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25 Jahre
Motorschirmflug
1981
absolvierte der Deutsche Bernd Gärting den ersten Motorschirmflug der
Geschichte. Motorschirmreferent
Thomas Keller erinnert an das für viele unbekannte Genie und an die
Anfänge des Motorschirmfliegens.
Realisierung einer
Vision
| Er hatte eine Vision:
Mit einer minimalen Flugausrüstung wollte der gebürtige Berliner
Bernd Gärtig aus der Ebene in die Luft gelangen. Dazu
konstruierte er 1980 seinen ersten Rucksackmotor. Mangels
leistungsfähiger Flächenschirme und relativ hoher
Motorengewichte befasste man sich bis zu diesem Zeitpunkt im
Ausland lediglich mit ersten Flugversuchen mittels
Motorschirm-Trikes. Für sein erstes Modell verwendete Gärtig den
heute noch häufig verwendeten Solo-Motor mit 210 ccm Hubraum, der
mit einem Resonanzschalldämpfer versehen war. Der 84 Zentimeter
lange Mahagoni- Propeller Marke Eigenbau wurde ohne Untersetzung
angetrieben. Die Tragfläche bestand aus einen 22 qm großen Flächenschirm,
den Gärtig selber nähte. Zum ersten Motorschirmflug der
Geschichte per Fußstart kam es im August 1981. Mit einer Weite
von rund 50 Metern und einer maximalen Flughöhe von 5 Metern kann
Gärtigs erster Motorschirmflug aber eher als „Flügchen“
bezeichnet werden, der an die Motorfluganfänge der Wright-Brüder
erinnerte. Doch bereits der Folgeflug ließ im Geradeausflug eine
Weite von 200 Metern zu. Der Rückschlag folgte auf dem Fuß: Beim
dritten Flug verfing sich eine Schirmleine in dem ungenügend
gesicherten Propeller und riss ein Teil aus dem Schirm heraus. Der
Holzpropeller flog auseinander und verletzte Gärtig am Fuß. Sein
Resümee: Ein stabilerer Käfig und Propeller mussten her Für Gärtig
war dies der Beginn zur
Entwicklung weiterer Prototypen. Unterstützt wurde er dabei von
seinem Freund Torsten Bostelmann. |
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Bernd Gärting wurde
am 6. März 1952 in Berlin geboren. Er erlernte den Beruf des
Schmelzschweißers.
Gärting war nicht
nur technisch sehr bewandert und einfallsreich, sondern auch ein
gefragter Musiker. |
Die Weiterentwicklungen
Aus Sicherheitsgründen versah Gärtig
den zweiten Motor mit einem Gfk-Schutzrahmen und einer über den
Propeller hinaus geschlossenen Netzbespannung. Der Tank wurde auf 8
Liter vergrößert und der Propeller aus Schichtholz gefertigt. Außerdem
nähte Gärtig einen weiteren, etwas größeren Schirm mit einer Fläche
von 25 qm. Den Start und das anfängliche Steigen schilderte er in
seinen Aufzeichnungen als relativ gut. Doch hinsichtlich des Flugs
beschrieb er noch einige Probleme: „Bedingt durch eine übermäßige
Hitzeentwicklung folgte nach rund 3 Minuten ein Nullschieber und
anschließend ging es mit Vollgas gen Boden. Auch erzeugt der
Propeller durch den Direktantrieb noch sehr viel Lärm.“
Für seine Flüge wählte Gärtig
lange, hindernisfreie Wiesen. Seine Landungen bezeichnete er als
mehr oder weniger kontrollierte Notlandungen. Gärtig arbeitete
weitestgehend im Verborgenen. Ein Grund dafür dürfte gewesen sein,
dass man ihn für einen Fantasten hielt. Ungeachtet dessen
entwickelten Gärtig und Bostelmann fleißig weiter: Sie probierten
neue Motoren aus, veränderten die Untersetzungsverhältnisse und
entwickelten bzw. testeten diverse Propeller. Auch die
Eigenbauschirme wurden verbessert.
