Jubiläum 75 Jahre AMC Giessen im Jahre 2001
Der
Auto- und Motorradclub Gießen wurde als Ortsclub des ADAC Gau Hessen am 1. März
1926 gegründet. Die Gründer waren neben allgemein am Automobil Interessierten
in erster Linie Motorsportler, die durch ihre Aktivitäten Verbindungen zu
bereits bestehenden Clubs hatten.
Die
Chronik berichtet über ein aktives Clubleben auf gesellschaftlichen wie
sportlichen Ebenen, bis dieses durch Auflösungsanordnung der Regierung im Jahre
1934 abrupt beendet wurde. Erst im Jahre 1949 konnte durch Mithilfe des
erstarkten ADAC das Clubleben durch die Neugründung fortgesetzt werden.
Der
AMC Gießen hat seit dieser Zeit einen festen Platz in der Geschichte der
sportlichen und gesellschaftlichen Entwicklungen unserer Stadt und weit über
ihre Grenzen hinaus. Bedeutende Veranstaltungen im Motorsport, im
gesellschaftlichen Leben und auf den vielfältigsten Gebieten haben den Ruf des
Clubs bis heute begründet und gefestigt.
Eine
für einen Ortsclub ungewöhnlich hohe Zahl von sehr erfolgreichen
Motorsportlern sowie Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens kann der Club rückblickend
in seinen Reihen aufzählen. Über alle Phasen des Vereinslebens der vergangenen
Jahre hinweg hat sich das Clubleben des AMC immer behauptet und wurde von vielen
ehrenamtlichen Helfern getragen.
Schon
früh hat man die Bedeutung der Nachwuchsförderung erkannt und in Aktivitäten
des Clubs eingebunden, bis hin zur nunmehr schon fast 20 Jahre bestehenden
Jugendgruppe, über die zahlreiche Mitglieder dem Club treu geblieben sind und
sich ihrerseits heute ehrenamtlich engagieren.
Aufbauend
auf Tradition und durch Anpassung an die sich immer schneller verändernden
Zeiten kann der AMC der Zukunft zuversichtlich entgegen sehen.
1926
Fünfzehn
Automobilisten gründen den Auto- und Motorradclub Gießen (A.M.C.G.) Ortsgruppe
des ADAC, Gau IIIb. Unter den Gründern Gießener Persönlichkeiten wie Prof.
Dr. Engelhardt, Rechtsanwalt Paul Homberger, August Weidig und Dr. Ewald
Stangier.
1934
Auf
Anordnung der damaligen Regierung mußten die ADAC-Ortsclubs zwangsaufgelöst
werden und die beiden großen Automobilverbände ADAC und AvD wurden zum DDAC
vereinigt. Im Vereinsregister des Amtsgerichtes Gießen wurde am 16. Februar
1934 eingetragen: „Durch Beschluß der Mitgliederversammlung vom 6. Januar
1934 ist der Verein aufgelöst.“ Damit war dem AMC Gießen nach 7 Jahren aufwärtsstrebender
Entwicklung und großer gesellschaftlicher und sportlicher Entfaltung zunächst
ein Ende gesetzt.
1949
70
Motorsportinteressierte und Autofahrer folgten am 19. Juli dem Aufruf zur
Wiedergründung des AMC Gießen durch u. a. Dr. Adolf Ruland, Dr. Willy Wamser
und Dir. Otto Geyer. Erster Vorstandes: Dr. Ruland als Vorsitzender, Otto Geyer
als Sportleiter und Dr. Wamser als Syndikus sowie weitere sechs
Vorstandsmitglieder.
1951
Erste
ADAC Hessenfahrt (Hessen-Rallye) mit Start und Ziel in Gießen auf dem
Oswaldsgarten.
(Höhepunkt 1953 mit 370 Fahrzeugen!).
1952
Das
damalige Clubmitglied Karl Kling (1910 in Gießen geboren, Eintritt in den AMC
1926) wurde anläßlich des Sieges bei der Carrera Panamericana Mexico 1952“
zum Ehrenmitglied ernannt.
1953
Erstmals
Wahl eines „Jugendleiters“ in der Person von Ludwig Schneider. Erster
Clubmeister für Wagen: Walter Weller auf Champion, für Motorrad: Gerd Frey auf
Maico.
1954
Gießen
war Etappenort der ADAC Deutschlandfahrt. Wilhelm Noll wurde erstmalig
Motorrad-Weltmeister (Seitenwagen) mit seinem „Schmiermaxen“ Fritz Cron. AMC
Auto-Corso durch die Stadt.
1959
Erster
„Herrenabend“ mit dem AC Wetzlar.
