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III. Bau
Der Bronzeguss besaß auf der Insel Rhodos eine lange Tradition. Deshalb beschloss man, dem Sonnengott eine gewaltige Bronzestatue zu errichten. Das Hauptproblem dabei war, dass Chares kein Vorbild für ein Werk dieser Größe hatte.
Bei kleineren Bronzestatuen war es in Griechenland üblich, ein Modell der Figur aus Wachs mit Lehm zu umhüllen. Nach dem Trocknen der Lehmschicht wurde diese erhitzt, so dass das Wachs im Innern schmolz und aus einer kleinen Öffnung abfließen konnte. Die so erhaltene Hohlform wurde entweder voll mit Bronze ausgegossen oder beim Eingießen der flüssigen Bronze so gedreht, dass eine gleichmäßig dünne Bronzeschicht entstand. Um an die erkaltete Bronzeskulptur zu kommen, musste man den sie umhüllenden Tonmantel zerschlagen, wodurch die Gussform verloren ging. Bei größeren Werken stellte man einzelne Teile her, die später zusammengelötet wurden. Auch beim Koloss sollte man die Anwendung dieser Methode eigentlich erwarten können.
Der einzige Bericht über die technische Errichtung des Kolosses ist unter dem Namen eines Philon von Byzanz (5. Jh. n. Chr.) [9], Verfasser einer kleinen Schrift über die Sieben Weltwunder, überliefert. Demnach baute Chares zuerst ein mit Steinen ausgemauertes Eisengestell als inneren Träger, welches vermutlich mit Lehm ummantelt wurde, was jedoch im Text nicht ausdrücklich erwähnt ist. Die so geschaffene Form hatte nahezu die endgültigen Maße der Statue. Diese war umgeben von Erdrampen, die im gleichen Maße, wie das Werk wuchs, immer höher aufgeschüttet wurden. Auf diesen Rampen wurden Bronzeöfen errichtet, in denen die einzelnen Teile jeweils an Ort und Stelle gegossen wurden, so dass am Ende nicht eine aus einzelnen Platten zusammengesetzte, sondern eine mit einer durchgehenden Bronzehaut umgebene Statue entstand. [10] Der bekannte Philologe Dr. Werner Ekschmitt schreibt dazu jedoch in seinem Buch "Die Sieben Weltwunder": "Dieser Erklärung stehen aber so viele technische Schwierigkeiten entgegen, daß man sie für ganz unwahrscheinlich halten muß." [11] Allein der etwas 35 Meter hohe Berg, der dabei entstanden sein soll, hätte ungeheure Probleme bereitet. Man nimmt deshalb heute eher an, dass der Koloss in einzelnen großen Stücken gegossen und dann zusammengesetzt wurde. [12]
Obwohl es nach momentanem Wissen sehr unwahrscheinlich klingt, wäre das von Philon geschilderte Verfahren im 3. vorchristlichen Jahrhundert technisch grundsätzlich möglich gewesen. Für Dr. Ursula Vedder stößt hier die Betrachtung an ein altes Dilemma der Altertumswissenschaften: "Darf man eine so ausführliche Textquelle einfach als unglaubwürdig erachten, nur weil sie nicht zu unseren immer unvollständigen Befunden passt? Die archäologischen Befunde zur Bronzetechnik sprechen dafür, der eindeutige Beweis fehlt." [13]
Im selben Text berichtet Philon, der Koloss habe soviel Kupfer verschlungen, dass zu seiner Zeit eine allgemeine Verknappung dieses Metalls eingetreten sei. [14] Leider ist es bisher noch nicht gelungen, eindeutig zu klären, wo Philon echte Informationen mit abenteuerlichen Rekonstruktionen vermischt. Mitunter wird gemutmaßt, dass ein späterer Rhetor unter dem Pseudonym des großen Ingenieurs schrieb. [15]
Philon zufolge betrug die verwendete Bronzemasse 500 Talente (etwa 13 Tonnen nach attisch-euboiischem Maß). [16] Auf die ganze Körperoberfläche verteilt würde das eine Wandstärke von schätzungsweise 1 bis 2 Millimetern ergeben haben.
