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Gewaltfreie Kommunikation
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Gewaltfrei
heißt nicht nur Verzicht auf Gewalt und Widerstand, heißt auch
nicht etwa die andere Wange hinhalten.
Gewaltfrei ist eine viel schwierigere Aufgabe, nämlich
Verständnis und Einfühlung in die Ängste, die Unwissenheit,
Hilflosigkeit und Unsicherheit der Menschen und Faktoren, die
gewaltvolles Handeln hervorrufen. (Gandhi) |
nach Marshall B. Rosenberg
Wie wir sie gefunden haben:
Meine Partnerin und ich sind, um sinnlose
Streitereien und damit auch Kränkungen und Verletzungen mehr und mehr zu
vermeiden, dabei aber Offenheit und Ehrlichkeit nicht nur zu behalten,
sondern sogar möglichst noch zu steigern, ständig auf der Suche nach
Verbesserungsmöglichkeiten unserer Kommunikation. Durch 'Zufall' stießen
wir auf ein kostenlos angebotenes Tagesseminar mit dem
Thema 'Gewaltfreie Kommunikation'. Kommunikation war klar, aber
'gewaltfrei', das klang sehr
interessant.
Wir sind also hingegangen - und einer neuen Dimension, sowohl der
Kommunikation, als auch der Konfliktbewältigung, also der Klärung und
Beilegung von Meinungsverschiedenheiten, Missverständnissen und
Streitereien, begegnet.
Sehr schnell haben wir gemerkt, dass es nicht damit getan ist, dazu einmal
ein Buch (*) zu lesen oder ein Seminar zu besuchen, sondern es ist ein
fortlaufender Lernprozess, in dem Schritt für Schritt die eigene Sprache
verfeinert und die innere Einstellung in eine 'menschlichere' Richtung
gelenkt wird.
Erstaunlicherweise gibt es bereits viele
Möglichkeiten, der 'gewaltfreien Kommunikation' zu begegnen und sie in
Kleingruppen übend zu lernen.
Mit freundlicher Genehmigung von Frau
Isolde Teschner, München, stelle ich im folgenden einen kurzen Überblick
von ihr über die 'gewaltfreie Kommunikation' vor.
Links, Adressen und Buchhinweis folgen am Textende.

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Gedanken und Wege zu einer neuen Konfliktkultur
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Konflikte gehören zum Leben der Menschen
und sind allgegenwärtig. Da sie häufig als etwas Negatives betrachtet
werden, bleiben sie oft ungelöst und können derart eskalieren, dass die
Beteiligten darunter leiden und keinen Ausweg mehr finden.
Dabei sind Konflikte von ihrer ursprünglichen Bedeutung her sinnvoll und
positiv. (Das Wort "Konflikt" stammt aus dem Lateinischen und
heißt wörtlich übersetzt: zerstreute Teile zu einem Ganzen
zusammengebracht,)
Konflikte machen Unterschiede deutlich - Unterschiede im Denken, Fühlen
und Wollen - und liegen dort vor, wo ungleiche, oft gegensätzliche
Absichten verfolgt werden.
Wenn wir erkennen, dass Konflikte ein wichtiges Signal sind, dass etwas
nicht stimmt und verändert werden muss, bieten sie die Chance zur
Entwicklung und Verbesserung der gegenseitigen Beziehung. Voraussetzung
ist allerdings, dass ein konstruktiver Umgang mit den unterschiedlichen
Ansichten, Gefühlen und Zielen gefunden wird. Als entscheidend erweist
sich die Frage, wie wir einen Konflikt zur Kenntnis nehmen und bearbeiten.
Nicht der Konflikt an sich ist das Problem, sonder die Art und Weise, wie
wir mit ihm umgehen.
Dazu brauchen wir eine Sprache, die den anderen oder die andere nicht
bewertet oder verurteilt und dennoch offen und ehrlich unsere Gefühle und
Bedürfnisse zum Ausdruck bringt.
Unverzichtbar bleibt die Fähigkeit, einander einfühlend und achtsam
zuzuhören. Dann werden sich beide Seiten bereichert fühlen, denn sie
haben Verbundenheit und Gemeinsamkeit erlebt. So kann es gelingen, Brücken
über Gräben zu bauen, die anfangs unüberwindlich scheinen.
