Abgedruckt in der Sonderausgabe in der PRO BAHN-Zeitung November 2001
Die Idee "Stadtbahn" ist im Raum München erst seit weniger als 10 Jahren ernsthafter Bestandteil der Diskussion um Verbesserungen des Öffentlichen Nahverkehrs. Begonnen hat alles im Würmtal, einem Gebiet zwischen München-Pasing und Starnberg. Dort führte 1992 der Planungsverband Äußerer Wirtschaftsraum München eine Umweltverträglichkeitsuntersuchung für den Verkehr durch [1]. Ein darin enthaltenes Szenario mit einem stark verbesserten Angebot beim Umweltverbund (Fuß-, Radwege und Öffentlicher Verkehr) und einem Rückbau von Straßen prognostizierte deutliche Verbesserungen der Lebensqualität. In der nachfolgenden Diskussion stellten sich die vorgeschlagenen Verlängerungen zweier Münchner U-Bahn-Strecken ins Umland als zu teuer heraus.
1992 wurde im Raum Karlsruhe die erste Zweisystem-Stadtbahnstrecke nach Bretten eröffnet. Der Ruf des sogenannten Karlsruher Modells drang in der Folge auch bis nach München vor. Dies nahm der Planungsverband 1995 zum Anlaß, mit Bürgermeistern aus dem Umland eine Exkursion nach Karlsruhe durchzuführen.
Nachdem der Fahrgastverband PRO BAHN sich bereits an der Diskussion im Würmtal beteiligt hatte, erschien 1995 ein erster Artikel "Stadtbahnvisionen" in einem lokalen Mitteilungsblatt [2]. Dieser Artikel enthielt bereits einen Netzvorschlag für ein Teilgebiet westlich und nördlich von München. 1996 forcierte Pro Bahn das Thema und organisierte eine Rundfahrt eines Karlsruher Stadtbahnwagens in München und Oberbayern. Unterstützt wurde diese Präsentation durch ergänzende Positionspapiere [3]. Die Rundfahrt wirkte als Initialzündung für neue Forderungen nach Stadtbahnstrecken im Raum München.
So war es kein Wunder, daß bald danach eine erste Machbarkeitsstudie für eine Stadtbahnstrecke nach Dachau in Auftrag gegeben wurde. Ebenfalls 1996 wurden in einem weiteren Artikel "Stadtbahn für München?" [4] die Potenziale aufgezeigt, die tangentiale Stadtbahnstrecken auch innerhalb der Münchner Stadtgrenzen bieten. Ende 1997 veröffentlichte PRO BAHN eine Gesamtdarstellung möglicher Liniennetzentwicklungen in München und seinem Umland in Form einer Studie [5]. Im gleichen Jahr wurden die Vorschläge von PRO BAHN auf den alljährlich stattfindenden Horber Schienen-Tagen vorgestellt [6].
Im Jahr 1998 wurde das Thema Stadtbahn erstmals Teil des MVV-Jahresberichtes. 1998 wurde auch die Machbarkeitsstudie für die Strecke vom Münchner Norden nach Dachau mit sehr gutem Ergebnis fertig [7].
1999 erschien eine weitere Broschüre von PRO BAHN, in der Perspektiven für den Münchner Nahverkehr entwickelt wurden [8]. Wichtiger Bestandteil dieser Perspektiven ist eine überarbeitete Fassung der Vorschläge für Stadtbahnstrecken in München.
Im Frühjahr 2000 wurde der Vorentwurf des neuen Verkehrsentwicklungsplans für München veröffentlicht, in dem verschiedene positive Aussagen zur Stadtbahn enthalten sind [9]. Im April 2000 wurde dann die zweite Machbarkeitsstudie, diesesmal nordöstlich von München, erfolgreich abgeschlossen [10]. Im Juli 2000 organisierte PRO BAHN eine zweite Demonstrationsfahrt mit einem Saarbrücker Stadtbahnwagen [11]. Auch hierzu wurde wieder verschiedene Papiere und Flugblätter veröffentlicht. Im Herbst 2000 wurde dann eine Machbarkeitsstudie für ein Gesamtsystem in Auftrag gegeben. Die ersten Ergebnisse dieser Studie sind positiv, aber auch etwas uneinheitlich. Bis Herbst 2001 soll die Studie fertiggestellt werden.
Nach der Studie muß dann die konkrete Bauplanung angegangen werden, damit möglichst bald zumindest eine Pilotstrecke realisiert werden kann. PRO BAHN begleitet die laufenden Untersuchungen und entwickelt seine Ideen zum Stadtbahnsystem kontinuierlich weiter. Anfang 2001 erschienen einige Ergänzungsseiten zur Stadtbahnstudie von 1997. Eine aktualisierte Fassung des Konzepts von PRO BAHN und weitere Informationen zur Stadtbahn für München sind im Internet unter http://www.stadtbahn-muenchen.de/ zu finden.
Andreas Barth und Edmund Lauterbach