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II. Entstehung
Verantwortlich für den Bau war Chares von Lindos (um 300 v. Chr.), ein Schüler des berühmten Lysippos (zwischen 370 und 310/300 v. Chr.) [5], des ehemaligen Hofbildhauers Alexanders des Großen. Einer späteren Legende zufolge, welche höchstwahrscheinlich von dem griechischen Philosophen Sextus Empiricus (2. Hälfte des 2. Jh.s n. Chr.) stammt, sollen die Rhodier bei Chares zuerst einen Entwurf und Kostenvoranschlag für eine Statue bestimmter Größe angefordert und für die Arbeitsleistung und das Material einen Festpreis vereinbart haben. Als die Rhodier später eine doppelt so große Statue verlangten, soll Chares in mathematischer Ahnungslosigkeit einfach die veranschlagten Kosten verdoppelt haben, während sie in Wirklichkeit das Achtfache betrugen [6], so dass er durch diesen Auftrag ruiniert wurde und sich deshalb nach Fertigstellung seines Meisterstückes das Leben nahm. [7] Allerdings sollte man diese Geschichte nicht wörtlich nehmen, denn wie Dr. Ursula Vedder mir dazu auf meine Anfrage schrieb ist die erwähnte Textstelle in ihrem Zusammenhang ein Gleichnis dafür, dass im Leben wie in der Kunst die Proportionen (= Zahlen) wichtig sind, welche man nicht einfach blind addieren kann. __________________________
[5] vgl. Simonides Epigramm 58P/165D – Anthologia Graeca XVI, 82 und Strabon "Γεωγράφικα" XIV, 2, 5 [652]
[6] Bei der Verdoppelung der Größe eines Körpers verdoppelt sich nicht nur die Höhe, sondern auch die Breite und die Tiefe, weshalb sich das Volumen verachtfacht.
[7] vgl. Sextus Empiricus "Πρὸς μαθηματικούς" VII, 107f.
[8] vgl. Plinius "Naturalis historiae" XXXIV, 41 © Matthias K. Bothe 2004 |