Gewaltfreie Kommunikation - Kurzer Überblick
Der Prozess
der Gewaltfreien Kommunikation ist eine Methode, mit Hilfe derer wir
lernen können, unsere Gefühle und Bedürfnisse auszudrücken, ohne den
anderen zu beschuldigen oder zu bewerten, unsere Bitten klar zu
formulieren, ohne zu drohen oder zu manipulieren sowie kritische und
feindselige Aussagen des anderen nicht persönlich zu nehmen, sondern
dessen unausgesprochene Gefühle und Bedürfnisse, die hinter diesen
Aussagen stehen, wahrzunehmen. Anstelle von gewohnheitsmäßigen,
automatischen und gedankenlosen Reaktionen versuchen wir uns mit dem
anderen und mit uns selbst zu verbinden. Es geht dabei um Ehrlichkeit,
Klarheit und um eine gegenseitig respektvolle und mitfühlende
Aufmerksamkeit. Damit durchbrechen wir unsere bisherigen Dank- und
Verhaltensmuster des Sich-rechtfertigens, Sich-zurückziehens oder
Angreifens. Gewaltfreie Kommunikation wird dann mehr als ein Prozess oder
eine Sprache, sie wird dann Ausdruck unseres Mitgefühls.
Die Methode,
die als ein Werkzeug dazu betrachtet werden muss und nicht das Ziel oder
die Absicht der Gewaltfreien Kommunikation darstellt, besteht aus vier
Grundelementen:
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1. |
der
Beobachtung |
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2. |
der
Gefühle |
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3. |
der
Bedürfnisse |
|
4. |
der
Bitte |
1. Der erste Punkt Beobachtung
bedeutet, dass wir lernen, die Beobachtung von der Bewertung zu trennen.
Wir beschreiben klar und deutlich, was wir bei der Angelegenheit, um die
es sich dreht, sehen oder hören, und zwar ohne dies mit einer Kritik,
einem Vorwurf oder einer Schuldzuweisung zu vermischen. In dem
Augenblick, wo wir in unsere Beobachtung eine Anklage gegen den anderen
hineinbringen, ist die Wahrscheinlichkeit gering, dass der andere uns
zuhört, geschweige denn, auf das eingeht, was wir ihm sagen möchten.
In Beobachtungen, die genau Zeitpunkt und Zusammenhang wiedergeben, können
auch keine Verallgemeinerungen, die vor allem mit den Worten "nie,
immer, ständig, selten, häufig" ausgedrückt werden, sowie keine
Übertreibungen und Prophezeiungen vorkommen.
Beispiele: Du lässt immer die Sachen herumliegen. - Du räumst nie auf.
- Man muss dich immer hundert mal bitten. - Wenn du dich nicht
ausgewogen ernährst, wirst du krank werden
2. Der zweite Punkt "Gefühle"
bedeutet, dass wir lernen, unsere Gefühle auszudrücken und sie auch
beim anderen wahrzunehmen.
Gefühle kommen aus uns selbst. Im Gegensatz zum Verständnis der
meisten Menschen werden sie nicht durch andere oder durch die Umgebung
verursacht. Diese können zwar der Anlass, aber nie die Ursache meines
Gefühls sein.
Meine Gefühle kommen aus zwei Quellen:
1. Es kommt darauf an, wie ich das, was andere
tun oder sagen, aufnehme.
2. Sie entstehen durch meine erfüllten oder
unerfüllten Bedürfnisse.
Damit übernehmen wir die Verantwortung für das, was unsere Gefühle
verursachen. Es ist für uns schwierig, Gedanken, Einschätzungen,
Aussagen über den anderen von wirklichen Gefühlen zu unterscheiden.
Wir haben keinen Wortschatz entwickelt, um Gefühle so genau wie möglich
und nicht vage und allgemein auszudrücken. Dabei geben gerade sie dem
anderen Informationen über uns, über die Art und Weise, wie wir die
Dinge sehen und wahrnehmen.
Um unsere Gefühle zu verbergen und uns dabei, wie wir meinen, dem
anderen auszuliefern, uns verwundbar zu machen, benützen wir mit
Vorliebe unpersönliche Ausdrücke, wie "man" oder
"es" oder schieben die Aussage dem anderen zu, um uns nicht
selbst zu exponieren.
Beispiele: Ich fühle mich missverstanden. - Ich fühle mich ausgenutzt.
- Ich fühle mich minderwertig.
Aber: Ich bin enttäuscht. - Ich bin verärgert. - Ich fühle mich
einsam. - Ich bin verzweifelt.
