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Aufpassen
Konflikte und Spannungen
+ Loben und
Anerkennen
+ Miteinander reden
Unlängst besuchte mich
Ralf, der früher mit seiner Freundin Herta häufig bei unseren
Gesprächsrunden dabei war. In der Zwischenzeit ist er verheiratet und aus
beruflichen Gründen nach Norddeutschland verzogen. Nach München kommt er
nur noch selten.
Viele Neuigkeiten gab es
auszutauschen.
Schließlich fragte ich:
"Früher wart ihr beide, du und Herta, ja recht experimentierfreudig
und habt immer nach beziehungsfördernden Spielen, Ritualen oder auch
Lösungen Ausschau gehalten. Macht ihr das immer noch? Und was ist zur
Zeit euer größter Hit?"
Ralf strahlte mich an,
schmunzelte und begann leicht mit dem Kopf zu nicken. Wie eine Puppe, die
eine Feder im Hals hat. Nach einer ganzen Weile begann er zu erzählen:
"Ja, wir probieren immer noch viel. So nach und nach kristallisieren
sich erfolgreiche und gut praktizierbare Methoden heraus, mit denen wir
dann weitermachen. Aber das kennst du ja.
Bei Konflikten
probieren wir seit kurzem eine neue Variante:
1. Sobald es einer merkt, dass wir aufeinander
losgehen
oder dass zwischen uns eine ungute Spannung
entstanden ist, steigt er aus, indem er das ankündigt und
sich nicht mehr an dem Hin und Her oder dem Sich-
gegenseitig-anmuffeln beteiligt.
2. Dann gehen wir - möglichst im
Einvernehmen -
auseinander (spazieren, ins eigene Zimmer usw.), um
zur Beruhigung und zur eigenen Neuorientierung ein
Stück Abstand zu finden.
3. Danach
vereinbaren wir dann, dass jeder aufschreibt, was
er
erlebt, gemeint, gehofft, sich vorgestellt und
empfunden - und wie er
die jeweiligen Reaktionen des
anderen für sich
interpretiert hat - vom Beginn des
Konflikts (der spürbar
werdenden Spannung) bis zum
Unterbrechen.
Und das schließt dann ab mit:
- Wie fühle ich
mich gerade? und
- Was wünsche ich mir in diesem Zusammenhang?
4. Dann tauschen wir das aus. Herta
bekommt das, was ich
aufgeschrieben habe und ich bekomme Ihres.
Zu den Inhalten wird geschwiegen. Es
reicht völlig, zu
wissen was
und wie es der andere erlebt hat. Mit 'wenn'
und 'aber' wird das sonst nur zerredet und der
Konflikt
neu geschürt.
Zu den Wünschen suchen wir frühestens am
nächsten
Tag, spätestens nach zwei bis drei Tagen (eine Nacht
soll
mindestens darüber geschlafen werden), wenn wir uns
wieder gut sind, das gegenseitige Gespräch, um zu
klären,
wie weit wir da aufeinander zugehen können und
wie wir
das dann im einzelnen probieren wollen.
5. Zwischen dem Austausch des
Geschriebenen und dem
Gespräch über unsere Wünsche sorgen wir beide
achtsam
für unser Wieder-miteinander-gut-sein, indem wir
z.B.
einen Ausflug mit Picknick machen, ins Kino, die
Puppenbühne oder zum Schwimmen usw. gehen.
Da sind wir also im Moment - recht
vielversprechend - am
Experimentieren.
Aber du hast gefragt, was zur Zeit unser Hit
ist.
Eigentlich haben wir den schon lange und er ist immer noch die Nummer 1:
| Irgendwann, es ist schon ziemlich lange
her, haben wir, nachdem wir uns die Münder heiß geredet und symbolisch
die Köpfe eingeschlagen haben, beschlossen, das Thema |
|
‘Aufpassen - loben und anerkennen’ |
| jeden Tag und so oft
wie möglich zum Thema zu machen. Jeder für sich - und auch wir
beide miteinander. |
Dahinter steht die Überzeugung, dass es immer und überall Schönes
gibt, worüber ich mich freuen und was ich dann auch loben und anerkennen
kann. Auch dann, wenn ich in der Krise stecke und meine, im Dunklen zu
stehen und nichts anderes mehr zu sehen und zu spüren.
