Mit der Stadtbahn Land gewonnen

Abgedruckt in der PRO BAHN-Post Sonderausgabe Herbst 2000

Unter dem Motto "Mit der Stadtbahn Land gewinnen" veranstaltete PRO BAHN am 8. Juli eine ungewöhnliche Sonderfahrt: Mit einem neu ausgelieferten Stadtbahnwagen, den der Hersteller Bombardier und die Saarbahn PRO BAHN zur Verfügung stellten, bereiste der Fahrgastverband die Strecke München - Garmisch-Partenkirchen - Griesen. Lokale Entscheidungsträger und interessierte Fahrgäste waren zur kostenlosen Probefahrt eingeladen. Das moderne Schienenfahrzeug sollte die Aufmerksamkeit auf die zwei Sorgenkinder der Region lenken: Die Bahnlinien Murnau - Oberammergau und die Ausserfernbahn Garmisch - Griesen - Reutte i.Tirol - Kempten. Beide Strecken sind sanierungsbedürftig, eigentlich zu langsam und nach Aussage ihrer Betreiber unwirtschaftlich.

Nach dem Rückbau eines Kreuzungsgleises gibt es auf der Strecke Murnau - Oberammergau keine freie Trasse für Sonderzüge. Die noch vorhandene Kreuzungsmöglichkeit liegt für attraktive Fahrtzeiten falsch, die Strecke ist die langsamste Nebenstrecke mit Personenverkehr in Bayern. So blieb PRO BAHN eine Fahrt von Murnau nach Oberammergau mit dem Saarbahnwagen verwehrt. Aber auch das Angebot, mit dem Stadtbahnwagen die planmäßige Regionalbahn zu ersetzen, wurde abgelehnt: Nachdem für Oberammergau der Einsatz des ET 426 vorgesehen ist, wollte die DB mit dem Stadtbahnwagen "nicht die falschen Erwartungen wecken", ließ man PRO BAHN wissen.

Auf der akut gefährdeten Außerfernbahn (siehe Artikel auf Seite xx) führte die Fahrt bis nach Griesen. Dort fand eine grenzüberschreitende Kundgebung statt - mit Reden unter anderem von Vertretern der Tiroler Landesregierung und der Wirtschaft im Außerfern. Viele waren gekommen, um ihren Willen zum Erhalt der Außerfernbahn deutlich zu machen und eine Probefahrt im Stadtbahnwagen zu unternehmen. Sicherlich war die Veranstaltung nur ein erster Anfang, um die drohende Stillegung der Außerfernbahn zu verhindern. Und auch das schicke Fahrzeug hat bei allen Beteiligten Erwartungen geweckt auf eine zukunftsfähige Außerfernbahn, ja sogar Begeisterung für die Bahn.

Nach dem Oberland führte die Fahrt nach München: Dort konnten wir mit der Stadtbahn für die seit einiger Zeit diskutierten Stadtbahnideen werben. Die Fahrt führte vom Hauptbahnhof über den Ostbahnhof (aufgrund von Fehlern der Deutsche Bahn ohne den zugesagten Halt). Rasch wurde über den Nordring der Bahnhof Moosach erreicht. Von dort aus fuhr die Stadtbahn weiter nach Laim und über die Sendlinger Spange zum IGA-Park. Nach kurzem Aufenthalt ging die Fahrt weiter über Mittersendling zurück zum Hauptbahnhof.

Das moderne Fahrzeug fand bei Fahrgästen, Politik und der Presse ausnahmslos positive Resonanz. Diese Fahrt lenkte die Aufmerksamkeit auf zwei wichtige Projekte der Münchner Verkehrspolitik: Stadtbahn-Nordring und Sendlinger Spange.

Als Folge der Rundfahrt gab es mehrere positive Zeitungsartikel. Die zahlreich mitfahrende Prominenz konnte sich ebenso wie die Bevölkerung einen eigenen unmittelbaren Eindruck von der Stadtbahn verschaffen. Die Attraktivität und das Potential des Systems wurde für viele besser verständlich, das Thema Eisenbahn und öffentlicher Nahverkehr positiv wahrgenommen.

Andi Barth und Norbert Moy

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