3. der dritte Punkt "Bedürfnisse"
bedeutet, dass wir die Wurzel unserer Gefühle, nämlich die "Bedürfnisse"
erkennen und ausdrücken. Sie erklären gleichzeitig die Gefühle und
verringern die Wahrscheinlichkeit, dass der andere sich für unsere Gefühle
verantwortlich oder schuldig fühlt.
Wenn wir eine negative Botschaft hören, haben wir vier Möglichkeiten
zu reagieren:
- Einmal kann ich es persönlich nehmen, also Tadel oder
Kritik heraushören. Zum Beispiel: Jemand ist
verärgert
und sagt: Du bist die selbstsüchtigste Person,
die ich
jemals getroffen habe. Wenn ich es persönlich
nehme,
dann reagiere ich, indem ich mir sage: Ich hätte
doch
etwas sensibler sein sollen. Das heißt: Ich
nehme das
Urteil des anderen an und tadle mich selbst.
Wir wählen
diese Sichtweise auf Kosten unseres Selbstwertgefühls
und sie lässt in uns Gefühle der Schuld,
Scham und
Depression aufsteigen.
-
Die zweite Möglichkeit ist, den Sprecher zu kritisieren,
indem ich zum Beispiel sage: Du hast kein Recht
das zu
sagen. Ich achte immer auf deine Bedürfnisse
und
Wünsche und nehme Rücksicht. Du bist in
Wirklichkeit
selbstsüchtig. Wenn wir es so aufnehmen und
den
anderen tadeln, spüren wir Ärger in uns.
-
Die dritte Möglichkeit ist, dass wir die Aufmerksamkeit
auf unsere Gefühle und Bedürfnisse richten
und sagen:
Wenn ich höre, dass du sagst, ich sei die
selbstsüchtigste
Person, die du jemals getroffen hast, fühle
ich mich
verletzt, weil ich möchte, dass meine Anstrengungen,
deine Wünsche zu beachte, auch anerkannt
werden.
-
Eine vierte Möglichkeit ist, die Aufmerksamkeit auf die
Gefühle und Bedürfnisse des anderen zu
richten, die
hinter seiner Kritik und bewertenden Aussage
stehen.
Zum Beispiel. Fühlst du dich verletzt weil du
möchtest,
dass deine Wünsche mehr beachtet werden?
4. Der vierte Punkt "Bitte"
bedeutet, dass wir die Bitte an den anderen klar und eindeutig aussprechen.
Wir bitten um konkrete, machbare Handlungen, die unsere unbefriedigten
Bedürfnisse erfüllen könnten. Dabei ist es wichtig, dass diese Bitte
auf die Gegenwart bezogen und nicht in die Zukunft gerichtet ist, was
wir nicht wollen. Dabei lassen wir dem anderen immer die Wahl, unsere
Bitte zu erfüllen oder nicht. In dem Moment, wo der andere sich durch
unsere Bitte bedroht oder erpresst fühlt, fasst er diese als Forderung
auf.
Beispiele: Ich möchte, dass Sie mich richtig verstehen. - Ich möchte,
dass du mir ehrlich antwortest. - Ich möchte, dass du mein Privatsphäre
respektierst.
Aber: Ich hätte gern, dass du mir sagst, wie du die Sache siehst. - Ich
hätte gern, dass Sie mir sagen, wie Sie mich verstanden haben. - Ich möchte
gerne, dass du anklopfst, wenn du mein Zimmer betrittst.
Wenn wir Bitten formulieren, sollten
wir genau wissen, was wir erreichen wollen. Wenn es unser Ziel ist, die
Menschen und ihr Verhalten zu ändern oder das zu tun, was wir wollen,
ist die Gewaltfreie Kommunikation nicht das richtige Mittel dazu. Es
geht darum, eine Verbindung herzustellen, die auf Ehrlichkeit und
Empathie gegründet ist. Das Ziel ist dabei, die Bedürfnisse auf beiden
Seiten zu erfüllen. Dazu ist es notwendig, die Bedürfnisse des anderen
genau so ernst zu nehmen, wie die eigenen und einen Spielraum für
Verhandlungen über eine gemeinsame Lösung zu finden.