Um die Standsicherheit zu gewährleisten, wurde der Koloss besonders in der Fußpartie mit schweren Steinen [17] gefüllt. Dass im Inneren des Kolosses ein schmaler Raum ausgespart blieb, durch den man über eine bis zum Kopf führende Leiter eventuelle Reparaturen durchführen konnte, ist in keiner antiken Quelle belegt. Wahrscheinlich handelt es sich dabei um eine mittelalterliche Ausgestaltung des Philon-Berichtes, in welchem das Innere der Statue als hohl aufgefasst werden kann.
Die Höhenangaben des Kolosses schwanken zwischen 70 [18] und 80 [19] Ellen (30 – 36 m.). Die ursprüngliche und richtige Angabe war mit aller Wahrscheinlichkeit 70 Ellen. Bernhard Hebert zufolge hat sich in der Überlieferung des Epigramms irgendwann ein Fehler eingeschlichen, weshalb in späteren Zitaten von 80 die Rede ist. Jedoch sollten die verschiedenen Angaben "nicht damit erklärt werden, daß einmal der Koloß mit Basis, einmal ohne Basis gemessen worden sei." [20]
Nach dem Bericht des römischen Schriftstellers Plinius waren die Finger des Kolosses größer als die meisten Statuen und nur wenige sollen in der Lage gewesen sein, seinen Daumen mit beiden Armen zu umspannen. [21]
Die Bauzeit dieses Kolossalwerks betrug mindestens 12 Jahre. [22] Man nimmt an, dass der Koloss von Rhodos in der Zeit von 304 bis 292 vor Christus errichtet wurde. [23]
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[9] nicht identisch mit dem berühmten Ingenieur gleichen Namens aus dem 3. Jahrhundert v. Chr.
[10] vgl. Philon von Byzanz "περὶ τῶν ἑπτὰ θεαμάτων" IV 2 – 5
[11] Werner Ekschmitt – "Die Sieben Weltwunder" – Mainz am Rhein 1984 – S. 176
[12] vgl. Ursula Vedder – "Der Koloss von Rhodos – Mythos und Wirklichkeit eines Weltwunders" in "Nürnberger Blätter zur Archäologie" Heft 16, Jahrgang 1999/2000 – S. 36
[13] Vedder – S. 37
[14] vgl. Philon von Byzanz "περὶ τῶν ἑπτὰ θεαμάτων" IV 1
[15] vgl. Kai Brodersen – "Die Sieben Weltwunder: legendäre Kunst- und Bauwerke der Antike" – München 1996 – S. 20
[16] vgl. Philon von Byzanz "περὶ τῶν ἑπτὰ θεαμάτων" IV 6
[17] vgl. Philon von Byzanz "perì tõn heptà theamáton" IV 5 und Plinius "Naturalis historiae" XXXIV, 41
[18] vgl. Plinius "Naturalis historiae" XXXIV, 41 und Strabon "Γεωγράφικα" XIV, 2, 5 [652]
[19] vgl. Simonides Epigramm 58P/165D – Anthologia Graeca XVI, 82
[20] Bernhard Hebert – "Schriftquellen zur hellenistischen Kunst – Plastik, Malerei und Kunsthandwerk der Griechen vom vierten bis zum zweiten Jahrhundert", "Grazer Beiträge", Supplementband IV – Horn - Graz 1989 – S. 18
[21] vgl. Plinius "Naturalis historiae" XXXIV, 41
[22] vgl. Ursula Vedder – "Der Koloss von Rhodos als Wächter über dem Hafeneingang – Einleitung" in "Die Sieben Weltwunder der Antike – Wege der Wiedergewinnung aus sechs Jahrhunderten", Ausstellung des Winckelmann-Museums Stendal 2003 – Mainz 2003 – S. 132
[23] vgl. Ekschmitt – S. 176
© Matthias K. Bothe 2004
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