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Paradies
Das eigene Leben 'ein Paradies' ?
"Was
hältst du eigentlich vom Paradies?"
fragt Johannes, während eines Gespräches über dies und das. Ich bin
momentan sprachlos, weil ich mir darüber bisher keine besonderen Gedanken
gemacht habe. Um ein bisschen Zeit zum Überlegen zu finden, frage ich
erst mal zurück:
"Was hältst du davon?"
Die Antwort kommt ohne Zögern:
"Nichts! - Was soll ich mir den Kopf
zerbrechen über Dinge, die passieren - oder auch nicht - oder auch ganz
anders - wenn ich mal gestorben bin?
Kirchen, Religionen und Sekten argumentieren da viel. Sie locken mit
Versprechungen und drohen mit Strafen (nach dem Tod), wenn man nicht
macht, was sie als richtig behaupten. Belohnung oder Bestrafung: So wenn
du bist, bist du richtig, gut und liebenswert - und anders wenn du bist,
bist du falsch und damit böse und verdammenswert! Das ganze im Namen
Gottes, Allahs oder wie immer man diese ‘andere Dimension’, in
die wir eingebettet sind und die jeden von uns lebt, auch nennen mag.
Nein danke - für mich ‘so nicht’! - ‘Das Göttliche’
bedeutet für mich Leben, Freude, Lachen, Miteinander, vorbehaltlose Liebe
und Güte. - Jetzt. - Natürlich brauche ich auch die ständige Verbindung
zu dieser Kraft in mir und um mich herum, zu der ich ‘das Göttliche’
sage. Für mich ist sie Anregung und Stütze, mein lebendiges Leben
immer wieder zu verbessern und mich selbst um meine Inhalte zu
kümmern, so gut ich es gerade schaffe. Jeden Tag ein bisschen mehr und
ein bisschen besser, als gestern. Daraus für mich Glück und Freude zu
gewinnen - und das dann auch zu verbreiten, hinaus zu strahlen und zu
verschenken. So dazu beizutragen, dass die Welt ein bisschen freundlicher
und heller wird, meine kleine in mir und die größere um mich herum. -
Doch jetzt habe ich viel von mir erzählt. Nun bist du dran. Wie ist es
denn nun für dich?"
Ich antworte:
"Erst mal
‘Danke!’, dass du Deines so genau erklärt hast. Ich konnte
mit deinen Gedanken gut mitgehen. - Für mich ist es ein bisschen anders,
auch wenn es zwischen deiner und meiner Sichtweise sicherlich
Ähnlichkeiten gibt.
Paradies ist für mich 'Leben' - und zwar
jetzt. (Auch die Bibel erwähnt ja den 'Himmel auf Erden'.)
Ich empfinde es so, dass das Leben mir
geschenkt ist. Dieses Geschenk enthält für mich, wenn ich es annehme,
gleichzeitig auch einen Auftrag und eine Verpflichtung.
Das ist so ähnlich, wie wenn ich ein
Buch geschenkt bekomme, dann ist meine (lustvolle) Aufgabe, wenn ich es
annehme, es nun auch zu lesen - oder wenn ich auf eine Berghütte eingeladen
werde und ich nehme die Einladung an, dann ist meine (schweißtreibende) Aufgabe, nun
hinaufzugehen.
Ja - ‘mein Leben’, dieses
Geschenk, fordert mich also auf, mein Paradies auf Erden daraus zu
machen. Dazu habe ich viele Anlagen, Fähigkeiten und Neigungen
mitbekommen. Sie gilt es in erster Linie zu entdecken und weiter zu
entwickeln. Gleichzeitig die eigenen Möglichkeiten zu erweitern, mit
anderen Menschen und dem Umfeld tragfähige und gute Verbindungen des
Zusammen-redens, des Zusammen-wirkens und des Zusammen-seins herzustellen.
- Je mehr mir das gelingt, desto glücklicher fühle ich mich - und desto
besser kann ich auch anderen Menschen begegnen und das Geschehen im
kleinen, wie im großen bewusst mitgestalten.
Ja, um meine mir mögliche Fülle Schritt
für Schritt zu entfalten, heißt das Ziel 'Mehr Freude, Wohlfühlen,
Leichtigkeit und Fröhlichkeit - alleine und mit anderen zusammen!' - und
das hat als Begleiter immer auch gleichzeitig: 'Mehr eigenes Engagement
und eigenen Einsatz genau dafür!'
Mehr Bemühen um Dichte und Intensität auf der einen Seite, hat auf der
anderen Seite aber auch mehr Fehler und Niederlagen zur Folge, die wiederum zum
erweiternden Dazu-lernen auffordern.
Mein 'Paradies' ist also ein Auf und Ab - und ich suche und fördere das
'mehr und weiter nach oben und ins Licht'.
Mein Leben (Paradies) ist wie ein Garten. - Mein
eigener Garten! - Ich darf ihn so gestalten, wie es mir am besten
gefällt und wie ich mich darin am wohlsten fühle. Selbstverständlich in
den Grenzen, dass andere dadurch zumindest nicht geschädigt werden. Im
Gegenteil, mein Garten sollte als Ausdruck meines Mensch-seins, meiner
Fantasie und Kreativität auch andere anregen und befruchten und das Ganze
fördern. - Ich stelle mir darin z.B. vor: Viele verschiedene und bunte
Blumen, Büsche, Bäume, einen Teich, schattige und sonnige Plätze zum
Verweilen, Faulenzen und Genießen, viele Vögel, Bienen, Libellen und
andere Tiere - und auch Menschen, die mir wichtig sind und mit denen ich
diese Pracht teilen kann. Nicht immer, aber immer wieder. - Ja - und genau
darum bemühe ich mich.