Das alles klingt
einfach, ist aber in der
Umsetzung schwierig, denn wir benützen eine Sprache, die der Denkweise
der Gewaltfreien Kommunikation entgegensteht. Sie geht von der Erkenntnis
aus, dass alle Menschen das natürliche und ursprüngliche Bedürfnis
haben, zu geben und zum Wohl des anderen beizutragen. Aber dennoch erleben
wir Gewalt, Krieg, Hass und Feindseligkeit. Wenn wir der Frage nachgehen,
was uns von diesem Weg, sich mit den anderen zu verbinden, abbringt, sehen
wir, dass es sehr viel mit Sprache zu tun hat. Wir kommen aus einer
Tradition, in der Hierarchien eine große Rolle spielen. In Hierarchien
ist es wichtig, dass Menschen lernen, sich Autoritäten zu unterwerfen.
Deshalb bringt man ihnen eine Sprache bei, die von außen bestimmt ist.
Sie lernen nicht, das auszudrücken, was in ihnen selbst vorgeht, welche
Gefühle und Bedürfnisse sie haben, sondern werden an eine Sprache gewöhnt,
die analysiert, urteilt und einordnet. So entwickeln sie ein umfangreiches
Vokabular für Bewertungen und Urteile. Sie stellen Diagnosen, um zu
sagen, was beim anderen und auch bei ihnen selbst falsch und unangemessen
ist.
Dazu kommt, dass es nicht nur darum geht,
auszudrücken, was in uns vorgeht, welche Gefühle und Bedürfnisse wir
haben, sondern auch wahrzunehmen, was hinter den oft kritischen,
vorwurfsvollen und aggressiven Äußerungen anderer steht.
Dabei gehen wir der gleichen Art und Weise vor, wie ich es vorher
beschrieben habe, nur richte ich meine Aufmerksamkeit auf die Beobachtung,
Gefühle, Bedürfnisse und Bitte des anderen: Wenn du siehst, hörst ...,
fühlst du dann ..., weil du ... brauchst und möchtest du, dass ich ... ?
© Copyright:
Isolde Teschner, München

Weitere Detail-Informationen
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Worte
sind Fenster
(Oder sie sind
Mauern)
Ich
fühle mich so verurteilt von deinen Worten,
Ich fühle mich so abgewertet und weggeschickt,
Bevor ich gehe, muss ich noch wissen;
Hast du das wirklich so gemeint?
Bevor ich meine Selbstverteidigung errichte,
Bevor ich aus Verletzung und Angst heraus spreche,
Bevor ich diese Mauer aus Worten baue,
Sage mit, habe ich richtig gehört?
Worte
sind Fenster oder sie sind Mauern,
sie verurteilen uns oder sprechen uns frei.
Wenn
ich spreche und wenn ich zuhöre,
Licht der Liebe, scheine durch mich hindurch.
Es
gibt Dinge, die ich sagen muss,
Dinge, die mir so viel bedeuten.
Wenn sie durch meine Worte nicht klar werden,
Hilfst du mir, mich freizusprechen?
Wenn
es so schien, als würde ich dich niedermachen,
Wenn du den Eindruck hattest, du wärst mir egal,
Versuch' doch bitte, durch meine Worte hindurch zu hören
Bis zu den Gefühlen, die wir gemeinsam haben.
(Ruth Bebermeyer) |
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Was
ich in meinem Leben will,
ist Einfühlsamkeit,
ein Fluss zwischen mir und anderen,
der auf gegenseitigem Geben von Herzen beruht.
(Marshall B. Rosenberg) |
***Frage dich
nicht was die Welt braucht - frage dich was du brauchst, um dich lebendig
zu fühlen, und dann tu es. Denn die Welt braucht lebendige Menschen.
Harold
Whitman*** NL
Nr.84
***Da
frage ich mich "Habe ich mir das Leben so vorgestellt?" und
merke schnell,
wo ich festhänge, wo alles klar ist und wo's weh tut.
- Auch andere frage ich das
beim Plaudern. Da kommt man ganz schnell zum Kern und
zu den Schmerzen
der unerfüllten Bedürfnisse.
unbekannt
*** NL
Nr.86
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*)
"Gewaltfreie
Kommunikation"
von Marshall B. Rosenberg
Junfermann-Verlag |
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Broschüre der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung
in Köln
(= Herausgeber)
"Achtsamkeit und
Anerkennung"
(Material zur Förderung des
Sozialverhaltens in der Grundschule)
für Lehrer
und
anleitend und
erziehend Tätige |
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