1964
Erfolgreichstes
Sportjahr des Clubs mit der Erringung der Deutschen Rallyemeisterschaft durch
Willfried Gass. Gerd Frey wurde mit dem ADAC Motorsportabzeichen in Gold mit
Brillanten ausgezeichnet.
1966
40-jähriges
Jubiläum mit Dr. Willy Wamser als Vorsitzender. Sportlicher Höhepunkt war
wieder die ADAC Hessenfahrt mit Start und Ziel in Gießen.
1968
Wechsel
im Vorstand des AMC. Dr. Günther Prinzhorn wird Vorsitzender, Georg Bellof 2.
Vorsitzender.
1971
Der
AMC-Gießen organisiert erstmals die Wertungsprüfung „Truppenübungsplatz
Schwarzenborn“ im Rahmen der Int. ADAC Hessen-Rallye.
1972
Kromm/Terberl
errangen mit einem Ford Escort einen Klassensieg bei der Olympia-Rallye. Gründung
der ersten Jugendgruppe unter der Leitung von Walter Döring und Hartmut
Schmidt.
1975
Auf
dem Verkehrsübungsplatz Oppenrod wird ein Slalom als Lauf zur Deutschen
Slalommeisterschaft der ONS durchgeführt.
1976
Das
50-jährige Jubiläum wird mit einem Festakt im Stadttheater und einem ADAC-Ball
mit Max Greger in der Kongresshalle gefeiert.
1977
Der
AMC veranstaltet die 1. Int. ADAC Rallye Lahn, Start bei der Möbelstadt
Sommerlad.
1978
Wechsel
im Vorstand. Gerd Frey wird Vorsitzender, Dr. Günther Prinzhorn wird zum
Ehrenvorsitzenden ernannt.
1981
Die
erste AMC-Info für die Mitglieder erscheint am 1.12.81.
1986
60-jähriges
Jubiläum wird mit einer Jubiläumsfeier im Martinshof begangen. Erstmals Gast -
OB Manfred Mutz. Eine Jubiläums-Rallye mit Weltmeister Walter Röhrl im
Vorausfahrzeug wird mit großem Erfolg durchgeführt.
1988
Erstes
Frühlingsfest der Gießener Vereine Auto- und Motorradclub, Ski- und
1990
Ewald
Würtele löst Gerd Frey als Vorsitzenden ab, der zum Ehrenmitglied ernannt
wird.
1991
Erster
Neujahrsempfang des AMC im Martinshof Gießen.
1995
1.
ADAC Oldtimerfahrt Hessen-Thüringen mit Start und Ziel in Gießen mit dem AMC.
Stefan Bellof-Gedächtnisausstellung in der Sparkasse Gießen.
1996
Der
AMC besucht das MERCEDES-BENZ Museum in Stuttgart mit einer Führung durch
Wolfgang Inhester.
1998
AMC
Gießen geht mit eigener Homepage ins Internet.
2000
Wechsel
im Vorstand, Gerhard Becker wird 1.Vorsitzender, die Geschäftsstelle wird nach
Wettenberg verlegt.
Die
Jugendarbeit ist ein wichtiger Bestandteil des AMC Gießen. Bei uns können
Kinder Jugend-Kart-Slalom ausüben. Im Alter von 7-8 Jahren werden die Jungen
und Mädchen mit der motorisierten Welt bekannt gemacht. Sie lernen zuverlässig,
konzentriert und bedacht mit dem Kart umzugehen. Nicht wer das Gaspedal bis an
den Anschlag durchdrückt, ist bei dieser Sportart der Beste, sondern wer ruhig,
trotzdem schnell, sicher und ohne Fehlerpunkte ans Ziel kommt. Das ist
Verkehrserziehung in frühester Jugend: Wahrnehmungsvermögen und richtige
Situationseinschätzung werden besonders geschult. So reagieren sie auf
schwierige Situationen nicht mit Hektik und Nervosität, sondern meistern diese
durch schnelle, sichere und durchdachte Reaktion und Konzentration. Eine ideale
Voraussetzung für den späteren
Noch
immer belächelt werden viele Motorsportler und Fans, die sich für den
Automobilslalom-Sport interessieren. Doch auch beim Kurven um die rot-weißen
Pylonen werden hohe Anforderungen gestellt, die meist nur von einer Handvoll
Spezialisten perfekt beherrscht werden. Aber was im Rundstreckenrennen als
Sensation gefeiert wird, ist am Ende einer Slalomwertung ganz normal; Abstände
im Hundertstelsekunden-Bereich sind üblich.
Slalomsport
ist die Motorsportdisziplin für Einsteiger und Anfänger schlechthin. Nirgends
läßt sich Motorsport mit weniger Geld- und Zeitaufwand realisieren als hier.