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Natürlich ist das Erscheinungsbild des
Gartens immer wieder ganz verschieden, weil ja auch die Lebensumstände in
der Realität - z.B. in Partnerschaft, Beruf und Gesundheit - mitunter
ganz schön extrem sind. |
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Da ist mein Garten vielleicht sogar zum
Müllabladeplatz verkommen und total zertrampelt, weil ich es übersehen
habe, einen deutlich sichtbaren Zaun als Grenzmarkierung zu errichten. -
Oder - oder -
oder - .
Doch es muss nicht so bleiben. - Gott sei Dank. |
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Das ganze verändert sich in dem Moment,
wenn ich mein Leben selbst in die Hand nehme und mit den mir
wichtigen Veränderungen beginne. Also nicht mehr nur von anderen erwarte
oder schicksals-ergeben auf Verbesserungen hoffe, die sich irgendwie (?)
einstellen sollen, sondern in eigener Zuständigkeit handle. - Dann geht
es vorwärts. - Doch auch dann braucht es seine Zeit. |
Das erinnert mich an meinen wirklichen
Garten!
Ich habe ihn alleine angelegt und dazu
mehr als 15 Jahre gebraucht. Ich wollte ja nicht nur den Garten in den
Mittelpunkt stellen, sondern brauchte auch Zeit zum Geld verdienen, Tanzen
gehen, Kurse machen, die mich lockten, zum Zusammensein mit Menschen, die
mir wichtig waren, immer wieder zum Verweilen und Ausspannen und dann auch
zum Weitermachen im Garten. Anders hätte es für mich nicht gestimmt.
Immer wieder habe ich auch
Lösungen probiert, die sich dann als Fehler oder als umständlich und
nicht vorteilhaft herausgestellt haben. Selbstverständlich habe ich mich
geärgert, aber ich habe so auch ungemein viel dazu-gelernt. So gesehen waren
dann auch dafür aufgewendete Zeit, Geld, Mühe, Schweiß oder auch Verletzungen (weil ich nicht
aufgepasst habe) immer gut angelegtes Lehrgeld. Und jedes Jahr, wenn
ich dann zurückschaute, konnte ich mich über kleinere, manchmal auch
größere Fortschritte freuen und mir für das kommende Jahre wieder neue
Ziele setzen.
Da gab es auch immer wieder viel zu
lachen: Für meine niedrige Zaunmauer brauchte ich z.B. bis zur
Fertigstellung rund 1 1/2 Jahre. Dann fehlte noch die Gartentüre. Als
Ersatz tat es zunächst eine links und rechts eingehängte Dachlatte. Da
kam die Walpurgisnacht, das ist die Nacht vom 30. April zum
1. Mai, in der Kinder und Jugendliche viel Unfug machen. Als ich morgens
aus dem Haus kam, war meine Dachlatte nicht mehr da. Sie sorgte lange Zeit
für Gelächter, weil ich nun mit leidender Miene erzählen konnte, dass man mir in der Walpurgisnacht meine Gartentüre geklaut
habe.
Heute ist mein Garten im wesentlichen
fertig. Aber nach wie vor verändert er sich ständig. Da wollen neue
Blumen gepflanzt, Gehölze ausgeschnitten und hier und dort Verbesserungen
gemacht werden. Von Anfang an war er bewegt und lebendig - und wird es
auch weiterhin bleiben. Das ist gut so! Mir macht er genau so viel Freude.
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Doch zurück zum Paradies: |
Für
mich ist es also die Aufforderung,
mein Leben zu meinem Paradies zu machen. - Jetzt!
In jedem Augenblick. - So gut es eben schon geht.
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So macht mir Paradies Spaß und
hilft mir, täglich ein bisschen besser zu leben. Denn ständiger
Begleiter ist ja immer auch die Versuchung, mich gehen zu lassen und mich
jetzt nicht besonders anzustrengen (Tut es die einfachere und bequemere
zweit- oder dritt-beste Lösung nicht auch?) - oder - anders herum - mich
einseitig zu verausgaben, weil ich mit dem Kopf durch die Wand will.
Der Gedanke, dass ich es mir so schön
(wohltuend) machen will, wie nur irgend möglich, hilft mir immer wieder, mich
aufzuraffen und zu überwinden und mich nach Kräften für mich, meinen Partner und
auch andere Menschen für mehr Freude und Wohl-fühlen
einzusetzen.
Ich versuche, die jeweils bestmögliche Lösung zu erreichen und damit die ‘ganze’
mir gerade mögliche Fülle zu leben.
So viel Paradies also, wie nur irgend möglich.
Vielleicht ist es ja auch nur ein Trick, das Leben so zu betrachten, aber
mir hilft es, mein Leben als 'Paradies auf Erden' zu gestalten, zu sehen,
zu spüren und auch zu genießen - mal mehr - und mal auch wieder weniger
- aber immer vorhanden.
Und zu diesem Paradies gehört immer auch das Lächeln, über Schönes,
auch über
eigene Unzulänglichkeiten - und auch das Lächeln, das ich anderen schenke. Es
macht nicht nur mein Paradies, sondern wohl auch die Welt ein klein
bisschen heller und fröhlicher."
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