgen für KOPF und AUSSEN;
das INNEN bleibt nicht nur weitgehend unbeachtet, sondern wird (aus
Erwachsenensicht) vielfach
auch noch lächerlich gemacht und in Misskredit gezogen. Entsprechend un-gleichgewichtig geht die Entwicklung
weiter.

Dieses Un-Gleichgewicht spüren dann später auch die
Nun-erwachsen-gewordenen.
Unsicherheit, unglückliche Entscheidungen, Angst, Anpassungszwänge,
Verspannungen, Schmerzen und Krankheiten machen sich bemerkbar. Sie werden
auf alles Mögliche geschoben, so zum Beispiel auch auf die schwierigen
Verhältnisse, die Hektik und die mangelnde Zeit.
Diese Begründungen mögen berechtigt sein, doch sie
verdecken die tieferliegenden Ursachen, nämlich das innere
Un-Gleichgewicht des Einzelnen, das weder durch Medikamente, noch
durch Wechsel von Partner, Arbeitsstätte und Wohnung, noch durch sonstige
Fluchtmanöver, sondern nur durch Dazu-lernen und eigene verändernde Weiter-Entwicklung behoben
werden kann.
Dazu kommt, dass die einzelnen Achsen der
Aufmerksamkeit meist nicht auf einen Inhalt konzentriert, sondern
gleichzeitig auf viele verschiedene Inhalte aufgesplittert werden. Für jeden einzelnen
Splitter können dann naturgemäß nur Bruchteilen der Aufmerksamkeit zur
Verfügung stehen. Dementsprechend mäßig und flüchtig sind dann auch
die Eindrücke bzw. bleibt der entsprechende persönliche Einsatz.
Trotz gleichzeitig vieler Inhalte - und trotz
zunehmender Schnelligkeit und Leistungsfähigkeit - verliert so das Leben
zunehmend an Qualität, Dichte und Intensität. Er wird zur hektischen
Jagd nach dem Glück, ohne dieses zu erreichen.
Verbesserungsmöglichkeiten ergeben sich durch das Training vernachlässigter oder unterentwickelter
Teile der Aufmerksamkeit (z.B. mit Meditation, Meditativem Gehen und Laufen, T’ai Chi und
anderen Übungsformen der Achtsamkeit und damit der
Konzentrationsfähigkeit) und die Sorge für mehr Gleichgewicht.
Gleichgewicht setzt bei der Aufmerksamkeit nicht voraus, dass alle drei Ebenen
gleich intensiv benützt werden, sondern dass alle
Ebenen offen und fließend zur Verfügung stehen und der Mensch kraft
eigener und bewusster Entscheidung die Mischung der
Aufmerksamkeitsströme selbst bestimmt.
Zum Beispiel: 25% Innen (Körper beachten und spüren), 20 % Außen
(sehen, hören usw.) und 55 % Kopf (nachdenken, Problem lösen).
Die Mischung kann auch ganz anders sein, je nachdem, welcher Bereich der
drei Ebenen gerade im Vordergrund steht.
Die gleichzeitige und bewusste
Verbindung zu allen drei Ebenen muss aber immer da sein.
Wenn ich also überwiegend denke, spüre ich, wenn
auch reduziert, dazu immer noch meine Gefühle und nehme auch noch die von
Außen kommenden Signale (sehen, hören usw.) auf.
Bin ich überwiegend im Außen unterwegs, z.B. beim Autofahren, so
bleibt auch da die Verbindung zum Spüren (wie tut mir das, wie fühle ich
mich dabei, geht es angenehmer) und zum Kopf (Verarbeitung der Eindrücke,
nicht automatisch fahren, sondern bewusst und eigen-verantwortlich
ständig neu entscheiden) immer erhalten.
Mehr und mehr wird so ein fließendes Wechselspiel der
Aufmerksamkeit möglich. Sie verteilt sich, je nach Anliegen, bewusst auf
die drei Ebenen.
Zum Beispiel:
oder, wie es beim Meditativen Gehen / Laufen (oder
einer Meditation) wünschenswert ist:
Ganz wesentlich ist also, dass immer auch der nach Innen
gerichtete Teil der Aufmerksamkeit über das Spüren und Beachten der
eigenen Gefühle dabei ist und so hilft, wohltuende und damit
insgesamt persönlich gute (stimmige) Entscheidungen zu treffen.
Ein gutes Gefühl bestätigt. - Ein eher ungutes oder belastendes Gefühl
(natürlich auch Schmerzen und Krankheiten) ist dagegen eine Aufforderung,
eigenes Verhalten und Handeln schrittweise so lange zu verändern (zu
verbessern), bis wieder ein gutes Körpergefühl spürbar wird.
Ein ausgewogeneres Leben - mit immer mehr Freude und
Wohl-fühlen, alleine, mit dem Partner und mit anderen zusammen - bleibt
so nicht nur ein Anliegen, sondern es gelingt mehr und mehr.
Weil dann - im kleinen, wie im großen
-
zu einem selbstverständlichen Teil der eigenen Lebens-Praxis wird:
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Zitate
17:
Gier - macht blind und stumpf
... Die Gier war ein interessantes Studiengebiet. Besonders die
Mittelmäßigen waren anfällig für sie, und sie brachte das Gehirn
dazu, sich nicht auf das zu konzentrieren, was man bereits hatte,
sondern auf das, was man noch an sich raffen konnte. ....
John Burdett
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befreit von engenden Zöpfen !
Die Säge der Aufmerksamkeit befreit.

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Ich nehme
mir vor: |
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Ich
beachte - was ich mache - und wie ich es mache !
Ich weiß was ich will !
Ich tue mein Bestes !
Ich spüre und genieße das Erreichte und mir schon Mögliche !
Ich lebe - jetzt und
intensiv - alleine und mit anderen zusammen ! |
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