Natürlich sind auch hier „Aufrüstungen“ in beträchtlicher Höhe zu
vermelden, aber im allgemeinen halten sich die Tuningarbeiten doch im
vertretbaren Rahmen. Zur Austragung dieser Rennen benötigt man keine permanente
Rennstrecke. Der durch Reglement vorgegebene Streckenaufbau ist in der Regel für
1000-2000 m ausgelegt. So reichen Straßen in Industrie- und Gewerbegebieten
meistens aus, um flüssige, schnelle und selektive Kurse zu installieren. Die
Richtungsänderungen, Tore, Pylonen-gassen und Wenden sorgen für Abwechslung
und schulen Auffassungsgabe, Reaktionsschnelligkeit und fahrerische
Geschicklichkeit.
ORI
Der
Orientierungssport ist die eigentliche Grundlage für den darauf aufbauenden
Rallyesport für Autos und Motorräder. Wurden vor mehr als 30 Jahren Rallyes im
Stile einer Orientierungsfahrt mit den verschiedensten Aufgaben kombiniert, hat
sich der Rallyesport hin zum reinen Zeitwettbewerb entwickelt. Sieger ist, wer
die Strecke von A nach B am schnellsten zurücklegt. Anders im heutigen
ORI-Sport. Hier sind noch immer klarer Kopf, Kombinationsgabe und
Gewissenhaftigkeit vor allem anderen zu nennen. Für einen „echten ORI-Fahrer“
sind Fischgräte, Drehskizze, Chinesenzeichen, Kreuzungszeichen, Punktskizzen,
Pfeilskizzen u.a. Wegbeschreibungen das ganz normale Handwerkszeug, um ohne
Strafpunkte von A nach B zu kommen. Die Zeit spielt dabei nur eine
untergeordnete Rolle.
Im
Deutschen Rallyesport stehen die Ampeln wieder auf Grün! Neben der aufblühenden
Deutschen Rallye-Meisterschaft, ist auch in der zweiten und dritten Liga einiges
geboten. Noch vor wenigen Jahren waren die Starterfelder bei der Deutschen
Rallye-Meisterschaft, bei der Deutschen Rallye-Trophäe (seit 1998 Deutsche
Rallye-Challenge) und bei Nationalen Veranstaltungen nur durchschnittlich bei 50
gelegen, mittlerweile sind in allen drei Kategorien dreistellige Starterzahlen
an der Tagesordnung. Knackpunkt bei den Meisterschaftsläufen ist, die Serie
sowohl für professionelle Starter wie auch für Privatteams attraktiv zu
Bereits
seit der Gründung 1926 spielt das gesellschaftliche Leben innerhalb des Clubs
eine große Rolle. So berichtet die Chronik: Meistens an Wochenenden sind
gemeinsame Ausfahrten zum fröhlichen Treff zu bestimmten Zielen durchgeführt
worden. Diese Tradition wurde zunächst nach der Wiedergündung 1949 mit den
sogenannten „Picknickfahrten“ fortgesetzt. Durch individuelle Mobilität,
persönliche Urlaubsreisen und verstärkte Verkehrsbelastung der Straßen ging
das Interesse daran stark zurück. Es werden heute Ausfahrten mit dem bekannten
Flimm-Bus zu interessanten Zielen für alle gemeinsam als ein wesentlicher
Bestandteil des gesellschaftlichen Clublebens durchgeführt.
Stellvertretend
für viele seien hier nur die Fahrten zum Auto- und Technikmuseum Sinsheim, zur
Firma Mercedes-Benz nach Stuttgart oder dem bekannten Sportwagenhersteller
Porsche in Stuttgart genannt.
Bereits
seit Clubgründung fanden die regelmäßigen Zusammenkünfte in Form von
sogenannten Monatsversammlungen statt. Bis heute noch werden für alle
Mitglieder interessante Themen angeboten, wie Film- und Diabeiträge zu
Neuerungen in den Strassenverkehrsbestimmungen und dem aktuellen EU-Führerschein
bis hin zu einem Referat über die Tätigkeit der Frankfurter Börse. Zu diesen
beliebten Versammlungen mit Besichtigungen vor Ort kommen oft bis zu 100
Clubmitglieder. Zu nennen sind hier eine Führung des Polizeipräsidenten durch
das neue Präsidium in Gießen, die Besuche bei der Frankfurter Flughafen
Feuerwehr, der Müllverwertungsanlage in Asslar oder der
Satellitenempfangsstelle der Telekom in Usingen.
Seit
einigen Jahren bereits Tradition geworden ist der jährliche Neujahrsempfang in
Gießener Unternehmen, verbunden mit einem alle interessierenden Thema sowie ein
Schlachtessen, das den Mitgliedern wieder einmal die traditionelle hessische
Lebensart näher bringt.
