Kommentar

Besserer Verkehr mit Chip?

Abgedruckt in der PRO BAHN-Post November 2000

Beim MVV wird laut einem Artikel im Münchner Merkur darüber nachgedacht, für Schüler und Studenten eine Chipkarte mit Photo einzuführen. Dies erscheint als erster Schritt zu einem elektronischen Ticket. Doch ist dies sinnvoll? Gibt es doch für Schüler und Studenten bislang Fahrkarten, deren Herstellungskosten nur Pfennigbruchteile ausmachen. Und was ist der Mehrwert der Chipkarten? Muß doch darauf nur gespeichert werden, daß in welchen Monaten die Fahrkarte gerade gültig ist. Wird wie geplant ein Semesterticket eingeführt, kann sogar darauf verzichtet werden, denn einen Studentenausweis gibt es schon heute, und bereits heute steht die Gültigkeit drauf. Mehrkosten bei Anerkennung als Fahrkarte wären dementsprechend Null. So zeigt sich schon bei der Einführung, was die elektronische Fahrkarte zu werden droht: Eine Geldverschwendung ohne Ende. Sollte eine elektronische Fahrkarte wirklich flächendeckend eingeführt werden, so würde dies schon alleine im MVV etliche 100 Millionen Mark kosten - davon ließe sich bereits beinahe die dringend benötigte S-Bahn-Südumfahrung bezahlen, mit viel größerem Nutzen für Fahrgäste und Gesellschaft.

Das läßt natürlich die Frage entstehen: Warum soll soviel Geld für etwas mit wenig Nutzen ausgegeben werden. Geht es vielleicht eher um Marketing, für das individuelle Kundenprofile erfasst werden sollen? Dies zwangsweise zu tun verstößt aber gegen das informelle Selbstbestimmungsrecht, gerade bei Pflichtkarten für Schüler und Studenten. Und die Kombination mit einer elektronischen Erfassung des Photos kann auch der längeren Beschäftigung von Rechtsanwälten und Gerichten dienen. So droht der Beginn der elektronischen Fahrkarte schon ein Symptom dafür zu sein, was der Versuch als ganzer großteils leider ist: Für die meisten Fahrgäste unbrauchbar, eine Zielgruppe nicht in Sicht, zu teuer und mit argen Problemen behaftet.

Andi Barth

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