Steigendes Medieninteresse
Im Jahr 1986 stieg das
Medieninteresse. Kein Wunder! Denn mittlerweile flog Gärtig fast
täglich. Fernsehsendungen, Rundfunkinterviews und Zeitungsartikel
machten auf seine Aktivitäten aufmerksam. 1987 besuchte er die
Gleitschirm-WM in Verbier. Mit großem Bedauern stellte er fest, dass
die dort geflogenen Gleitschirme seine Eigenbauten in der
Gleitleistung übertrafen. Von nun an war für ihn der Einstieg ins
Gleitschirmgeschäft passe. Fortan nutzte er kommerziell gefertigte
Schirme zum Fliegen. Vom Motorschirmflug begeistert, stellte ihm der
Schweizer Laurent de Kalbermatten einen Big-X Gleitschirm zur
Verfügung. Mittels Big-X und eines modifizierten 3-Zylinder
Königmotors sowie einer Vierblatt-Holzluftschraube wurden bereits
mehrstündige Flüge erzielt. |
| Die Entwicklung des
PagoJet
Dank der in Verbier geknüpften
Kontakte zur Celtach AG wurde für Gärtig 1987 die Produktion des
ersten serienmäßig gefertigten Gleitschirmantriebs möglich: Der
legendäre PagoJet mit einem König-3-Zylinder-Motor wurde aus der
Taufe gehoben. Ein Jahr später wurde der Journalist und
Reisefotograf Achim Mende auf den PagoJet aufmerksam. Zusammen mit
Willi Ewig wurden aufsehenerregende Fotoserien und Berichte aus
entlegenen Regionen der Erde produziert, wobei die
Leistungsfähigkeit des Rucksackmotors unter Beweis gestellt wurde.
Anfang der 90er Jahre übernahm Mende die Geschäftsführung der
Celtech AG Deutschland, die die übergeordnete Vermarktung des
PagoJet übernahm. Gärtig konzentrierte sich auf
Detailverbesserungen des Motors und die Entwicklung leiserer
Propeller. So optimierte er den 112 cm langen 2-Blatt Hakenpropeller
für den König-Motor, der bei Propeller-Fachleuten wie Richard
Krüger-Sprengel heute noch bei diesem Motortyp als unerreicht gilt.
Außerdem entwickelte Gärtig einen mit Kunststoff ummantelten
Holzpropeller in Hakenform, der mit einer speziellen einstellbaren
Narbe als 3- oder 6-Blatt-Propeller beim PagoJet zum Einsatz kam.
Zusammen mit Bostelmann konstruierte Gärtig ein neues, formschönes
Basisteil aus Gfk. Das Rückenteil des vierten PagoJet-Modells
wurde in einer Einheit gefertigt. Es integrierte einen 20-Liter-Tank
und sämtliche Motorhalterungen. Als die Celtech AG 1992 aus dem
Geschäft mit dem PagoJet ausstieg, übernahm Willi Ewig in
Kooperation mit der Firma ASO Flugsport die Vermarktung des PagoJet,
der von nun an unter dem Namen ASO-Jet vertrieben wurde. Als erster
Motorschirm erhielt der ASO-Jet die DULV Zulassung in Deutschland.
Gärtigs geniale Propellerentwicklungen hatten maßgeblichen Anteil
daran, die Lärmhürde zu meistern. |
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| Frühes Ende eines
Genies
Bernd Gärrig erlag 1994 im Alter
von 42 Jahren einem Herzleiden. Nach Aussagen von Freunden
unterschätzte er erste Warnsignale. Wer weiß, was der geniale
Entwickler und Erfinder bei einer entsprechenden Behandlung noch
alles erfunden hätte. Bernd Gärtig war ein Genie, das unbeirrt
seinen Weg ging. Es bleibt zu hoffen, dass der Wegbereiter des
Motorschirmflugs in der Szene nicht in Vergessenheit gerät.
Die Produktion des von Gärtig
entwickelten PagoJet wurde vor ein paar Jahren eingestellt.
Negativformen für Propeller und dem Gfk-Basisteil des PagoJets
befinden sich im Eigentum von Ralf Blankart, der als
Musterbetreuer weiterhin Wartungen und Instandhaltungen für den
PagoJet sowie alle König-Motoren übernimmt:
pagojetm4@weh.dc - Tel.
02174-792711
Der „ Ur-Pagomotor" fliegt
noch immer! Eingebaut in ein Rüter-Trike von Jürgen Thode, der
Anfang der 90er Jahre u. a. Propeller-Neuentwicklungen für
Gärtig Probe flog. Gärtigs Freund Torsten Bostelmann lebt heute
in der Nähe von Maschen und konstruiert auf Anfrage Motorschirm
Trikes. |
Der Artikel ist
aus Informationen für Ultraleichtflieger - DULV - Ausgabe 6/2006
entnommen. |