Kern-
und Lebenszelle des Clubs aber war schon immer und ist auch heute noch der wöchentliche
Stammtisch, seit Wiedergründung 1949 jeweils Dienstags abends im Clublokal.
Hier treffen sich die aktivsten Mitglieder des Clubs zu ein paar Stunden in fröhlicher
Geselligkeit aber auch, um die aktuellsten Aufgaben des Clublebens zu behandeln
und zu regeln. Aus diesem Kreis hat sich seit langer Zeit die Tradition eines jährlichen
Stammtischausfluges entwickelt, der ebenfalls einen wesentlichen Eckpfeiler des
gesellschaftlichen Lebens des AMC Gießen darstellt. Dies möge den Titel dieser
Seite „Nicht nur Motorsport“ nachhaltig unterstreichen.
Ehrenmitglied
Wilhelm Noll
2-facher
Motorradweltmeister 1954 und 1956 in der Gespannklasse und Inhaber zahlreicher
Weltrekorde mit dem Seitenwagen-Motorrad. Träger des Silbernen Lorbeerblatts
der Bundesrepublik Deutschland.
Wilfried
Gass und
Gerd Frey
Deutscher Rallyemeister 1964 und Gewinner des MITROPA-Rallyecups 1970. Träger des ADAC Motorsportabzeichens in Gold mit Brillanten.
Stefan
Bellof
Sportwagenweltmeister
1984 und erfolgreicher Formel 1-Fahrer. Träger des ADAC Motorsportabzeichens in
Gold mit Brillanten.
Deutscher
Rallyemeister 1982.
Mehrfacher Hessischer ADAC Rallyemeister. Träger des ADAC Motorsportabzeichens in Gold mit Brillanten.
Der
Blick in den Rückspiegel ist zugleich ein Blick nach vorn. Eine Prognose für
die Zukunft des Automobils und des Automobilsports ist wie eine Reise ins
Ungewisse. Die Zukunft wird entscheidend von den gesellschaftlichen Veränderungen
in unserer Welt abhängen. Doch die Route werden all die Menschen finden, die
suchen, die glauben und die hoffen. Unsere gesellschaftli-che Vergangenheit ist
zugleich der Wert, der unse-re Zukunft bestimmt. Und die Vergangenheit hat
gezeigt, zu was der Mensch fähig ist. Zu schlechten, aber auch zu guten Taten.
Tradition, Fortschritt, Innovation, Faszination, Sportsgeist sind die
Pflastersteine, auf denen der AMC Gießen 75 Jahre gefahren ist und sicherlich
auch die nächsten Jahre fahren wird. Auch in Zukunft muß dieser Club einer
klaren Orientierung folgen. Seine Mitglieder sind aufgerufen, Kreativität und
Eigenverantwortung für dieses Stück Gemeinwesen aufzubringen. Denn ein Club
wie dieser wird nicht nur durch die allgemeine Entwicklung geprägt, sondern von
der gesellschaftspolitischen Verantwortung seiner Mitglieder. Es geht nicht
darum, Trends zu folgen, ohne sich über die Folgen klar zu werden.
Der
Club muß ein zeitgemäßes und attraktives Gesicht behalten. Sportlichkeit,
Gemeinsinn, Freundschaft und gegenseitiges Unterstützen müssen dabei die
Eckpfeiler sein. Und wer die Zukunft bestimmen will, der bestimmt am besten
schon heute mit, wie es weitergehen soll. Dabei sind Kreativität und Engagement
gefragt. Dem Motorsport droht, wie schon in den 70er Jahren, eine nicht zu
beschreibende Einengung. Nicht alles, was auf diesem Gebiet passiert, findet den
Beifall aller Menschen. Und die Zahl derer, die dagegen sind, nimmt nicht ab.
Wenn es aber eine Zukunft des Motorsports geben soll, müssen wir mithelfen, die
Argumente, die gegen den Sport laut werden, ernst zu nehmen. Ein
Schubladendenken dürfte dabei wenig nützlich sein! Die Automobilindustrie
entwickelt neue Antriebstechniken. Die Brennstoffzelle ist das Vehikel, das den
Aufbau einer Welt auf der Basis erneuerbarer Energien antreibt und erleichtern
wird.
Wir
werden zwar noch über längere Zeit mit einer sogenannten Brückentechnologie,
also der Nutzung von Benzin, Diesel, Methanol oder anderen endlichen Energien
vorlieb nehmen müssen, doch der Wasserstoff wird die Energiequelle der Zukunft
sein.
Auch
der Sport wird mit der Zeit dieser Entwicklung Rechnung tragen müssen. In
welche Richtung es aber gehen wird, hängt nicht zuletzt von den politischen
Rahmenbedingungen ab. Erfreuen wir uns der augenblicklichen Wirklichkeit und
geniessen wir die Zeit.