Wenn ich - gerade in Streit- oder Krisensituationen - die Augen trotzdem
aufmache und mich genau umschaue, mich bemühe und darauf konzentriere,
dann merke ich plötzlich, dass ich nicht alleine bin und trotz Dunkelheit
ganz viel Schönes erkennen kann. Herta hat z.B. unlängst, während
eines dicken Streits, plötzlich unterbrochen und gesagt: >Es ist
schön, dass du da bist - und dass ich da bin - und dass wir
zusammenhalten. Und ich weiß, dass wir eine Lösung finden werden, die
dann letztlich für uns beide stimmt, weil wir das beide wollen!<
Wau! Das war toll! Plötzlich war der Streit gar kein richtiger Streit
mehr. Solche Zauberwirkung entsteht nicht immer, aber immer wieder merken
wir, dass gerade das Belastende viel leichter zu bewältigen ist, wenn
auch das Schöne mit seiner spürbar positiven Energie, mit dabei sein
darf.
Nicht nur das. Die Entwicklung geht dann auch verstärkt in die Richtung,
in die ich schaue, also zum Positiven und Wohltuenden.
Wir fragen uns also in solche Momenten
der Besinnung:
1. Was will ich JETZT loben und
anerkennen - im
Zusammenhang mit dem, was ich gerade erlebe oder
erlebt habe, in dieser Situation, mit dieser Person
usw.?
Wir fassen das dann in Worte und sprechen es laut
aus!
2. Was ist schön?
Was war schön?
Was gefällt mir?
Was hat mir gefallen?
Was tut mir gut?
Was hat mir gut getan?
Was freut
mich,
Was hat mich gefreut,
macht mich
fröhlicher? mich fröhlicher
gemacht?
Was bringt mich weiter? Was hat mich
weitergebracht?
Das, was jedem von uns da immer wieder an
Schönem, an Erfreulichem und Lobenswertem auffällt, überrascht immer
wieder - und es tut einfach gut.
Würden wir das vernachlässigen oder
überhaupt nicht beachten, dann bin ich überzeugt, dass wir unsere Beziehung ärmer
machen würden. Wir würden ihr (und damit natürlich auch uns
selbst) lebensnotwendige Freude-Nahrung und damit Energie vorenthalten.
Ja, Loben
und Anerkennen ist Nahrung für die Seele - und deshalb bei uns Dauerbrenner.
Übrigens,
noch etwas Wichtiges fällt mir gerade ein:
Beim Miteinander-reden probieren wir zur Zeit - auch recht
erfolgreich - das |
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'Drei und Drei-Gespräch'
(3 Minuten reden + 3 Minuten
zuhören bzw. schweigen). |
Ich neige ja, wie du weißt, zum Gerne- und Viel-reden. Herta wartet da
eher
ab und kommt dann oft überhaupt nicht mehr zum Zug. Das ist ungut für
uns beide.
Jetzt versuchen wir unsere Redezeit in 3-Minuten-Portionen zu
teilen. Das machen wir so, dass, wenn z.B. ich was sagen möchte, dann
nehme ich eine kleine Meditationsuhr, die wir auf 3 Minuten eingestellt haben, und
drücke den
Startknopf. Jetzt beginnt die Uhr zu laufen und damit auch meine
Redezeit. Sind die 3 Minuten um, piept die Uhr. Damit ist meine Redezeit
für die nächsten 3 Minuten zu Ende. Will nun Herta etwas sagen, dann holt
sie sich jetzt in gleicher Weise ein 3-Minuten-Portion Redezeit. Will sie
nichts sagen, dann kann ich mir frühestens nach Ablauf von 3 Minuten eine
neue 3-Minuten-Portion Redezeit holen.
Das bringt mehr Langsamkeit und auch immer wieder Schweigezeiten und damit
Nachdenk- und Nachspürpausen in das Gespräch, fördert das
Gleichgewicht, und ist immer wieder recht hilfreich. Wir wenden
diese Drei und Drei-Gespräche bevorzugt dann an, wenn es um Dinge
geht, die einem von uns oder auch uns beiden besonders wichtig sind.
Jeder von uns kann auch jederzeit in ein Drei und Drei-Gespräch
wechseln. Er braucht nur die bereitliegende Meditationsuhr anzustellen,
schon sind wir in einem Drei und Drei-Gespräch.
Es ist immer wieder toll, auch diese Möglichkeit zu haben!
So, jetzt weißt du das Wesentlichste, womit wir uns zur Zeit in Richtung
Verbesserung unserer Partnerschaft beschäftigen!"
"Danke!", sagte ich, "Das
ist toll, dass du aus deinem Schatzkästlein plauderst. Und es klingt
überzeugend."
Dann haben wir weiter über dies und
das geplaudert, bis Ralf dann am frühen Nachmittag, bepackt mit vielen
herzlichen Grüßen und Wünschen für seine Herta, wieder seinen
Nachhause-Weg angetreten hat.
Es war schön und hat mir gut
getan!
Und - ich merke schon, Ralfs Hit will ich auch ausprobieren, vielleicht
auch das andere.
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